LÖWENSTEIN
I.
Die Burg L. wurde um 1100 von den Gf.en von Calw begründet. Die seit 1441 in kurpfälzischem Besitz befindliche Burg wurde in frühen festungsartigen Formen ausgebaut. 1504 wurde sie von Hzg. Ulrich von Württemberg als Verbündetem Ks. Maximilians im Zuge des Landshuter Erbfolgekrieges erobert. Die Burg L. war seit 1488 Sitz einer morganatischen Nebenlinie des Pfälzer Kurhauses, die nach der kurpfälzischen Niederlage württ. belehnt wurde. Die wahrscheinlich 1512 ausgebrannte Burg L. verlor ihre Bedeutung, als 1570 in der Stadt L. mit dem Bau eines Res.schlosses begonnen wurde; die Burg diente vermutlich bereits als Materialressource. Die Bedeutung von Zerstörungen i.J. 1634 während der Entsetzung durch ksl. Soldaten ist deswegen als gering zu erachten. Als Gf. Ludwig von → L. 1598 die Reichsgft. → Wertheim erbte, verlegte er für sich und die künftigen Reichsgf.en von → L.- → Wertheim ihren Herrschaftsmittelpunkt nach → Wertheim am Main. Die Burg L. verfiel jedenfalls seit dem ausgehenden 16. Jh., es sind heute nur noch Reste vorhanden. Das L.er Schloß aus dem 16. Jh. wurde bei einem Fliegerangriff 1945 zerstört und nicht wieder aufgebaut. Erhalten hat sich hingegen ein auf Bauten des 16. Jh.s zurückgehendes, 1623 neu errichtetes Jagdschloß im nahegelegenen Teussertal.
II.
Die Burg L. wurde auf einem Bergsporn des oberen Sulmtales errichtet, von dem aus der Aufstieg des Verbindungsweges zwischen den Reichsstädten Heilbronn und Schwäbisch Hall auf die L.er Berge beherrscht werden konnte. Die dazugehörende Siedlung wurde 1123 erstmalig urkundlich erwähnt und 1287 mit Stadtrechten versehen. Ein Zweig der Calwer Gf.en nannte sich ab dem 12. Jh. nach der Burg. 1281 wurden die Burg und die um sie entstandene Herrschaft von Kg. Rudolf von Habsburg gekauft, dessen nichtehelicher Sohn Albrecht von Schenkenberg L. zum Herrschaftsmittelpunkt einer bis 1464 blühenden habsburgischen Nebenlinie machte. Bereits 1441 verkaufte diese Burg und Herrschaft an die Kurpfalz, die in diesem Grenzraum mit einer Gemengelage von kurpfälzischen und württ. Herrschaftsrechten entlang des mittleren Neckars die Burg zum Zwecke milit. Sicherung ausbaute. Nach der württ. Eroberung und der Sicherung württ. Herrschaft in diesem Raum bis hin nach → Möckmühl verlor die Burg jedoch auch an milit. Bedeutung. Auch ihre Res.funktion für die finanzschwachen und nicht reichsunmittelbaren Gf.en von → L. büßte sie zunehmend ein, wiewohl sie weiterhin von hier aus ihre Herrschaft verwalteten; sie traten freilich in fremde, nicht zuletzt auch württ. Dienste ein. Die Reformation in der Gft. → L. erfolgte unter württ. Einfluß. Durch die Wertheimer Erbschaft und Verlagerung des Herrschaftsmittelpunktes der Gf.en von → L. als Reichsgf.en von → L.→ Wertheim an den Main verlor L. als Res. an Bedeutung. Nachdem sich das neue reichsgfl. Geschlecht 1622 in eine (katholische) Linie → L.-→ Wertheim-Rochefort und eine (lutherische) Linie → L.-→ Wertheim-→ Virneburg, die sich weiter aufspaltete, teilte, wurde auch die Herrschaft → L. geteilt, zwei Drittel gelangten an die zuerst gen. Linie. L., das wg. seiner Heilquellen im Teussertal im 18. Jh. zu einem frequentierten Kurort wurde, besaß nunmehr wg. seiner Wälder v.a. als Mittelpunkt des reichsgfl., seit 1711 auch reichsfsl. Jagdreviers Bedeutung.
III.
Von der Burg L. sind heute noch Schildmauern sowie ein Wartturm zu sehen. Dennoch sind unterschiedliche Ausbaustufen der Burg in der Ruine erkennbar, von spätromanischem Buckelquadermauerwerk bis zu renaissanceartigen Architekturformen. Für die Ermittlung der Burggeschichte sind archäologische Befunde zentral, die schriftliche Überlieferung ist sehr spärlich, zumal das fsl. Archiv in L. im Zweiten Weltkrieg vernichtet wurde. Die Burg war mit einer gewaltigen zweifachen Ringmauer eingefaßt, gegen W gab es zwingerartige Erweiterungsbauten (14.-16. Jh.). Repräsentativ und wehrhaft war der Torbau aus dem späten 15. Jh., der für ein doppeltes Tor ausgelegt war. An den Torbau schloß sich ein halbrunder Flankierungsturm an, der nach innen offen war. Im N der Burgruine lassen sich Reste eines Turmes erkennen, in dem nach drei Seiten ebenerdige Schießscharten erkennbar sind. Die Burg war mit der befestigten Stadt L. durch zwei große, sehr steil abfallende Flügelmauern verbunden. Das 1570 begonnene Schloß in der Stadt L. wurde zwar von Georg Beer und Heinrich Schickhardt geplant, die insbes. in Württemberg beachtliche architektonische Spuren hinterlassen haben, war aber dennoch ein vergleichsweise bescheidener, dreigeschossiger Funktionsbau.
Literatur
Dähn, Karl-Heinz: Das östliche Baukonglomerat der Burgruine Löwenstein, in: Jahrbuch für schäbisch-fränkische Geschichte 28 (1976) S. 107-125. – Dähn, Karl-Heinz: Burgenkundliche Wanderungen im Raum Heilbronn, Heilbronn 2001. – Fritz, Gerhard: Die Geschichte der Grafschaft Löwenstein und der Grafen von Löwenstein-Habsburg vom späten 13. bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts, Sigmaringen 1986. – Maurer, Hans-Martin: Bauformen der hochmittelalterlichen Adelsburg in Südwestdeutschland. Untersuchungen zur Entwicklung des Burgenbaus, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 115 (1967) S. 61-116. – 700 Jahre Stadt Löwenstein 1287-1987, red. Karl-Heinz Dähn, Löwenstein 1987. – Stockert, Harald: Adel im Übergang. Die Fürsten und Grafen von Löwenstein-Wertheim zwischen Landesherrschaft und Standesherrschaft 1780-1850, Stuttgart 2000.