LÖWENSTEIN
I.
Als Gf.en von L. (Lewinstein 1123, Lewenstein 1194) bezeichneten sich nacheinander drei Dynastien, die in keinem Abstammungsverhältnis zueinander standen. Zentrum der Gft. war die namensgebende Burg, gelegen über der gleichnamigen Stadt im Lkr. Heilbronn oberhalb des Sulmtales am Rand der L.er Berge.
Die älteste Familie von L. ging hervor aus dem Geschlecht der Gf.en von Calw. Diese im 11. Jh. bedeutende Hochadelsfamilie verfügte über Besitz im fränkisch-schwäbischen Grenzraum mit Zentren in Ingersheim, → L. und Sindelfingen. 1123 nannte sich Adalbert IV. erstmals Gf. von L.: Adalbertus comes de Lewinstein (1123 Jan. 23, siehe WUB I, S. 355). Mit Gottfried, der die Gft. L. 1277 vor seinem Tod verkaufte, starben die Gf.en von L. im Mannesstamm aus.
Bei der mittleren Dynastie der Gf.en von L. handelte es sich um eine Nebenlinie der Habsburger. Kg. Konrad von Habsburg verlieh die Gft. L. Ende 1282/Anfang 1283 seinem illegitimen Sohn Albrecht von Schenkenstein, der bald darauf Namen und Wappen der neuen Erwerbung annahm. Die von Albrecht begründete Dynastie starb 1464 mit Gf. Georg von L. aus.
Bereits zuvor hatte sich der Pfgf. bei Rhein durch Kauf die Rechte an der Gft. gesichert, die erneut zur Versorgung eines Sohnes verwendet wurde. Ludwig der Bayer, Sohn Friedrichs des Siegreichen, Pfgf. bei Rhein, und der Klara Tott, die Friedrich erst Jahre nach der Geburt Ludwigs ehelichte, erhielt 1488 die Gft. L. und begründete die bis heute existierende Familie von L.
Im 19. Jh. bot die Tatsache, daß Friedrich seine Verbindung mit Klara Tott nachträglich durch Eheschließung zu legitimieren versuchte, Anlaß zu einem Streit um die eheliche oder nichteheliche Abstammung des ersten Gf.en von L. aus dem Haus Wittelsbach.
II.
Zu Beginn des 12. Jh.s war die Burg → L. mit Zugehör Eigengut der Gf.en von Calw, von denen die späteren Gf.en von L. den Gf.entitel übernahmen. Nach der Welfenfehde mußte Adalbert IV. nach 1130 Teile seiner Besitzungen Welf VI. zu Lehen aufragen (Göhler, S. 54).
Mit der Begründung der Linie L.-Habsburg besaß die Gft. die Stellung eines Reichslehens. Durch den Verkauf der Gft. an die Kurpfalz wurde die Gft. L. reichsunmittelbares Allod. 1494 anerkannte Kg. Maximilian nachträglich die eheliche Geburt und den Gf.enstand Ludwigs, eine weitere Feststellung des Verhältnisses zu Kg. und Reich war damit jedoch nicht verbunden (Rödel, Pfalzgraf, 114). Durch den Landshuter Erbfolgekrieg 1504/10 ging die reichsunmittelbare Stellung verloren. In der Vollstrekkung der Reichsacht, die Gf. Ludwig von L. als Gefolgsmann Pfgf. Ruprechts getroffen hatte, war L. unter württ. Landeshoheit gestellt worden. Nach Aufhebung der Acht wurde die Gft. als württ. Lehen zurückgegeben. Die letzte Linie der L.er erlangte später erneut die Stellung der Reichsunmittelbarkeit durch das Erbe der Gft. → Wertheim mit ihren Reichslehen. Die Gft. L. gehörte zum Schwäbischen Reichskreis.
III.
Wappen der ersten Gf.en von L.-Calw: schreitender, roter Löwe in Gold auf blauem Dreiberg (teilw. auch Vierberg). Dieses Wappen wurde (unter möglicher Abänderung der Farbgestaltung) von den beiden späteren Dynastien für die Gft. L. übernommen. Ludwig der Bayer führte das Stammwappen der Wittelsbacher: einen von Silber und Blau schrägrechts geweckten Schild. Bereits 1484 war der Schild geviert mit dem Wappen von → Scharfeneck, das Ludwig bereits 1476 verliehen wurden war: ein gekrönter aufrechter silberner Löwe in rotem Feld. Erst danach wurde auch das Wappen der ältesten Gf.en von L. und der schließlich namengebenden Herrschaft integriert.
Die Burg → L. war während der Welfenfehde ein wichtiger Ort für Gf. Adalbert IV. von Calw. Gebaut wurde sie vermutlich um 1100, wahrscheinlich von Adalbert III. oder Pfgf. Gottfried von Calw (Göhler, S. 66, Fritz 1991, S. 50 f.). In den 1570er Jahren ließ Ludwig III. von L. unter der alten Burg ein neues Schloß errichten. Gf. Ludwig wird gerühmt, viel vom Bauwesen verstanden und manchen Bau selbst geleitet zu haben.
Mit dem Gewinn der Gft. → Wertheim setzte die Verlagerung des Herrschaftsmittelpunktes ein. Auch in → Wertheim entfaltete Gf. Ludwig eine große Bautätigkeit. Die dortige Burg erweiterte er erheblich durch den imposanten vierstöckigen und aus zwei aneinanderstoßenden Teilen bestehenden → L.er Bau.
Die beiden unteren Geschosse waren auf Stützen gewölbt und dienten Wirtschaftszwekken, z. B. im Erdgeschoß als Marstall. In beiden Flügeln erlaubten Wendeltreppen den Aufstieg nach oben. Die Nutzung der oberen Stockwerke ist nur aufgrund älterer Beschreibungen und eines Planes (nach 1619) zu rekonstruieren. Im zweiten Obergeschoß des einen Teils hat sich vermutlich ein größerer Saal mit ca. 165 qm Grundfläche befunden, von dem aus ein Turmzimmer zugänglich war. Im dritten Obergeschoß bestimmten Mittelflure und kleinere Räume den Bau, die kaum den Rahmen für eine üppige Hofhaltung geboten haben dürften. Die Fenster auf der Angriffsseite hatten die gleiche Größe wie auf der Talseite, woran deutlich wird, daß Notwendigkeiten der Verteidigung bei der Gestaltung des Baus kaum ins Gewicht fielen. Durch große Fenster wurde versucht, daß »Erlebnis der Landschaft in die Räume einzubeziehen«. Trotz der winkligen Raumaufteilung wurde dadurch »gewiß ein zeitgemäßer Standard der Wohnkultur erreicht« (Leistikow, S. 93).
Die Ansicht der Burg wurde des weiteren durch Türme akzentuiert: Bergfried, Torturm und verschiedene Treppentürme; sonstige äußere Zier fand sich kaum. »Weiträumige Säle und Treppenhäuser, üppig verzierte Giebelfronten mit Renaissance-Ornamenten sind bekanntlich auf → Wertheim nicht zu finden, dafür eine großflächige, imposante Schauseite, die in malerischer Absicht auf das Gesamtbild abgestimmt ist.« (Leistikow, S. 91)
Auf Ludwig III. geht außerdem die sog. Kemenate zurück, ein kastenförmiger Wohnbau, den er am Fuß des Wertheimer Burgberges zu bauen begann und der nach seinem Tod fertiggestellt wurde.
Burg → Scharfeneck gehörte zur Ausstattung, die Pfgf. Friedrich für seine Nachfahren aus der Verbindung mit Klara Tott vorgesehen hatte. Im dritten Viertel des 15. Jh.s wurde die Burg durch den Pfgf.en in kostspieliger Weise ausgebaut.
Die über der Mümling gelegene Burg → Breuberg (über Neustadt/Odenwaldkreis) wurde nach dem Erlöschen des Wertheimer Gf.enhauses zwischen denen von → Erbach (als Erben der Tochter Gf. Michaels II. von → Wertheim) und Gf. Ludwig von → Stolberg-Königstein (für seine Tochter als Wwe. des letzten Gf.en von → Wertheim Michael III.) 1563 geteilt. Endgültig nahm Gf. Ludwig von L.-Wertheim 1598 Besitz von seiner Hälfte der Burg, die er und seine Nachfahren die folgenden Jh.e als Nebenres. nutzten.
Die ältesten Abb.en der Gf.en stammen aus dem 15. Jh. Hervorzuheben sind die Portraits Georgs von L., Domherr in Würzburg und Bamberg (gest. 1464): Germanisches Nationalmuseum Nürnberg (Engel, Georg Gf. von L., Abb. 8), und Ludwigs von L., 1513: Ölgemälde von Hans Baldung, gen. Grien, Nationalgalerie Berlin; (Schwarz, Neuscharfeneck, S. 14). Weitere Abb.en der habsburgischen L.er aus dem 16. Jh. nach einer älteren Vorlage gibt Fritz, Geschichte, S. 227-235.
Abb. der Wertheimer Burg stammen von Eberhard Kieser (1629 bzw. 1626), Matthäus Merian (1648) und Caspar Merian (nach 1673). Zu diesen siehe Wibel, S. 21-38.
IV.
Vermutlich stammten die späteren Gf.en von Calw aus Großingersheim am Neckar, siedelten zunächst in Sindelfingen und verlagerten dann ihren Familiensitz nach Calw. Die Gf.en genossen durch die Vogteirechte über die Kl. Sindelfingen, Hirsau und Lorsch in der Salierzeit bes. Ansehen. Aufgrund von Konnubium und verwandtschaftlichen Beziehungen zu hohen kirchlichen Würdenträgen sind die Gf.en Ende des 11. Jh.s unter die ersten Familien des Reiches einzureihen (Quarthal, Sp. 1404) Gf. Gottfried II. war einer der wichtigsten Anhänger Ks. Heinrichs V. und maßgeblich an den Verhandlungen zur Beilegung des Investiturstreits beteiligt. 1113 übertrug ihm Ks. Heinrich die rheinische Pfgft.
Adalbert II. von Calw residierte zunächst in Sindelfingen. Mit dem Bau der Burg Calw, die schließlich namensgebend für das Geschlecht wurde, geriet der Sindelfinger Herrschaftskomplex in eine Randlage. Die dortige Burg wandelte Adalbert in ein Kl. um und begnügte sich für gelegentliche Aufenthalte mit einem Haus, daß er in der Nähe der Stiftskirche erbaute.
Eine eigene L.er Linie der Calwer Gf.en gab es nach 1150 bis nach 1277. Gf. Bertold von L. bildete vermutlich das erste Glied der Ahnenreihe, deren genaue Abfolge aufgrund der dünnen Quellenlage spekulativ bleibt. Fritz mutmaßt, daß Cunizza von Willsbach, die Ehefrau Gf. Adalberts III. von Calw, die Besitzungen um L. mit in die Ehe und schließlich in den Familienbesitz der Gf.en von Calw gebracht habe. Adalbert habe dann um 1070/80 die Höhenburg L. errichtet (Fritz 1991, S. 50 f.). Anders Kurze, der aus Schenkungen an das Kl. Hirsau auf einen frühen Besitzkomplex der Gf.en von Calw um L. schließt und davon ausgeht, daß bereits Adalbert II. die Festigung und Ausweitung der Besitzungen um L. vorangetrieben durch eine Burg gesichert habe (Kurze, Adalbert und Gottfried, S. 245, 255 f.).
Adalbert IV. nannte sich als erster – wenn auch nicht durchgängig – Gf. von L. und gab der späteren Nebenlinie der Gf.en von Calw damit ihren Namen. Nachdem sein Vater, Adalbert III., noch vor seinem Großvater Adalbert II. verstorben war, erfolgte die Teilung der Besitzungen zwischen Adalbert IV. und seinem Onkel Gottfried II., wobei Adalbert mit der Herrschaft L. abgespeist wurde.
Auf die Heirat des Hzg. Welfs VI. mit Uta, Erbtochter Gottfrieds II., folgten Auseinandersetzungen um das Calwer Erbe zwischen Hzg. Welf VI. und Gf. Adalbert IV. von Calw-L., in denen Welf VI. sich behaupten konnte. Danach besaßen die Gf.en von Calw nur noch regionale Bedeutung.
Die Hauptlinie erlosch mit Gf. Gottfried vor 1282, die Linie Calw-L. nach 1277 mit jenem Gottfried, der 1277 die Gft. L. an den Bf. von Würzburg verkaufte, und seinen Brüdern, die als Männer der Kirche bezeugt sind, im Mannesstamm.
Der Bf. von Würzburg verkaufte die Burgen → L. und Wolfsöden sowie die Vogtei über das Kl. Murrhardt bereits 1281 für 11 300 Pfund Heller an Kg. Rudolf von Habsburg, der die Gft. L. Ende 1282 oder Anfang 1283 als Reichslehen seinem illegitimen Sohn Albrecht von Schenkenstein verlieh, womit er die zweite Familie der Gf.en von L. begründete.
Albrecht von L., wie sich der Belehnte bald nannte, und seine Gft. waren an die Geschicke des Hauses Habsburg gebunden. Kg. Rudolf förderte die Herrschaft zunächst durch weitere Schenkungen, im Verlauf des 14. Jh.s konnte die Konsolidierung jedoch nicht fortges. werden. Es blieb schließlich nur ein Kernbesitz um L. und Burg Heinriet nebst Streubesitz um Murrhardt. 1440/41 erfolgte der vollständige Übergang der Gft. an Pfgf. Ludwig IV. für 14 000 Gulden, wenn auch die L.er zeitlebens ihre Rechte behalten sollten. Georg von L. (gest. 1464), Domherr in Bamberg, verzichtete als letzter Vertreter der mittleren Gf.en von L. 1453 zugunsten Friedrichs I., Pfgf. bei Rhein, auf alle seine Rechte.
Nachdem 1451 Pfgf. Friedrich bei Rhein durch die »Kurpfälzische Arrogation« auf eine standesgemäße Ehe verzichtet hatte, um die Pfgft. geschlossen für seinen Neffen zu sichern, ging er 1458 eine Verbindung mit der Sängerin und Hofdame Klara Tott (auch Dett) aus Augsburg ein, die er am Münchener Hof kennengelernt hatte. Aus dieser Verbindung gingen vermutlich insgesamt fünf Kinder hervor (Rödel, Pfalzgraf, S. 106). Zur Versorgung Klara Totts und seiner Söhne hatte Friedrich sich rund ein Achtel des pfgfl. Besitzes vorbehalten, darunter Burg und Stadt → L. sowie Schloß → Scharfeneck. Nach dem Tod Friedrichs reduzierte Pfgf. Philipp die Ausstattung für Ludwig den Bayern, wie sich der einzige überlebende und erbberechtigte Sohn Friedrichs nannte. Dieser mußte sich zunächst mit der Herrschaft → Scharfeneck.und einigen kleineren Besitzungen begnügen, erst 1488 übertrug Pfgf. Philipp ihm die Gft. L., deren Namen und Wappen er sogleich annahm. Hauptaufenthaltsort Ludwigs war vermutlich → L.
1541, nach dem Tode Friedrichs I., teilte sich das Geschlecht der Gf.en von L. Wolfgang erhielt die Herrschaft → Scharfeneck, sein Bruder Ludwig III. die Gft. L. Damit wurde die Linie L.-Scharfeneck begründet, die 1633 wieder erlosch.
Gf. Ludwig III. von L. erwarb sich als ksl. Rat große Anerkennung – man soll ihn »des Reichs Lagerbuch« gen. haben (Neidhart, S. 7). 1566 heiratete er die Gf.in Anna von → Stolberg-Königstein, Erbin von → Wertheim und Rochefort (Gft. bei Dinant im heutigen südlichen Belgien, die aus stolbergischem Erbe stammte). Nach dem Tode des letzten Wertheimer Gf.en 1556 und dem Aussterben im Mannesstamm hatte sich Ludwig von → Stolberg-Königstein, Schwiegervater des letzten Gf.en von → Wertheim, den wesentlichen Teil dessen Erbes unter großen Anstrengungen sichern können. Dank seiner guten Kontakte zum Ks.hof, Gf. Ludwig von → Stolberg-Königstein war oberster Münzaufseher im Reich und bekleidete überdies aus seinem Weinsbergischen Erbe die Würde eines Reichserbkämmerers, erhielt er am 6. Juli die wertheimischen Lehen der böhm. Krone, am 7. Aug. 1556 die des Reiches. Von großer Bedeutung waren auch die würzburgischen Lehen. Anders als Ks. Ferdinand I., der gegenüber Ludwig großes Entgegenkommen zeigte, versuchte Bf. Melchior jedoch, aus der erneuten Vergabe der heimgefallenen Lehen, Gf. Michael war ja ohne männliche Nachkommen gest., seinen Vorteil und Nutzen zu ziehen. Nach längeren Verhandlungen wurde am 16. Aug. 1556 ein Vertrag geschlossen, der Gf. Ludwig von → Stolberg-Königstein gegen erhebliche Aufwendungen auch die würzburgischen Lehen sicherte.
Als Ludwig von → Stolberg-Königstein am 24. Aug. 1574 starb, begann das sog. Wertheimer Interregnum, die gemeinschaftliche Regierung der drei Schwiegersöhne des Stolberger Gf.en. Bereits 1579/80 nannte Ludwig sich: Gf. zu L. und → Wertheim, Herr zu → Scharfeneck und → Breuberg (Herrschaft → Breuberg/Odenwaldkr., aus wertheimischem Erbe).
Nach dem Tod der zwei anderen Schwiegersöhne, Gf. Philipps von → Eberstein 1589 und Dietrichs von → Manderscheid 1593, war Ludwig von L. der alleinige Anwärter auf das Wertheimer Erbe, bis die Wwe. Dietrichs von → Manderscheid erneut heiratete: den katholischen Frh.en Wilhelm von Kriechingen, der die gemeinschaftliche Regierung verweigerte und unterstützt durch den Bf. von Würzburg den offenen Konflikt suchte. Gf. Ludwig von L.-→ Wertheim und seinen Erben einerseits und der Bf. von Würzburg Julius Echter und der Frh. von Kriechingen andererseits stritten sich in den als Würzburger Fehde bekannten Auseinandersetzungen um die Würzburger Lehen, die Gf. Ludwig von → Stolberg-Königstein getragen hatte. Erst nach dem Tod der Beteiligten (Wilhelm von Kriechingen starb 1610, seine Frau Elisabeth 1612, Gf. Ludwig von L.-→ Wertheim 1611, Bf. Julius 1617) hörten die gewalttätigen Übergriffe auf. Das Ergebnis der fast zwanzigjährigen Auseinandersetzung: die vier Ämter Laudenbach, → Remlingen, Freudenberg und Schweinberg blieben würzburgisch. Die wertheimische Seite akzeptierte bis zum Ende des alten Reiches den Verlust der Ämter nicht und wandte sich noch im 18. Jh. in dieser Angelegenheit hilfesuchend an Reichshofrat und Reichskammergericht, allerdings ohne Erfolg.
Nach dem Tod Gf. Ludwigs III. von L.- → Wertheim wurde der 1597 geschlossene Hausvertrag, das sog. Statutum gentilitium, umgesetzt, der besagte, daß das Erbe an alle ehelich geb. Söhne zu gleichen Rechten verliehen werden müsse. Gleichberechtigte Inhaber werden 1611 die Gf.en Christoph Ludwig, Ludwig, Wolfgang Ernst und Johann Dietrich von L.- → Wertheim. Von den vier Söhnen sterben Ludwig IV. und Wolfgang Ernst ohne Nachkommen. Auf Christoph Ludwig und Johann Dietrich gehen die bis heute blühenden Linien L.- → Wertheim- → Virneburg (nach 1803 L.-Freudenberg) und L.- → Wertheim-Rochefort (nach 1803 L.-Rosenberg) zurück. Der Gegensatz der Linien wurde dadurch verschärft, daß Johann Dietrich 1621 zum katholischen Glauben übertrat, welchen die Rocheforter Linie beibehielt, die Gf.en von L.- → Wertheim- → Virneburg blieben protestantisch.
Die Gf.in Elisabeth von → Manderscheid, Ehefrau Gf. Christoph Ludwigs hatte 1615 die Gft. → Virneburg in der Vordereifel an das Haus L. gebracht. Dabei handelte es sich allerdings nur um ein Reststück der alten Gft., das rund zwanzig Dörfer umfaßte, aber als Stand des Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreises den Gf.en von L.- → Wertheim immerhin Sitz und Stimme im Westfälischen Reichsgf.enkollegium einbrachte.
Die Gft. Rochefort und einige zugehörige Gebiete (ein Teil der Gft. Montaigu, die Herrschaften Herbimont u. a.) diente Johann Dietrich als Res. (seit 1608), seinen Nachfahren gaben diese Besitzungen den Beinamen, der sie von der anderen Linie der Familie abgrenzte.
Quellen
Wertheim, Staatsarchiv. Ein geschlossenes Archiv der habsburgischen Gf.en von L. hat sich nicht erhalten, heute existieren lediglich verstreute Reste. Über die Pfgf.en bei Rhein, die in dieser Zeit angefertigten Kopialbücher werden heute im GLA Karlsruhe verwahrt, dürfte das Archiv in den Besitz Ludwigs von L. übergegangen sein. Im pfälzischen Erbfolgekrieg unterstand die Verwaltung der Gft. L. Württemberg, die württembergischen Amtleute verbrachten zumindest Teile des Urk.n- und Aktenschriftgutes nach Stuttgart (heute HStA). Im 16. Jh. gelangten dann Teile nach Wertheim (heute Staatsarchiv Wertheim), der in L. verbliebene Teil verbrannte 1945, siehe Fritz, Geschichte, S. 16 f. Zu den l.ischen Archiven in Wertheim siehe Müller, Geschichte.
Literatur
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