LEININGEN-WESTERBURG
I.
Männlicherseits geht das Geschlecht der Gf.en von L.-W. auf die edelfreie Familie der Herren von Runkel und Westerburg zurück, die mit Siegfried von Runkel 1159 erstmals urkundlich faßbar werden.
II.
Der Gf.entitel wurde vom Hause → Leiningen eingebracht. Der letzte Vertreter der beerbten älteren leiningischen Linie, der 1440 mit Elisabeth Hzg.in von Bayern vermählte Hesso, hatte 1444 durch Verleihung der Lgf.enwürde eine Standeserhöhung erfahren.
III.
L.-W. führte im gevierten Schild zwei Mal die drei silbernen Leininger Adler auf blauem Grund (I und IV) und zwei Mal das Westerburger Wappen (II und III) mit je fünf (2:1:2) kleineren goldenen Kreuzchen in den vom großen goldenen Kreuz ausgesparten vier roten Feldern. Ab dem 17. Jh. erscheinen die Westerburger und Leininger Wappenviertel in ausgetauschter Reihenfolge.
IV.
Ihre Herrschaftsrechte im Westerwald und zu Runkel erwarben die Herren von Runkel und Westerburg möglicherw. bereits als Reichsvögte, bevor sie – seit 1258 – als Lehensträger der Gf.en von → Nassau in Erscheinung treten. Neben Beziehungen zum Reich (seit 1209 belegt), gab es Verbindungen zum Erzstift Köln (urkundlich seit 1209), wo die Familie mit Siegfried von Westerburg 1275-1297 den Oberhirten stellte. Beziehungen zum Ebm. Mainz zwischen 1209 und 1222 könnten sich über eine mögliche Verwandtschaft mit Ebf. Siegfried von → Eppstein erklären lassen. Bereits für die Zeit um 1191 sind in der Forschung auch verwandtschaftliche Beziehungen zu den Gf.en von → Leiningen und, damit zusammenhängend, der Erwerb der wesentlichen Vogtei- und Herrschaftsrechte im Westerwald wahrscheinlich gemacht, aber letztendlich nicht bewiesen worden.
Der verwitwete Reinhard von Westerburg (1404-1449) heiratete 1423 in zweiter Ehe Margaretha, die Tochter des Gf.en Friedrich von Leiningen-Dagsburg, die nach dem 1467 erfolgten Tode ihres Bruders, des Lgf.en Hesso, mit Hilfe des Pfgf.en Friedrich gegen den Gf.en Emich von Leiningen-Hardenburg, 1468 das väterliche Erbe der älteren Linie → Leiningen zur Hälfte an sich bringen konnte (die andere Hälfte wurde pfgfl.). Ihr Sohn Kuno war bereits 1459 verstorben. Die drei Enkel standen in der Herrschaft Westerburg unter Vormundschaft der Schwiegertochter. Von jenen hat Reinhard nach Margaretas Tod 1470 die Rechte an der Gft. → Leiningen mit der Herrschaft Westerburg vereinigt. Er begründete damit die Linie L.-W.
Die Dynastie der Gf.en von L.-W. existierte zum Zeitpunkt der Wormser Reichsmatrikel von 1521 noch ungeteilt. Erst 1557 entstanden die drei Zweiglinien in → Altleiningen, Westerburg und Schaumburg, von denen die mittlere nur 40 Jahre währte, die älteste sich 1622-23 noch einmal dreiteilte, aber in den Jahren 1635 (→ Altleiningen), 1705 (Rixingen, später → Altleiningen) und 1665 (Oberbronn) sukzessive ausstarb, während die sich seit 1598 noch vielfach verästelnde jüngste das Alte Reich überdauerte.
Literatur
Gensicke, Hellmuth: Landesgeschichte des Westerwaldes, Wiesbaden 1958. – Heiberger, Hans: Die Grafen zu Leiningen-Westerburg, Grünstadt 1983. – Toussaint, Ingo: Die Grafschaften Leiningen im Mittelalter (1237-1467)/Die Grafschaften Leiningen in der Neuzeit, in: Pfalzatlas, hg. von Willi Alter, Karte Nr. 67, Speyer am Rhein 1975. Hierzu auch Textbd. S. 1056-1107 (27. und 28. Heft 1977). – Toussaint, Ingo: Die Grafen von Leiningen, Sigmaringen 1982.