BLÂMONT
I.
B. (andere Schreibweisen sind Blammont [1186], Blancmont [1203]) ist sicher erstmals 1130 bezeugt. Durch die Heirat von Gf. Hermann I. von → Salm (gest. um 1136) und Agnes von Bar kam B. an die Gf.en von → Salm (in den Ardennen), die seit dem späten 11. Jh. in Lothringen Fuß gefaßt haben. Seit 1130 nannten sich die Gf.en von → Salm auch nach B. – die Burg → Salm in den Vogesen wurde erst um 1200 errichtet. Mit der Abschichtung der Herren von B. von den Gf.en von → Salm Mitte des 13. Jhs wurde B. zur Hauptres. und blieb es bis 1503.
II.
Die Burg liegt im Vogesenvorland auf einer Anhöhe am rechten Ufer der Vezouze, etwa 30 km östlich von Lunéville (dép. Meurthe-et-Moselle). Im Tal der Vezouze verlief eine Straße, die bereits in römischer Zeit am Donon den Vogesenhauptkamm überquerte und über Vic-sur-Seille nach Metz führte. Die erst 1138 erwähnte villa Giroville mit der Pfarrkirche St. Mauricius auf dem linken Ufer der Vezouze nahe der Einmündung der Voise könnte bereits in karolingischer Zeit entstanden sein. Sie war zunächst im Besitz der elsässischen Abtei Hugshofen und gelangte dann wohl über die Ehe von Agnes von Bar-Langstein mit Gf. Hermann I. von → Salm an die Herren von B. Giroville scheint von der Bevölkerung zugunsten von B. auf dem rechten Ufer der Vezouze weitgehend aufgegeben worden zu sein. Dort war im ausgehenden 12. Jh. ein Donjon errichtet worden. 1171 wird ein prepositus de blancmont erwähnt. Eine Ritterfamilie, wohl im Dienst der Gf.en von → Salm, hatte zu dieser Zeit ihren Sitz in B. B. wird 1247 als chastel et bourc bezeichnet. Zwischen 1290 und 1311 wird der Burgus mit einer Mauer befestigt. 1317 sind Lombarden in B. tätig und 1388 ist dort ein jüdischer Geldverleiher ansässig. Beides spricht für eine gewisse wirtschaftliche Bedeutung der Stadt. Seit 1344 ist in B. ein Tabellionat nachweisbar. 1384 stifteten Henri IV. und seine Frau Walburg in B. eine Kollegiatkirche mit einem Marienpatrozinium für fünf Kanoniker und einen Propst. 1504 erhielt die Stadt eine umfassende Bestätigung ihrer Freiheiten und Privilegien.
III.
Teile des Donjons reichen in die Zeit um 1200 zurück. Im 13. Jh. wurde die Ringmauer der Burg erweitert und mit Türmen gesichert. Zwischen dem 14. und der Mitte des 15. Jh.s wurden zwei Wohngebäude errichtet. Das eine schloß an die Ringmauer an, das andere an den Donjon. Damit entstanden zwei getrennte Höfe. Im 16. Jh. haben die Hzg.e von Lothringen an der Burg verschiedene Umbauten vornehmen lassen, die Ringmauer wurde verstärkt, um einem Artilleriebeschuß standzuhalten; neben der Burg entstand ein Palais. 1607/08 ließ Hzg. Karl III. südwestlich der Burg eine Kanonenplattform, flankiert von zwei Türmen, anlegen. 1638 wurde die gesamte Festung nach dem frz. Einmarsch auf Befehl Richelieus geschleift. Heute noch sichtbar sind auf der Anhöhe im N des Ortes ansehnliche Reste der polygonalen Umfassungsmauern, der Mauertürme und des Donjons. Der südwestliche Turm ist fast vollständig erhalten. Ebenfalls noch gut sichtbar ist die Kanonenplattform mit einer Höhe von 6-7 m. Die einstige Vorburg ist mittlerweile überbaut.
Der Donjon schirmt die Burg gegen das im O anschließende Plateau ab. Er hat einen rechteckigen Grundriß von 10 x 10 m und erhob sich einst bis zu einer Höhe von 17 m. Etwa die gleiche Höhe hatten die fünf Flankierungstürme, die sich auf die Außenmauer stützen. Sie haben einen Durchmesser von 7 m und eine Mauerstärke von 2 m. Zwei sind vollrund, drei halbrund ausgeführt. Eine Besonderheit sind die abgerundeten Ecken des Donjons. Er war im Inneren in mind. drei Etagen unterteilt. Die untere ist fensterlos, die oberen beiden verfügen jeweils über zwei kleine Fenster und wurden auch als Wohnräume genutzt. Der Zugang im zweiten Stock war über den umlaufenden Wehrgang zu erreichen. Der südöstliche Turm deckte die 5-6 m tiefer liegende Vorburg. Auf dem südlich der Burg zur Vezouze hin abfallenden Hang entwickelte sich die Burgsiedlung und spätere Stadt. Die Stadtmauer hatte zwei Tore, eine Länge von 600 m und schloß unmittelbar an die Ringmauer der Burg an.