NEUENAHR
I.
Der durchaus umfangr. Besitz der Gf.en von Nuenare (1231), Nuenahre (1240), Nuwenare (1247), Nuwinare (1255), Nuowenhare (1330) bzw. Newenar (1609) bildete kein geschlossenes Territorium, sondern bestand aus Streubesitz. Die Gft. N. reichte um 1222 von Ramersbach im S bis Ramershoven (heute: Stadt Rheinbach) im N und umfaßte u. a. einige Dörfer, die relativ spät erstmalig erwähnt wurden (992 Wadenheim, 1106 Hemmessen, 1374 Beul).
Durch familienpolitisches Kalkül erlangte diese jüngere Seitenlinie des Geschlechts Are(-Nürburg) v.a. im 14. bis 16. Jh. verschiedene Besitzungen am Niederrhein (1194/1358-1484 Herrschaft Roesberg, 1413 Herrschaft Alpen, 1409-1435 Herrschaft Merzenich, 1461 Herrschaften Linnep und Helpenstein, 1494 Herrschaft Wevelinghoven, 1519-1600 Gft. → Moers mit den Herrschaften Bedburg und Hackenbroich) und in Westfalen (1460/1542-1589 Gft. → Limburg) sowie von 1484 bis 1589 die Erbvogtei zu Köln. Mit dem Tode des letzten männlichen Vertreters, Adolf von N.-Alpen, bzw. seiner Frau Walburga, zugl. Erbin der Linie N.-Bedburg-Moers, erlosch das Geschlecht N. i.J. 1589 bzw. 1600.
Als Lehen der Pfgf.en bei Rhein, die sie an die späteren Hzg.e von Jülich weiterverliehen, zählte die Gft. N. zum niederrheinisch-westfälischen Reichskreis. Gesamt betrachtet besaß die Gft. N. eine wechselhafte und komplizierte Besitzgeschichte. Nach dem Aussterben der Linien Are-Hochstaden (1246) und Are-Nürburg (1280) gelangten die mit beiden zusammenhängenden Besitzungen an das Ebm. Köln. Übrig blieb die Linie Are-N. mit der Burg und Gft. N. 1343 belehnte der Pfgf. bei Rhein Wilhelm von N. mit der Gft. N. Die Lehnherrschaft übertrug der Pfgf. 1344 wiederum dem Mgf.en von Jülich, der das Territorium als Mannlehen an Wilhelm von N. vergab. Die Gft. N. war damit jülisches Lehen bzw. ein pfälzisches Afterlehen. In den Jahren 1221 bis 1358 regierten dort die Gf.en von N., 1358 bis 1425 infolge von Heiratspolitik die Gf.en von (N.-)Saffenberg sowie 1425 bis 1545 die Gf.en von (N.-)Virneburg. Nach dem Aussterben der Gf.en von → Virneburg in männlicher Linie (1545) fiel die Gft. N. als erledigtes Lehen an Jülich zurück. Im Vertrag von Xanten (1614) wurde die Gft. N. Pfalz-Neuburg zugesprochen und gehörte in der Zeit von 1685 bis 1797 zur Kurpfalz, später zu Preußen. Seit 1946 gehört das Gebiet zu Rheinland-Pfalz.
Die Gft. → Moers, die 1519 an die Linie N.-Bedburg gekommen war, gelangte nach dem Tod der Erbin Walburga von N.-Bedburg- → Moers (geb. 1522, gest. 1600) an Oranien und war von 1702/12 bis 1794 ein Teil Preußens (1707 Fsm. → Moers). Bedburg und Hackenbroich erhielten die Gf.en von → Salm-Reifferscheidt zurück. Die Gft. → Limburg, die Herrschaften Linnep, Helpenstein und Alpen sowie die Erbvogtei zu Köln erbten als Folge von Heiratspolitik die westfälischen Gf.en von → Bentheim.
II.
Zugl. Amtssitz der Gft. N. wurde Burg → N. 1372 von Truppen des Ebf.s von Köln als Folge des »N.er Erbschaftsstreits« (1360-1372) zerstört. Als Res. wurde Burg → N. nur rund 150 Jahre (1220/30-1372) genutzt.
Über den Hof der Gf.en von N. ist nur wenig bekannt. In einzelnen überlieferten Urk.n werden Amtleute und Hofbedienstete erwähnt, mitunter wenige auch namentlich. Eine Urk. von 1330 führt als früheste namentliche Nennung einen Gerhungo, Amtmann des Landes Nuoenare auf. Bekannte niederadelige Geschlechter wie von Metternich (Virneburger bzw. Jülische Amtleute), von Walbott-Bassenheim (Sayner Amtleute) und von der Leyen (Jülische Amtleute) werden im Zusammenhang mit N. v.a. im 15. bis 17. Jh. gen. Vögte, Rentmeister, Landgerichtsschreiber, Landboten etc. finden vereinzelt erst ab dem 15. Jh., v.a. aber im 16. und 17. Jh. namentliche Erwähnung in den Überlieferungen.
Quellen
Quellen zur Geschichte von Bad Neuenahr (Wadenheim/Beul/Hemmessen) der Grafschaften Neuenahr und der Geschlechter Ahr, Neuenahr und Saffenberg. Als FS zum 75jährigen Jubiläum des Bades Neuenahr hg. von der Gemeinde Bad Neuenahr, bearb. von Hans Frick, Bad Neuenahr 1933. – Urkunden und Akten der Neuenahrer Herrschaften und Besitzungen Alpen, Bedburg, Hackenbroich, Helpenstein, Linnep, Wevelinghoven und Wülfrath sowie der Erbvogtei Köln, bearb. von Günter Aders, Köln 1977 (Inventare Nichtststaatlicher Archive, 21).
Literatur
Bader, Ute: Geschichte der Grafen von Are bis zur Hochstadenschen Schenkung (1246), Bonn 1979 (Rheinisches Archiv, 107). – Gondorf, Bernhard: Die Burgen der Eifel und ihrer Randgebiete, Köln 1984. – Losse, Michael: Theiss-Burgenführer Hohe Eifel und Ahrtal, hg. von Joachim Zeune, Darmstadt 2003. – Wensky, Margret: Die Grafen von Moers. Burg und Grafschaft 1200-1600, in: Moers, Burg, Schloß – Kulturzentrum. FS zum 100-jährigen Jubiläum des Grafschafter Museums- und Geschichtsvereins in Moers e.V., red. Kristin Dohmen, Worms 2004, S. 11-22.