LANDSBERG
I.
Der Ort Teupitz als Herrensitz seit dem Ende des 12. Jh.s belegt, wurde von den Schenken vom Beginn des 14. Jh.s an bis 1717 als Res. bzw. Stammsitz genutzt. Der Ort kam nie über den Status eines zentralörtlichen Mittelpunktes hinaus.
II.
Die Schenken von L. waren zu Beginn des 16. Jh.s zugl. Grund- als auch Gutsherren. Für die lokale Versorgung des Hofes ließen sie um 1590 ca. 327 Morgen Acker mit 124 Scheffel Roggen, 56 Scheffel Gerste und 23 Scheffel Hafer bestellen. Ältere Zahlenangaben liegen nicht vor.
Der Hauptort der Schenken war die kleine Mediatstadt Teupitz, am gleichnamigen See gelegen. Er gilt bis heute als die kleinste Stadt in Brandenburg. Ausgedehnte Kiefernwälder und zahlr. Seen prägen die Landschaft, die für den Ackerbau recht schlechte Bedingungen bot und bis heute bietet. Teupitz liegt fernab von großen Handelswegen und hat auch keinen Anschluß an ein schiffbares Flußsystem. 1590 besaßen 20% der Bürger Ackerland und es wohnten neun Hüfner in Teupitz. Die Schlossanlage befindet sich auf einer vorgeschobenen Insel, die über eine nunmehr feste Verbindung mit dem Land erreichbar ist. Die waldreiche Umgebung gab neben der Forstwirtschaft sehr gute Bedingungen für die Jagd, ohne daß dies belegt ist.
Die Kirche von Teupitz, die zugl. Grablege der Schenken war, erscheint 1346 erstmals in der Stiftsmatrikel des Bm.s Meißen, Erzdiöz. Magdeburg, als zum Diakonat Zossen gehörende Pfarrei. Der Hauptort der Herrschaft war weder Bf.s- noch Archidiakonats- noch Diakonatssitz. Teupitz wird als eine Stadt mit einem Rat erstmals 1437 erwähnt und verfügte weder über Zoll- noch über Münzrecht. Die Ratsmannen wurden direkt von den Schenken ernannt. Der Handel war auf den lokalen Austausch regionaler Produkte beschränkt. Den Bedarf an bes. Artikeln deckten die Schenken, im brandenburgischen Dienst stehend, sicher über die Res.stadt Berlin.
Die Versorgung der Res.en in Teupitz und Leuthen sowie teilw. in Buchholz sicherten nahegelegene Vorwerke. Vorwerke befanden sich in Sputendorf, Löpten, Gussow und Schenkendorf. Nach dem Dreißigjährigen Krieg und dem damit verbunden Wüstungsprozeß wurden die direkt von den Schenken bewirtschafteten Flächen vergrößert auf Kosten der abgabenzahlenden Bauern. Die Vorwerke wurden zuerst von Meiern verwaltet und ab dem Ende des 16. Jh.s an Pächter ausgegeben. Die Frauen der Bauern und Kossäten waren verpflichtet, ein Stück Garn aus Flachs abzuliefern. Der Gartenbau spielte eine große Rolle bei der Versorgung. So wurden v.a. Kohl, Erbsen, Hopfen und Leinsamen angebaut. 1701 warfen die herrschaftlichen Gärten in Teupitz 30 Taler ab. Insgesamt acht Mühlen, alle im Besitz der Schenken, brachten 1590 10 Taler Geldzins sowie 531 Scheffel Getreide. Ausgeprägt war auch der Weinanbau. Jeder Teupitzer Bürger verfügte über einen eigenen Weinberg mit durchschnittlicher Größe von zwei Morgen. 1590 wurden die herrschaftlichen Weinberge mit 1200 Gulden taxiert. Sie befanden sich in der Sputendorfer Feldmark. Auf Grund der Dürftigkeit des Bodens wurde extensiv Schafzucht betrieben. Nach dem Anschlag von 1590 gab es im Teupitzer und im Buchholzer Gebiet über 1800 Schafe. Knapp einhundert Jahre später wuchs der Bestand auf 2400 Tiere an. Die Wolle wurde in den herrschaftlichen Schäfereien in Schenkendorf, Zeesen, Gussow, Pätz, Großbesten und Teurow rentabel verarbeitet. Von bes. Bedeutung in wirtschaftlichen Fragen der Herrschaft waren die ausgedehnten Wälder, v.a. schnellwachsende Nadelgehölze, für die Schenken. Sie besaßen das uneingeschränkte Waldregal seit ihrem ersten Nachweis in Teupitz. Bei finanziellen Schieflagen wurden große Waldflächen abgeholzt und sofort verkauft. Die bewaldeten Flächen umfaßten über 37% des Schenkenländchens. 1590 betrug der geschätzte Wert der Teupitzer Wälder 7500 Gulden.
Die kleinstädtische Siedlung Teupitz, von zahlr. Seen umgeben, wurde erstmalig 1186 als Herrensitz Bernhards von Plotzig urkundlich erwähnt. In dem altsorbischen Namen (Tupzt, Temptz, Teypzygk, Tupze) steckt vermutlich ein Zuname, der mit »stumpf« übersetzt werden kann. Die frühdeutsche Burg auf der Insel bildete den Ausgangspunkt der Stadtwerdung. Um 1300 erhielt Teupitz vermutlich stadtrechtähnliche Privilegien, wurde aber niemals als civitas bezeichnet. Im 14. Jh. verfügte es über fünf consules und einem Bürgermeister, wobei die Stadt überwiegend slaw. geprägte Bevölkerung aufwies. 1445 sind als Organe der Ratsverfassung ein Vogt und ein Stadtrichter bezeugt. Über den Status einer Mediatstadt ist Teupitz nie hinausgekommen. Die unregelmäßigen Straßenführungen sowie das Fehlen eines zentralen viereckigen Marktplatzes unterstreichen dies. Es handelt sich um eine auf die Bedürfnisse der Res. hin ausgerichtete Siedlung von Ackerbürgern mit lokalem Gewerbe. Zwei langgestreckte Straßenzüge zielen direkt auf das Schloß. Der Haupterwerbszweig der am östlichen Ufer des Teupitzsees wohnenden Bürger war der Fischfang. Die Stadt besaß auch keine Stadtmauer. Ab dem 17. Jh. durften jährl. vier Märkte mit regionalen Produkten abgehalten werden. Nur ein Haus war mit der Brau- und Schankgerechtigkeit ausgestattet.
Über das Verhältnis der Bürgerschaft zu den Schenken sind wir ungenügend informiert, nur wenige Auseinandersetzungen sind überliefert. 1535 beklagten sich die Einw. von Teupitz beim mgfl.-brandenburgischen Gericht über das Verhalten von Schenk Otto, daß er mit seiner Köchin gemeinsam Haushalt hielt, seine Schwägerin Katharina von Bieberstein drangsaliere und die Bürger von Teupitz von den Dienern des Schenken psychisch und physisch bedroht werden. Kfs. Johann von Brandenburg erteilte dem Schenken Otto einen Verweis. 1585 mußte Kfs. Johann Georg gegen Schenk Christoph einschreiten, da dieser dem Bürger David Stürzkopf seine Besitzansprüche an einem Waldstück streitig machte. Aus Gerichtsprozessakten von 1619 erfahren wir, daß die Teupitzer Bürger Schenk Johann Otto zu Teupitz den traditionellen Dienst des Aufstellens der Garben nach der Getreideernte verweigerte. Letztendlich setzte sich aber der Schenk durch und zudem wurden die Bürger verpflichtet, drei volle Tage bei der Flachsernte zu helfen. Erst in der zweiten Hälfte des 17. Jh.s wurden diese Handdienste durch Geldabgaben abgelöst. Schenk Wilhelm Heinrich zu Teupitz scheiterte 1689 bei der Bürgerschaft mit einer Klage, als er versuchte, den Bürgersfrauen ein zweites Stück Garn als Handdienst aufzuerlegen. Es blieb bei der Festlegung, daß pro Haushalt eine Rolle verarbeiteter Flachs abzuliefern sei.
III.
Die heutigen Bauten lassen kaum Rückschlüsse auf die spätma. bzw. frühneuzeitliche Bebauung zu. Dafür waren die baulichen Eingriffe zu massiv. Die an der Nordseite der Insel noch vorhandene massive Feldsteinmauer könnte auf ursprgl. ma. Anlage verweisen.
Auf einer Federzeichnung vom Jahre 1685 kann man die Gebäudesituation des 17. Jh.s erkennen. Den Kern der Res. bildeten zwei mehrgeschossige aneinandergebaute Herrenhäuser mit hohem Schmuckgiebel sowie einem davor gelagertem Treppenturm mit einer angefügten Kapelle. Ein hoher quadratischer Turm sicherte den Zugang zur Res., die ringsum vom Wasser umgeben und nur über einen aufgeschütteten Damm zu erreichen war. Aus der Mitte des 17. Jh.s existiert eine Beschreibung des Gebäudekomplexes, wonach es im Inneren neben der kleinen gewölbten Kapelle, eine Hofstube, eine große Tafelstube, noch zwei weitere Säle und mehrere Kammern sowie außerhalb einen neuen Stall mit Heuboden für insgesamt 18 Pferde gab. Daneben befand sich ein steinernes gewölbtes Brauhaus mit zwei Räumen. Ein Wagenschuppen für vier Wagen komplettierte den Wirtschaftsbereich, zu dem noch ein Stall für das Federvieh gehörte sowie ein Gesindehaus, welches aus jeweils einer Stube in den beiden Stockwerken bestand. 1668 ist die Anlage stark baufällig. Die Fenster der Kapelle sind zugemauert und die Tafelstube mit angrenzender großer Kammer im zweiten Stock waren eingestürzt. Das Burgtor war ohne Tür. 1769 wurde ein Teil des alten Schlosses abgebrochen und durch ein barockes schlichtes Gutshaus ersetzt. Zwischen 1788 und 1791 wurden die verbliebenen Reste der Altbebauung ebenfalls abgetragen. Am Ende des 2. Weltkrieges war das Schloß eine Ruine und wurde anschl. wiederhergestellt und diente in DDR-Zeiten als Erholungsheim dem Zentralkomitee der SED.
Zur architektonischen bzw. künstl. Gestaltung der Res. können mangels Quellen keine Aussagen getroffen werden.
Der Kern der Bebauung auf der Insel geht auf das ausgehende 12. Jh. zurück. Die Grundanlage war sicherlich eine typische hochma. Wasserburg. Als die Schenken 1328 die Herrschaft Teupitz übernommen hatten, werden sie wohl die baulichen Gegebenheiten unv. übernommen haben. Mangels Quellen kann über die Baufolge nichts ausgesagt werden. In der Literatur wird übereinstimmend berichtet, daß die Schenken die Burg mit einer fast 3 m starken Mauer umwehren ließen sowie neben dem Torturm noch zwei kleinere Türme errichteten, die aber bei den massiven Umbauten vor 1685 entfernt worden sind. Im MA soll eine Zugbrücke die Verbindung zum Festland hergestellt haben. Heute verbindet ein aufgeschütteter Damm die Res.anlage mit der Stadt.
Zum Thema Beschreibung von Architektur und Ausstattung der Res. sind keine Aussagen möglich.
Es kann nichts über Raumaufteilung, Zimmerfolge und Frauenzimmer in der Zeit als Teupitz Schenksche Res. war, ausgesagt werden.
Quellen
Codex diplomaticus Brandenburgensis, hg. von Adolf Friedrich Riedel, 4 Abt., 36 Bde., Berlin 1838-1865. – Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375, hg. von Johannes Schultze, Berlin 1940. – Quellen zur Geschichte der Niederlausitz, hg. von Rudolf Lehmann, 2 Bde., Köln 1972-1976.
Literatur
Biedermann, Rudolf: Geschichte der Herrschaft Teupitz und ihres Herrengeschlechts, der Schenken von Landsberg, Görlitz 1933. – Biedermann, Rudolf, Die kirchlichen Verhältnisse im Schenkenländchen, in: Jahrbuch für brandenburgische Kirchengeschichte 29 (1934) S. 36-60. – Biedermann, Rudolf, Die Wirtschaft im Schenkenländchen, in: Brandenburgia. Monatsblätter der Gesellschaft für Heimatkunde der Provinz Brandenburg zu Berlin 43 (1934) S. 1-31. – Czech, Vinzenz/Salge, Christiane: Groß Leuthen, in: Herrenhäuser in Brandenburg und der Niederlausitz, hg. von Peter-Michael Hahn und Hellmut Lorenz, Berlin 2000, S. 218-222. – Czech, Vinzenz/Salge, Christiane: Teupitz, in: Herrenhäuser in Brandenburg und der Niederlausitz, hg. von Peter-Michael Hahn und Hellmut Lorenz, Berlin 2000, S. 601-604. – Giese, Waldemar: Die Mark Landsberg bis zu ihrem Übergang an die brandenburgischen Askanier im Jahre 1291, in: Thüringisch-Sächsische Zeitschrift 8 (1918) S. 1-54, 105-157. – Hahn, Peter-Michael: Struktur und Funktion des brandenburgischen Adels im 16. Jahrhundert, Berlin 1979. – Hoffmann, Franz: Geschichte von Schloß und Stadt Teupitz, Teupitz 1902. – Lehmann, Rudolf, Die Herrschaften in der Niederlausitz. Untersuchungen zur Entstehung und Geschichte, Köln 1966. – Schieckel, Harald: Zur Herkunft und Verbreitung des Niederlausitzer Adels im Mittelalter, in: Heimatkunde und Landesgeschichte. Zum 65. Geburtstag von Rudolf Lehmann, hg. von Friedrich Beck, Weimar 1958, S. 91-105. – Spangenberg, Hans: Hof- und Zentralverwaltung der Mark Brandenburg im Mittelalter, Leipzig 1908. – Sussmann, Hans: Teupitz und das Schenkenländchen. Eine chronistische Betrachtung zur Sechshundertjahrfeier der Stadt Teupitz, 3 Bde., Teupitz 1974-1981. – Teupitz. Eine märkische Stadt im Wandel der Zeiten, hg. von Heinrich Krause, Berlin 2007. – Walter, Hans: Die Standesherrschaft Leuthen und ihre Besitzer, in: Lübbener Kreiskalender (1915) S. 35-49.