Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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NIDAU UND AARBERG-VALANGIN

A. Nidau und Aarberg-Valangin

I.

Die Gf.en von A. und jene von N. sind Zweige der Familie der Gf.en von Neuchâtel, die sich zu Beginn des 13. Jh.s abgetrennt haben; es handelt sich dabei nur unter einem strikt genealogischen Gesichtspunkt um jüngere Linien. In der Tat erhielten Gf. Ulrich und seine Söhne bei der Teilung des Familiengutes, die sich allmählich zwischen ungefähr 1215 und 1226 vollzog, den größeren Teil sowie den Gf.entitel. Der Erbe Rudolfs, des älteren, aber früher verstorbenen Bruders von Ulrich Berthold, erhielt die Stadt Neuchâtel selbst und die sie umgebenden Ländereien.

Somit wurden der Gf.entitel und die namengebende Hauptstadt dieser Gft. voneinander getrennt. Während beinahe eines Jh.s trugen die Herren der Stadt Neuchâtel den Gf.entitel von Neuchâtel nicht; sie wagten es erst ab 1294, diesen wieder anzunehmen, als ihnen ein Sieg über die Vertreter des gegnerischen Zweiges dazu die Kühnheit gab. Diese komplexe Trennung beeinflußte die Emblematik und die Titelführung der verschiedenen Zweige der Familie und machte offenkundig, daß sie einen gemeinsamen Ursprung hatten.

Ulrichs Söhne teilten sich später das Erbe, das auf die erste Teilung zurückzuführen war. Dies geschah nicht ganz ohne Turbulenzen und schließlich entstanden vier Linien, jene von A., von A.-V., von N. und von Straßberg. Die Chronik des Matthias von → Neuenburg, die die erste Teilung beschreibt, präzisierte, daß dies aufgrund von sprachlichen Gründen geschah. Die Nachkommen Ulrichs erhielten den deutschsprachigen Teil und jene Rudolfs den frz.sprachigen. Dies ist insoweit nicht völlig richtig, als zwei wichtige frankophone Herrschaften an den deutschsprachigen Zweig gingen: Arconciel-Illens durch Teilung sowie V. viell. durch Eroberung. Der Zufall wollte es, daß nur diese frz. sprechende Herrschaft, V., sich im Besitz der A.er bis ins 16. Jh. hielt; der Rest ihres Erbes verschwand bereits im 14. Jh., zu einer Zeit, als auch die Zweige von N. und von Straßberg sowie jener von Neuchâtel-Stadt erloschen.

Aus dieser Perspektive müßte eine umfassende Geschichte dieser Familien die des wichtigen und stark verzweigten seeländischen Geschlechts (man nennt Seeland das Bassin der drei Seen von Neuchâtel, Biel und Murten) im 13. und 14. Jh. sowie diejenige einer bescheideneren, jedoch ehrgeizigen Linie im Jura bis zum 16. Jh. thematisieren. Unter dem Gesichtspunkt des Hoflebens kann diese Geschichte aber nur jene der zwei letzten Gf.en von N. im 14. Jh. unter Ausschluß der anderen Linien der Familie sowie der Herren von V. im 15. und 16. Jh. sein, die ebenfalls einige Aspekte eines Hoflebens aufgrund der Anstrengungen aufweist, eine mit Neuchâtel rivalisierende Herrschaft zu errichten.

Siehe B. Aarberg-Valangin.