LOBKOWITZ
I.
Im MA nannte man den Ort Tockzau (1352-1369), Dokczaw (1356), Toxan (1363), Duchczow (1363, 1398, 1423), Duchczaw (1374), Dukczaw (1392), Duchzow (1460), Duchtzow (1482); in der Frühen Neuzeit: Duxaw (1512), Duchczow (1549), Duchs (1720), D. (1757).
Das Schloß und die Herrschaft D. (Duchcov) liegen in Nordwestböhmen, ungefähr 8 km von Teplitz (Teplice). Aus dem ursprgl. Herrenhof, der den Hrabischitz von Osegg gehört hatte, entstand im 14. Jh. eine gotische Burg. 1426 wurde die Burg D. verwüstet und 1491 wiederaufgebaut. Im 16. Jh. ließ Wenzel Popel von → Lobkowitz die gotische Burg zu einem Schloß im Renaissancestil umbauen. Die heutige Gestalt des Schlosses im Barockstil stammt aus der zweiten Hälfte des 17. Jh.s. Anfang des 19. Jh.s wurde das Schloß im klassizistischen Stil hergerichtet.
Das Schloß und die Herrschaft befanden sich im Besitz der Herren von → Lobkowitz aus der Linie von D. von 1527 bis 1642. Nach dem Tod des letzten männlichen Mitglieds dieser Linie Franz Josephs (1617-1642) verwaltete das Schloß seine Wwe. Polyxena Maria geb. von Talmberg. Über ihre Person ging D. in den Besitz der Herren von Waldstein über und blieb dort bis zum Jahr 1920, als es ihnen zufolge der Agrarreform entzogen und in den Besitz des tschechoslowakischen Staats überführt wurde.
II.
D. liegt am Bach Osegg im flachen Terrain des Nordböhm. Beckens (Brüxer Becken). An der Ostseite grenzt der Teich St. Barbara an die Stadt. Die Landschaft in der Umgebung der Stadt vernichtete im 20. Jh. der Braunkohlenabbau.
Im Raum um D. wurde eine frühere slaw. Siedlung gefunden, deren Stütze die bedeutende Siedlung der Lemusen (Lemůzové) in Soberschan (Zábrušany) war. Diese entstand entweder im 8. oder am Anfang des 9. Jh.s. In der zweiten Hälfte des 9. Jh.s fiel D. unter die Przemysliden-Burgstätte in → Bilin. An der Wende des 10. und 11. Jh.s gewann die Siedlung D., die man lt. den letzten Untersuchungen mit dem in den Quellen vom Anfang des 13. Jh.s nachweisbaren Marktdorf Hrabischin (Hrabišín) gleichsetzen kann, an Bedeutung. Die Umwandlung von Hrabischin in die dt.-tsch. Lokationsstadt D. verlief wahrscheinlich um 1240. Man kann auch die Möglichkeit nicht ausschließen, daß die Stadt erst unter der Herrschaft Przemysl Otakars II. in der zweiten Hälfte des 13. Jh.s gegr. wurde. Am Ende des 14. Jh.s standen innerhalb der Stadtmauer ungefähr 60 Häuser, i.J. 1654 waren es schon 75 Häuser, neun von ihnen bezeichnete man als verwüstet.
Im Wirtschaftsleben der Stadt spielte neben Handwerk und Handel auch die Landwirtschaft eine wichtige Rolle. Es handelte sich v.a. um Viehzucht, Getreide-, Hopfen- und Weinanbau. In der zweiten Hälfte des 15. Jh.s wurden in der Stadtumgebung viele neue Teiche angelegt. Für die Wirtschaft war bereits am Ende des 15. Jh.s das Bergbauunternehmen (Zinn) von Bedeutung.
Die Stadt D. gehörte seit ihrer Gründung zur Prager (Erz-)Diöz. Seit dem 13. Jh. fiel sie unter das Erzdiakonat in → Bilin. Ungefähr in der Mitte des 13. Jh.s wurde hier die spätromanische St.-Georg-Kirche, die in der ersten Hälfte des 15. Jh.s im gotischen, am Ende des 16. Jh.s dann im Renaissancestil umgebaut wurde, gegr. 1845 wurde sie niedergerissen. Außerhalb der Stadtmauer vor dem Brüxer Tor befand sich seit dem 14. Jh. die Heilig-Kreuz-Kirche, in deren Nähe Georg Popel von → Lobkowitz ein Spital errichten ließ. Beide Bauwerke sind im 18. Jh. im Zusammenhang mit der Erbauung des neuen Waldsteiner Spital zerstört worden. Spätestens in der zweiten Hälfte des 15. Jh.s wurde die gotische Friedhofkirche St. Barbara gebaut, die auf dem ehem. alten Friedhof stand. Am neuen Friedhof ließen die Herren von → Lobkowitz i.J. 1636 die Maria-Hilf-Kapelle erbauen.
Die ursprgl. Besitzer von D. waren die Hrabischitz von Osegg, Herren von Riesenburg. D. gehörte zur Herrschaft Osegg. 1339 leistete Boreš von Riesenburg die Lehnspflicht von allen seinen Gütern dem Kg. Johann von Luxembourg. 1398 verkaufte der verschuldete Boreš IV. von Riesenburg die Burg Osegg, das Kl. in Osegg und die Stadt D. an den Meißner Mgf. Wilhelm Wettin und seine Frau Elisabeth. 1426 wurden die Stadt und die Burg von den Hussiten vernichtet. Der Wiederaufbau der verlassenen Stadt schritt nur langsam voran. Seit 1434 verwaltete D. der Meißner Mgf. Erst 1459 schloß Kg. Georg von Podiebrad D. und Osegg an das Kgr. Böhmen an. Seit 1461 gehörte D. als Verpfändung Prokop von Rabenstein. Nach ihm verwaltete die ganze Herrschaft sein Bruder Heinrich von Rabenstein. In den Jahren 1471-1473 organisierte der Hzg. von Sachsen gegen Heinrich von Rabenstein einen Kriegszug, in dessen Folge ihm die Herrschaft entzogen und an die Kg.in Johanna übergeben wurde. 1474 übergab Kg. Wladislaw II. Jagiello die Herrschaft Osegg mit D. an Paul Kaplíř von Sulevice. D. wird in dieser Zeit zum Zentrum der Herrschaft Osegg. Die Herren Kaplíř von Sulevice besaßen D. bis zum Jahre 1527. Damals verkaufte Johann Kaplíř von Sulevice die Herrschaft Osegg an Depolt Popel von → Lobkowitz. Nach dem Tod des Depolt Popel von → Lobkowitz (gest. 1527) übernahm D. dessen Sohn Wenzel (gest. 1574), der die Linie von D. begründete. 1538 erteilte der König Ferdinand I. von Habsburg den Herren von → Lobkowitz.D. ins erbliche Eigentum. Nach Wenzels Tod verwaltete D. seine Wwe., Bonuše von Weitmile (1574-1583), dann ihr Sohn Georg (gest. 1590) und nach diesem sein Bruder Adam Gall (gest. 1606). Nach dem Tod Adam Galls verwalteten D. bis zum Jahre 1612 seine Schwestern Barbora und Anna. Im Jahre 1612, nachdem Adams Sohn Wenzel Wilhelm (1612-1621) volljährig geworden war, übernahm er die Herrschaft. Mit seinem Nachkommen Franz Joseph starb i.J. 1642 die Linie der Herren von → Lobkowitz in D. aus. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt infolge des Einfalls der Schweden, die sie 1634 niedergebrannt hatten, stark beschädigt. 1642 ging D. in den Besitz Maximilians von Waldstein, des Ehemanns der Wwe. von Franz Joseph, über.
Das älteste erhaltene Stadtbuch stammt aus dem Jahre 1389. D. richtete sich damals nach dem Magdeburger Stadtrecht. Das Stadtgericht bildeten Richter, Bürgermeister und Beeidete. Im Jahre 1438 bestätigte der Hzg. von Sachsen Friedrich den Stadtbürgern ihre Vorrechte und Freiheiten, die sie von seinem Vater erhalten hatten. Es handelte sich um die Berechtigung zur Bezollung der durchfahrenden Kaufleute, das Erbrecht der Bürger, das Recht auf freie Verfügung über Güter ohne Erlaubnis der Obrigkeit und das Recht auf freien Fischfang im Stadtgraben. 1460 bestätigte der König Georg von Podiebrad alle Freiheiten der Stadt. Er erteilte ihr die Berechtigung zum Brauen und Verkauf von Gerstenbier, erneuerte den Wochenmarkt, trat ihr die Weide ab und gab ihr ein neues Wappen mit doppeltgeschwänztem Löwen, der die Zugehörigkeit der Stadt zum Kgr. Böhmen hervorheben sollte. Im Jahre 1480 erlaubte Wladislaw II. Jagiello der Stadt die Veranstaltung des Jahrmarkts und die Mauteinnahme. Das Recht auf die Zollerhebung enthielt auch das Privileg von dems. König aus dem Jahre 1512. Die Bürger waren allerdings verpflichtet, die Straßen und Wege zu renovieren. 1586 gestattete ihnen Georg Popel von → Lobkowitz Weizenbier in der Bürgerbrauerei herzustellen und Wein, Salz und Harz zu verkaufen. 1622 bestätigte ihnen Ks. Ferdinand II. das Stadtwappen.
Über die Beziehungen zwischen der Obrigkeit und der Stadt läßt sich aus den erhaltenen Quellen nichts Wesentliches erschließen.
III.
Die Gestalt der Burg D. ist nicht bekannt. Der ursprgl. Herrenhof der Hrabischitz befand sich an der Stelle des südlichen Flügels des heutigen Schlosses. Im 14. Jh. wurde sie im gotischen Stil umgebaut. Diesen Umbau belegen die Kellerräume im Südflügel des Schlosses. Im Jahre 1426 wurde die Burg verwüstet und i.J. 1491 vom Paul Kaplíř von Sulevice wiederaufgebaut. In dieser Zeit wurde die Burg außerhalb der Stadtmauer erweitert und nahm die ganze Fläche des heutigen Schlosses ein.
Es gibt ebenfalls kaum Auskünfte über die Gestalt des Renaissanceschlosses aus dem 16. Jh., dessen Bau in zwei Etappen durchgeführt wurde. Der Auftraggeber war in beiden Etappen wahrscheinlich Wenzel Popel von → Lobkowitz, dem D. in den Jahren 1538-1574 gehörte. Aus der ersten Etappe sind zwei Räumlichkeiten in der südlichen Hälfte des Westflügels erhalten. Es handelt sich um den Vorsaal der Waldsteinbibliothek mit einem beachtenswerten Gewölbe. Die zweite Räumlichkeit wurde durch den späteren Barockumbau beschädigt.
Zu einer bedeutenden Bautätigkeit kam es um 1570. Damals entschied sich Wenzel von → Lobkowitz, das Schloß nach dem Projekt des ital. Baumeisters Ulrico Aostalli umbauen zu lassen. Die Reste dieses Baus blieben bisher im Organismus des Schlosses D. erhalten und lassen sich relativ einfach erkennen. Es handelt sich v.a. um einen Gang im Erdgeschoß des Schlosses, der ursprgl. eine offene Arkade war. Im Keller unter der Vorhalle des heutigen Schlosses sind auch die Reste der Renaissancetreppe sichtbar. Das Renaissanceschloß in D. hatte zwei Nebenflügel und höchstwahrscheinlich enthielt es auch wesentliche Teile der ursprgl. gotischen Burg.
Der Baumeister des Schlosses war Philipp Wlach, der die Pläne des berühmten ital. Baumeisters Ulrico Aostallis (1525?-1597) verwendete.
Über die innere Organisation der Wohnräume oder über ihre Ausstattung sind für den untersuchten Raum keine Informationen vorhanden.
Das Schloß D. diente als ländliche Hauptres. der Linie der Herren von → Lobkowitz von D. nur zur Zeit des Wenzel Popel von → Lobkowitz. Seine Nachfolger verweilten in D. nur gelegentlich.
Quellen
Praha, Státní oblastní archiv v Praze [Staatliches Regionalarchiv in Prag] – fond Velkostatek Duchcov-Horní Litvínov (1589-1941). [Archivbestand Großgrundbesitz Dux-Oberleutensdorf (1589-1941)]. – Teplice, Státní okresní archiv Teplice [Staatliches Bezirkarchiv Teplitz] – Archiv města Duchcov (1541-1945) [Archiv der Stadt Dux (1541-1945)].
Literatur
Duchcov 1240-1990. Sborník k dějinám města, Teplice 1990. – Kochmann, Karl: Das Stadtbuch von Dux 1389, Prag 1941. – Koukal, Pavel/Hobzek Josef/Rokyta, Hugo: Duchcov. Státní zámek, Praha 1975. – Kreuz, Adolf: Geschichte der Stadt Dux, Dux 1933. – Kuča, Karel: Města a městečka v Čechách na Moravě a ve Slezsku, Bd. 1, Praha 1996, S. 785-794. – Riedl, Franz Xaver: Beiträge zur Geschichte von Dux, Dux 1875. – Sedláček, August: Hrady, zámky a tvrze Království českého, Bd. 14: Žatecko, Litoměřicko, Praha 1927, S. 167-180. – Schaller, Jaroslav: Topographie des Königreiches Böhmen, Bd. 5: Leutmeritzer Kreis, Prag-Wien 1787, S. 135-155. – Sommer, Johann Gottfried: Das Königreich Böhmen. Bd. 1: Leitmeritzer Kreis, Prag 1833, S. 132-145. – Vlček, Pavel: Ilustrovaná encyklopedie českých zámků, Praha 1999, S. 234-235. – Wolf, Jiří: Ze starého Duchcova. Příspěvek k dějinám místa v 16.-18. století, Duchcov 2003.