LÖWENSTEIN
I.
Habuchisheim (1262), Haboltsheym (1373), Habetshein (1377), Habotzheim (1397). H. wurde vom Kl. Fulda angelegt, vermutlich als Vorwerk für seine nördlich gelegene Festung Otzberg. Nach verwickelten Lehnsherren- und Besitzerwechseln, die hier nur stark verkürzt wiedergegeben werden, fielen die dortige Wasserburg und das Dorf im 16. Jh. endgültig an die Gf.en von → Löwenstein, die noch heute im Besitz des an der Stelle der früheren Burg stehenden Gutshofs sind. Jüngere Forschungen zu Burg bzw. Schloß und Ort sowie Herrschaft H. stehen erst am Anfang.
1323 belehnte Fulda Ulrich von → Bickenbach mit der Burg H. samt Dorf und allen Zugehörungen. Nach seinem Tod wurden die Güter geteilt und gelangten später auch an die Schenken von → Erbach, 1373 erstmals ein Teil an die Pfgf.en. Durch deren Ankauf der Lehnsherrschaft Otzberg von Fulda 1390 wurde auch H. pfälzisches Lehen, das v.a. an die Schenken von → Erbach, daneben an versch. niederadlige Familien vergeben wurde. 1407 verkaufte Pfgf. Ruprecht die Hälfte des Amtes H. auf Wiederkauf an Schenk Eberhard von → Erbach, ebenso Mitte des 15. Jh.s Konrad von → Bickenbach an Schenk Hans von → Erbach. Das Kl. Höchst verkaufte dem Pfgf.en 1397 mit Einwilligung Fuldas seinen Eigenhof zu H. samt allen Zugehörungen und Einkünften. 1482 erlangte Gf. Ludwig von → Löwenstein über seinen Vater Pfgf. Friedrich das pfälzische Wiederkaufsrecht. In der Folgezeit kauften die Gf.en von → Löwenstein allmählich alle Anteile an Schloß und Dorf H. sowie die dazu gehörigen Dörfer und Besitzungen v.a. von den Schenken von → Erbach.an. Bei der Besitzteilung 1541 gelangte H. an die Linie → Löwenstein-Scharfeneck, bei der Teilung 1611 an die Linie → Löwenstein- → Wertheim-Rochefort. 1579-1587, als Burg und Herrschaft → Scharfeneck verpfändet waren, residierte Gf. Wolfgang II. von → Löwenstein-→ Scharfeneck in H. Darüber hinaus ist über die Nutzung der Burg H. als Res. derzeit nichts bekannt. Die Burg und Herrschaft verwalteten Amtleute.
II.
Der Ort H. mit dem ursprgl. als Wasserburg errichteten heutigen Löwensteinischen Gutshof liegt in einer Senke nördlich des Otzbergs, etwa 1,5 km östlich der Gersprenz. 1412 stiftete Schenk Eberhard von → Erbach eine Kapelle, sie gehörte zum Archidiakonat St. Peter und Alexander in Aschaffenburg der Mainzer Erzdiöz. 1542 wurde die Reformation eingeführt. 1397 wird zu H. eine Mühle erwähnt, 1422 Schultheiß, Schöffen und Landsiedeln. 1524 gehörte H. zur Cent und zum Oberhof Groß-Umstadt, die Niedergerichtsbarkeit hatte der Gf. von → Löwenstein.
Zum Amt H. gehörte noch Groß-Zimmern, Spachbrücken, Zeilhard, Georgenhausen, der Zehnt zu Umstadt, das Patronat zu Mömlingen, die Hälfte eines Hofes und acht Weingärten zu Neustadt, Berechtigungen und Gefälle zu Semd, Lützelbach und Oberklingen.
III.
Von der spätma., wohl Anfang des 14. Jh.s entstandenen Wasserburg, deren Wassergraben vom Hasselbach gespeist wurde, sind nur noch Teile der Umfassungsgräben erhalten. Beim Umbau zu einem großen Gutshof Mitte des 19. Jh.s entstand die heutige Hofanlage mit zwei parallel gestellten Bauten am Ostende. Der nördliche, voluminöse zweigeschossige Steinbau stammt im Kern wohl aus dem 16. Jh., ist jedoch barock überformt. Der flach gewölbte Raum im Untergeschoß soll ehem. Schloßkapelle gewesen sein. Ihre Ausstattung befindet sich heute in der katholischen Kirche St. Cyriakus, einem schlichten Saalbau aus der Mitte des 19. Jh.s.
Literatur
Demandt, Barbara: Die mittelalterliche Kirchenorganisation in Hessen südlich des Mains, Marburg 1966 (Schriften des Hessischen Landesamtes für geschichtliche Landeskunde 29). – Festschrift zum 150-jährigen Kirchenjubiläum katholische Kirche St. Cyriakus Habitzheim 1858-2008, hg. von Katholische Pfarrgemeinde Habitzheim, Habitzheim 2008. – Kienitz, Otto: Die Fürstlich-Löwenstein-Wertheimischen Territorien und ihre Entwicklung, in: Jahrbuch des Historischen Vereins Alt-Wertheim (1919) S. 33-104. – Müller, Wilhelm: Hessisches Ortsnamenbuch, Bd. 1: Starkenburg, Darmstadt 1937. – Simon, Gustav: Die Geschichte der Dynasten und Grafen zu Erbach und ihres Landes. Unv. ND der Ausg. von 1858, Frankfurt am Main 1983. – Steiger, Uli: Die Schenken und Herren von Erbach. Eine Familie zwischen Reichsministerialität und Reichsstandschaft (1165/1170 bis 1422), Heidelberg 2007.