LEININGEN
I.
Emecho comes de Liningen (1128), apud Liningen antiquum (1242), in castro Lyningen (1249), in Liningen veteri (1292), alder Liningen (1297), des Sloßes wegen altenlyningen (1414), uff dem sloße Alten Lyningen (1416).
Die in einen Jugendherbergsbau integrierte Ruine von Burg und Schloß A. liegt oberhalb und nordöstlich der gleichnamigen Siedlung im Lkr. Bad Dürkheim, auf einem jetzt Schloßberg gen. Sporn des Taubersberges über dem Eckbachtal (49°30'41,3''N, 8°4'57,5''O).
Zwischen 1100 und 1110 erbaut, war die allodiale Höhenburg der Stammsitz der Gf.en von Leiningen. Durch die 1237 abgespaltene und 1289/90 bereits wieder ausgestorbene Linie Leiningen-Landeck gelangten je ein Viertel über Töchter an die Gf.en von → Nassau und die Gf.en von → Sponheim-Kreuznach. Die leiningisch gebliebene Hälfte kam 1317 zu Leiningen-Dagsburg und wurde 1335 dem Ebm. Trier zu Lehen aufgetragen, von wo sie noch im 18. Jh. gemutet wurde. Trotz Belehnung der Linie Leiningen-Hardenburg durch Kurtrier nach dem Aussterben der Leiningen-Dagsburg im Mannesstamm, 1467, konnte Leiningen-Westerburg, mit pfgfl. Hilfe, seinen Besitzanspruch durchsetzen. Die Burghälfte gelangte 1557 an → Leiningen-Westerburg-A., 1705 an Leiningen-Westerburg in A. und verblieb dort bis zu den Revolutionskriegen. Der sponheimische Anteil wurde noch einmal gehörig zersplittert: ein Öffnungsrecht (zu dem alten lyningen ein offenung) ging 1421 als Pfand an die Mgft. Baden, das halbe Lösungsrecht 1428 testamentarisch an die Gf.en von Leiningen-Rixingen, von denen wiederum 1445 die Kolb von Wartenberg in Besitz gesetzt wurden; der Rest gelangte 1437 an die Gf.en von Veldenz (strittig mit → Nassau), 1444 mit der Erbschaft Veldenz an Pfalz-Simmern-Zweibrücken und wurde von den Pfgf.en zu Simmern als Gf.en von → Sponheim seit 1490 getreuer und unverbundener Dienste wg. zunächst den Gf.en Reinhard und Kuno von → Leiningen-Westerburg, 1521 Reinhards Söhnen Philipp und Kuno, 1602 dem Gf.en Ludwig von → Leiningen-Westerburg, jeweils bei Vorbehalt des Öffnungsrechts und des Heimfalls, überlassen. Die Gf.en von → Nassau hingegen waren noch 1438 im Besitz ihres Anteils, der sich dann allerdings 1490 ebenfalls bei Pfalz-Simmern findet und von dort an → Leiningen-Westerburg gelangt.
A. war 1268 Verwaltungsmittelpunkt der Gft. → Leiningen. Die Burg war da noch eigen. 1289/90 zur Ganerbenburg geworden, entstanden Konflikte. Kurz nach dem Lehensauftrag der leiningisch gebliebenen Hälfte an Trier i.J. 1335 mußte der Pfgf. 1336 einen Zwist mit dem Gf.en Siegmund von → Sponheim schlichten, den Gf. Friedrich von → Leiningen wider in ainen teyl setzen sol do er in us geworfen hat an der burch zu der alten liningen (BayHStA, II, SponhUrk.n, 884). Siegmunds Sohn Walram legte sich mit dem Pfgf.en Ruprecht d.Ä. an. Beide Seiten machten Gefangene und unterwarfen sich 1355 in Nürnberg dem Schiedsspruch Ks. Karls IV. Dieser pfändete [den sponheimischen Anteil an der] Brug [!] zu Liningen = sein hus liningen und bemächtigte sich auch der beiderseitigen Gefangenen, bis Walram seine Lehen vom Pfgf.en empfangen oder sie aufgelassen habe (BayH- StA, II, SponhUrk.n, 828).
Burgmannen waren u. a. die Vasallenfamilie der Godebert (Nennungen von 1146 bis 1229) und Helfrich von → Leiningen (1151 bis 1227), Conrad von Wartenberg (1242), Wilderich von Alzey (1264), Friedrich von Lautersheim (1276), Philipp Kämmerer von Mainz (1297), Gerhart Dunne (1393), Volmar Schott von Wachenheim (1438), Conrad von Morschheim (1439), Johann Kolb von Wartenberg an Stelle des Hans von Wachenheim (1439), Siegfried Bock von Erfenstein (1439, 1446), Heinrich von Schweinheim (1446 und, zusammen mit Sohn Hans, 1454).
II.
Lt. Weistum von 1512 im Gerichtsbuch des »Dorfs« A. gehörten Wasser und Weide den Gf.en von → Leiningen und den Gf.en von → Sponheim gemeinsam. Beide Ganerben besaßen je ein Backhaus, dessen Einzugsgebiet streng vom anderen getrennt war hinsichtlich der Leute nydtwenig dem Born und jener, die do über dem Born sitzen. Die Leibeigenen waren dem Gf.en von → Sponheim und seinem Amtmann jährl. einen Tag beim Heumachen, einen Tag bei der Ernte und einen Tag beim Gräbenausheben zu helfen verpflichtet. Viermal i.J. mußten die Hübner und die Gmd. zu A. im Backhaus und Hubhof des Sponheimers Gericht halten. Der gfl. Amtmann war gehalten, ihnen dafür im Hubhof ein rauchfreies Feuer anzuschüren und ihnen pro Gerichtstermin und teilnehmender Person je ein Maß Wein und einen Wecken zu servieren.
III.
Die heute ziemlich verunstaltete Gesamtanlage der ehem. Res. stellt sich auf einem vor 1939 entstandenen Grundrissplan sehr schön als eine im Grdr. dreieckige, gen O spitz zulaufende Hauptburg und eine westlich des über 10 Meter breiten, in den Felsen gehauenen Halsgrabens liegende trapezförmige Vorburg dar. Die ma. Bebauung nahm ihren Anfang in der Südwestecke der später fast 100 m langen und 70 m breiten Hauptburg. Dort finden sich fast 10 m hohe Reste des buckelquaderverkleideten polygonalen Bergfrieds aus dem beginnenden 13. Jh. und Teile der östlich anschließenden spätstaufischen Ringmauer, die dann in die Südfront des sukzessive erweiterten ersten Wohngebäudes einbezogen wurde. Ins SpätMA gehört noch ein das erste Wohngebäude im Südosten begrenzender Geschützturm und wohl auch die Bruchsteinmauer, die die Vorburg einfriedet. Der sich dem Geschützturm östlich anschließende Südflügel und der Nordflügel der mächtigen frühneuzeitlichen Schlossanlage wurden, wie auch das hofseitige Mauerwerk der ma. Burg, durch den 1963/64 erfolgten, von keinen denkmalpflegerischen Überlegungen getrübten Ausbau zum Jugendgästehaus in ihrer historischen Substanz heillos verfälscht.
Einer Beschreibung von 1490 ist zu entnehmen, daß die 1339 erbaute Nikolauskapelle, Türme, Mauern, Zwinger und Brunnen von den Ganerben gemeinsam unterhalten wurden. Der sponheimische Anteil am Schloß zu A. reichte von der sponheimischen Küche biß hinten an die Capellen / hinten zum End uß / biß an das Nassauisch Theil. → Sponheim hatte eine Scheuer im Vorhof, Gärten im Vorhof und vor der äußeren Pforte. Ein Rennpfad wird gen., zwischen ihm und der äußeren Pforte liegen Gärten und Äcker, eine Pferdetränke (Tränckwoge) nahebei.
Ein auf A. vorhandenes Archiv soll 1525 im Bauernkrieg zerstört worden sein. Sein Betreuer war zu Zeiten des Gf.en Kuno zu → Leiningen-Westerburg möglicherw. der Kaplan, den jener 1525, anläßlich seiner Flucht vor den aufständischen Bauern nach Heidelberg, als Aufseher und Kommandanten der Burg A. zurückließ. Dieser hatte keinen einzigen waffenfähigen Menschen bei sich. Sogar der Reitknecht war seinem Herrn ins Exil gefolgt.
Quellen
HstA M, Abt.I, Rheinpf.Urk.n. – Regesten der Markgrafen von Baden und Hachberg 1050-1515, 4 Bde., bearb. von Richard Fester (Bd. 1), Heinrich Witte (Bd. 2-3) und Albert Krieger (Bd. 4), Innsbruck 1900-1915. – [GRAF, Johann Christian]: Deductio juris et facti […]. Grünstadt 1733.
Literatur
Heiberger, Hans: 1200 Jahre Altleiningen. 780-1980. Heidelberg 1980. – Thon, Alexander/Meyer, Bernhard: Altleiningen, in: Pfälzisches Burgenlexikon, hg. von Jürgen Keddigkeit, Bd. 1, 3. Aufl., Kaiserlautern 2007, S. 132-148. – Toussaint, Ingo: Die Grafschaften Leiningen im Mittelalter (1237-1467)/Die Grafschaften Leiningen in der Neuzeit, in: Pfalzatlas, hg. von Willi Alter, Karte Nr. 67, Speyer am Rhein 1975. Hierzu auch Textbd. S. 1056-1107 (27. und 28. Heft 1977). – Toussaint, Ingo: Die Grafen von Leiningen, Sigmaringen 1982.