Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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LOSENSTEIN

C. Schallaburg

I.

Niederösterreich, Bezirk Melk, Gmd. Schollach.

II.

Als wichtiger Ort zum Schutz der römischen Limesstraße war S. früh besiedelt. Im 10. Jh. über die bayerischen Sighardinger an einen Zweig der Gf.en von Burghausen, gen. nach der sich entwickelnden Gft. Schala. Erster überlieferter Besitzer Gf. Sighard von Schala, dessen gleichnamiger Sohn als Bauherr der ersten größeren Burg an dieser Stelle gilt. Nach dem Erlöschen der Gf.en von Schala nach 1190 gelangte die Burg über die verwandten Gf.en von Peilstein an die Gf.en von Plain. Nach dem Aussterben der Plain 1260 in landesfsl. Besitz. 1242 als Lehen an Otto von Ottenstein und erste urkundliche Erwähnung der Burg Schalla. 1286 wurde Otto von Zelking mit der Burg durch Hzg. Albrecht I. belehnt. Im Erbweg kamen Herrschaft und Burg 1450 an die → Losensteiner. Georg Christoph, Erbe und Neffe des Hans Wilhelm Losenstein, hat die hoch verschuldetet S. an seinen Schwiegervater, Georg von Stubenberg, übergeben müssen. Hans Wilhelm von Stubenberg wiederum verkaufte Burg und Herrschaft 1660 an die Familie der Kletzl von Altenach, die im 18. Jh. an Bartholomäus Fhr. von Tinty weiterverkauften, dessen Nachkommen die S. bis 1940 besaßen. 1940 Verkauf an den westfälischen Fhr.n Josef von Nagel-Doornick. Bis 1955 schwer verwüstet. Wegen ungeklärter Eigentumsverhältnisse bis 1965 nicht gepflegt. 1967 durch das Land Niederösterreich erworben. 1968 von Land und Bund restauriert. Seit 1971 überregionales Kulturzentrum.

III.

Im 13. Jh. faßten die Zelking einzelne freistehende Gebäude der bisherigen Burg zu einem unregelmäßigen Gebäudekomplex zusammen. Hans Wilhelm Losenstein ließ die ma. Burg in ein Renaissanceschloß verwandeln, errichtete einen Arkadenhof – 1906/08 durch Bartholomäus Fhr. von Tinty renoviert – und machte das benachbarte Loosdorf zu einem protestantischen Zentrum des Landes. Bedeutendster Renaissanceprofanbau Niederösterreichs mit zwei Höfen, zwei Freitreppen, einem mächtigem Bergfried, Turnierhof, romanischer Unterkirche und umfangreichen Kellern. Im Arkadenhof Terrakottafiguren, gemalte und gemeißelte Wappen der Besitzerfamilien (→ Losensteiner, Traun, Tinty). Kapelle mit Gratgewölbe, ein ebenerdiger, südwestlich gelegener Gebäudeteil mit Gratgewölben und Schlußsteinen (der sogenannte »Poggenhammer", um 1570). Die S. besteht mit ma. Burg und Renaissanceschloß aus zwei Teilen:. Ältester Teil ist das »Feste Haus«, das um die Wende zum 12. Jh. erbaut wurde.