LOBKOWITZ
I.
Im MA nannte man diesen Ort: Sbirow (1324), Sbyrow (1327), Sbyroh (1336), Sbyeroh (1395), Zbyroh (1397), Z. (1413, 1422), Sbiroh (1461) u.ä.; in der Frühen Neuzeit schrieb man: zBiroh, z Bijroh, z Byroh, Z., Zbirow, verstümmelt Zwirhof.
Z. liegt in Böhmen, 18 km nordwestlich von der Stadt Rokycany, an der Grenze des Pürglitzer Berglandes (Křivoklátská vrchovina) und des Brdywaldes (Brdská vrchovina). Am Ende des untersuchten Zeitraums (1651) zählten zur Herrschaft Z. ein Schloß, zwei Städtchen und 27 Dörfer.
Die spätromanische, eher frühgotische Burg sächsisch-hessischen Typus aus dem 13. Jh. wurde in der zweiten Hälfte des 15. Jh.s bedeutend verändert und fertig gebaut. Im 16. und 17. Jh. kamen Anbauten und neue Gebäude hinzu und die inneren Räumlichkeiten wurden modernisiert. Ein weiterer Umbau verlief erst im 19. Jh. Die Disposition und der Charakter einer gotischen Burg, die im 17. Jh. endgültig zum Schloß umgestaltet wurde, blieben trotz aller Eingriffe und Veränderungen bis zur Gegenwart erhalten. Das Schloß und die Herrschaft Z. waren im Besitz der Herren von → Lobkowitz in den Jahren 1505-1594.
II.
Das Schloß Z. steht auf dem harten Jaspisfelsen eines langen Hügels, der steil über das Tal in einer Höhe von 546 m emporragt, und sich nur an der westlichen Seite allmählich zu den Kämmen der Nachbarhügel senkt. Die gleichnamige Stadt (früher Städtchen) erstreckt sich auf dem östlichen Abhang des Hügels, auf dem sich auch das Schloß befindet, in Höhe von 414-452 m. Den Fuß des Hügels umfließt der Bach Z., der weiter über eine Reihe von Teichen auf den Fluß Berounka zusteuert. Die Landschaft in der Umgebung ist hügelig überwiegend mit Waldbestand. Das milde Klima und das Relief der Landschaft boten günstige Bedingungen insbes. für Getreide- und Hackfruchtanbau, Viehweidewirtschaft, Viehzucht und Teichwirtschaft.
Zum ersten Mal ist der Name Z. in einer Urk. aus dem Jahre 1230, die aber eher ein Falsum ist, erwähnt und zwar im Namen eines Mitglieds des Geschlechts Sulislawitz Chren de Sbirowe. Nach ihm besaß Z. Brzetislaw (Břetislav) von Pilsen zusammen mit seinem Sohn Brzetislaw von Z. Der Nachkomme des zweiten Brzetislaws, Depolt, ließ wahrscheinlich i.J. 1282 die Burg Z. bauen. Nach ihm herrschten auf der Burg seine Söhne, die Herren von Riesenburg (Rýzmburk). Am Ende des ersten Drittels des 14. Jh.s besaß zweifelsohne die Burg Ulrich von Žebrák (1327 schrieb er sich Ulrich von Z.). 1333 kaufte die Burg Mgf. Karl, späterer Kg. und Ks. Karl IV. Drei Jahre später verkaufte sein Vater, Kg. Johann von Luxembourg, die Burg an Peter von → Rosenberg. Zusammen mit der Burg verkaufte er auch die Städtchen Z., Radnitz (Radnice) und Mauth (Mýto), das Dorf Teschkau (Těžkov) und eine Hälfte des Dorfes Medo-Aujezd (Medový Újezd). Nach dem Tod Peters von → Rosenberg.i.J. 1347 wurden seine Söhne Peter, Jost, Johann und Ulrich die Besitzer von Z. Seit 1374 besaßen es Peter und Johann von → Rosenberg gemeinsam. Nach 1384 war nur Johann von → Rosenberg der Besitzer, nach ihm für eine kurze Zeit sein Bruder Ulrich und nach 1390 dessen Sohn Heinrich von → Rosenberg. Der letzte Besitzer der Herrschaft Z. aus dem rosenbergischen Geschlecht war der Heinrichs' Sohn Ulrich (seit 1418). Am Ende der Hussitenkriege (1434) kaufte ihm der Ks. Sigismund von Luxembourg die Herrschaft ab. Kurz darauf verpfändete er sie an Kunat Kaplíř von Sulevice. Nach der Einlösung der Verpfändung wurde die Herrschaft an Hanuš von Kolowrat verkauft, über ihn ging sie als Erbschaft an seinen gleichnamigen Sohn über. Hanuš II. von Kolowrat, ein gelehrter Mann und überzeugter Katholik, schloß sich nach 1465 der sog. Grünberger Allianz an, die sich gegen Kg. Georg von Podiebrad erhob. Im Jahre 1477, finanziell erschöpft, verkaufte er die Herrschaft Z. an die Brüder Jaroslaus und Zdeslaus von → Sternberg. Anfang des 16. Jh.s, genauer 1505, kaufte Wenzel Popel von → Lobkowitz die Herrschaft. Von ihm erbten die Herrschaft die Söhne seines Bruders Ladislaus, Ladislaus und Johann d.Ä. Die Brüder teilten sich i.J. 1532 das Vermögen. Ladislaus erhielt die Herrschaft → Hoch-Chlumetz, Johann die ganze Herrschaft Z. Johann d.Ä. von → Lobkowitz, so wie es scheint, hielt sich auf Z. oft auf. Im Jahre 1565 ernannte er zwei von seinen Söhnen, Nikolaus und Ladislaus d.J., zu Mitbesitzern. Nach Johanns Tod und dem brüderlichen Vergleich wurde Ladislaus d.J. von → Lobkowitz zum einzigen rechtgültigen Besitzer der Burg und Herrschaft. Er herrschte dort und über seine anderen Güter bis zum Jahr 1593. In diesem Jahr floh er aus dem Land. Die Ursache seiner Flucht war die bekannte Verschwörung gegen Ks. Rudolf II. auf dem Landtag, die er mit seinem Bruder Georg d.Ä. von → Lobkowitz anzettelte. Die Herrschaft Z. wurde auch gegen die Proteste seiner Frau, Magdalena geb. Gf.in von → Salm-Neuburg, vom Ks. konfisziert und 1594 fiel sie unter die Verwaltung der Böhm.en Kammer; sie wurde zur Kammerherrschaft.
Anfang des 17. Jh.s meldeten sich auf der Herrschaft Z. 442 Bauerngüter zu Steuerabgabe. Am Ende des dreißigjährigen Krieges (1651) lebten in der Herrschaft 1501 Leute, die mehr als zehn Jahre alt waren, davon 25 auf dem Schloß, im Städtchen Z. 90. Z. lag zusammen mit den anliegenden Städtchen und Dörfern im Podbrdský kraj (Kr. Podbrdsko), im Rahmen der kirchlichen Verwaltung fiel es unter die Prager Erzdiöz. und das Erzdechanat in Pilsen. Am Ende des 14. Jh.s übten die Herren von → Rosenberg das Patronatsrecht über die Kirchen in Radnitz, Mauth und Straschnitz (Strašnice) aus. In Mauth gab es zu dieser Zeit zwei Kirchen: die Pfarrkirche des Hl. Johannes des Täufers innerhalb der Stadt und die Filialkirche St. Stephan. In Z. stand die gotische Pfarrkirche St. Nikolaus; auf der Burg befand sich die Kapelle der Seligen Jungfrau Maria. 1651 hatte die Herrschaft vier Pfarrkirchen und vier Filialkirchen und eine Kapelle, die von dem niedergerissenen Kl. in Svatá Dobrotivá übriggeblieben ist.
Unter der Burg Z., auf dem östlichen Abhang, stand eine Siedlung, die irgendwann im ersten Drittel des 14. Jh.s zur Stadt wurde. Wann es geschah, ist nicht bekannt. 1336, als Johann von Luxembourg die Herrschaft Z. an Peter von → Rosenberg verkauft hatte, schrieb man schon von der Burg mit einer Städtchen (castrum Sbyroh cum oppido ibidem). Über das Städtchen Z. und seine Privilegien stehen sogar aus späteren Zeiten keine Informationen zur Verfügung, da alle seine Urk.n und Stadtbücher beim Rathaus- und Stadtbrand i.J. 1639 vernichtet worden waren.
III.
Das Schloß Z. besteht aus zwei Teilen: aus einer Vorburg mit einem fast rechteckigem Grundriß und aus einer Hauptburg mit einem unregelmäßigen fünfeckigen Grundriß. Beide Burghöfe wurden mit Gebäuden bebaut. An der Westseite der Vorburg befindet sich das Eingangstor; in die früher durch einen Abschnittsgraben mit einer Fallbrücke getrennte Burg kam man durch das zweite Burgtor. An der östlichen Spitze des Burgfünfecks steht der zweigeschossige Palas mit Kapelle. Auf dem Burghof in der Nähe des Palas befindet sich freistehend der 20 m hohe Bergfried, der das älteste Objekt der ganzen Burg ist. Im südlichen Teil des Burghofs, im niederen Keller, ist ein über 150 m tiefer Brunnen.
Von den Renaissancebaumeistern ist nur Giovanni Bianco (de) Milland (tätig vor 1603) bekannt.
Die Burg entstand wahrscheinlich unter Depolt von Z. aus dem Geschlecht Drslavic vor 1282. Unter den Herren von → Rosenberg fand kein grundsätzlicher Umbau statt, da sie sich hier nicht dauernd aufhielten; erst in der zweiten Hälfte des 15. Jh.s unter den Herren von Kolowrat wurde die Burg umgebaut und erweitert. Damals wurden der vierkantige Turm über dem Eingangstor in der Vorburg angebaut, die Fortifikation verstärkt, runde Bollwerke zugebaut, Häuser in der Vorburg gebaut und der Bau der Burgkapelle abgeschlossen. Unter den Herren von → Lobkowitz im 16. Jh. baute man in der Hauptburg. Dort erwuchs das neue große Haus neben dem kleineren Haus (alter Palas); an der Südseite der Vorburg entstand ein großer Saal mit Renaissancetafeldecke. Unter Ks. Rudolf II. an der Wende des 16. und 17. Jh.s erbaute man in der Vorburg einen eingeschossigen Palast mit zwei Flügeln, dem westlichen und dem östlichen. Weitere bedeutende Renovierungen und Umbauarbeiten wurden erst nach dem Dreißigjährigen Krieg durchgeführt.
1526 konnten die Brüder Ladislaus und Johann d.Ä. von → Lobkowitz v.a. die renovierten Objekte bewohnen, d.h. das kleinere Haus (ehem. Palas) mit einer großen Stube, dem Bedienstetenzimmer, einer weiteren Stube, einer kleineren Stube und einer Kammer, einem balkonartigen Gang, einem Tafelzimmer, Tafeldeckerei u. a. und das sog. neue große Haus, das aus einem Frauenzimmer, einem Vorzimmer, einem Keller des Frauenzimmers, einem Weinkeller, einem großen Keller unter dem Saal, zwei Tafelkammern über der Stube mit einem Weinkeller, einer Vorkammer, Stube des Fürsten mit einer Kammer bestand. Später wurden noch die Räumlichkeiten im Westflügel der alten Burg über dem Eingangstor umgebaut. Dort befanden sich u. a. die Kanzlei und die Zimmer des Rentschreibers. In der Vorburg, mitten im Hof stand ein Brunnen, in den das Wasser durch eine Leitung aus dem Burgtal geschöpft wurde; links befand sich eine Schmiede. Im Südflügel des neuen Palasts (erbaut unter Rudolf II.) lagen die Zimmer des Hauptmanns mit Kammer, im Geschoß weitere Zimmer, im Erdgeschoß zwei Marställe. Vor seiner Flucht aus dem Land bewohnte Ladislaus d.J. von → Lobkowitz mit seiner Familie Zimmer im alten Palas am Bergfried, z. B. die Stube des Frauenzimmers, d.h. das Goldene Zimmer, die Stube am Goldenen Kamin, den Keller vor dem Goldenen Zimmer, das neue Zimmer, die Kammer usw.
Die alte gotische Burg mit einer ausgedehnten Vorburg hatte im 16. Jh. unter dem Einfluß der einzelnen Umbauarbeiten und Umgestaltungen von inneren Räumlichkeiten den Charakter einer ma. Burg mit Wehraufgabe verloren und wurde zu einem Schloß umgewandelt. Die Lage und Disposition der mit starken gotischen Mauern umschlossenen Anlage verhinderten ihren vollständigen radikalen Umbau im Renaissancestil. Dies war auch der Grund, warum Johann d.Ä. von → Lobkowitz seinen alten Hauptwohnsitz in Z. verließ, nachdem der Bau und die Einrichtung des neuen Renaissanceschlosses in → Libochowitz (1567) beendet worden war. Nach 1620 diente die Burg Z. als Gefängnis für jene Adlige, die sich am Ks. verschuldeten. Der letzte Herr von → Lobkowitz, der auf Z. »saß«, war in den Jahren 1622-1626 Wilhelm d.Ä. von → Lobkowitz aus der Linie von → Bischofteinitz (Horšovský Týn). Obwohl er einer der Anführer des böhm. Ständeaufstands und der oberster Hofmeister des Kg.s Friedrich von der Pfalz gewesen war, ist er nach Fürsprache Zdenko Adalberts und Polyxena von → Lobkowitz der Hinrichtung am Altstädter Ring (21. Juni 1621) entgangen und zu lebenslänglichem Gefängnis auf Z. verurteilt worden.
Quellen
Praha, Státní oblastní archiv v Praze [Staatliches Regionalarchiv in Prag] – fond Velkostatek Zbiroh (1566-1948) [Archivbestand Großgrundbesitz Zbiroh (1566-1948)]. – Zámek Nelahozeves, fond Lobkovicové roudničti – Rodinný archiv [Schloß Mühlhausen, Lobkowitz von Raudnitz – Familienarchiv].
Literatur
Fridrich, Jan: Vilém starší Popel z Lobkovic ve světle své korespondence z let 1621-1625, in: Minulostí Západočeského kraje 15 (1979) S. 201-219. – Hrady, zámky a tvrze v Čechách, na Moravě a ve Slezsku Bd. 4: Západní Čechy, hg. von Zdeněk Fiala u. a. Praha 1985, S. 402-405. – Podlaha, Antonín: Topographie der Historischen und Kunst-Denkmale im politischen Bezirke Rokytzan, Prag 1901, S. 171-175. – Sedláček, August: Hrady, zámky a tvrze Království českého, Bd. 6: Podbrdsko, Praha 1889, S. 234-257. – Soupis poddaných panství Zbiroh podle víry z roku 1651, in: Minulostí Rokycanska 10 (1998) S. 7-41.