PERNSTEIN
I.
Der Ursprung der späteren Herren von P. ist – ebenso wie bei der Mehrzahl alter Adelsgeschlechter – nicht klar. Seine Wurzeln suchte man – auf Grund jüngerer Analogien und historischer Konstruktionen – einmal in Polen, einmal sogar in Ungarn. Die P.er selbst – aufgrund einer in diesem Fall bes. ausgeprägten Tradition – bekannten sich zum einheimischen mähr. Ursprung. Die Geschichte von einem Köhler als Ahnherrn des Geschlechts, der durch seinen Scharfsinn einen wilden Auer überlistete und seiner Tapferkeit wg. – nebst Besitzungen – in sein Wappen den Kopf dieses Tieres mit einer durch dessen Nüstern durchzogenen Weide erhielt, gehört zu Mährens schönsten und verbreitetsten Sagen. Mit Recht waren mehrere Generationen des Adelsgeschlechtes »vom Auerkopfe« stolz darauf; zu ewiger Errinnerung ließen sie die Sage in steinernen Reliefs festhalten. Die meisten davon stammen zwar erst aus der Jagiellonenzeit, das älteste – in der Burg P. – dürfte bereits zu Beginn des 14. Jh.s entstanden sein, also zu einer Zeit, aus der ergiebigere schriftliche Quellen nur wenig vorliegen, aber die Herren vom Auerkopfe treten aus dem Dunkel der Geschichte schon im 13. Jh. als eines der ersten Adelsgeschlechter Mährens hervor. Die ersten bekannten Träger des Auerwappens waren Etlejs Sohn namens Jimram, Verwalter der Burg zu Znaim, und Hotarts Sohn Stephan von Medlov.
Vom Ende des 13. Jh.s an sind in schriftlichen Quellen weitere Träger des Auerwappens belegt, deren wechselseitige Verwandtschaft imfür das 13. und 14. Jh. aber nicht mehr nachgewiesen werden kann. Sie bedienten sich verschiedener Prädikate, je nachdem, auf welcher mähr. Burg oder Veste der eine oder andere Familienzweig seinen Sitz hatte. Sie bezeichneten sich als die von Medlov, von Jakubov, von Kámen, von Zubstein, von Auersperk, aber auch vor dem Ende des 13. Jh.s am häufigsten von P.
II./III./IV.
Unumstritten gehörten die P.er schon damals zu Mährens bedeutendstem Adel, und dann und wann erschienen sie an der Spitze der Landgemeinde (Filip von P. als mähr. Landeshauptmann am Anfang des 14. Jh.s). Erst am Anfang des 15. Jh.s wurde die Sippe nur auf einen einzigen (P.er) Familienzweig reduziert, und erst von dieser Zeit an sind wir in der Lage, ihre gegenseitige Verwandschaft näher zu bestimmen. Der Urahn aller späteren P.er des 15.-17. Jh.s war Vilém (gest. um 1422), viell. Beschützer einer Straßenräuberbande, welche mit ihrem Anteil an Beute die in den Kellern der Burg P. befindlichen Truhen füllte. Auch er stellte sich an die Spitze des mähr. Adels, viell. auch dank seiner rechtzeitigen und vorteilhaften Zuneigung zu der einen oder anderen Partei in den Machtkämpfen unter Kg., Ks. und Mährens Ständen in der Umbruchzeit des 14. und 15. Jh.s.
Die Kraft des Schwertes und die Anzahl von Knappen im Sattel waren Zeitargumente, welche Vilém vorteilhaft auszunutzen wußte. Es dauerte nicht lange, bis die ehem. Straßenräuberbande in der Burg P. von Kampfverbänden ersetzt wurde, welche, von Viléms Söhnen geführt, unter dem Wahrzeichen des Kelches kämpften. Durch ihre Tapferkeit verdienten die jungen P.er Ruhm, aber auch Kriegen zollten sie ihren Tribut. Die unruhigen Jahre der sich hinziehenden Kämpfe überlebte endlich nur einer von ihnen, Jan. Jan von P. verband sein Schiksal mit dem verwandten Geschlecht der Herren von Kunštát und wurde in Mähren zu einer der wichtigsten Stützen des zukünftigen Kg.s Georg. Mit dessen Unterstützung baute er im Bereich der Geburtsburg eine sich stets vergrößernde Domäne aus. Obzwar Jan ein typisches Beispiel eines Kriegers der ersten Hälfte des 15. Jh.s war, verließ er sich offensichtlich nicht nur auf Beute; während seiner Ära kann man Versuche einer systematischen Förderung der durch den Krieg zerrütteten Domänen und eine Steigerung ihrer Rentablität, bes. auch die Anfänge der später berühmt gewordenen Teichwirtschaftsprojekte, verfolgen.
Jans Söhne entwuchsen ihren Kinderschuhen nach und nach gerade in der Zeit zunehmender kriegerischer Konflikte in der Podiebrader Ära, und es kann nicht verwundern, daß sie sich an die Seite ihres Vaters im Heer des böhm. Kg.s stellten. Dieser Dienst war allerdings nicht unentgeltlich, denn Kg. Georg von Podiebrad wußte nur allzu gut, die Treue seiner Anhänger zu belohnen. Aber die Zeiten änderten sich und die Familiensage setzte sich in einer Episode fort, die eines Abenteuerromans würdig ist. Die Freiheit des ältesten, in einem der zahlr. Kämpfe gefangengenommenen und mehrere Jahre von Anhängern des Kg.s Mathias arrestierten ältesten Bruders, Zikmund, war durch den Übertritt jüngerer Brüder und deren p.ischen Heeres in die Dienste des Ungarnkg.s erkauft. Die größte Anpassung an die neue Situation bewies der zweitälteste von Jans Söhnen, Vilém. Die zukünftige Karriere im Dienste eines Kg.s, der sich verpflichtete, die böhm. Ketzerei zu verfolgen, war selbstverständlich mit seiner Konversion verbunden. So wurde Vilém von P. zum Katholiken, aber zu einem recht toleranten, so daß der Historiker sich nicht des Eindruckes erwehren kann, daß die Glaubenslehrern und die Zerwürfnisse der Zeit ihm im Großen und Ganzen wohl gleichgültig blieben. Schließlich nahm er eine Angehörige der damals formell verbotenen Brüdergemeinde zur Gemahlin (und erheiratete dabei 15 000 Dukaten). Überhaupt war er ein weiser Mann, obzwar angenommen werden muß, daß wir Viléms Ansichten über Fragen der Moral, Religion, Nationalität, staatsrechtliche Ordnung oder des Regierungssysstems in einer Ständemonarchie in ihrer Gesamtheit erst aus der Zeit seines fortgeschrittenen Alters kennen, also aus der Zeit, in der er die Welt mit dem Blick eines Greises betrachtete, der in seiner Zeit den höchstmöglichen Machtgipfel erreicht hatte und der hinsichtlich seines Vermögens in den böhm. Ländern kaum seinesgleichen fand.
Als solchen skizzierte ihn auch der Begründer der modernen böhm. Historiographie, Frantisek Palacký, in der ersten Hälfte des vorigen Jh.s in seinem Werk »Geschichte der böhmischen Nation in Böhmen und Mahren«, wo er ihn, was die historische Bedeutung anbelangt, mit Ks. Karls IV. Persönlichkeit vergleicht. Auf welchen Wegen aber Vilém von P. in seiner Jugend sein Ziel verfolgte, ist schon mit dem Schleier der Vergessenheit begedeckt. Wir wissen, daß Vilém von P. als einer der ersten unter den böhm. und mähr. Magnaten auf die neue gesellschaftliche Situation zu reagieren imstande war, die die beginnende Neuzeit mit sich brachte. Der von ihm in seiner Jugend eingeschlagene Weg eines Ritters und Kriegers vermochte zwar weiterhin Ruhm, nicht aber Macht und Reichtum zu bringen. Hand in Hand mit der langfristigen Beruhigung der Kriegszustände in den böhm. Länder beginnt am Ende des 15. Jh.s allmählich die Ära adeliger Unternehmer und Bankiers. Die in den Kellern der Burg P. aufgestellten Truhen waren nicht mehr – wie früher – nur Zufluchtsort von Nagetieren, im Gegenteil, Vilém galt als einer der wenigen damaligen Feudalherren, welche nicht nur über eine bedeutende Barschaft verfügten, sondern er wußte diese (und das ist wesentlich) auch zweckmäßig zu verwenden. Von den 80er Jahren des 15. Jh.s an begann er mit Hilfe von Finanzspekulationen und auf Grund zweckdienlicher Käufe systematisch, sein unbewegliches Vermögen zu vergrößern. Er nutzte insbes. die Tatsache, daß es der Kg. war, der immer am meisten Geld brauchte und daher bereit war, Viléms Dukaten und Groschen in bar gegen Verpfändungen von einst kirchlichem und kgl. Eigentum verhältnismäßig billig umzutauschen.
Über sich selbst behauptete Vilém später, daß er mit seinem Geld dem böhm. Kg. Vladislav sogar zu Ungarns Krone verhalf. Viell. ist daran etwas Wahres, denn gerade in dieser Zeit (1490/1491) – dank der Entlohnung in Form kgl. Verpfändungen – legte er den Grundstein des Familienvermögens in Süd- und Ostböhmen (Hluboká, Kunětická Hora). Auf Jahrzehnte hinaus erwarb er für das p.ische Geschlecht auch die – damals am höchst bezahlte – Würde eines Obersthofmeisters des Kgr.es Böhmen. Nach dem Jahre 1490 verschoben sich Viléms Aktivitäten nach Böhmen, wo er richtig größere sowohl politische als auch wirtschaftliche Möglichkeiten vermutete. Hier begann er, einen neuen Familiensitz in Pardubice zu bauen.
Ausgedehnte und kommassierte Domänen dienten ihm dazu, eine neue Wirtschaftspolitik zu praktizieren, welche dann zum Ausgangspunkt des späteren Systems eines Regie-Großgrundbesitzes wurde. Großzügige Teichwirtschaftsprojekte, allseitige Unterstützung von Gewerbe und Markt innerhalb des Netzes untertäniger Städte und Marktflecken als auch andere, für den Adel der Zeit unübliche Aktivitäten (Weinhandel und Warengeschäft) brachten einen viel größeren Gewinn als die alte Feudalrente. Der in die Hände des alten P.s fließende Geldstrom zerschmolz nicht in höfischen Unterhaltungen und im Luxus, sondern er investierte das Geld systematisch stets aufs Neue, insbes. in den Ankauf weiterer Immobilien. Das Vermögen vermehrte sich noch nach dem Tode des letzten Bruders Vratislav (gest. 1496), des einstigen Landeshauptmannes von Mähren, welcher einen Teil der Erbschaft des augestorbenen mähr. Geschlechtes der Herren von → Kravař erbte. Zu den bedeutendsten Repräsentanten der P.er gilt Vilém aber nicht deshalb, weil er ein großes Vermögen auf welche Weise auch immer zusammenbrachte, sondern (und das gilt meines Erachtens für jede Zeit) weil er seine angesammelte Macht auszunutzen wußte. Es muß ihm zugestanden werden, daß es eben seine politische Weitsicht war, die nicht nur der Beruhigung innerer, mit Ausbruch eines neuen Bürgerkrieges drohender Konflikte (1517) diente, sondern auch zum Zusammenhalt der böhm. Krone beitrug. Mit Recht kann er als derjenige Mann gesehen werden, der zum Verteidiger der böhm. Staatlichkeit in einer Zeit staatsrechtlicher Zerwürfnisse wurde, welche die Verwirrungen und den stufenmäßigen Zerfall der Krone Böhmens im Verlauf des 16. Jh.s begleitete.
Bis zu Viléms Tod (gest. 1521) schien es, als ob seine beiden Söhne in des Vaters Schatten ständen, obzwar es bereits 1507 zur grundsätzlichen Einigung über die zukünftige Teilung von Vermögen und Ämtern kam. Der ältere Jan behielt das Familienvermögen in Mähren und das Amt und die Würde eines mähr. Landeshauptmannes, der jüngere Vojtěch böhm. Domänen und das ihm vom Vater i.J. 1514 abgetretene Amt eines Obersthofmeisters.
Vom Vater erbten sie nicht nur Vermögen und Würden, sondern auch die religiöse Toleranz; ihre demonstrative Konversion zum Glauben »unter beiderlei Gestalt« kurz nach Viléms Tode war allerdings eine politische Entscheidung.
Obzwar der jüngere Vojtěch i.J. 1526 theoretisch als einer der möglichen Kandidaten für den böhm Kg.sthron gehandelt wurde, bleibt hinter seiner Persöhlichkeit ein Fragezeichen und dies öffnet das Tor für manch mehr oder weniger glaubwürdige Fabulierung. Er dürfte in seiner Jugend von der Renaissance bezaubert gewesen sein. Umfangr. Fresken, in ihrer Art die ersten in Böhmen, mit biblischen und erotischen Motiven und verzierte Kassettenzimmerdecken, mit welchen er seinen Pardubitzer Sitz ausschmücken ließ, belegen seinen erlesenen Geschmack. Das Schicksal gönnte ihm aber nicht viel Zeit. Als er 1534 als Vater von nur zwei Töchtern starb, erbte das – von Vojtěch noch vermehrte Immobilienvermögen – der ältere Bruder Jan. Mit Jan von P.s Persönlichkeit wird v.a. der Kampf der böhm. Stände gegen die fortschreitenden Zentralisationsbestrebungen Kg. Ferdinands I. im zweiten Viertel des 16. Jh.s in Verbindung gebracht. Bald nachdem dieser den böhm Thron bestiegen hatte, kam es mit Jan von P. zum Zusammenstoß in der Frage der Kompetenzen eines mähr. Landeshauptmannes.
Ferdinands Mitrauen und seine Verdächtigungen begleiteten Jan bis zu seinem Tode, obzwar seine politische oppositionelle Tätigkeit 1543 ihren Gipfel und gleichzeitg ihr Ende fand, und zwar beim erfolglosen Versuch, Böhmens nichtkatholische Bevölkerung in einer selbständigen Kirche zu vereinigen. Die letzten fünf Lebensjahre Jans verliefen im Bestreben, dem Herscher äußere Loylitat zu bewahren, eine Einstellung, die auch den Verlauf des Ständeaufstandes 1547 maßgeblich beeinflußte. Diese opportunistische Haltung des einstigen Oppositionsführers an seinem Lebensabend hatte auch finanzielle Probleme als Ursache. Der Grund hierfür war, daß Jan von P. für den Renaissanceumbau und die Austattung seiner Res.en und seiner untertänigen Städte und für die Repräsentation erhebliche Mittel aufwendete, es scheint aber doch, daß er seinen Geldbeutel nicht mehr als sein Vater und sein Bruder öffnete. Auch er – nach beider Muster – versuchte, durch erworbene Mittel den Grundpfeiler der Familienmacht – Immobilien – zu vergrößern. Hierbei überstieg das Maß eine erträgliche Grenze, wiewohl nicht nur durch Jans Verschulden. Ferdinand I. pflegte Jan von P. beträchtliche Summen zu schulden, größtenteils für die von P. verdingten und bezahlten Heeresgruppen (außerhalb der Landesbereitschaft) oder für näher nicht bestimmbare Summen in bar. Zum Unterschied zu den Jagiellonen, die sich ihrer Schulden gegenüber Vilém von P. durch Verpfändung immer neuer Domänen entledigten, wählte Ferdinand I. eine gegensätzliche Prozedur. Zu den bereits verpfändeten Domänen addierte er neue Summen und erhöhte dadurch zwar den verpfändeten Betrag, bei gleichzeitiger Geldentwertung glich er die Höhe der Pfandsumme aber bis zum Verkaufspreis zu Ungunsten P.s aus.
Jan versuchte, diese Praxis i.J. 1537 zu stoppen. Damals nahm er von Ferdinand gegen einen großen Geldbetrag die Gft. von Kladsko (Glatz) als Pfand an; der auf diese Gft. sich beziehende Vertrag schloß eine weitere Erhöhung von Pfandbeträgen auf P.s andere Domänen aus. Um Glatz zu erwerben, mußte Jan selbst Anleihen aufnehmen, und zwar zu kleineren Beträgen und hoher Verzinsung. Des äußeren Effektes unbeachtet (der Gf.entitel mit dem Recht, eigene Münzen zu prägen) verursachte diese Finanzoperation der p.ischen Finanzkammer nur schwer lösbare Probleme, so daß Jan sich gezwungen sah, seine Domänen schnell zu verkaufen. Auch auf die Gft. Glatz hätte er gern verzichtet, doch der Tod ist ihm zuvorgekommen. Obwohl Jan fast 70 Jahre alt wurde, stand die Generation seiner Söhne erst an der Schwelle zur Mündigkeit, denn seinen ersten Sohn hatte er erst im reifen Alter von 41 Jahren bekommen.
Im Einklang mit seinen politischen Kontakten suchte er für seine Söhne Bräute in der Familie des brandenburgischen Kfs.en, doch alte Streitigkeiten um Geld vereitelten die Brautwerbung. Nach dem Jahr 1543 unterwarf sich Jan des Kg.s Drängen und befreundete sich mit der Tatsache, daß seine Söhne des Herrschers Höflinge werden sollten. Als erster verließ der mittlere Vratislav die Familie. Von seinem dreizehnten Lebensjahr an verweilte er am Habsburgerhof. Er wurde zum treuen Genossen des späteren Ks.s, Ehzg. Maxmilians, mit dem er weite Teile Europas bereiste. Die Spesen des Aufenthaltes am Hof und insbes. die Aufwendungen für Auslandreisen beider älterer Brüder schöpften immer neue und neue Beträge ab. Es war kein Wunder, denn ehrgeizige, von der Jugend an Luxus gewohnte Jünglinge hielten es für ihre Pflicht, bei Hof Ruhm und Glanz ihrer Familie vorzuführen. Es war eigtl. ganz einfach, denn es genügte ein Schreiben, damit die eigenen Beamten die beneötigten Gulden auftreiben, woher auch immer sie diese Gelder nahmen. In dem also p.ische Beamte schockweise Anleihen aufnahmen, verschenkten die Herschaften am Hof luxuriöse Präsente, so z. B. Vratislavs prunkhafter Degen mit emailliert ausgeschmücktem Handgriff aus reinem Gold, offensichtlich eine Hochzeitsgabe für Ehzg. Maxmilian. Die Begleichung alter Schulden durch neue Kredite kurbelte die Spirale an, die zu stoppen auch ein erfahrener Ökonom nicht leisten konnte. An erster Stelle stehende kgl. Höflinge konnten nicht offenbaren, daß es zum Nehmen fast überhaupt nichts mehr gab.
Indem Vratislav mit Ehzg. Maximilian Europa bereiste, wurde das Geschlecht durch den ältesten Jaroslav repräsentiert, von Anfang an mit wenig Glück. Manch ehem. p.ische Anhänger wurden durch die politisch motivierte Affäre rund um die Heirat von Jaroslavs Schwester Katharine (1550) aufgeregt, einige Jahre später trat Jaroslav ganz offen als ein höriges Mitglied des eine Minorität repräsentierenden regierungstreuen Flügels des böhm. und mähr. Adels auf. Der einheimische konservative Adel verfolgte Jans Hofkarriere und seine Orientierung auf die österr. und ungarischen Herrschaften mit unverhohlenem Mißtrauen, insbes. als er das ererbte Vermögen immer weitere verschuldete. Wen interessierte damals, mit Ausnahme einiger Gelehrter, die kulturellen und humanistischen Vorlieben eines jungen Adligen? Nach seinem letzten Paradestückchen, als er von Gläubigern gedrängt in das geliebte Italien durchbrannte, konnte er selbst von einigen Freunden kaum eine hilfreiche Hand erwarten. Der Bruder Vratislav war in der Lage, den Kg. dazu zu bewegen, des Bruders Vermögen zu Ehzg. Maxmilians Händen zu übernehmen und die Schulden gleichzeitig zu tilgen. Wenn er auch den kurz darauf verstorbenen Bruder kaum des Rufes eines Schlemmers und Bankrottiers entledigen konnte, so ging die Familie aus dieser Krise doch würdig hervor und Pardubitz fiel nicht die Hände der Wucherer.
Ein Jahr nach Jaroslavs Tode verstarb auch der jüngste Vojtěch. Auch sein Lebensweg war interessant, insbes. dadurch, daß er einen anderen Weg als seine beiden älteren Brüder einschlug, und nach einem kurzen Aufenthalt bei Ehzg. Ferdinand dessen Hof verließ. Als jünstem (erhaltenen Quellen nach auch ein wenig verhätscheltem) Sohn fiel es ihm schwer, daß er als Mitglied eines glorreichen Geschlechtes irgendjemandem dienen sollte, sei es auch dem Ehzg. Mit gewissem Unwillen verabfolgte er immer größere Summen, die die Repräsentation der beiden älteren Brüder verschlang. Viell. auch deswegen trennte er sich sowohl wirtschaftlich als auch ideologisch von Jaroslav und Vratislav, die noch einige Jahre in geschwisterlicher Vermögensgemeinschaft verblieben. Indem Jaroslav und Vratislav zum Katholizismus übertraten, wurde Vojtěch Träger der väterlichen Reformationstradition. Nicht nur, daß er zur Gemahlin eine Frau aus einer verfolgten Familie nahm, welche der Brüdergemeinde angehörte, sondern er versuchte auch, die Etablierung einer protestantischen Kirche mit Sitz in Prostějov (Prossnitz). Als er 1561 verstarb, fielen seine mähr. Domänen im Einklang mit alten Familienvereinbarungen an den letzten der Brüder, Vratislav.
Vratislav von P. kehrte nach Mähren zurück, verh. mit der span. Adligen Marie Manrique de Lara, und wurde in seinem neuen Glauben durch die Verleihung des Ordens vom Goldenen Vlies (1561) bestärkt, die höchste Auszeichnung, die der span. Kg. für Verdienste um die Verbreitung des katholischen Glaubens erteilte, eine Auszeichnung, die nicht einmal alle katholischen Kg.e besaßen. Vratislav von P. wurde bereits mit 26 Jahren in den Orden aufgenommen, viell. auch als Option auf die Zukunft, eine Verpflichtung, der er in vollem Maße nachkam. Nachdem nach Ferdinand (gest. 1564) Maxmilian II. den ksl. Thron bestieg, hatte sein einstiger Jugendgenosse einen geebneten Weg. Vom Jahr 1566 an bis zu seinem Tode (1582) verharrte Vratislav von P. in Amt und Würden des obersten Kanzlers des Kgr.s Böhmen und wurde zu einer Hauptstütze der katholischen Kirche in Böhmen in der Zeit vor dem Weißen Berg. Zum gesellschaftlichen Begriff wurde der »P.sche Salon« in dessen Haus auf der Prager Burg, wo sich – lange noch nach Vratislavs Tode – die Vertreter des katholischen »spanischen« Lagers zu politischen Gesprächen inmitten der böhm. Gesellschaft versammelten. Durch Vermittlung der p.ischen Familie gelangte das berühmte »Prager Kristkindlein« nach Böhmen. Vratislav verstarb zu früh, um den Stab der Macht und das Vermögen an die nächste Generation weiterzureichen. Sein Sohn Jan, dessen Aufgabe es war, die Familie zu neuer Blüte zu bringen, war durch Schulden so überlastet, daß er begann, ererbte Domänen rasch zu veräußern, die Familienburg zu P. inbegriffen. Des vorletzten P.ers finanzielle Probleme wurden durch die Notwendigkeit vergrößert, zahlr. Schwestern eine passende Mitgift zu zahlen.
Von diesen Schwestern tat sich insbes. Polyxena hervor, verh. nacheinander mit Vilém von → Rosenberg und Zdenłk von → Lobkowicz, welche zu Beginn des 17. Jh.s in gewissem Maße zur Trägerin des Familienvermächtnisses wurde. Auch Jan gelang es, einen dem Geist der Zeit entspr. Ausweg zu finden. In Europa deutete alles auf einen großen kriegerischen Zusammenstoß und die Zukunft gehörte daher den Feldherren. Von seiner Jugend an sammelte Jan von P. Erfahrungen auf Hollands und Italiens Schlachtfeldern und schon bald nach seinem 30. Lebensjahre begann eine steile milit. Karriere. Bes. Anerkennung erwarb er sich wg. seiner technischen und organisatorischen Fähigkeiten im Bereich der Ingenieurstechnik und der Artillerie. Die Artillerie wurde ihm aber auch zum Schicksal, als ihm bei der Belagerung der Festung Raab (Györ) i.J. 1593 eine Kugel aus einer türkischen Kanone den Kopf mit rechter Schulter und Arm abriß. In Litomyšl verblieb nach ihm nur ein Sohn und eine Tochter.
Vratislav Eusebius von P., letzter Sproß eines einst berühmten und mächtigen Geschlechtes, von Jugend an von der Großmutter Marie de Lara und der Tante Polyxena erzogen, besaß die besten Voraussetzungen für eine höfische und milit. Karriere. In den unruhigen Jahren vor Kriegsausbruch boten ihm sowohl seine Angehörigkeit zu einer orthodox-katholischen Familie als auch die Unterstützung seiner Onkel (insbes. die des Fs.en → Lobkowitz) viele Möglichkeiten. Aller Schulden ungeachtet, die durch die Unterstützung des habsburgischen Hofes geregelt wurden, erbte der junge P. immer noch ein ansehnliches Vermögen; seine Domäne in Litomyšl gehörte immer noch zu den größten in Böhmen. Nach des Vaters Vorbild wählte er die Laufbahn eines Feldherrn. Konform mit des Vaters Schicksal als Offizier der ksl. Armee kam er in einem bedeutungslosen Scharmützel des Dreißigjährigen Krieges um, mit dem Unterschied, daß er keine Nachkommen hinterließ, so daß durch Vratislav Eusebius Tod das Geschlecht i.J. 1631 in der Schwertlinie erlosch. Die letzte Angehörige des Geschlechtes, Vratislavs Schwester Frebonie, beendete ihr Leben in Litomyšl, nach ihrem Tod ging das Eigentum auf die Nachkommen der Tante Polyxenas von P., die Fs.en von → Lobkowicz, über. In ein Feld ihres komplizierten Wappens nahmen sie deshalb auch den P.schen Auer auf.
Literatur
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