NEUENAHR
I.
Die 1121 erstmalig erwähnte Höhenburg Altenahr ließ Theoderich I. von Are nach der Zerstörung seiner Burg Ahrweiler erbauen. Die in der Literatur mitunter noch vorkommende Behauptung, daß Lothar von Are-Hochstaden, Parteigänger des Staufers Philipp von Schwaben, im Zuge der Kämpfe zwischen Staufern und Welfen i.J. 1205 seinen auf welfischer Seite stehenden Verwandten Gerhard von Are-Nürburg (gest. 1221) aus der gemeinsamen Burg Altenahr verdrängt habe, kann durch Quellen nicht belegt werden. Unter den aus der Ehe Gf. Gerhards und Gf.in Antigones von Are-Nürburg stammenden Söhnen Theoderich und Otto von Are-Nürburg wurde das Erbe wie folgt aufgeteilt: Der ältere Sohn Theoderich erhielt die Gft. Nürburg mit dem Amt Adenau, der jüngere Sohn Otto (erw. 1209, gest. 1231) erbte das östliche Gebiet an der unteren Ahr. Otto erbaute zwischen 1220 und 1230 die Höhenburg N. (Nuuenahr, Newen Are) die künftig für diesen Familienzweig und das umgebende Territorium Namen gebend war.
II.
Die erstmalig 1276 urkundlich erwähnte Burg N. war Mittelpunkt der nach ihr benannten Gft., zu der u. a. die Dörfer Wadenheim (Uuadenheim, erw. 992), Hemmessen (Hemmeshoven, erw. 1106) und Beul (Beuel, erw. 1374) gehörten. Die Anlage befand sich am rechten Ahrufer bei Wadenheim-Beul (heute: Stadt Bad N.-Ahrweiler, Lkr. Ahrweiler) auf einer als »Hoher Berg« bezeichneten 340 m hohen Basaltkuppe. Ein Nachfahre Ottos, Wilhelm I. von N., trug die Burg Ende Aug. 1280 dem Ebf. von Köln zu Lehen und als Offenhaus auf. Das zugehörige Territorium wurde später Lehen der Mgf.en von Jülich und Teil der Pfgft. bei Rhein; die Gf.en von N. erhielten ihr Territorium wiederum als Lehen von Jülich zurück.
Wadenheim ist Stadtteil des seit 1927 als Kurort anerkannten Bad N. Die vom Land Rheinland-Pfalz erst 1951 mit Stadtrechten versehene Stadt befindet sich, von Bergen umgeben, im Ahrtal im linksrheinischen Teil des Rheinlandes. 1969 erfolgte der Zusammenschluß der Städte Ahrweiler, Bad N. und neun weiterer Orte zur neuen Stadt Bad N.-Ahrweiler im neugegründeten Lkr. Ahrweiler.
Das Ahrtal ist v.a. für den Weinanbau und für eisenhaltige Mineralwasserquellen (z. B. die Apollinarisquelle) bekannt. Bereits in der Antike war das Ahrtal offenbar ein begehrtes Ziel römischer Ansiedlungspolitik. Im Stadtteil Ahrweiler wurden zahlr. Funde aus der Römerzeit gemacht, u. a. sind heute noch die aus dem 2. bis 3. Jh. stammende Villa Rustica am Silberberg, eine Siedlung von Eisenschmelzern im Stadtwald sowie der Badetrakt einer Villa Rustica in der Nähe der Kreisverwaltung überliefert. Das ma. Dorf Ahrweiler nahm vermutlich seinen Ursprung von einem 893 im Prümer Urbar erwähnten Hof. Als Besitz der Gf.en von Are gelangte Ahrweiler an die Linie Are-Hochstaden. 1242 wurde Ahrweiler niedergebrannt, gelangte als Schenkung 1246 an das Erzstift Köln. Ebf. Konrad von Hochstaden ließ den Ort stark befestigen, so daß er ab der zweiten Hälfte des 13. Jh.s als Stadt anzusprechen ist. Neben Neuss, Bonn und Andernach war Ahrweiler eine der vier Hauptstädte Kurkölns. Seit dem späten 14. Jh. sind Hutengemeinschaften in Ahrweiler nachweisbar, rechtliche Zusammenschlüsse Ahrweiler Bürger, die auch mit Wehraufgaben betraut waren.
Das zum ersten Mal i.J. 1288 gen. Hauptgericht zu Wadenheim verfügte über den einzigen Richter in der gesamten Gft. N.; ein Amt, das die Gf.en von N. bis in das 15. Jh. selber ausübten. Streitigkeiten Wadenheims mit Nachbarorten sind im 15. und 16. Jh. urkdl. verbürgt. Mit Ahrweiler lag Wadenheim zwischen 1450 und 1793 in Konflikt. In den Jahren 1566 bis 1570 gab es Streit zwischen den Dörfern Heimersheim (Amt Sinzig) und Wadenheim (Gft. N.) wg. Banngrenzen und Weidegang. Der Amtmann von N., Wilhelm von Metternich (zugl. Amtmann von Sinzig und Remagen), bewirkte letztlich einen Vergleich zwischen beiden Streitparteien.
III.
Aufgrund weniger aussagekräftiger Schriftüberlieferungen ist die Res.architektur der Anlage kaum noch nachvollziehen. Die Höhenburg N. besaß lt. einer Schriftquelle u. a. ein Pfortenhaus, Felder und Weingärten im Umfeld der Anlage (mind. in Wadenheim), ein Kelterhaus, eine 1256 erbaute Kapelle sowie ein Wohnhaus, das einem N.rer Burgmann, Ritter Tillmann van dem Forst, von Gf. Johann von N. i.J. 1372 zugewiesen wurde. Im Zuge ihrer Zerstörung (1372) durch die Truppen des Kölner Ebf.s Friedrich von → Saarwerden wurde Burg N. bis auf die Grundmauern abgetragen. Lt. einer Beschreibung des pfälzisch-bayerischen Hofrats Vogt vom 7. Dez. 1786 wurde die Ruine gegen Ende des 17. Jh.s abgebrochen. Aus den Steinen soll das in Beul befindliche kfsl. Renteigebäude erbaut worden sein (Frick, Quellen zur Geschichte von Bad N., Nr. 1768). Heute sind von der Burg N. nur noch ein Teil des Burggrabens sowie wenige Mauerreste erhalten. Außerdem sind einige Hohlwege erkennbar, die vom Tal auf den Berg führten. Im Areal der Hauptburg befindet sich seit 1972 ein Aussichtsturm aus Beton neben einer Schutzhütte.
Quellen
Quellen zur Geschichte von Bad Neuenahr (Wadenheim/Beul/Hemmessen) der Grafschaften Neuenahr und der Geschlechter Ahr, Neuenahr und Saffenberg. Als FS zum 75jährigen Jubiläum des Bades Neuenahr hg. von der Gemeinde Bad Neuenahr, bearb. von Hans Frick, Bad Neuenahr 1933.
Literatur
Bader, Ute: Geschichte der Grafen von Are bis zur Hochstadenschen Schenkung (1246), Bonn 1979 (Rheinisches Archiv, 107). – Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Rheinland-Pfalz, Saarland, bearb. von Hans Caspary, München u. a. 1972. – Losse, Michael: Theiss-Burgenführer Hohe Eifel und Ahrtal, hg. von Joachim Zeune, Darmstadt 2003.