Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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LIPPE

C. Falkenburg

I.

Valkenberch (vermutlich 1194; Westfälisches UB II, Nr. 470, S. 189-191), Lippische Regesten I, Nr. 105, S. 105 f.); Valkenberg (1252; Westfälisches UB IV, Nr. 491, S. 303 f., Lippische Regesten NF 1252 06 26; der Name ist nach Meinung der frühneuzeitlichen lippischen Geschichtsschreibung gewählt worden, weil die Frau Bernhards II. zur → Lippe »eine Gf.in von Are, aus der Falkenbergschen Linie war« (Donop, S. 33) – Höhenburg im Teutoburger Wald bei Berlebeck – Res.ort der Edelherren zur → Lippe von etwa 1200 bis etwa 1450 – D, Nordrhein Westfalen, Kr. Lippe.

II.

Die F. liegt auf dem steilaufragenden Gipfel des 346 m hohen Falkenbergs in der Plänerkalkkette des südlichen Teutoburger Waldes. Sie wurde in der Nähe einer alten Wegeführung von Paderborn nach → Detmold errichtet, deren Hohlwegbündel noch heute im Gelände erkennbar sind (»Alter Postweg«). Sie kontrolliert damit einen wichtigen Übergang über den Osning.

Angelegt wurde das presidium Valkenberch wohl kurz nach 1190 durch Bernhard II. zur → Lippe im Zusammenhang mit seinen Bemühungen, die Expansion der lippischen Herrschaft in das Gebiet ostwärts des Osning abzusichern. Ein undatierter Vertrag, vermutlich 1194 mit Bf. Bernhard II. von Paderborn abgeschlossen, hält fest, daß der Bau zunächst gegen den Willen des Bf.s erfolgte. Es kam jedoch zu einer Einigung, deren Ergebnis sich als enge Kooperation bezeichnen läßt. Die Burg wurde zum gemeinsamen Besitz der lippischen Edelherren und des Bf.s von Paderborn, und die provincia adjacens ostwärts des Osning wurde den ersteren als Einflußsphäre überlassen. Bf. Bernhard II. aus dem hause der Herren von Ibbenbüren war ein Verwandter der → lippischen Edelherren, so daß zu vermuten ist, daß der ursprgl. Widerstand nicht von ihm persönlich sondern vom Adel und/oder der Ministerialität des Bm.s ausging, die ihn zugunsten eines engen Zusammenwirken mit den → lippischen Edelherren aufgab.

Die F. wurde in der Folgezeit trotz des vereinbarten Gemeinschaftsbesitzes mit Paderborn unbestritten zur zur wichtigsten lippischen Landesburg. Obwohl sie relativ selten als Beurkundungsort gen. wird (etwa 1252, vgl. oben Abschn. I., sowie 1256 und 1336, Lippische Regesten II, Nr. 489 bzw. 784), läßt die lippische Rechnungsüberlieferung seit dem 14. Jh. häufige Aufenthalte der Edelherren erkennen. Die symbolische Bedeutung ihres Besitzes wird darin deutlich, daß bereits 1269 nach der Teilung und nach dem Tode Bernhards III. Bernhard IV. von Hermann III. als frater noster de Valkenberg angeredet wurde (Westfälisches UB IV, Nr. 1172, S. 577 f.) und daß sie im Teilungsvertrag von 1344 neben Lemgo als Bezugspunkt für die Otto zufallende Herrschaft »diesseits des Waldes« gen. wird. Bereits 1248 wird auch der Truchseß für das Herrschaftsgebiet östlich des Osning als dapifer Hinricus de Valkenberg bezeichnet (Westfälisches UB III, Nr. 492, S. 263 f., Lippische Regesten I, Nr. 253, S. 183 f.).

Während des 15. Jh.s war die F. mehrfach verpfändet, diente jedoch auch dem Landesherrn als Basis für kriegerische Operationen und gelegentlich als Witwensitz. Während der Eversteinschen Fehde wurde hier Hzg. Heinrich von Braunschweig 1404/05 gefangengehalten (Lippische Regesten III, Nr. 1633, S. 70-72), 1447 widerstand sie während der Soester Fehde erfolgreich einer Belagerung durch die böhm. Hilfstruppen des Kölner Ebf.s (Lippische Regesten III, Nr. 2031, S. 252-255). Im Jahr 1453 wurde sie durch einen Brand weitgehend zerstört und seit 1460 wieder aufgebaut. Von einer Res.funktion wird man in dieser Zeit kaum noch sprechen dürfen, die F. und ihr seit 1493 bezeugtes, aber wohl älteres Vorwerk auf dem dem Gipfel vorgelagerten Sattel (Falkemeierscher Hof) bildeten jedoch den Mittelpunkt des Amtes Falkenberg, wie es sich seit dem 14. Jh. abzeichnet (vgl. Karte bei Wendt, S. 18). Seit 1523 scheint die Burg selbst nicht mehr bewohnt gewesen zu sein, und sie begann zu verfallen. Simon VI. plante 1582,etwa parallel zu den Projekten in → Brake und zum Lemgoer Lippehof, einen Wiederaufbau, für den er mit dem Baumeister Hermann Wulff einen Vertrag schloß, der einen herrschaftlichen Wohntrakt von 27 x 10 m innerer Grundfläche vorsah, der jedoch nicht zur Ausführung kam (Landesarchiv NRW, Abt. Detmold, L 19 Nr. 14 B 108; vgl. dazu Wendt, S. 15, Gaul 1967, S. 50, Sauer, 145).

In den folgenden Jh.en schritt der Verfall fort, die Gebäude wurden offenbar gelegentlich als Steinbruch genutzt, der endgültige Abriß vollzog sich 1806/10 unter Fs.in Pauline, bei dem die Steine zum Ausbau der Straße über den Teutoburger Wald (»Gauseköte«) genutzt wurden. Dennoch blieb offenbar die Vorstellung von der F. als Stammburg und ursprgl. »Wohnung« (Johannes Piderit) der lippischen Dynastie bestehen, die bereits im 17. Jh. als Bildmotiv verwendet und sich v.a. seit dem Ausgang des 18. Jh.s in einer Anzahl von idealisierten und fiktiven Darstellungen niedergeschlagen hat (vgl. Schmitt/Schuchert).

III.

In den Jahren 2004/06 wurden die Reste der Hauptburg archäologisch untersucht, vermessen, gesichert und konserviert. Dabei konnte ein weitgehend vollständiges Bild der Anlage gewonnen werden. Das leicht ovale Plateau auf dem Gipfel des Falkenberges (ca. 66 m O-W und ca. 46 m N-S) wird von einer 170 m langen und bis zu 2,10 m starken Ringmauer eingefaßt, die in die Entstehungszeit zurückreicht. Sie ist in Zweischalenmauertechnik ausgeführt, ebenso wie der in 7,65 m Höhe erhaltene Bergfried in ihrer Ostspitze mit 11 m Durchmesser und 4 m Mauerstärke. Es handelt sich um eine Randhausburg, d.h. die Bebauung wurde bis auf den Bergfried gegen die Ringmauer gesetzt. Im S befindet sich das Hauptgebäude (35 x 11 m), gegenüber befand sich ein Wirtschaftstrakt und weitere mehrfach umgebaute Gebäude. Die bislang nur vorläufig untersuchte Vorburg auf einem westlichen, abgestuften Plateau weist ebenfalls Innenbebauung auf. Südlich vor dem Bering befindet sich ein Zwinger mit zwei Toranlagen, der den Zugang sicherte. Von einer zu vermutenden architektonischen Repräsentativausstattung hat sich nichts erhalten. Insgesamt spiegeln die Reste und der durch sie dokumentierte Grundriß den Typ der klassischen hochma. Höhenburg.

Quellen

Donop, Wilhelm Gottlieb Levin von: Historisch-geographische Beschreibung der fürstlichen lippischen Lande, Lemgo 1790, ND Lemgo 1984 (Lippische Geschichtsquellen, 12). Vgl. auch → A. Lippe.

Gaul, Otto: Die lippische Frühgeschichte bis zur Gründung der Stadt Lemgo, in: Lippische Mitteilungen 19 (1950), S. 32-82, hier 71 f. – Gaul, Otto: Entgegnung, in: Lippische Mitteilungen 21 (1952), S. 86-110. – Gaul, Otto: Schloß Brake und der Baumeister Hermann Wulff, Lemgo 1967, S. 50. – Kittel, Erich: Entgegnung, in: Lippische Mitteilungen 21 (1952), 128-138, hier 131-133. – Peine, Hans-Werner/Pogarell, Thomas/Treude, Elke: Die Falkenburg bei Detmold-Berlebeck, in: Lippe und Livland. Mittelalterliche Herrschaft im Zeichen der Rose, hg. von Jutta Prieur, Bielefeld 2008 (Sonderveröffentlichungen des Naturwissenschaftlichen und Historischen Vereins für das Land Lippe, 82), S. 91-102. – Peine, Hans-Werner/Pogarell, Thomas/Treude, Elke: Detmold-Berlebeck: Die Falkenburg, in: Ostwestfalen-Lippe. Ausflugsziele zwischen Detmold, Bielefeld und Porta Westfalica, hg. von Elke Treude und Daniel Bérenger, Stuttgart 2009 (Ausflüge zu Archäologie, Geschichte und Kultur, 50), S. 119-125. – Wendt, Hermann: Das ehemalige Amt Falkenberg. Geschichte der Gemeinden Berlebeck, Fromhausen, Heiligenkirchen, Holzhausen, Hornoldendorf, Oesterholz-Haustenbeck, Lemgo 1965 (Lippische Städte und Dörfer, 4), S. 9-19. – Westfalia picta, Bd. 10: Lippe, bearb. von Michael Schmitt und Patrick Schuchert, Münster 2007, Nr. 419-429, S. 348-353.