Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

Zurück zur Liste

LOBKOWITZ

B. Lobkowitz

I.

Die Herrschaften und der Hof Zdenko Adalberts von L. und seiner Frau Polyxena geb. von → Pernstein, und weiter deren Sohns Wenzel Eusebius von L. und Johannes von L., geb. Myšková von Žlunice (noch vor 1650) sind in den Archivquellen relativ gut nachgewiesen. Demgegenüber liegen in den Quellen über die Höfe der Popel von L. aus anderen Linien – bis auf vereinzelte Namen und Funktionen der Hof- und Verwaltungsbeamten – kaum Informationen vor; über die Dominien erfährt man die Grundfakten aus Kaufverträgen, Testamenten, brüderlichen Vergleichungen usw., im besseren Fall aus Urbaren, Beschreibungen und Taxen der einzelnen Herrschaften. Die Organisation des Dominiums und der Hofstaaten auf der Verwaltungs-, Personal- und Sozialebene kann man nur bei der Raudnitzer Linie der Herren von L. untersuchen.

Durch die Eheschließung zwischen Zdenko Adalbert Popel von L., dem obersten Kanzler des Kgr.s Böhmen, und Polyxena von → Rosenberg i.J. 1603 kam es zur organisatorischen und administrativen Verbindung der Herrschaften des Trauungspaars. Die Zentren des neu entstandenen Dominiums beider Eheleute waren die Herrschaften → Hoch-Chlumetz (Vysoký Chlumec) und → Raudnitz (Roudnice). In den Jahren 1608 und 1609 legte man das Fundament der zentralisierten Verwaltung des L.er Grundbesitzes. Damals wurde ein Oberverwalter – Regent gen. – ernannt, dem zusammen mit dem Hauptmann in → Raudnitz und auf → Hoch-Chlumetz die Verwalter der anderen Güter unterstellt waren. Die Herrschaft → Raudnitz und nach 1610 auch die Güter Ctiněves, Brozan (Brozany), Schreckenstein (Střekov), L. (Lobkovice) wurden als Untere Herrschaft bezeichnet; → Hoch-Chlumetz und Jistebnitz (Jistebnice) als Obere Herrschaft. Die Administrative des wachsenden Dominiums erledigte zusammen mit dem Regenten der L.er Sekretär (manchmal wurden diese Funktionen in der Titulatur und auf den Adressen der amtlichen Korrespondenz verwechselt). In der Mitte der 20er Jahren des 17. Jh.s besaß Polyxena, Fs.in von L., 14 Herrschaften und Güter in sieben Regionen des Kgr.s Böhmen: im Slánský kraj (Kr. Schlan) befanden sich: → Raudnitz, Mühlhausen (Nelahozeves), Ctiněves; Litoměřický Kraj (Kr. Leitmeritz): Enzowan (Encovany), Schreckenstein, Brozan; im Boleslavský kraj (Kr. Bunzlau): Bischitz (Byšice); im Kouřimský kraj (Kr. Kau- řim): Obristwi (Obříství), L. (Lobkovice), Odolena Voda, Hostín; im Vltavský kraj (Kr. Moldau): → Hoch-Chlumetz; im Bechyňský kraj (Kr. → Bechin): Jistebnitz; im Podbrdský kraj (Kr. Podbrdsko): Kameik (Kamýk). Dazu gehörte noch die Herrschaft Kost (seit 1622) im Boleslavský kraj (Kr. Bunzlau) und einige weitere, später angekaufte Güter, z. B. die Herrschaft Unterberkowitz (Dolní Beřkovice) im Slánský kraj (Kr. Schlan). Das Ehepaar hatte außerdem bis zum Jahr 1627 die Pernsteinische Pfandherrschaft Leitomischl (Litomyšl) im Chrudimský kraj (Kr. Chrudim) in der Verwaltung. Zdenko Adalbert von L. selbst besaß nach 1620 noch einige Güter in Mähren, z. B. Holleschau (Holešov), Drewohostitz (Dřevohostice), Prussinowitz (Prusinovice) und Bistritz am Hostein (Bystřice pod Hostýnem), in Schlesien (Rybnik) und in der Oberpfalz (Neustadt an der Waldnaab), das er von seinem Bruder Ladislaus (gest. 1621) geerbt hatte. Einen ähnlichen Besitz-, Macht- und Gesellschaftsaufstieg innerhalb von fünfundzwanzig Jahren (das Bestehen der Ehe zwischen Zdenko Adalbert und Polyxena) verzeichneten damals keine anderen Mitglieder der Familie von L. Man kann ihn nur im Vergleich mit den einflußreichsten und vermögendsten Personen und Familien dieser Zeit, z. B. mit Albrecht von Waldstein oder Johann Rudolf Trcka von Lipa und seiner Frau Maria Magdalena geb. von L., betrachten.

II.

Es ist nicht bekannt, wann der gemeinsame Hof Zdenko Adalberts und Polyxena von L. entstanden ist. Gewiß ist, daß Polyxena von L. erst nach dem Tod ihrer Mutter Maria Manrique → Pernstein de Lara y Mendoza im Febr. 1608 und der folgenden Hinterlassenschaftsverhandlung die Herrin des Hauses → Pernstein geworden ist. In diesem Jahr lassen sich der Anfang der Formierung des eigenen L.er Hofstaats im → Pernstein-Palais und gleichzeitig die Anfänge der Zentralverwaltung der L.er Güter nachweisen. In der zweiten Dekade des 17. Jh.s, unter der Herrschaft des Ks.s Matthias, hat sich aus dem errichteten L.er Hofstaat (über dessen Struktur und Größe keine Informationen vorhanden sind) ohne Zweifel ein Teil ausgegliedert, der den Kanzler und seine Frau auf ihren Reisen mit dem Ks.hof begleitete. Spätestens im Herbst 1617 in Folge der Abreise Zdenko Adalberts von L. nach Wien und des Verbleibs seiner Frau Polyxena in Prag wurde ihr bisher gemeinsamer Hof in zwei Teile gespalten. Ein Jahr später, in der Zeit des Ständeaufstands, sahen sich Kanzler L., seine Frau und ihr neunjähriger Sohn Wenzel wieder. In welcher Form und Größe auch der Hof verbunden wurde, ist nicht klar. Wahrscheinlich ist er kleiner gewesen. Das Leben in Wien in einem gemieteten Haus (Häusern?) und die begrenzten finanziellen Möglichkeiten beider Ehepartner-Exilanten erlaubten ihnen nicht, eine größere Anzahl von Hofdamen, Höflingen, Beamten und Dienern zu halten. Erst nach der Rückkehr Polyxenas von L. nach Prag i.J. 1622 konnten die zentrale Verwaltung der L.er Güter auf einer festen Grundlage angelegt und der Hofstaat im Hause → Pernstein in entspr. Anzahl und Funktion wiederaufgebaut werden. Ein bestimmter Teil des Wiener »Hofstaats«, der für das Ehepaar bis Dez. 1622 gemeinsam zuständig war, ist natürlich bei Zdenko Adalbert von L. geblieben. Wie groß dieser und wie groß und strukturiert sein Gegenüber in Prag war, kann man nur aus den um einige Jahre jüngeren Quellen erfahren. Tatsache ist, daß der L.er Hof als Ganzes, wenn man ihn als Ganzes betrachten könnte, während der 20er Jahren des 17. Jh.s für eine kurze Zeit nur bei den Reisen des Herrn von L. zusammenkam. Zu seiner letzten und wirklichen Vereinigung und folgenden Auflösung, bzw. Reduktion, kam es zur Zeit des Todes und der Beerdigung Zdenko Adalberts, Fs.en von L. im Sommer 1628.

Dieser Hofstaat, den man auch »Trauerhofstaat« nennen kann, zählte 151 Personen, davon waren 45 Frauen und 106 Männer. Sein Verzeichnis entstand um jene Personen zu erfassen, für die Trauerbekleidung genäht werden sollte. Unter ihnen befanden sich auch weitere Personen, die in Wirklichkeit nicht zum Hofstaat gehörten: zehn Ritter, die in dem Umzug den Leichnam des Herrn Kanzlers trugen; zwölf Kutscher, fünf Köche und ein Heizer. Die Tuchart gen. Futrtuch sollten 200 arme Leute, wahrscheinlich Untertanen, anziehen, die eine zahlenmäßige Beerdigungsstaffage bilden sollten. Aus einem älteren, wahrscheinlich i.J. 1627 entstandenen Hofstaatsverzeichnis geht hervor, wie groß der Prager Teil des Hofstaats war. Im Vergleich mit dem sog. Trauerhofstaat findet man heraus, wie viele Personen den Kanzler in Wien umgeben haben. Der Prager Hofstaat hatte damals ungefähr 120 Personen, zusammen mit den »Stammgästen«; den Wiener Hof bildeten höchstens 40 bis 50 Personen. Später in den 30er Jahren des 17. Jh.s umgab die verwitwete Fs.in von L. ein in der Anzahl etwa um die Hälfte kleinerer Hof als i.J. 1627. 1633 verpflegten sich im → Pernstein-Palais 67 Mitglieder Polyxenas Hofes, 34 Frauen samt der Fs.in und 33 Männer; genauso viele Personen in gleicher Vertretung von Männern und Frauen hatte ihr Hof auch i.J. 1636 und fast identisch war er i.J. 1638 (66 Personen, 38 Frauen und 28 Männer). In dieser Zeit zog sich die zweiundsiebzigjährige Fs.in von L. von ihrem Sohn Wenzel Eusebius und seiner Frau Johanna zurück.

Die Struktur und Besatzung des Hofstaats des ersten Fs.en von L. und seiner Frau Polyxena kann man nur anhand des sog. Trauerhofstaats aus dem Jahre 1628 erfassen. Der weibliche Teil (Frauenzimmer) ist im Verzeichnis in mehrere hierarchisch geordnete Gruppen geteilt. An erster Stelle (in der ersten Gruppe) stehen die Hofdamen in der Zahl von 20 Personen. Zu ihnen gehörten v.a. die mit dem Fs.en und der Fs.in verwandten Adligen: Frebonia von → Pernstein, Johanna, Katharina und Zbyňka Promnická von Promnice, Johanna Magdalena und Anna Maria (oder Zbyňka Polyxena Eusebia?) Bezdružická von Kolowrat. Elisabeth Eusebia und Maximiliane von → Fürstenberg (insgesamt also acht Personen). Zu den niedriger gestellten Hofdamen reihten sich die Ehefrauen und die unverheirateten Töchter (Jungfrauen) niederer Adliger, die entweder direkt Hofstaatsmitglieder oder die Klienten des Herrn von L. waren (12 Personen). Außerhalb des Hofdamenkreises standen die immer noch unverheiratete Schwester des Fs.en, Johanna von L., und die mit den Herren von L. verwandte Eusebia Wratislaw von Mitrowitz, geb. von → Fürstenberg. Weder die eine noch die andere wurde in die Zahl der Frauen im Frauenzimmer eingeschlossen. Weiter folgten die Dienerinnen der Fs.in und einiger Adliger. Es handelte sich konkret um zwölf Dienerinnen Polyxenas von L., zwei Dienerinnen von Frebonia von → Pernstein, zwei Dienerinnen von Elisabeth Eusebia und Maximiliana von → Fürstenberg, fünf Dienerinnen von Johanna von L. und eine Dienerin, die Eusebia Wratislaw von Mitrowitz gehörte. Weitere drei Dienerinnen gehörten zwei Hofdamen aus dem Ritterstand. Es ist jedoch nicht sicher, ob die sechs bei Johanna von L. und Eusebia Wratislaw von Mitrowitz nachgewiesenen Dienstmädchen tatsächlich zum fsl. Hofstaat zählten. Johanna von L. bewohnte dauerhaft das → Pernstein-Palais bis zu ihrer Vermögensverselbständigung i.J. 1627, als sie von der Fs.in die Herrschaft Unterberzkowitz (Dolní Beřkovice) erhielt, und gehörte somit zum Hofstaat der Fs.in. Eusebia Wratislaw von Mitrowitz, geb. von → Fürstenberg reihte sich zu den Hofdamen der Fs.in, nach der Vermählung mit Zdenko Wratislaw von Mitrowitz hatte sie jedoch das Palais verlassen.

Der männliche Teil des Hofstaats war ebenfalls hierarchisch geordnet. An erster Stelle standen hochwohlgeborene Höflinge, bedeutende Hofbeamte (Hofmeister, Kochmeister), oberste und verdiente Verwaltungsbeamte (Regent, Forstmeister, Hauptmann der Herrschaft Hoch-Chlumetz, ehem. Hauptmann der Herrschaft Leitomischl), Vertraute und Untergeordnete Zdenko Adalberts, Fs.en von L. in der Böhm.en Hofkanzlei (z. B. Sekretär des Kanzlers Benedikt Vendelin von Wilden) und Geistliche (Priester Rudolf, d.h. wahrscheinlich Rodolfo Petrocini, frater Joseph de Castilio). Die Gruppe zählte 31 Personen. Unter ihnen war auch ein Adliger höheren Standes, der mit dem Fs.en verwandt war, und zwar Johann von L. Höchstwahrscheinlich handelte es sich um Johann Erdmann, den Sohn des auf → Zbiroh inhaftierten und i.J. 1626 verstorbenen Wilhelm d.Ä. von L., den das Ehepaar moralisch und finanziell unterstützte. Ob Johann Popel ein ständiges Mitglied des Fs.enhofes gewesen war, bzw. wie lange er es gewesen war, ist nicht bekannt. Den Höflingen folgten Edelknaben in der Anzahl von 15 Personen, dann die L.er Beamten und das Kanzleipersonal im → Pernstein-Palais (evtl. im L.-Palais auf der Kleinseite in Prag), zusammen mit dem Barbier des Fs.en, Silberkammermeister und weiteren Dienern in der Gesamtzahl von 17 Personen, Lakaien (insgesamt 15 Personen), Palaisköche (drei Personen), Köche der Hofleute (vier Personen), Stallmeister bzw. Bereiter (fünf Personen), niedere L.er Beamte, Ankäufer und Diener (zehn Personen) und schließlich sechs Kutscher.

Den Fs.enhof auf der Prager Res. leitete der Hofmeister. In den Jahren 1625 bis 1626 war es der ehem. Hauptmann der Raudnitzer Herrschaft Blažej Albín von Weisenberg, seit 1627 (und bestimmt in den Jahren 1629-1636) Lorenz Bartsch von Bärnklau, der vorher Präzeptor von Wenzel Eusebius war. Der zweitbedeutendste Hofstaatsrang war der Kochmeister. In der ersten Hälfte der 20er Jahre war es wahrscheinlich Johann Radešínský von Radičov; in den Jahren 1627 und 1629 bis 1632 Johann Křikava, der Sohn des langjährigen L.er Dieners Nikolaus Křikava. In Wien bei Zdenko Adalbert von L. vertrat diese Funktion seit 1623 Jiřík Závěta von Závětice, der ehem. Konzipist der Böhm.en Hofkanzlei, später »Historiograph« des Ks.s Matthias, Sekretär der Böhm.en Kanzlei unter dem Kg. Friedrich von der Pfalz, Gefangener nach der Schlacht am Weißen Berg und zuletzt Diener des Herrn von L. In dieser Zeit war Závěta gleichzeitig Besitzer einer Prager Druckerei und Impressor. Er gab dort seine und Werke fremder Autoren heraus – u. a. die Erneuerte Landesordnung für Mähren i.J. 1628. Die Verwaltung des L.er Dominiums leitete Regent Beneš Březský von Ploskowitz (seit 1623); der Vorstand der Kanzlei im → Pernstein-Palais war der bereits erwähnte Nikolaus Křikava, der sich auf diese Stelle über die Funktion des Renten- und Brauereischreibers der Herrschaft Chlumetz, die er in den ersten zwei Dekaden des 17. Jh.s ausgeübt hatte, emporarbeitete. Unterstellt waren ihm z. B. der Sekretär Martin, der dt. Schreiber Tobias, die Schreiber Georg und Adam u. a. Die Finanzen und Rechnungen der L.er Herrschaften beaufsichtigte neben dem Regent auch der L.er Buchhalter David Šťastný (Felix) Jelínek. Eine interessante Figur auf dem Verzeichnis des sog. Trauerhofstaats stellt der p. doktor (H. Doktor) dar. Lt. einiger Indizien könnte es Johann Marek Marci (seit 1654 von Kronland) sein. Er war Sohn des Bgf.en der Herrschaft Leitomischl (Litomyšl) Marek Lanškrounský. Mit Unterstützung Zdenko Adalberts von L. absolvierte er das Studium am Jesuitenkolleg in → Neuhaus (Jind- řichův Hradec) und studierte weiter Medizin an der Universität in Prag. Im Jahre 1625, als er den Doktortitel erwarb, begann er seine erfolgreiche medizinische und wissenschaftliche Karriere. Zum fsl. Hof gehörte er wahrscheinlich nicht, aber seine Herkunft und die enge Bindung zum Kanzler und seiner Frau hatten ihn mit ihm verbunden. Es scheint, daß er nach 1625 der Leibarzt des Fs.enpaars gewesen ist.

Der Hofstaat Wenzel Eusebius, des 2. Fs.en von L. und seiner Frau Johanna wurde bisher noch nicht detailliert untersucht, deshalb wird er hier nur ganz kurz in seinen zwei Formen dargestellt – in seinem Anfangsstadium i.J. 1638 und im »vollen Stand« i.J. 1646. Es muß vorausgeschickt werden, daß Wenzel Eusebius nach der faktischen Übernahme der fsl. Güter ihre Verwaltung auf der zentralen Ebene reformierte. Dies spiegelte sich zumindest auf der Personalebene in der Struktur des fsl. Hofstaats wider. Ähnlich wie sein Vater verbrachte er die meiste Zeit in der Nähe des Ks.s und seines Hofs (in Wien u. a.), also außerhalb der Prager Res. Dem zufolge wurde der fsl. Hofstaat in den Prager Teil, d.h. in den Hofstaat von Johanna, Fs.in von L., die dauerhaft in Prag saß und nur gelegentlich → Raudnitz und andere Herrschaften besuchte, und in den Wiener Hofstaat des Fs.en geteilt.

Der Hof Wenzel Eusebius zählte kurz vor der Eheschließung mit Johanna (am 3. Nov. 1638) 50 Personen männlichen Geschlechts, unter denen einige waren, die dem Fs.en eine längere Zeit dienten und ihn auf den Feldzügen und Quartieren während seiner Wirkung in der Armee begleiteten. Es handelte sich also um einen »kleineren«, provisorischen Hof des noch unverheirateten Fs.en. An der Spitze dieses Hofs stand Hausmeister Johann Georg Tyrhlík, der sich seit dem 15. Aug. 1631 im Dienst des zweiten Fs.en von L. befand. Weitere Mitglieder waren z. B. ein Stallmeister, ein dt. Sekretär, ein ital. Sekretär, zwei Kammerdiener, ein Kochmeister, zwei Tafeldecker, drei Köche (davon ein frz.), ein Kellermeister, zwei Feldhornisten, elf Lakaien, acht Reitknechte u. a. Acht Jahre später, am 23. Sept. 1646, also schon nach dem Ankauf des Hzm.s Sagan in Schlesien, bestand der Hofstaat des Herrn von L. aus drei Teilen: 1. aus der sog. Expedition (die heutige Bezeichnung wäre Management des L.er Dominiums); 2. aus dem Hof des Fs.en; 3. aus dem Hof der Fs.in. Die Expedition bildeten der Kanzler, der Inspektor, der Regent, der Buchhalter und vier Schreiber, insgesamt acht Personen. Es fehlt der Rentmeister Johann Georg Tyrhlík, der im Frühjahr dieses Jahres gest. war. Zum Hof Wenzel Eusebius, Fs.en von L. gehörten 22 Personen, alle männlich. An ihrer Spitze stand der Hausmeister Nikolaus Wolewský und zwei den Fs.en begleitende Personen – seine Aufwärter, weiter zählten dazu ein Kochmeister, ein Hornist, zwei Kammerdiener, ein Tafeldecker, ein Küchenschreiber, ein Koch, drei Lakaien u. a. Der Hof von Johanna, Fs.in von L. hatte zwei Teile, einen männlichen und einen weiblichen (Frauenzimmer). Im ersten Teil waren 39 Männer, im zweiten 29 Frauen. Im männlichen Teil stand an erster Stelle der alte Hofmeister (ohne Namen), desweiteren z. B. ein Barbier, vier Lakaien, ein Schließer bzw. Kellermeister, ein Dienstknecht für die Silberkammer, ein Faßbinder, ein Bäkker, ein Metzger, ein Palasthauswirt, ein Hauswirt des Hauses auf der Kleinseite, ein Pförtner, einige Kutscher, Knechte, ein Braumeister, ein Winzer u. a.; im Frauenzimmer befanden sich vier adlige Jungfrauen (verzeichnet unter ihren Vornamen: Bozinka, Bětuška, Anička, Marjánka), die alte Frau Kapounová (viell. Barbora Kapounová von Svojkov), dann eine Närrin (Zwergin), einige weitere Mädchen und Mägde, eine Küchenhelferin, eine Pförtnerin, eine Hauswirtin im Palais, eine Hauswirtin im Haus auf der Kleinseite u. a. Insgesamt waren im Hofstaat 98 Personen. Die Zahl um einhundert Personen (eher niedriger) kommt auch in einigen anderen Verzeichnissen dieser Zeit vor.

Im → Pernstein-Palais, der Hauptres. der Fs.en von L. und deren Höfe, fanden relativ oft Gast- und Abendmahle zu Ehren bedeutender Gäste, ausländischer Verwandter und Freunde der Aristokraten, die sich in Prag aufhielten, statt. Gelegentlich veranstaltete man Bankette, Hochzeiten und Totenfeiern für verstorbene Mitglieder der Fs.enfamilie oder des Hofs; natürlich wurden dort auch bedeutende kirchliche Feste gefeiert sowie Fastenzeiten gehalten. In dieser Res. starben sowohl Zdenko Adalbert Popel, erster Fs. von L. (gest. 16. Juni 1628), als auch seine Gemahlin Polyxena (gest. 24. Mai 1642); aus dem Leben schied hier Johanna, Fs.in von L. (gest. 17. Jan. 1650). Alle gen. Verstorbenen wurden nach den unerläßlichen Ritualen im Palais und in Prager Kirchen nach → Raudnitz an der Elbe gebracht und dort in der Familiengruft in der Kapuzinerkirche beigesetzt. Gest. sind hier auch Angehörige des Hofs, u. a. wahrscheinlich auch der langjährige Hofmann Johann d.Ä. Zudovský von Hyršov, dessen Nachlaß im Palais am 12. Aug. 1638 verzeichnet wurde. Im Nov. desselben Jahres fand hier die Hochzeit Wenzel Eusebius, des zweiten Fs.en von L. mit Johanna Pětipeská von Chýše, geb. Myšková von Žlunice, statt. In der Fs.enres. auf der Prager Burg wurden ebenfalls Vermählungen der L.er Verwandten, Höflinge, Hofdamen und einiger Diener gefeiert – z. B. die Hochzeit von Giovanna Gonzaga, der Nichte von Polyxena von L., mit Georg Adam Borzita von Martinitz i.J. 1626, oder von Katarina Talacková von Ještětice, ehem. Hofdame der Fs.in von L., mit Jaroslaus Borzita von Martinitz, dem obersten Bgf. des Kgr.s Böhmen. Ihre Hochzeitsfeier fand hier am 17. Jan. 1644 statt.

Quellen

Zámek Nelahozeves, Lobkovicové roudničti – Rodinný archiv [Schloß Mühlhausen, Lobkowtz von Raudnitz – Familienarchiv]

Deníky roudnického hejtmana Blažeje Albína z Weisenberku z let 1611 a 1625, hg. von Petr Kopička, Praha 2003. – Kopička, Petr: Dvůr Zdeňka Vojtěcha a Polyxeny z Lobkovic ve dvacátých a třicátých letech 17. století, in: Aristokratické rezidence a dvory v raném novověku, hg. von Václav Bůžek und Pavel Král, České Budějovice 1999, S. 469-493. – Ryantová, Marie: Lobkovické panství Vysoký Chlumec za třicetileté války a po ní, in: Musejní a vlastivědná práce – Časopis Společnosti přátel starožitností 42=112 (2004) Nr. 3, S. 136-144. – Ryantová, Marie: Polyxena z Lobkovic, rozená z Pernštejna, a její hospodářská činnost, in: Pernštejnové v českých dějinách. Sborník příspěvků z konference konané v Pardubicích 8.-9. 9. 1993, hg. von Petr Vorel, Pardubice 1995, S. 110-111. – Svědectví o ztrátě starého světa. Man- želská korespondence Zdeňka Vojtěcha Popela z Lobkovic a Polyxeny Lobkovické z Pernštejna, hg. von Pavel Marek, České Budějovice 2005.