Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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LOOZ

C. Kuringen

I.

Hasselt (Prov. Belgisch Limburg) – in gewisser Weise müssen die zwischen 1180 und 1240 ausgebaute Burg K. als Herrschaftssitz, die ca. 2,5 km entfernte, 1182 auf Allodialgut gegr. Zisterzienserinnerabtei Herkenrode (Grablege) und die sich rasch entwickelnde, 1232 mit Stadtrechten versehene Stadt Hasselt als Einheit gesehen werden.

II.

Die Burg K. am Rand des 1977 nach Hasselt eingemeindeten Ortes K. war von ca. 1180/1230 bis 1361 der Hauptwohnsitz der Gf.en von → Looz. Es handelt sich um eine noch heute sichtbare im Niederungsgebiet der Demer liegende Anlage, von der sich ein ma. Turm mit Annex des 19. Jh.s auf einer Insel erhalten hat.

III.

Die Burg, eine typische Motten-Anlage, liegt ca. 2 km von Hasselt in der Nähe der Straßenverbindung Köln-Maastricht-Diest-Antwerpen bzw. Brügge im Tal der in früheren Zeiten teilw. schiffbaren Demer, die hier in einer breiten Ebene stark mäandriert.

In K. ergaben Grabungen eine zwischen 1230 und 1240 entstandene Motte, die im weiteren 13. Jh. und Anfang des 14. Jh.s zu einer Wasserburg ausgebaut wurde. Dieses stellte sich als ein viereckiges Schloß mit runden Ecktürmen dar, deren größter geschlossener Turm als Wohnturm diente. Eine Vorburg erstreckte sich möglicherw. bis zur St. Gertrudiskirche (heutige Pfarrkirche). Die Burg besaß nach 1361/66 keine strategische Bedeutung mehr, sie wurde vom Bf. von Lüttich aber weiterhin stark genutzt, da sie inmitten eines guten Jagdgebietes lag. Deshalb wurde sie im 16. Jh. als Schloß weiter ausgebaut, geriet aber im 17. und 18. Jh. in Verfall und wurde bis auf einen mächtigen Turm, der noch besteht, abgebrochen. Heute dient der erhaltene Wohnturm mit einem historizierenden Anbau des 19. Jh.s Verwaltungszwecken.

K., das 1078 gen. wird und dessen Name sich vom einem germ. Eigenname Kuri ableiten soll, war agrarisch strukturiert. Um 1200 gab es 34 Höfe mit 234 Hörigen. Die Pfarrkirche St. Gertrudis geht wohl in karolingische Zeit zurück, war Filialkirche von Hasselt, die Patronatsrechte kamen 1228 an die Abtei Herkenrode. Der etwas abseits der Burg, am Rande der Niederterrasse gelegene Ort hat trotz 1240 verliehener Freiheitsrechte keine Bedeutung erlangt. Allerdings hatte K. eine Schöffenbank und einen Lehnhof.

Die 1182 von Gf. Gerhard gegr. Zisterzienserinnenabtei Herkenrode wurde 1217 offiziell in den Zisterzienserorden aufgenommen. Sie wurde durch Schenkungen der Gf.en und des Adels im MA zur reichsten Frauenabtei der Niederlande, v.a. für Mitglieder des Adels. Sie war Grablege der Gf.en von → Looz. Wiederaufbau nach Zerstörungen im 16. und 17. Jh. 1798 aufgehoben, wurde die Kirche nach einem Brand 1826 abgebrochen, Reste der Grabdenkmäler sind nicht erhalten.

I. Hasselt erscheint 1165 bereits als Pfarrort mit vier Tochterkirchen, erste Nennung Hasselth 1171, das sich wohl vom germ. Hasla (Hazelaar, Haselstrauch) ableitet.

II. Das vermutete ehem. Zentrum von Hasselt liegt an dem Bach Helbeek, einem Zufluß der Demer. 1203 ist eine bisher nicht exakt lokalisierte munitio gen., die als Motte südöstlich der Pfarrkirche St. Quentin wohl in der Nähe des heutigen Waerdenhofs (Ecke Maastrichterstraße/Guido Gesellstraße) vermutet wird. Im weiteren 13. und 14. Jh. ist eine befestigte Anlage der Gf.en innerhalb der Stadt nicht mehr nachzuweisen, das Zentrum der Stadt verlagerte sich nach W zum großen Mark, dem Schnittpunkt von Straßen. Anfang des 14. Jh.s sind die vier Hauptstraßen gen., die von den vier Toren zum Markt führen.

1232 erhielt Hasselt von Gf. Arnold IV. von → Looz Lütticher Stadtrecht, 1281 wird die Stadt befestigt, 1335 werden die Befestigungen den Bürgern übertragen und die Privilegien bestätigt, 1365 wird ein Bürgermeister gen. Um 1300 muß die Stadt als blühende, gut organisierte und befestigte Stadt angesehen werden, die vom Handelsweg von Köln über Maastricht nach Antwerpen bzw. Brügge profitiert. Auch das Handwerk scheint sich stark entwickelt zu haben, denn bereits im 14. Jh. sind differenziert Zünfte nachweisbar, u. a. in der Tuchherstellung.

Hassels übernahm die Rolle eines Verwaltungs- und Wirtschaftszentrums für die Gft. → Looz, wenngleich die Res. des Gf.en im rund 2 km entfernten K. lag. Hasselt war unter Arnold IV. (1223/27-1276/78), Arnold V. (1279-1323) und Diedrich von Heinsberg (1336-1361) Münzprägeort. In der Kirche des 1236 als bestehend gen. Augustinerkl.s in der Stadt am Havermarkt wurde der letzte Gf. von → Looz, Diedrich von Heinsberg (gest. 1361), beigesetzt. Von dem 1798 aufgehobenen und teilw. abgebrochenen Kl. ist nur noch das Priorei- und das Bibliotheksgebäude erhalten. Nach dem Übergang an Lüttich 1361/66 wurde Hasselt eine der ›Guten Städte‹ im Fs.bm.

Bouwen door de euuwen heen. Inventaris van het cultuurbezit in België, Architectuur. Deel 6n 1 (A-Ha), Provincie Limburg. Arrondissement Hasselt, Gent 1981. – Bussels M. u. a.: Hasselt. 750 Jaar Stad 1232-1982, [Brüssel] 1982. – Escher, Monika/Hirschmann, Frank G.: Die urbanen Zentren des hohen und späten Mittelalters. Vergleichende Untersuchungen zu Städten und Städtelandschaften im Westen des Reiches und in Ostfrankreich, Trier 2005 (Trierer Historische Forschungen, 50), Bd. 2, S. 251 f. (Hasselt). – Diriken, Pierre: Geogids Hasselt (Touristisch-Recreative Atlas van Limburg), Sint Truiden 1989. – Diriken, Pierre: Geogids Demervallei (Touristisch-Recreative Atlas van Vlaanderen), Kortessem 2004. – Gerits, Jan: Historische steden in Limburg, Gent 1989. – Lambrechts, Paul: De Geschiedenis van het oude Kuringen, in: Kuringen. 750 jaar vrijheitsrechten 1240-1990, Hasselt 1990, S. 9-55. – Meulemeester, Jonny de: Structures defensives et residences princières: Les châteaux à motte du comté de Looz au XIe siècle, in Burgen der Salierzeit, Tl 1. In den nördlichen Landschaften des Reiches, hg. von Horst Wolfgang Böhme Sigmaringen 1991 (Monographien, 25), S. 281-289.