PAPPENHEIM
I.
Die Ersterwähnung des Ortes i.J. 802 als Papinheim im Sualafeldgau gab noch keinen Aufschluß über die Funktion des heutigen Burgareals. Zwar wurde am 12. Nov. 802 die Weihe der Galluskirche – das namengebende Kl. St. Gallen ist Grundherr – im Ort vollzogen, doch stand diese älteste Pfarrkirche außerhalb des ma. Mauerrings. Sie diente zwar bis zur Reformationszeit als P.er Hauptkirche, doch lag sie nördlich des markanten Altmühlknies zum Burgberg abseits. Ihre Bausubstanz weist bis zum 9. Jh. zurück. Keinesfalls gesichert ist die in der Ortsliteratur wiederholte Aussage, die Kapelle sei an der Stelle eines älteren karolingischen Kg.shofes errichtet worden.
II.
Am P.er Burgberg selbst, der in älteren Ortsbeschreibungen als Stein bzw. als alte Bürg bezeichnet wurde, konnten die frühesten, noch erhaltenen Bauabschnitte nicht vor der Zerstörung i.J. 1028 dat. werden. Dort ist aber auf einem markanten, 80 m über das Altmühltal ragenden Bergsporn der zweite Siedlungskern zu suchen. Er liegt südlich der Galluskirche. Eine dort zu Beginn des 11. Jh.s gebaute erste Wehranlage wurde allerdings während einer Fehde Hzg.s Ernst II. von Schwaben mit Kg. Konrad II. vollkommen zerstört. Sie wurde danach als Burgsitz der Marschälle von P. neu errichtet. Im ersten P.er Urbar der Jahre 1214-1219 findet sich auch die Beschreibung dieser schon damals weitläufigen Burganlage, die während des 12./13. Jh.s mit Burgfried (thurn), Burgkapelle – sie ist nicht identisch mit der 1028 zerstörten älteren Blasiuskapelle und wurde zwischen 1171 und 1182 geweiht –, Palas, Torbau und zugehöriger Ringmauer nach und nach ausgestattet wurde. Die Vorburg und das starke Zwingersystem mit den beiden Pulvertürmen und einer zur Nordseite vorgeschobenen Bastion (sog. Affenstein) sind zuletzt in spätma. und frühneuzeitlichen Bauabschnitten hinzugekommen. Bei einer der ausführlich dokumentierten Erb- und Güterteilungen beschrieb man für das Jahr 1373 den Zustand der P.er Veste wie folgt: Wir zween Conradt vvnd Haupt, diu marschalckh sollen haben vnnd besitzen den theil der innern Vest zu Bappenheim, das hauß vnnd gemach ob dem thurn vnnd dies. seiten von dem thurn bis hinhinder, dazu das vndter gewelb, die mühl, die hohen Lauben mit der steinkhammer vnnd was vnden und oben ist an ders. seitten; ob erst vnd vnder erdt, biß an den weinkeller, außgenommen der Capell, der Trosskammer, der kuchen, der schmidten, der Pfystereien, des Thurns, der Vorpurg, der innern vnnd der äußern thor vnd einfahrt vnd auch den prunnen, das alles außgenommen ist. Vnnd es alles gemein miteinander haben vnnd nießen sollen, wyr vnnd vnser Erben. So sollen vnns Heinrichen vnnd Wilhelmen werden vnd bleiben: der annder thail der Vest; das Hauß vnd gemach von dem Thurn biß an den Gibel, der da scheidet Cumpostkammer vnd den weinkeller ob erdt vnd vnder erdt, besucht vnnd vnbeesucht; vnnd die Pfisterey, die soll gemain sein (Kraft, Burg P., S. 15).
Die wesentlichen und urkundlich gesicherten Baustufen der P.er Burganlage lassen sich nach Wilhelm Kraft für das MA in die Jahre um 1030, 1140, 1175, 1231, 1280, 1349 und 1497 datieren. Die ma. Burg und ältere Res. war mit der gleichnamigen Siedlung am Fuße des Burgbergs, der Ks. Rudolf 1288 die Stadtrechte verlieh, über ein Festungssystem und einen Kanonengang verbunden. Geschütztürme sicherten zudem seit dem 15. Jh. den Zugang zur Burg von der weniger abschüssigen Burgseite hin zur Stadt.
Die neuen Ansprüche an Adelsres.en in der Renaissance führten auch in P. zu Veränderungen. Ein im frühen 16. Jh. errichtetes Stadthaus wurde bis 1608 zur neuen gfl. Res. ausgebaut. Die alte Burg verkam zur Ruine. Die über zwei ältere Südflügel (15./16. Jh.) und den Hauptbau zu sechs Fensterachsen sich zur Straßen- und Parkseite breit formierende dreigeschossige Schloßanlage – seit dem 19. Jh. dann Altes Schloß gen. – war zunächst in die Stadtmauer integriert. Diese Schutzfunktion wurde erst nach barocken Um- und Neubauten aufgegeben. Mit dem Umzug der Dynastie verlagerte sich das politische Gewicht von der ma. Burg in die Stadt. Sie wurde zudem mit weiteren Wohn- und Amtshäusern für die verschiedenen P.er Erblinien bereichert. Es entstand eine residenzenbezogene Infrastruktur. 1595 begann man mit dem Bau des Kanzleigebäudes, dem heutigen Rathaus. 1672 folgte gegenüber dem Schloß die Stadtvogtei. Und die seit der Reformation (1539/1540) lutherische und neben dem Schloß gelegene neue Pfarrkirche – sie war aus der spätgotischen Kapelle Beatae Mariae Virginis entstanden – wurde neben der früh säkularisierten (1550) Kl.kirche Hl. Geist der Augustinereremiten zur zweiten repräsentativen gfl. Grablege. 1680 baute man dort für die gfl. Patronatsherrschaft eine wirkmächtige Loge. Seit dem 18. Jh. diente ferner der Familie die 1372 durch Heinrich von P. gegr. Kl.kirche der Augustinereremiten als Gruftkirche. Zahlr. Bürger- und Judenhäuser folgten. 1727 errichtete man auch eine Schloßapotheke.
III.
Völlig ungewöhnlich für eine mediatisierte Gft. ließ Gf. Carl (Friedrich) Theodor von P. 1819/1820 nach Plänen des renommierten, kgl.-bayerischen Oberbauintendanten Leopold von Klenze (1784-1864) vor Ort ein weiteres Schloß errichten: das klassizistische Neue Schloß. Die Bauleitung hatte man dem gfl. Domänenrat und P.er Bauinspektor Metzger übertragen, der sich als Klenze-Schüler einen Namen machte. Die nach S zur Stadt gerichtete Fassade mit ihren 15 Fensterachsen und einem stark vorspringendem Mittelpavillon – Vorbilder toskanisch-ital. Renaissancearchitektur sind erkennbar –, ziert ein überdimensioniertes gfl. Wappen an der Giebelfront. Insgesamt entsprachen die Baudimensionen als Folge von Finanznöten und kleinstädtischem Ensembleschutz nicht dem klassischen Größenzuschnitt.
Quellen
Nürnberg, Staatsarchiv, Rep. 211 d/1 (Herrschaft Pappenheim): Urkunden, Rep. 211 d/2: Akten, Rep. 211 d/3: Akten.
Literatur
Estel, Alexander: Der fränkische Adel an der Zeitenwende. Die Grafschaft Pappenheim 1750-1850, Magisterarbeit, Erlangen 2007. – Kraft, Wilhelm: Die Burg Pappenheim, Pappenheim 1924. – Kraft, Wilhelm: Das Urbar der Reichsmarschälle von Pappenheim, München 1929 (Schriftenreihe der Bayerischen Landesgeschichte, 3), ND Aalen 1974. – Pappenheim, Haupt Gf. zu: Die frühen Pappenheimer Marschälle vom XII. bis zum XVI. Jahrhundert, Tl. 1, Bd. 1: Regesten, Bd. 2: Versuch einer Geschichte der frühen Pappenheimer Marschälle, Würzburg 1927, Tl. 2: Hausgeschichte vom XV. bis zum XVIII. Jahrhundert, München 1951. – Pappenheim, Haupt Gf. zu: Geschichte des gräflichen Hauses zu Pappenheim 1739-1839, München 1940. – Patzelt, Edwin: Die Marschälle von Pappenheim zu Treuchtlingen, Treuchtlingen 1982. – Riesner, Jens: Die topographische Entwicklung der Stadt Pappenheim im theoretischen und praktischen Vergleich, Magisterarbeit, Erlangen 2007. – Schwakkenhofer, Hans: Die Reichserbmarschälle, Grafen und Herren von und zu Pappenheim. Zur Geschichte eines Reichsministerialengeschlechtes, Treuchtlingen 2002. – Stadler, Barbara: Pappenheim und die Zeit des Dreißigjährigen Krieges, Winterthur 1991.