Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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LEININGEN

C. Neuleiningen

I.

Datum apud Novum Liningen (1253), Castrenses nostri in Liningen veteri et novi (1291), Nuwenlyningen, Nuwenlinyngen, Liningen (1467).

Die Burgruine liegt in der Nordwestecke der gleichnamigen ummauerten Stadt im Lkr. Bad Dürkheim (49°32'34''N, 8°8'23''O).

Die auf einem Bergsporn gelegene Burg wurde vor 1242 erbaut, die sie einbeziehende Ansiedlung ist erst danach entstanden. N. galt noch 1316 als Allod, 1372 hingegen als Lehen des Hochstifts Worms. Per Erbteilung kam es 1317 zu Leiningen-Dagsburg, der vierte Teil der Burg wurde 1372 kurzfristig an Leiningen-Hardenburg verpfändet. 1467 fielen Burg und Stadt an das Hochstift heim, wurden jedoch von Leiningen-Hardenburg besetzt. Durch Kurpfalz für den Bf. erobert, wurde die Hälfte vertragsgemäß durch das Hochstift Worms einbehalten, die andere Hälfte an Kurpfalz verlehnt, die ihren Teil an Burg und Stadt 1505 als Afterlehen an → Leiningen-Westerburg weitergab. Diese Hälfte kam 1557 zu → Leiningen-Westerburg in → Altleiningen, 1705 zu → Leiningen-Westerburg-N. und war 1742 und noch einmal 1767, diesmal bis zu den Revolutionskriegen, an das Hochstift Worms verpfändet.

N. wird 1437 und 1455 (unser schloss) als Res. des Gf.en Hesso von → Leiningen.Dagsburg erwähnt und war 1467 Mittelpunkt der Lgft. → Leiningen. Der Bf. von Worms und der Kfs. von der Pfalz vereinbarten 1467 die Einsetzung eines gemeinsamen Amtmannes.

Burgmannen waren die Eckbert von Dürkheim (1291, unter Kurpfalz auch noch 1477), der Edelknecht Siegfried Daun (Syferid Důne, 1359), Vogt Henne von lyningen (1435), der Edelknecht Hans von Wachenheim (an der Pfrimm, 1444), Claus Burghard von Wybstatt (1448). Burglehen des Bf.s von Worms hatte ein Friedrich Blick inne (1483, 1502).

II.

Die in O-W-Richtung 7 km breite Gemarkung umfaßte 1931 769 ha, davon 429 ha Feldmark mit 71 Gewannen.

N. besaß eine Hammerschmiede.

Die bereits 1371 als solche erwähnte Stadt war Zubehör der Burg und teilt mit dieser die Geschichte. Schultheiß und Bürgermeister werden 1494 gen. Das untere Stadttor stand noch 1883. Burglehen lagen zum Teil in der Stadt (1449). Grundbesitz zu N. hatten auch schon vor der Teilung des Hessoschen Erbes die Pfgf.en und Kfs.en von der Pfalz. Ein Garten unterhalb der Burg war vor 1378 an Friedrich Zollner, bis 1378 an Philipp von Udenheim und ab 1378 an Johann von Wartenberg verlehnt. Die Dune von Lyningen besaßen Eigengüter zu N., die sie 1494 den Gf.en von → Moers-Saarwerden zu Lehen (im Wert von 280 fl) auftrugen. Aus der Bürgerschaft stammt wohl auch oben gen. faut Henne von lyningen, der 1435 ein Burglehen zu der nuwenlyningen empfängt.

III.

Grdr. der durch eine Ringmauer mit vier integrierten Rundtürmen eingefaßten, dem sog. Kastelltyp zugehörigen Burganlage ist ein unregelmäßiges Viereck. Der Zugang liegt in der Ostmauer, Nordost- und Südwestturm sind mit der Stadtmauer verbunden. Der heute noch 12 m hohe westliche Mauerabschnitt ist öffnungslos, die leicht abgewinkelte Nordmauer weist elf hohe Schlitzscharten und eine zugemauerte Schlupfpforte auf, die östliche Wehrmauer drei und vier von ehem. insgesamt acht Scharten beidseits der Toröffnung mit Fallgitter und die abgewinkelte südliche Ringmauer noch einmal vierzehn Schlitzscharten und eine heute zugemauerte Poterne zwischen den beiden westlichst gelegenen Scharten.

Zur ursprgl. Binnenbebauung entlang der Ringmauern der vor 1242 und in den Jahren danach unter dem Gf.en Friedrich III. von Leiningen errichteten Burg gehörte wohl eine Art Palas in der Nordost- und ein kleineres Gebäude in der Südostecke, beide lediglich durch archäologische Sondagen nachgewiesen. Noch existente Mauerreste zweier Gebäude in der Nordwest- und Südwestecke entstammen einer Bauphase des 14. Jh.s. Ersteres hatte ursprgl. zwei Geschosse über halb eingetieftem Keller und war mit einem Dreiecksgiebel versehen. Wahrscheinlich unter Gf. Hesso von Leiningen-Dagsburg wurde es im 15. Jh. aufgestockt, mit neuen Fenstern und einem Treppengiebel ausgestattet. In einer vierten Bauphase wurde unter Gf. Reinhard I. von → Leiningen-Westerburg 1508 in der Südostecke ein dreigeschossiges, vermutlich über einen Treppenturm erschlossenes Wohngebäude über heute noch erhaltenem halb eingetieftem Keller errichtet. Die Wohnzwecken dienenden beiden Obergeschosse, von denen aus wohl auch der Südostturm zugänglich war, lagen über einem kreuzgewölbten Saal; ein Staffelgiebel war der Stadt zugewandt. Der Saalbau der ersten Bebauung in der Nordostecke erhielt zwischen 1597 und 1611 einen kleineren zweistöckigen Nachfolgebau, in dem sich u. a. eine Badstube und zeitw. die Kanzlei befanden. 1690 wurde die Burg von frz. Truppen zerstört und danach nur notdürftig wieder instandgesetzt. Das Wohngebäude im Südosten wurde 1806 als letztes abgetragen.

Für die Burgkapelle (Nikolauspatrozinium) besaßen die Gf.en von → Leiningen das Patronatsrecht. Als Frühmeßner für den dortigen Katharinenaltar präsentierte Gf. Hesso 1448 dem Wormser Dompropst den Wormser Diözesanpriester Conrad von → Leiningen als Nachfolger des verstorbenen Thomas von Dorngheim (Dürkheim?).

Sprissler, [J].: Der Neuleininger Flurbann, Tl. 1, in: Neue Leininger Blätter 5 (1931) S. 37 f., 44 f., 51-53, 61 f.; Tl. 2, 6 (1932) S. 27-30 und 44-46. – Schaab, Meinrad: Die Diözese Worms im Mittelalter, in: Freiburger Diözesan-Archiv 86 (1966) S. 94-219. – Toussaint, Ingo: Die Grafschaften Leiningen im Mittelalter (1237-1467)/Die Grafschaften Leiningen in der Neuzeit, in: Pfalzatlas, hg. von Willi Alter, Karte Nr. 67, Speyer am Rhein 1975. Hierzu auch Textbd. S. 1056-1107 (27. und 28. Heft 1977). – Toussaint, Ingo: Die Grafen von Leiningen, Sigmaringen 1982. – Ulrich, Stefan: Neu-Leiningen, in: Pfälzisches Burgenlexikon, hg. von Jürgen Keddigkeit, Bd. 3, Kaiserslautern 2005, S. 740-754.