Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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BICKENBACH

A. Bickenbach

I.

Die Geschichte der Familie B. ist bis ca. 1130 zurückzuverfolgen. Urkundlich erwähnt wird Konrad I. von B., der mit Meinlindis von → Katzenelnbogen, der Tochter von Heinrich I. von Katzenelnbogen und der Liutgard von Heimbach, verh. war. Sie war die Schwester Heinrichs II., des ersten Gf.en von → Katzenelnbogen geb. ab dem Jahre 1138).

II.

Die B. waren ein Edelherrengeschlecht aus dem Rheingau mit Besitzungen in den Ritterkantonen Odenwald und Steigerwald und verwandtschaftlichen Beziehungen zu vielen Gf.en- und Herrenfamilien dieser Region. Der Einflußbereich der B.er zog sich vom Rhein bei Gernsheim über → B. weiter in den Odenwald bis Habitzheim und Otzberg. Dabei hatten sie verschiedene Lehnsherren wie das Kl. Lorsch und später Kurmainz im W, sowie das Bm. Fulda und später die Pfgf.en im O.

III.

In der ersten Hälfte des 13. Jh.s erbauten die Herren von B. die Burg → B., das heutige Schloß Alsbach, welches sich oberhalb von Alsbach ca. 2 km von B. entfernt auf einem nordwestlichen Ausläufer des Melibokus befindet. Von hier konnten sie einen Teil der Bergstraße kontrollieren, die über Zwingenberg aus der Obergft. → Katzenelnbogen kommend, weiter über Burg Jossa (Jugenheim), Burg Tannenberg (Seeheim) und Burg Frankenstein wieder in katzenelnbogisches Gebiet bei Bessungen und nach Darmstadt führt.

IV.

Die genealogische Entwicklung der Familie B. ist in vielen Einzelheiten noch nicht geklärt (vgl. Feineis 2001). Im 14. Jh. gab es vielfältige familiäre Beziehungen zu den → Katzenelnbogenern und den Herren zu → Erbach. Die Stammburg wurde in dieser Zeit als Ganerbenburg genutzt. Da die Raubüberfälle des Ganerben Ulner von Dieburg jedoch überhand nahmen, sah sich die Stadt Frankfurt am Main i.J. 1463 dazu veranlaßt, die Burg zu belagern, einzunehmen und niederzubrennen. Im Jahr 1486 starb die Familie der B.er aus. Der Besitz ging zunächst durch Kauf an die Schenken von → Erbach und schließlich an die Lgf.en von Hessen über.

Berninger, Gudrun: Im Dienste Gottes und der Kirche. Leben und Wirken der Personen geistlichen Standes aus der Reichsschenkenfamilie Schüpf-Clingenburg und dem Hause Bickenbach im Mittelalter, in: Beiträge zur Erforschung des Odenwaldes und seiner Randlandschaften 3 (1980) S. 79-120. – Berninger, Gudrun: Philipp von Bickenbach, ein Kämpfer und Diplomat im Ordenskleid, in: Der Odenwald 48 (2001) S. 43-55. – Feineis, Dieter Michael: Die Stammtafeln der Herren von Bickenbach, in: Würzburger Diözesangeschichtsblätter 62/63 (2001) S. 1003-1019. – Kittel, Joseph: Geschichte der Dynasten und Freiherren von Bickenbach nach gesammelten Urkunden dargestellt, Bd. 1, (1900); Urkunden zur Geschichte der Herren von Bickenbach, Bd. 2 (1900). Die beiden Bände sind Handschriften und befinden sich im Besitz von Bezirksheimatpfleger Wolfgang Hartmann, 63853 Mömlingen (vgl. Feineis 2001, S. 1008, Anm. 3). – Krauskopf, Gunther: Die Bickenbacher Fehde 1450, Soden und Sulzbach in Frankfurter Knechtschaft 1450-1621, in: Zeitspuren. Bad Sodener Geschichtsblätter 1 (2005) S. 1-25. – Krauskopf, Gunther: Die 163jährige Knechtung der Sodener [und Sulzbacher] in der Gewalt der Stadt Frankfurt wegen einer Fehde Odenwälder Ritter unter der Führung des Michel von Bickenbach mit der Stadt Frankfurt (1450 bis 1613), in: Zeitspuren. Bad Sodener Geschichtsblätter (1997) S. 1-32. – Kunz, Rudolf: Die Herren von Bickenbach, in: 1100 Jahre Bickenbach uffm Sand, hg. von Gemeindevorstand Bickenbach, Bickenbach 1974, S. 55-67. – Möller, Walther: Urkundliche Geschichte der Edelherrn von Bickenbach, in: Archiv für hessische Geschichte und Altertumskunde. NF 16 (1930) S. 87-130, 337-410.