LÖWENSTEIN
I.
Nach Göhler (S. 68) gehörte zur Gft. L. im 13. Jh. neben Burg → L. und dem gleichnamigen Ort, den die Gf.en zu Stadt machten, die Herrschaft Wolfsölden (Affalterbach, Lkr. Ludwigsburg), Besitz in Sindingen (Forchtenberg, Hohenlohekreis) und vier Morgen Weinberg in Willsbach (Obersulm, Lkr. Heilbronn).
Kg. Rudolf fügte nach der Belehnung seines Sohnes Albrecht dem Lehnsgut noch Magenheim nebst Bönnigheim hinzu. Im Verlauf des 14. Jh.s konnten die Besitzungen jedoch nicht behauptet werden. Im Gegenteil: 1310 ging die Herrschaft Wolfsölden verloren, 1315/29 Magenheim und Bönnigheim, 1333 Böckingen, 1380 → Gleichen, 1388/95 Murrhardt. Als nennenswerter Zugewinn war lediglich 1330/64 die Herrschaft Heinriet zu verzeichnen. Es blieben somit als Kern der Gft. Burg → L. mit Zugehör, Burg Heinriet mit Zugehör sowie ein Restbesitz rund um Murrhardt (Fritz, S. 68).
Im Besitz der Gf.en von L. befanden sich 1510 die Herrschaft → Scharfeneck und die Gft. L. mit Schloß und Stadt → L., Schmidhausen, Sulzbach, Wildeck, Abstatt. Groß- und Kleiningersheim, die zuvor zur Gft. gehört hatten, verblieben bei Württemberg (Kienitz, S. 45 ff.) Schloß und Dorf → Habitzheim mit umliegenden Besitzungen wurden von den L.ern in mehreren Schritten (1482, 1528, 1530) käuflich erworben (Kienitz, S. 89 f.). Später kamen aus dem Erbe Gf. Ludwigs von → Stolberg-Königstein die Gft. → Wertheim mit den Ämtern → Wertheim, Freudenberg, Laudenbach, Schweinberg, → Remlingen mit der halben Herrschaft → Breuberg sowie die Gft. Rochefort (bei Dinant in Südbelgien) mit der Gft. Montaigu und den Herrschaften Herbimont und Neufchâteau hinzu. In der Würzburger Fehde gingen die Ämter Freudenberg, Laudenbach, → Remlingen und Schweinberg wieder verloren.
II.
Schon der fsl. Archivar Alexander Kaufmann mußte feststellen, daß über das Hofleben in der Burg der alten Gf.en von → Wertheim »keine Details vorhanden« sind. Für die Gf.en von L.- → Wertheim kann auf keine Arbeiten zum Hof zurückgegriffen werden. Das Wissen bleibt frgm.ar. und findet sich noch am ehesten in Ehmers Geschichte der Gft.
Gf. Ludwig von → Stolberg-Königstein scheint sich nicht selten in → Wertheim aufgehalten zu haben (Ehmer, Geschichte Grafschaft, S. 121). Aus seiner Zeit ist eine Hofordnung erhalten. Diese beginnt mit der Mahnung zum Besuch der Gottesdienste und des Abendmahls, es folgen zahlr. Verhaltensnormen, die strikte Beschränkung des Zugangs zur Küche, schließlich die Regelungen zu Mahlzeiten und Tischen in Hofstube oder Saal, Morgensuppe, Imbiß, Untertrunk, Nachtimbiß, Schlaftrunk. Zwischen fünf Tischen wurde unterschieden. Den Abschluß bildet eine Fastenordnung (Kaufmann, S. 73-78).
Aufschlußreich für die Hofhaltung der vier Söhne Gf. Ludwigs III. von L.- → Wertheim ist der Teilungsvertrag vom 8. Sept. 1613. Die Gft. → Wertheim wurde zwischen den vier gleichberechtigten Gf.en aufgeteilt, denen natürlich auch jeweils ein Wohnsitz in → Wertheim zugewiesen werden mußte. Der Oberbau im Schloß, also die hochma. Kernburg um den Bergfried fiel an Gf. Ludwig IV., die Unterburg mit dem L.er Bau an Wolfgang Ernst, die sog. »Münz«, d.h. die Hofhaltung an der Mühlenstraße, die einst Katharina, verwitwete Gf.en von → Wertheim genutzt hatte, nachdem ihr Vater, Gf. Ludwig von → Stolberg-Königstein dort eine Münzstätte betrieben hatte (Ehmer, Geschichte Grafschaft, S. 123), an Johann Dietrich und die Kemenate am Schloßberg an Christoph Ludwig. Diese Darstellung ist grob vereinfacht und geht über die zahlr., gemeinschaftlich genutzten Räume und Liegenschaften ebenso hinweg wie über die verschiedenen außerhalb der Stadt gelegenen und auch aufgeteilten kleineren Liegenschaften.
Im Jahr 1619 zerstörte ein Brand den L.er Bau. Mit dem Beschuß der Burg durch ksl. Truppen 1634 wurde der endgültige Verfall der Burg eingeläutet.
Quellen
Wertheim, Staatsarchiv, Hofordnung Gf. Ludwigs von Stolberg-Königstein. G-Rep. 57 Ordnungen Nr. 18. Vgl. weitere Hofordnungen ebd.: Graf Wolfgang Ernst R-H 9 I, Nr. 595; Heinrich von L.-Scharfeneck G-Rep. 30, Nr. 87.
Literatur
Kaufmann, Alexander: Kleine Beiträge zur Geschichts- und Sagenforschung im Frankenlande, in: Archiv des historischen Vereins von Unterfranken und Aschaffenburg 19,2 (1867) S. 35-163, hier: S. 72-80. – Ehmer, Hermann: Geschichte der Grafschaft Wertheim, Wertheim 1989. – Göhler, Irene: Die Grafen von Calw, Calw 2006. – Fritz, Gerhard: Die Geschichte der Grafschaft Löwenstein und der Grafen von Löwenstein-Habsburg vom späten 13. bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts, Sigmaringen 1986. – Kienitz, Otto: Die Fürstlich Löwenstein-Wertheimischen Territorien und ihre Entwicklung, in: Wertheimer Jahrbuch (1919) S. 33-104. Nach 2006 erschienene Literatur konnte nicht berücksichtigt werden. Siehe auch A. Löwenstein für weitere Literatur.