BICKENBACH
I.
Burg B., heute Schloß Alsbach genannt aufgrund seiner Lage am Dorf Alsbach an der Bergstraße, wurde etwa um 1235 von den Herren von → B. auf einer Anhöhe erbaut. Die Burg war nicht der Stammsitz der Familie. Dieser lag in der Ebene auf dem sog. Weilerhügel, auf dem ursprgl. eine sog. Turmburg stand, die von einem doppelten Wassergraben umgeben war. Nach der Zerstörung der Stammburg bauten die B.er Anfang des 13. Jh.s die neue Höhenburg, die mehr Sicherheit versprach. Seit dem 14. Jh. war die Burg eine Ganerbenburg im gemeinsamen Besitz mehrerer Eigentümer. In Folge von Raubüberfällen brannte die Stadt Frankfurt am Main die Anlage 1463 nieder, die jedoch bald darauf wieder aufgebaut wurde. Von 1483, nach dem Aussterben der direkten Linie der Herren von → B., bis 1502 gelang es einem der Ganerben, Erasmus Schenk von → Erbach (gest. 1503), nahezu alle anderen Ganerben (darunter den Ebf. von Mainz und die Gf.en von → Mansfeld) auszukaufen und die Burg und Herrschaft zu fünf Sechstel in seinen Besitz zu bringen. Ab 1488 konnte er sich »Herr zu Erbach und Bikkenbach« nennen. In der Folge des Landshuter Erbfolgekrieges wurde die Burg i.J. 1504 durch Truppen des Lgf.en von Hessen besetzt. Nach dem Ende der Auseinandersetzungen gab Lgf. Wilhelm die Burg und das Amt B. jedoch nicht mehr heraus. Wilhelms Sohn Philipp, gen. der Großmütige, befestigte die Anlage weiter und ließ die Verteidigungswerke instand setzen. Nachdem die B. einige Jahre aufgrund einer testamentarischen Verfügung den Gf.en von Diez gehört hatte, fiel sie 1577 endgültig an Hessen-Darmstadt.
II.
Die erste Erwähnung Alsbachs findet sich im Lorscher Codex. Aus Bodenfunden ist eine Besiedlung der Gegend bereits in der Jungsteinzeit belegt. Das Dorf liegt an der nördlichen Bergstraße am Fuß des Melibokus, mit 517 m der höchste Berg in dieser Gegend. Der Ort befindet sich verkehrsgünstig an der sog. Bergstraße, die ca. 70 km weit von Darmstadt nach Wiesloch am Fuße des Odenwalds entlang durch das oberrheinische Tiefland führt.
III.
Der Grdr. der frühesten Burganlage war in der Form eines unregelmäßigen Dreiecks angelegt. Zur Angriffsseite nach SW war die Mauer am stärksten ausgeführt. Eine ca. 50 m lange Schildmauer, durch die man heute noch in den inneren Burghof gelangt, war 2,20 m stark. Direkt dahinter befand sich der Bergfried mit einer Mauerstärke von ca. 4 m. Das Eingangstor, bekrönt von einem Torturm, befand sich ostwärts des Bergfrieds in der Südostecke des Schloßhofes. Das Wohngebäude, der Palas, lehnte sich an die nordwestlich gelegene Ringmauer an. Innerhalb der Kernburg lag auch die Kapelle. An den Palas schlossen sich die Wohngebäude für das Personal, die Wirtschaftsgebäude und Stallungen an. Anfangs lief um die Mauer ein breiter Graben. Er wurde zugeschüttet, als man am Ende des 13. Jh.s die Kernburg mit einem Zwinger umgab. Um 1370 wurde ein Vorhof südwestlich vor die Burg gelegt, um die Verteidigungskraft weiter zu erhöhen. Der neue Zugang wurde nach NW verlegt. Der Burgweg führte zunächst über eine Rampe, die in einer Zugbrücke endete. Man gelangte dann durch ein äußeres Tor in einen Barbakane und durch ein zweites Tor in die Vorburg, von dieser führte ein Weg über eine weitere Rampe und Zugbrücke durch das in die alte Schildmauer gebrochene Tor in den inneren Burghof.
In der Folgezeit gab es verschiedene An- und Umbauten. So ist z. B. bekannt, daß dem Mainzer Ebf. ein bestimmtes Gebäude (Mainzer Hofstatt) in der Burg vorbehalten war, auch hatten die einzelnen Ganerben ihre genau abgegrenzten Wohn- und Wirtschaftsräume. Nähere Aussagen hierzu lassen sich nach dem derzeitigen Forschungsstand jedoch nicht machen. Im Laufe des 17. Jh.s, v.a. jedoch im 18. Jh., verfiel der Baubestand. Heute sind von der Anlage nur noch Ruinen zu sehen.
Literatur
Siehe www.schloss-alsbach.org/geschichte.html [24.02.211]. Siehe auch die Literatur unter A. Bickenbach.