Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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NIDAU UND AARBERG-VALANGIN

B. Nidau

I./II.

Die Gf.en von N. erscheinen als derjenige Zweig der Familie Neuchâtel, der am besten mit Ländereien ausgestattet war. Sie siedelten sich in der Hauptsache zwischen Biel und Solothurn an. Der Wettbewerb mit Bern und der aufeinander folgende Tod von zweien seiner Gf.en im Krieg schwächte ihre Macht so, daß die Herrschaft, überdies tief verschuldet, den Tod des kinderlosen Gf.en Rudolf i.J. 1375 nicht überstand.

Heute ist nicht viel vom Schloß N. (bis auf den Donjon) übriggeblieben und Auskünfte administrativer und materieller Art fehlen fast völlig. Hier und dort tauchen Bastarde im Dienst lokaler Verwaltungen auf; ebenfalls belegt ist die Anwesenheit von Schildknappen und einmal jene eines Erziehers in der bes. Lage der Minderjährigkeit eines Gf.en.

Wenn auch ihre Existenz im Alltag schlecht dokumentiert ist, scheinen die Gf.en von N. im 13. und 14. Jh. trotzdem einen fast beispiellosen Platz im Adel des Schweizer Mittellands eingenommen zu haben, zumindest in Bezug auf ihr Prestige, das in der Folge für mehrere Generationen aufrechterhalten blieb. Dieser Glanz ist schon im 13. Jh. wahrnehmbar und insbes. i.J. 1255, als die Prämonstratenserabtei von Gottstatt in der Nähe von Orpund durch den Gf.en Rudolf I. von N. gegr. wurde und anschl. als Familiennekropole, anscheinend auch für die Getreuen der Familie, diente. Die Verleihung der ksl. Lgf.enwürde an den Sohn, Rudolf II., vom Jahre 1276 an trug dazu bei, die Familie zu stärken, umso mehr, als es sich um eine erbliche Würde handelte.

Aufgrund ihres Ansehens ziehen diese Gf.en und ihre Nachfolger, alle mit Namen Rudolf, die Aufmerksamkeit auf sich. Rudolf II. (gest. vor 1309) und Rudolf IV. (gest. 1375) werden in Dichtungen aufgrund ihres ritterlichen Lebenswandels erwähnt. Das Phänomen ist bei Rudolf IV., der sowohl von einem anspruchsvollen internationalen Ruf als auch von einer lokalen Volkserinnerung profitierte, bes. erstaunlich: der Herold Gelre kündete zu seinen Lebzeiten von seinen höfischen Heldentaten und überliefert uns seinen Kriegsruf, Nidau!; der Berner Chronist Justinger, der zu Beginn des 15. Jh.s schrieb, kennt zudem eine Klage auf den Tod des letzten Herrn von N., getötet in Büren im Kampf gegen die Schinder (écorcheurs).

Was Rudolf III. betrifft, gefallen 1339 in der Schlacht von Laupen, war er in die große europ. Politik verwickelt. Als einer der Teilnehmer des Zuges Heinrichs VII. nach Italien wird er im Balduineum dargestellt. Zu Beginn des Jahres 1330 erhielt er von Papst Johannes XXII eine Goldene Rose. Die heute noch existierende Goldschmiedearbeit ist die berühmte Rose des Pariser Musée de Cluny. Dieses Geschenk muß im Zusammenhang mit der Politik des Papstes gegenüber dem Reich verstanden werden, die von seiner ausgeprägten Feindschaft gegenüber Ludwig dem Bayern beherrscht wurde. Man weiß, daß Johannes XXII. das Geschenk der Rose als politische Waffe benutzt hat, um sich regionaler Unterstützungen zu vergewissern, und daß er auf diese Weise mit der anspruchsvolleren Verwendung in den vorhergehenden Jh.en brach. Gleichwohl zeigt das Geschenk durch seinen symbolischen und materiellen Wert (350 gr. Gold und ein Saphir) die politische und gesellschaftliche Bedeutung der Gf.en von N.

Siehe B. Aarberg-Valangin.