OSTERWITZ
I.
Der Name O., erstmals als Astaruuiza erwähnt, leitet sich vermutlich vom slaw. Ostrovica ab, was soviel bedeutet wie scharfer Berg. Es handelt sich hierbei um einen steil aufragenden, frei stehenden und rund 150 m hohen Kalkfelsen ca. 7 km östlich von St. Veit an der Glan in Kärnten. Der Felsen wurde in einer Schenkung Ludwigs des Deutschen vom 20. Nov. 860 gemeinsam mit weiterem bedeutendem Besitz in Karantanien an die Salzburger Kirche übertragen. Erstmals tritt um 1106 ein Ceizolf de Osterwiza in Zusammenhang mit einer Schenkung an das eben gegr. Kl. St. Paul in Kärnten auf, 1121 folgt ein Goteboldus de Ozteuuize, ohne daß ein verwandtschaftlicher Zusammenhang festgestellt werden kann. Ein Zeizolf, der auch Besitz bei O. hatte, setzte zwischen 1123 und 1130 ein Testament auf, in dem er die Kl.gründungen St. Lambrecht und St. Paul großzügig bedachte. Es könnte sich aufgrund des Leitnames Zeizolf um einen Spanheimer handeln, der die Nachwelt allerdings bewußt über seine Verwandtschaft im Unklaren läßt; er dürfte also als nicht ebenbürtig angesehen worden sein. Eine halbwegs gesicherte Genealogie läßt sich nur von Gotebold aus bilden, der damit als Stammvater der O.er angesehen werden kann. Ab 1209 führen die O.er den Titel eines Schenken.
II.
Die Schenken von O. waren v.a. im Umkreis des Hzg.s von Kärnten tätig und standen so in ihren Beziehungen am Schnittpunkt zwischen hohem und niederem Adel. 1251 werden sie von Hzg. Bernhard von Kärnten als ministeriales nostri bezeichnet. Ihr späterer Status wird in einem Konflikt mit Venedig deutlich, bei dem die Schenken zwei Gesandte gefangen nehmen. Dagegen protestierte die Signoria bei Hzg. Rudolf IV., der aber 1360 ein Einschreiten ablehnte, da es sich bei den Schenken von O. um freie Leute handle. Zwei Jahre später wendete sich das Blatt, politische Interessen und eine drükkende Schuldenlast brachten die O.er dazu, ihren Besitz dem Landesfs.en als Lehen aufzutragen (24. Juni 1362). Dies brachte den Schenken in den folgenden Jahrzehnten die habsburgische Hauptmannschaft in der Steiermark und Krain. Der wirtschaftliche Niedergang setzte sich allerdings fort, dazu kam ein Lapsus, mit dem die Familie ihren ursprgl. Besitz verlor: Schenk Hans von O. verabsäumte es, bei Antritt des Erbes 1478 bei Friedrich III. formal um eine Belehnung anzusuchen. Der Ks. zog das Lehen ein und überließ ihm die Burg Liebenfels als Wohnsitz. Mit Hans starb die Familie aus.
Aus dem Geschlecht der Schenken von O. gelangte Gregor 1396 zur Würde eines Ebf.s von Salzburg. Er war seit 1367 Domherr in Salzburg und ab 1382 Dompropst. Unter Gregor, der eine überaus erfolgreiche Finanz- und Wirtschaftspolitik betrieb und um gutes Einvernehmen mit den benachbarten Fs.en bemüht war, erreichte das Salzburger Stiftsland die größte Ausdehnung. Auch der Höhepunkt der weltlichen Macht wurde unter Gregor erlangt, allerdings stellte sich zunehmend der landsässige Adel gegen ihn. Nur wenige Tage nach seinem Tod schlossen Salzburger Adelige und Städte den so gen. Igelbund, der den Landesfs.en mit umfangr. Forderungen konfrontierte.
III.
Das v.a. von Siegeln bekannte Wappen der Schenken von O. besteht aus einem Sparren. Er ist auf colorierten Darstellungen weiß auf schwarzem bzw. dunkelblauem Feld.
IV.
Die Bezeichnung von O. führen mehrere Adelige in Urk.n ab dem frühen 12. Jh. Auch wenn der 1106 erstmals erwähnte Zeizolf von O. ein Spanheimer gewesen sein könnte, ist seine Verwandtschaft mit den anderen Namensträgern nicht vollends geklärt. Ab Gotebold I. gilt eine Genealogie als gesichert. Wie auch andere Familien haben die O.er bis Ende des 15. Jh.s mehrere Zweige von unterschiedlichem Bestand gebildet, wobei der Schenkentitel meist von allen getragen wird. Ehen wurden mit Familien im näheren und weiteren Umkreis eingegangen, darunter mit den Herren von Liebenberg im 14. und den Herren von → Kraig im 15. Jh. Im Zusammenhang mit Ehen kam es zu keinen nennenswerten Besitzerweiterungen.
Quellen
Monumenta Historica Ducatus Carinthiae. Geschichtliche Denkmäler des Herzogthumes Kärnten, Bde. 3-11, Klagenfurt 1904-1972. – Wiessner, Hermann: Die Schenken von Osterwitz (1100-1500). Klagenfurt 1977.
Literatur
Khevenhüller-Metsch, Georg: Die Burg Hochosterwitz in Kärnten und ihre Geschichte, Klagenfurt o.J. – Ortner, Franz: Gregor Schenk von Osterwitz († 1403), in: Die Bischöfe des Heiligen Römischen Reiches. 1198-1448, hg. von Erwin Gatz, Berlin 2001, S. 674. – Wiessner, Hermann: Die Schenken von Osterwitz (1100-1500). Klagenfurt 1977.