Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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LOBKOWITZ

C. Raudnitz

I.

Im MA nannte man den Ort: Rudenitz (1184), Rudnice (1194), Rudnicz (1237), Rúdnice (15. Jh.) usw.; in der Frühen Neuzeit Raudnicze, bzw. Raudnicze nad Labem (tsch.) und R. (dt.).

R. an der Elbe liegt in der Tschechischen Republik, ungefähr 40 km nördlich von Prag, am linken Ufer des großen Elbbogens in der Nähe von Georgsberg (Říp).

Am Ende des untersuchten Zeitraums (1650) gehörte zum Schloß in R. die gleichnamige Herrschaft, die Schloß und Stadt, ein Städtchen und 30 Dörfer sowie die inkorporierten Güter Ctiněves mit sieben Dörfern und Brozan mit einem Städtchen und zwei Dörfern umfaßte. Zum Schloß zählten auch 26 Lehngüter.

Das R.er Schloß und die Herrschaft befanden sich im Besitz der Herren von → Lobkowitz seit 1603, genauer im Besitz Polyxenas, geb. von → Pernstein, und ihres Mannes Zdenko Adalberts von → Lobkowitz; seit 1635 deren Sohnes Wenzel Eusebius, Fs.en von → Lobkowitz. Heute gehört das Schloß Martin Lobkowicz.

Der ursprgl. Herrenhof mit einer Festung aus dem 12. Jh., bzw. einer Burg aus dem 13. Jh. mit einem damals zur Stadt umgestalteten Marktdorf, wurde in der ersten Hälfte des 14. Jh.s unter dem Prager Bf. Johann IV. von Draschitz wiederaufgebaut. Seine Nachfolger, Ernst von Pardubitz und Johann Očko von Wlašim, haben den Bau zu Ende geführt. Im 15. Jh. wurde die Burg beschädigt und verwüstet. Erst im 16. Jh. wurde sie für Wohnzwecke hergerichtet und anschl. um Anbauten von zwei Renaissanceflügeln erweitert, und somit zum Schloß mit einem romanisch-gotischen Burgkern umgewandelt. Nach 1650 wurde dieses Schloß gründlich im neuen Frühbarockstil umgebaut.

II.

Das Schloß und die Herrschaft R. liegen in der fruchtbaren Ebene an der unteren Elbe in einer Höhe von 195 m. Der Res.ort grenzt an den Fluß, der die nördliche Grenze des Extravilans bildet; das Schloß (die Burg) wurde auf dem Bergsporn eines allmählich nach S steigenden Abhangs gebaut. Die Stadt entstand aus dem ursprgl. Marktdorf, das unter der Burg nordwestlich vom Fluß lag (sog. Altstadt), von dort aus erweiterte sie sich auf den Abhang hinauf (sog. Neustadt, rechtliche Gründung in der zweiten Hälfte des 14. Jh.s). Die Stadt lag an der Landstraße von Prag in die Lausitz, die den befahrbaren Fluß Elbe – ihren zweiten bedeutenden Transportweg – zuerst mit einer Furt, später mit einer Brücke überquerte. Die R.er Steinbrücke ließ nach 1333 der Bf. Johann IV. von Draschitz bauen. Während des Dreißigjährigen Krieges i.J. 1631 wurde die Brücke von den sächsischen Soldaten beschädigt und ein paar Jahre später von den schwedischen Truppen endgültig vernichtet. Die nähere und weitere Umgebung von R. (Podřipsko) hatte seit dem späten MA den Charakter eines landwirtschaftlichen Gebiets mit überwiegend Getreide- und Weinanbau und Obstbaumzucht.

Über die Besiedlung der Lokalität im MA lassen sich keine konkreten Angaben vermitteln. Man kann nur annehmen, daß mit der wachsenden Stadt und ihrer Vorstädte auch die Bevölkerungszahlen anstiegen, und dies auch trotz zahlr. demographischer Krisen (als Folgen der Epidemien, Kriege, Hungersnöte und Naturkatastrophen). Die Bevölkerungsdichte und die Sozialstruktur der Stadtbewohner sind teilw. erst für das 16. und die erste Hälfte des 17. Jh.s erfaßbar, ermöglicht v.a. auf Grundlage von Stadtbüchern, Steuererklärungen und verschiedenen Konsignationen der Bürger und ihrer Häuser. Zu Beginn der letzten Dekade des 16. Jh.s zählte man in R. (ohne Vorstädte) 247 ansässige Bürger, d.h. Hausbesitzer und Renten- und Steuerzahler, 212 Pächter, also Männer, die kein Haus besaßen. Um 1630 wurden in R. 144 Bürger gezählt; zehn Jahre später (1641) waren es nur noch 125; 43 Häuser waren beschädigt und unbewohnbar. An die Stadt grenzten drei Vorstädte an, Bezděkov und Hracholusky mit eigener Verwaltung, Hasa unter der Jurisdiktion der Stadt. In diesen Stadtteil wurde i.J. 1615 die jüdische Kommunität übersiedelt, die in dieser Zeit elf Ansiedler, 26 Pächter und 48 Jungen und minderjährige Knaben (bis zum 20. Lebensjahr), insg. 85 Personen männlichen Geschlechts zählte. Sie stand unter Schutz der Obrigkeit und unterlag indirekt der Jurisdiktion der Stadt. Die Kommunität hatte ihre eigene Verwaltung. Die Bürger lebten von Landwirtschaft, Handel und Handwerk. Die Handwerker organisierten sich in Zünften, i.J. 1630 waren es insgesamt acht (Fleischer-, Bäcker-, Schneider-, Kürschner-, Schuster-, Schmiede-, Böttcher-, und Seifensiederzunft). Dazu gehörten auch unabh., spezialisierte Handwerker, z. B. Glockengießer, Tuchmacher, Zimmermann, Buchbinder u.ä.

Im 16. und 17. Jh. gehörte R. zum Slánský kraj (Kr. Schlan) und zur Prager Erzdiöz. Bis zum Ende der Hussitenkriege diente R. als ländliche Res. der Prager Bf.e, bzw. Ebf.e. Im 12. Jh. wirkten in R. Erzdiakone; Bf. Johann IV. von Draschnitz ließ die Pfarrkirche umbauen und ein Spital mit kleiner Kirche errichten (niedergerissen in der Mitte des 19. Jh.s). Im Jahre 1333 stiftete er das Kl. der Augustiner-Chorherren. Während der Hussitenkriege wurde das Kl. niedergebrannt und die Mönche verließen die Stadt und das Land. Das Kl. verschwand am Anfang des 16. Jh.s; die einzige Erinnerung daran stellt der Titel des Propstes dar, den die Pfarrer von R. tragen. Die Kirchenverwaltung in der Stadt besorgten die protestantischen Geistlichen (Utraquisten). Erst am Ende des 16. Jh.s übernahmen katholische Pfarrer die Verwaltung. Die Obrigkeit, d.h. Zdenko Adalbert von → Lobkowitz und seine Frau Polyxena geb. von → Pernstein, gründete in der zweiten Dekade des 17. Jh.s in der Nähe des Schlosses ein Kapuzinerkl., das zum Zentrum der gewaltlosen Rekatholisierung der Stadt, der Herrschaft sowie der Bestattungsstätte der Herren von → Lobkowitz von R. wurde. Das Kl. wurde i.J. 1950 aufgelöst. In der Nähe der Stadt, auf dem Georgsberg (Říp), stand (und steht bis heute) die St.-Georg-Kapelle, die im MA auch dem Hl. Adalbert (Vojtěch) geweiht war. Sie war ein Wallfahrtsort und gehört bis heute zur Pfarrkirche Mariä-Geburt in R.

Die Umwandlung des Marktdorfes R. zu einer Stadt verlief in der Zeit vor 1279 unter der Regierung des böhm. Kg.s Przemysl Ottokar II. Ungefähr in den 80er Jahren des 13. Jh.s wurden die Pflichten der Bürger auf den Lohn umgestellt und die Stadt fortifiziert. Erst im 14. Jh. gipfelte seine vorherige Transformation in eine organisierte, sozial differenzierte, ökonomisch stabilisierte Untertanenstadt der Prager (Erz-)Bf.e mit Stadtrecht ab. R. richtete sich nach dem sog. Magdeburger Stadtrecht und war dem Berufungsgericht in Leitmeritz (Litoměřice) untergeordnet. Seit der Mitte des 14. Jh.s führte das Gericht in R. ein Stadtbuch (viell. auch mehrere) für privatrechtliche Angelegenheiten der Bürger. Das älteste bekannte Privileg – abgesehen vom Falsum aus dem Jahre 1237 – erteilte der Stadt i.J. 1302 Bf. Johann IV. von Draschitz. Das Privileg bestätigte das vom Bf. Tobias eingeführte emphyteutische Recht (um 1279). Dieses inzwischen verbrannte Vorrecht konfirmierte i.J. 1378 der Prager Ebf. Johann Očko von Wlašim und gründete dabei die sog. R.er Neustadt. Das nächste Privileg, das die R.er Bürger allerdings abgelehnt hatten, war die Urk. des Ebf.s Zbyněk Zajíc von Hassenburg aus dem Jahre 1406. Während der Hussitenkriege verlieh Ebf. Konrad von Vechta seine Burg in R. zusammen mit Stadt und Herrschaft dem Adligen Johann Smiřický von Smiřice und seinem Bruder Heinrich. Das erste kgl. Privileg erhielt die Stadt vom Kg. Ladislaus Posthumus. Dieses bestätigte die Urk. aus dem Jahre 1237, die eine Fälschung war; i.J. 1467 konfirmierte Kg. Georg von Podiebrad alle R.er Privilegien. Seine Soldaten hatten kurz zuvor die von Zdenko von → Sternberg, dem Vormund der verwaisten Kinder Johann Smiřickýs, besetzte Stadt mit der Burg erobert. Weitere Privilegien erteilte Kg. Wladislaw II. Jagiello der Stadt in den Jahren 1472, 1497, 1499, 1502. Diese berechtigten die Stadt, drei Jahrmärkte zu veranstalten, und die Bürger konnten das Vermögen anhand von Testamenten vermachen und mußten keinen Zoll für Waren des eigenen Bedarfs an die Obrigkeit zahlen. Nach Johann Smiřický, der der Stadt ein Salzhaus und das Recht auf Verkauf von Salz zum gemeinen Nutzen schenkte, besaßen oder verpfändeten das Schloß, die Stadt und die Herrschaft viele böhm. Adlige und im 16. Jh. für eine bestimmte Zeit auch poln. Magnaten – Gf.en Tarnowski und Fs.en Ostrogski. Einige Jahre an der Wende der dritten zur vierten Dekade des 16. Jh.s verwalteten sogar die Bürger von R. selbst (Stadtrat) die Herrschaft. 1575 kaufte Wilhelm von → Rosenberg die Herrschaft und gliederte sie in sein Dominium ein, dessen Hauptverwaltung sich in Böhm. → Krumau befand. Dieser Aristokrat erteilte der Stadt am 24. Mai 1589 ein Privileg, das die Bestätigung vorheriger Vorrechte und die Schenkung eines leeren Teiches bei der Vorstadt Hracholusky umfaßte. Darüber hinaus stellte er einige Zunftartikel aus. Nach seinem Tod verwaltete die Herrschaft R. seine Wwe. Polyxena von → Rosenberg, geb. von → Pernstein. Auch sie erteilte der Stadt am 21. Sept. 1595 ein Privileg, das alle vorherigen Privilegien bestätigte und die jüdische Bevölkerung aus der Stadt verwies (die Vertreibung fand allerdings nie statt.) Noch daher erhielt die Stadt ein kgl. Privileg. Es stammte vom Ks. Rudolf II. und war auf den 10. Juni 1591 dat. In dem Privileg verordnete der Ks. eine Zollerhebung für verkaufte Pferde und Rinder und änderte den Termin eines der drei Jahrmärkte. Das letzte Privileg im untersuchten Zeitraum war die Bestätigungsurk. Kg. Friedrichs von der Pfalz vom 4. Juli 1620. Kurz nach der Schlacht am Weißen Berg während der Besatzung der Stadt durch die ks. Truppen wurden alle Privilegien der Stadt entzogen und erst i.J. 1628 von Polyxena, Fs.in von → Lobkowitz, bis auf die Urk. von Friedrich von der Pfalz, zurückgegeben. Für die Wiederverleihung der Privilegien mußte die Stadt jedoch teuer bezahlen.

In der Frühen Neuzeit verwaltete die Stadt ein zwölfköpfiger Stadtrat mit Bürgermeister und erstem Stadtrat (Primas), Versammlung der Gemeindeältesten (auch zwölfköpfig), einem Stadtrichter und Gemeindeschreiber an der Spitze. Nicht immer waren der Stadtrat und die Gemeindeältesten in vollständiger Zahl anwesend. Die obrigkeitliche Verwaltung der Stadt und die Aufsicht über den Stadtrat übte der Schloßhauptmann aus, und seit 1608 auch der Regent (Oberverwalter) aller Güter des Zdenko Adalbert Popels von → Lobkowitz und der Polyxena von → Lobkowitz.

Die Beziehungen zwischen dem Schloßherrn, bzw. seinen Beamten (Hauptmann, Bgf.) und Schreibern, und den Bürgern lassen sich sehr gut seit dem späten 16. Jh. und ausführlicher seit der ersten Dekade des 17. Jh.s beobachten. Weder Wilhelm von → Rosenberg noch Polyxena, seine Frau und Erbin von R., und ihr zweiter Ehemann Zdenko Adalbert von → Lobkowitz hatten auf dem Schloß ihren dauerhaften Wohnsitz. Die alltäglichen Kontakte und gelegentlichen Auseinandersetzungen verliefen nur unter den Bürgern, den Obrigkeitsbeamten und der Dienerschaft, die überwiegend aus dem städtischen Milieu stammten. In den Quellen spiegeln sich v.a. verschiedene Uneinigkeiten, Mißverständnisse und Streitigkeiten, die meistens die Obrigkeit oder der Regent entscheiden mußten, bes. wenn souveräne Rechte und Ansprüche betroffen waren. Der größte, den Mikrokosmos der Stadt überschreitende Konflikt zwischen der Stadt und dem Schloß war in dieser Zeit der Widerstand und Ungehorsam der Stadtgemeinde gegenüber dem Hauptmann und die abwesende Obrigkeit in den Jahren 1619 und 1620.

III.

Da die wirkliche Gestalt der Burg bzw. des Schlosses in R. vor 1650 nicht bekannt ist und keine umfassenden Quellen über ihre Bauveränderungen in dieser Zeit und über deren ausführende Kräfte (Baumeister, Maurermeister, Steinmetze u. a.) vorliegen, sind die Erkenntnisse unvollst. und bruchstückhaft. Der Barockumbau des Schlosses ist ausführlich im Buch von Monika Brunner-Melters beschrieben und interpretiert.

Die Lage und der Grundriß des Renaissanceschlosses in R. (vor dem Barockumbau) wurden auf dem Lageplan aus der Mitte des 17. Jh.s, wahrscheinlich vom Baumeister Francesco Caratti, verzeichnet. An die ursprgl. gotische Burg (Nordflügel) mit mächtigem Ostturm, mit sechs Basteien an der Nordwest- und Nordseite der Ringmauer grenzten zwei Seitenflügel an – der Ostflügel vom Burgturm im rechten Winkel und der Westflügel von der Ecke der Burg im scharfen Winkel südöstlich orientiert. Das Gelände umschloß der kurze verbindende Südflügel mit einem Tor. Auf dem Burghof befand sich ein Brunnen. Die Anbauten, d.h. die beiden Flügel und der südliche Verbindungsflügel, hatten wahrscheinlich die Gestalt etagenförmiger Renaissancebauten. Den Grundriß der alten Burg (ohne Anbauten) verzeichnet auch ein Plan mit ital. Beschreibungen aus dem letzten Viertel des 16. Jh.s.

In der zweiten Dekade des 17. Jh.s arbeitete in R. der Steinmetz Kaspar Wlach – wahrscheinlich Johann Casparini (beteiligt v.a. an dem Bau des Kapuzinerkl.s); im Dienst der Herren von → Lobkowitz war auch der Baumeister Campion – wahrscheinlich Giovanni Battista Bussi de Campione (seine Bautätigkeit ist in R. nicht explizit nachgewiesen).

In den Schriftstücken des Lobkowitzer Familienarchivs aus dem 16. und aus der ersten Hälfte des 17. Jh.s finden sich nur vereinzelte Berichte oder Erwähnungen über kleine Renovierungen und Veränderungen des Schlosses (z. B. Tapezier- und Malerarbeit i.J. 1596).

Die äußere Beschreibung, genauer die kurze Charakteristik des Schlosses ist in den Urbaren der Herrschaft R. aus den Jahren 1592 und 1641 verzeichnet. Die zweite von ihnen ist ausführlicher: Das Schloß stand auf einem felsenartigen Hügel über der Elbe. Sie wurde nach alter Art aus Stein und Holz gebaut und war mit Schindeln gedeckt. Sie war durch eine Zufahrt in der Richtung von der Stadt her erreichbar. Sie hatte zwei Tore. Das erste verschloß den Burghof (den geräumigen Platz), den von vier Seiten Gebäude aus Ziegelsteinen und Holz umschlossen, das zweite Tor (also Außentor) verschloß den kleineren Platz mit einem Gebäude, in dem sich die Kanzleien und Zimmer des Hauptmanns und der Schreiber befanden, weiter die Torwächterstube, eine Stube und Kammer, u. a. Dieses Tor wurde mit einer Fallbrükke geschlossen, unter der ein tiefer Graben war. Das Urbar führt auch die Anzahl der Räumlichkeiten im ganzen Schloß auf: 17 Wohnzimmer, fünf gewölbte Keller, vier unterirdische Weinkeller (weitere wurden gebaut), eine Kapelle, sechzehn Kammern, eine Speisekammer, eine Küche mit Stube, drei gewölbte Ställe für 22 Pferde; auf dem Burghof stand ein tiefer Brunnen mit einem steinernen Futtertrog (über dem Brunnen stand ein Baum – eine Linde). In der Nähe südöstlich vom Schloß befand sich ein unvollendetes Haus (Palas). Eine genauere Beschreibung liegt in den Schloß- und Herrschaftsinventaren aus den Jahren 1588, 1589 und 1591 vor, also noch aus der Zeit der Herrschaft der Herren von → Rosenberg. Nach dem letzten Inventar aus dem Jahre 1591 (es ist kein jüngeres vorhanden!) befanden sich im Schloß ein Speisesaal, das Zimmer des Herrn, eine kleine Stube, die Frauenzimmerstube, ein kleiner Keller hinter dieser Stube, die Frauenzimmerkammer, eine Kapelle, eine kleine Stube über dem Keller, eine Halle vor den Zimmern des Herrn, ein Vorzimmer, ein Zimmer über der Küche, eine Kammer, die ehem. Rüstungskammer, der Schloßmarstall und unter ihm ein Schuppen, eine Kammer für Knechte, eine Kammer für die Köchin, die Küche, der sog. untere Keller an der Schloßtreppe, die große Hofstube, die Kanzlei des Rentenschreibers, die Schreiberkammer, die kleine Kanzlei, das Hauptmannszimmer, die Kammer, die Silberkammer, die Speisekammer, die Kammer des Getreideschreibers, ein Weinkeller, eine Bäckerei und die Torwächterstube. Neben dem Schloß stand das Herrenhaus und dort befand sich eine große Stube, eine Kammer (gelegentliches Schlafzimmer des Hofmarschalks) und ein Keller im Saal; in der Nähe des Hauses befanden sich der Marstall und die Schmiede.

Aus den vorliegenden Beschreibungen ist ersichtlich, daß das Schloß am Ende der Rosenbergischen Herrschaft und in der ersten Hälfte des 17. Jh.s den Charakter einer ländlichen Wohnstätte mit einem gewissen Komfort für den Besitzer/die Besitzerin und deren Familie besaß, die nur eine beschränkte Anzahl an der Hofmitglieder und Diener hatte. Die repräsentative Funktion der Res. mit einer relativ geringen Unterkunftskapazität und die uneinheitliche Gestalt des gotischen Burgflügels mit den Renaissanceseitenanbauten und dem jüngsten südlichen Verbindungsflügel hat den Fs.en von → Lobkowitz kaum völlig konvenieren können. Aus diesem Grund entschied sich Wenzel Eusebius, Fs. von → Lobkowitz nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges, für einen großzügigen und kostspieligen Umbau der Res., die bis auf einige Elemente und Ziegelwerkteile die vorherige Gestalt der Burg und des Schlosses in R. verwischte.

Quellen

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