LOOZ
I.
Das heutige B. (Prov. belg. Limburg), ursprgl. nur Loon, auch in der romanischen Form Looz, erscheint erstmals 1031. Loon wird vom germ. Lauhun abgeleitet, was soviel wie »bewaldeter Hügel« bedeutet. Die Burg auf einem künstlich aufgehöhten natürlichen Hügel am Rande eines Tals war vom 11. Jh. bis ca. 1180 möglicherw. bis ca. 1230 Hauptsitz der Gf.en von → Looz. Auch danach war B. (bis 1361/66) einer der Hauptorte der Gft. → Looz, danach eine der »Guten Städte« des Fs.bm.s Lüttich.
II.
B. liegt am Übergang des trockenen zum feuchten Haspengau an der Fernstraße von Maastricht nach Brüssel, bzw. Köln nach Brügge. Die Burg lag auf einer Anhöhe, die wohl schon im 11. Jh. entstandene Siedlung auf dem nach NW abfallenden Hang. B. lag im S des → Looz'schen Herrschaftsgebietes, was wohl auch zur Verlagerung des Hauptwohnsitzes nach dem zentraler gelegenen → Kuringen bei Hasselt beitrug.
Vor 1047 wurde in B., das zum Bm. Lüttich gehörte, eine Stiftskirche (St. Odulphe) gegr., die vom Gf.en von → Looz bepfründet wurde und der die Pfarrkirche inkorporiert war. Im 12. Jh. entstand auch außerhalb der Siedlung eine Hospitalskapelle der Johanniter (Grathem-Kapelle), an die im 13. Jahr. ein Beginenhof angebaut wurde. Die Siedlung selbst hat um 1200 Freiheitsrechte erhalten und ist befestigt worden. An der Stelle des heutigen Rathauses soll vor 1680 ein Grevenhaus benanntes Gebäude aus dem 11. Jh. gestanden haben, das als Gerichtstätte und Versammlungsort der Schöffen gedient haben soll. Über die ma. Entwicklung des Ortes ist wenig bekannt. Nach der Verlegung der Hauptres. der Gf.en von → Looz vermutlich Ende des 12. Jh.s bzw. im ersten Drittel des 13. Jh.s nach → Kuringen scheint sich der Ort zunächst nicht wesentlich weiterentwickelt zu haben.
III.
Von der ehem. Burg hat sich lediglich der Burghügel erhalten. Fundamente der Burg und der Vorburg sind ergraben worden.
Der künstlich aufgehöhte Burghügel erhebt sich auf der äußersten Spitze einer natürlichen Erhebung, die eine Ebene ca. 30 m überragt. Die Plattform des Hügels macht etwa 15 m im Durchmesser aus, sie liegt etwa 4 m über dem unteren Hof und 15 m über dem Graben. Der ergrabene untere Hof umfaßt etwa 130 zu 100 m zwischen Burghügel und der Kirche St. Odulphe, deren Vorgängerbau bereits 1147 gen. ist.
Nach der Zerstörung von Kirche und Burg 1179 wurden beide wiederaufgebaut. Da der Wiederaufbau unter Gf. Gerhard I. (1171-1194/97) stattfand, der auch die Burg in → Rieneck errichtete, wird vermutet, daß die Burg in B. ähnlich wie die noch stehende Burg in → Rieneck ausgesehen haben könnte. Bei Grabungen im Vorburggelände wurden Fundamente eines großen Saals mit einem Brunnen gefunden. Keramikfunde stammten aus der ersten Hälfte des 11. bis Ende des 12. Jh.s, also die Zeit, in der Baumaßnahmen stattfanden. Eine weitere Zerstörung scheint 1232 stattgefunden zu haben. Möglicherw. fand die Verlegung der Hauptres. nach → Kuringen bei Hasselt auch erst danach statt. Die Burg in B. wurde durch einen Kastellan verwaltet, sie fiel 1361/66 an den Bf. von Lüttich und scheint von diesem nicht weiter unterhalten worden zu sein.
Literatur
Bouwen door de eeuwen heen. Inventaris van het cultuuurbezit in België. Architectuur, Bd. 14n: Provincie Limburg, Arrondissement Tongeren, Tl. 4: Kanton Borgoon, Gent 1999. – Daris, Jos.: Histoire de la Bonne ville, de l'église et des comtes de Looz suivie de Biographies Lossaines, 3 Bde., Liège 1861-1867. – Escher, Monika/Hirschmann, Frank G.: Die urbanen Zentren des hohen und späten Mittelalters. Vergleichende Untersuchungen zu Städten und Städtelandschaften im Westen des Reiches und in Ostfrankreich, Trier 2005 (Trierer Historische Forschungen, 50), Bd. 2, S. 79 f. (Borgloon) – Geogids Borgloon (Touristisch-Recreative Atlas van Limburg. Haspengouw), 4. Aufl., Kortessem 2002. – Gerits, Jan: Historische steden in Limburg, Gent 1989. – Meulemeester, Jonny de: Structures defensives et residences princières: Les châteaux à motte du comté de Looz au XIe siècle, in: Burgen der Salierzeit, Tl 1. In den nördlichen Landschaften des Reiches, hg. von Horst Wolfgang Böhme Sigmaringen 1991 (Monographien, 25), S. 281-289.