LÖWENSTEIN
I.
Der heutige Markt R. in der Verwaltungsgemeinschaft Helmstadt, Lkr. Würzburg, wurde in fränkischer Zeit gegr. und 839 erstmalig urkundlich erwähnt. Er lag verkehrsgünstig an der Straßenverbindung zwischen Main (Frankfurt am Main) und Donau. Aus spätma. Zeit sind in R. noch Reste einer von den Gf.en von → Wertheim errichteten Burg (»Wasserhaus«) vorhanden. Im Jahre 1562 begann Gf. Heinrich von → Castell mit der Errichtung einer Schloßanlage. Seit 1597 diente diese als Hauptsitz der Gf.enlinie → Castell-R.
II.
Der mit Marktrecht ausgestattete und von einer Mauer umschlossene Ort R. gehörte als Fuldisches Lehen im späten MA den Gf.en von → Wertheim, die hier an der wichtigen Handelsverbindung zwischen Main und Donau Zoll erhoben. Zudem besaßen sie die Rechte der Cent R. Im Zuge des Wertheimer Territorialausbaus entwickelte sich R. zum Mittelpunkt eines eigenen Amtes, was auch der Bau einer kleinen Burg im 14. Jh. dokumentiert. Das Aussterben der Gf.en von → Wertheim i.J. 1556 brachte erhebliche Veränderungen. Die Gf.en von → Castell erbten Teile von Ort und Amt R. und begannen unmittelbar mit der Errichtung eines Schlosses, zunächst eines Wwe.nsitzes. Das übrige Erbe der → Wertheimer Gf.en traten schließlich 1598 die Gf.en von → Löwenstein- → Wertheim an, die allerdings den Territorialbesitz der ursprgl. Dynastie aufgrund vertraglicher Regelungen nicht halten konnten. Deswegen kam es schließlich auch zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit dem Hochstift Würzburg (»Würzburger Fehde«). 1607 gingen die Wertheimer Anteile am Amt R. in den Besitz des Fs.bf.s von Würzburg, nicht jedoch der Ort R., der Kondominium der Gf.en von → Löwenstein- → Wertheim und → Castell blieb. Auch die würzburgische Amtsverwaltung hatte hier ihren Sitz, bis sie 1686 nach Homburg an den Main verlegt wurde. Wichtig für R. war jedoch die freilich sehr zurückhaltende reichsgfl. Res.bildung durch → Castell ab der zweiten Hälfte des 16. Jh.s. Die agrarische Sozialstruktur des Ortes blieb im Ortsbild dominant, nach 1555 wurde die Reformation von den beiden gfl. Ortsherren durchgeführt und konnte gegen würzburgischen Druck verteidigt werden. Die während der frühen Neuzeit beachtliche jüdische Gemeinde löste sich im ausgehenden 19. Jh. auf.
III.
Die R.er Schloßanlage besteht bis heute aus zwei größeren Gebäuden, dem sog. »Weißen Bau« (1665) und dem sog. »Roten Bau« (1578). Die beiden Renaissancebauten liegen mit den zugehörigen Wirtschaftsgebäuden in einem umfriedeten Areal, das durch seine Hanglage gekennzeichnet ist. Es handelt sich um recht schlicht anmutende Häuser mit verputzen Außenwänden. 1683 wurden sie mit einem gemauerten Gang verbunden. Der »Weiße Bau« fällt am meisten auf. Zum Hof hin ist seine Fassade dreigeschossig gegliedert, Fenster und Türen sind in rotem Sandstein gefaßt. Das Satteldach ist gewalmt. Die auffälligste Zier des Gebäudes ist das offene Zierfachwerk im Ostgiebel.
Quellen
Urkundenregesten zur Geschichte der kirchlichen Verwaltung der Grafschaft Wertheim 1276-1499, bearb. von Wilhelm Engel, Würzburg 1958.
Literatur
Ehmer, Hermann: Geschichte der Grafschaft Wertheim, Wertheim 1989. – Neu, [Heinrich]: Die Fehde des Würzburger Fürstbischofs Julius gegen die Grafen von Löwenstein-Wertheim in den Jahren 1598-1617, in: Deutsch-evangelische Blätter 28 (1903) S. 471-489. – Störmer, Wilhelm: Remlingen, in: Handbuch der Historischen Stätten, Bd. 7: Bayern, Tl. 2: Franken, hg. von Hans-Michael Körner und Alois Schmid, Stuttgart 2006, S. 437 f. – Scheurmann, Ingrid/Feldmann, Hans-Christian/Hoffmann, Katja: Schlösser, Burgen, Parks, Bonn 2004, S. 55.