Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

Zurück zur Liste

LANDSBERG

B. Landsberg

I.

Die Herrschaft Teupitz erhielten die Schenken als Lehen, zunächst von den meißnischen Wettinern, den brandenburgischen Askaniern, den brandenburgischen Luxemburgern und ab 1442 von den brandenburgischen Zollern. In dieser Zeit betrug die Einw.zahl aller 16 Orte der Herrschaft Teupitz 157 Bauern und 81 Kossäten.

Aus einem Steueranschlag von 1590, der zur Vorbereitung einer Herrschaftsteilung angefertigt wurde, kann die Binnenstruktur der Herrschaft abgelesen werden. Es gab drei Gruppen von Untertanen: die sog. Lehnleute, die Bauern und Kossäten. Leider ist in diesem Anschlag nicht aufgeführt, über wie viel Besitz sie verfügten. In den Dörfern Egsdorf, Neuendorf, → Schwerin, Halbe, Gräbendorf, Tornow und Großköris gab es jeweils zwei bzw. drei Lehnleute, die mit sechs Gulden veranschlagt worden waren. Pro Dorf gab es einen Schulzen mit zwei Steuerhufen. Die Hüfner, mit vier Gulden belastet, leisteten v.a. Roggen- und Haferabgaben. Die Kossäten gaben 4-6 Scheffel Gerste.

Das so gen. Schenkenländchen umfaßte 1542 außer der Stadt Teupitz etwa 18 Dörfer, was einen Zugewinn von zwei Dörfern gegenüber 1442 ausmacht.

II.

Als die Schenken von L. um das Jahr 1300 in Schenkendorf und wenig später auch in Teupitz nachweisbar sind, fehlen insgesamt Belege über die Strukturierung bzw. Zusammensetzung des Hofes. Selbst für die Zeit, als sie in L. nachweisbar sind, gibt es keinerlei Nachweise über die Hofhaltung. Da wir sie für das SpätMA und für die Frühe Neuzeit sehr häufig als Rat am brandenburgischen Hof finden, scheinen sie keine ausgeprägte Hofhaltung mit Ämterressorts besessen zu haben. Selbst mit der Teilung der Linien um 1500 in einen Teupitzer und einen Leuthener Zweig erhalten wir keine Informationen über die Struktur des Hofes. Bei den Schenken handelt es sich um einen grundgesessenen Adelsverband im südlichen Brandenburg, die entweder in Teupitz residierten bzw. mit der Teilung in Teupitz und in Leuthen. Die zum Herrschaftsverband der Schenken gehörenden Herrschaften Sayda und Wusterhausen sind nicht unbedingt als Res.orte anzusprechen. Wann und wie lange sich die Schenken dort aufhielten, kann mangels Quellen nicht genauer benannt werden. Für das späte 16. Jh. haben wir Belege dafür, daß sich das Schloß Teupitz in einem desolaten Zustand befand. Auf eine unwirtschaftliche Haushaltung läßt dies schließen und auch die zahlr. verpfändeten Besitzungen in dieser Zeit bekräftigen dies. Bes. hart getroffen wurde das Geschlecht im Zuge der Dreißigjährigen Krieges, als große Teile des Besitzes entvölkert verpfändet werden mußten.

Zu Hofverwaltung, Ämtern, Diensten, Verwaltung, Gerichtsbarkeit und Bauwesen können mangels Quellen keine Aussagen getroffen werden.

Das sog. Schenkenländchen ist eine Region, die durch zahlr. Seen und wenig fruchtbare Sandböden gekennzeichnet ist. Laubwald ist kaum zu verzeichnen. Es dominiert der für die Landschaft typische Bewuchs mit Kiefern. Große Flächen waren Sumpf- und Bruchgebiete, die erst im Verlaufe der Neuzeit trockengelegt worden sind. Die engere Herrschaft der Schenken erstreckt sich im S der Landschaft Teltow von Hoherlehme, nördlich von Königswusterhausen, bis an die Grenze des Baruther Forstes, in westöstlicher Richtung von der Linie Schenkendorf – Egsdorf bis an den Fluß Dahme. Die Mehrzahl der Böden sind stark lehmhaltig, was eine ertragreiche Landwirtschaft kaum zuließ. Die landwirtschaftliche Nutzfläche umfaßte insgesamt 33750 ha, wovon nur 43% als ertragreich einzustufen sind. Die Mehrzahl der zur Herrschaft gehörenden Dörfer liegen an Seen, so daß der Fischfang eine große Rolle in wirtschaftlichen Fragen spielte. Die Mehrzahl der Einnahmen erhielten die Schenken jedoch aus der Forstwirtschaft, die jedoch extensiv betrieben wurde. Um 1600 betrug die Einw.zahl der Herrschaft der Schenken ca. 2400 Personen, wobei die Masse Kossäten waren.

Ein weiterer Ort mit dem Namen Schenkendorf südwestlich von Wusterhausen kam Ende des 15. Jh.s durch Kauf von den von Schlieben an die Schenken. Dieses Dorf umfaßte 1375 35 Hufen, davon waren drei Pfarrhufen und eine Kirchenhufe. Der Lehnschulze hatte vier Hufen, die aber mit der Abgabe von einem Schock Groschen belegt waren. Die anderen gaben vier Scheffel Roggen, vier Scheffel Hafer und zwei Scheffel Gerste. Vier Groschen waren an Zinsen und an Bede ein Schilling abzugeben. 14 Kossäten lebten im Dorf, von den jeder sechs Hühner abgeben mußte. Das Wirtshaus gab ein halbes Schock Groschen an den Altar der Elenden in Mittenwalde. Im 16. Jh. kam es zu einer Reduzierung der bäuerlichen Hufen auf 19, was auf die Bildung eines Rittersitzes deuten läßt. 1652 wurde der Besitz an die von Loeben weiterverkauft.

Die wirtschaftlichen Voraussetzungen für eine umfangr. und höfische Haushaltung waren schlecht und Mißwirtschaft v.a. im 16. Jh. führten dazu, daß große Teile der Besitzungen verpfändet werden mußten. 1618 mußte Schenk Hans Otto allein für Kreditzinsen 4000 Taler aufwenden. Während des Dreißigjährigen Krieges war das Schenkenländchen Durchzugsgebiet der Truppen. Die Zahl der Hüfner sank von 227 auf 77, die der Kossäten von 72 auf 27. 1667 mußten die Schenken die Herrschaft und das Schloß Buchholz an Hans Friedrich von Hacke für 30 Jahre verpfänden und ein Jahr später gar den Stammsitz Teupitz für 15875 Taler an Johann Friedrich Gf. → Solms verkaufen, ohne damit schuldenfrei zu werden. Bis 1682 prozessierte Schenk Wilhelm Heinrich gegen den Gf.en → Solms beim Berliner Gericht wg. Betrug und wurde förmlich 1688 in seine Lehen wieder eingesetzt.

Zwischen 1317 und 1319 tritt massiv Heinrich Schenk von Schenkendorf als mitbezeugender Rat in den Urk.n des askanischen Mgf.en Woldemar von Brandenburg auf (insgesamt 18 mal). Noch in der Zeit Mgf. Friedrichs II. aus dem zollerschen Hause gehörten Otto und Heinrich Schenken von L. zu Teupitz und Seyda dem mgfl. Rat an. Auch noch unter Mgf. Albrecht Achilles erscheint Otto Schenk von L. in mgfl. Urk.n Aber auch unter den Mgf.en aus dem Hause Wittelsbach, also zeitlich zuvor, finden wir die Schenken als Räte in den Zeugenreihen, so Heinrich Schenk von Schenkendorf bei Ludwig d.Ä. Das Amt des Mundschenken haben sie aber anscheinend niemals innegehabt, obwohl es wenige Belege zwischen 1308 und 1319 gibt, wo sie neben der Bezeichnung als Rat auch als Mundschenk bezeichnet werden (Hans, Heinrich und Otto von Schenkendorf). Sie gehörten aber nicht zum ständigen Rat, sondern kamen nur zu bestimmten Anlässen an den mgfl.-brandenburgischen Hof. Später finden wir die Schenken als Räte am Hofe des böhm. Kg.s Wenzel. Nach dessen Absetzung 1400 verblieb Heinrich Schenk an seiner Seite und vertrat gar 1409 die sächsische Kur, um für Sigismund zu stimmen. Ab 1412 ist Heinrich Schenk Rat von Sigismund und in zahlr. diplomatischen Angelegenheiten v.a. in Ungarn anzutreffen. Sein Tätigkeitsfeld war die Ausfertigung von Mandaten, was man ihm von 1422-1426 mit 300 Mark Silber aus der Reichssteuer von Lübeck entlohnte.

Im 16. Jh. waren drei Schenken Ehrenrektoren der Universität Frankfurt/Oder. Wenn Schenken ein Studium bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges aufnahmen, war es immer die Viandrina-Universität Frankfurt/Oder.

Das Wappen der Schenken von L. war ein schwarzer, aufrecht schreitender und gekrönter Löwe auf silbernem Grund. Diese Form des schreitenden Löwen deutet auf eine Bindung an die Mgf.en von Meißen hin, wenn sich die Wappenentwicklung auf die Zeit verlegen läßt, als sie als wettinisch-meißnische Dienstmannen in L. tätig waren und gleichzeitig oder später ihr Wappen für die Besitzungen in Schenkendorf und danach Teupitz in der Niederlausitz verwandten.

Eine Inschrift am Ostgiebel der Teupitzer Kirche vom Jahre 1346 gibt Auskunft darüber, daß Otto Schenk der Errichter der Kirche sei. Im 16. Jh. ließen die Schenken die Kirche umbauen, den Turm erhöhen und 1556 wurde an der Nordseite der Kirche eine neue Gruft als Familiengrablege errichtet. Notwendige Renovierungen der Kirche finanzierten die Schenken 1684 und 1692 bezahlte Schenk Otto Wilhelm eine neue Kanzel.

Es ist sicher Ausdruck der Anerkennung der Schenken, wenn Albrecht Schenk bei der förmlichen Belehnung Bgf. Friedrichs von Nürnberg mit der Mark Brandenburg 1417 das Banner des Kfsm.s vorantragen durfte. Zum Leiter der Trauerfeierlichkeiten für Kfs. Friedrich II. 1446 wurde Otto Schenk ernannt. Unter Albrecht Achilles wurde Otto Schenk Hofmeister von Albrechts Tochter Barbara.

Im Jahre 1461 begleitete Otto Schenk, im brandenburgischen Dienste stehend, den Wettiner Wilhelm III. ins Hl. Land und wurde in der Grabenskirche in Jerusalem zum Ritter geschlagen. Für das Jahr 1392 ist eine Wallfahrt von Albrecht Schenk nach Wilsnack überliefert.

Quellen

Codex diplomaticus Brandenburgensis, hg. von Adolf Friedrich Riedel, 4 Abt., 36 Bde., Berlin 1838 ff. – Quellen zur Geschichte der Niederlausitz, hg. von Rudolf Lehmann, 2 Bde., Köln 1972-1976. – Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375, hg. von Johannes Schultze, Berlin 1940.

Biedermann, Rudolf: Geschichte der Herrschaft Teupitz und ihres Herrengeschlechts, der Schenken von Landsberg, Görlitz 1933. – Biedermann, Rudolf: Die kirchlichen Verhältnisse im Schenkenländchen, in: Jahrbuch für brandenburgische Kirchengeschichte 29 (1934) S. 36-60. – Biedermann, Rudolf: Die Wirtschaft im Schenkenländchen, in: Brandenburgia. Monatsblätter der Gesellschaft für Heimatkunde der Provinz Brandenburg zu Berlin 43 (1934) S. 1-31. – Czech, Vinzenz/Salge, Christiane: Groß Leuthen, in: Herrenhäuser in Brandenburg und der Niederlausitz, hg. von Peter-Michael Hahn/Hellmut Lorenz, Berlin 2000, S. 218-222. – Czech, Vinzenz/Salge, Christiane: Teupitz, in: Herrenhäuser in Brandenburg und der Niederlausitz, hg. von Peter-Michael HAHN und Hellmut Lorenz, Berlin 2000, S. 601-604. – GIESE, Waldemar: Die Mark Landsberg bis zu ihrem Übergang an die brandenburgischen Askanier im Jahre 1291, in: Thüringisch-Sächsische Zeitschrift 8 (1918) S. 1-54, 105-157. – Hahn, Peter-Michael: Struktur und Funktion des brandenburgischen Adels im 16. Jahrhundert, Berlin 1979. – Hoffmann, Franz: Geschichte von Schloß und Stadt Teupitz, Teupitz 1902. – Lehmann, Rudolf: Die Herrschaften in der Niederlausitz. Untersuchungen zur Entstehung und Geschichte, Köln 1966. – Schieckel, Harald, Zur Herkunft und Verbreitung des Niederlausitzer Adels im Mittelalter, in: Heimatkunde und Landesgeschichte. Zum 65. Geburtstag von Rudolf Lehmann, hg. von Friedrich Beck, Weimar 1958, S. 91-105. – Spangenberg, Hans: Hof- und Zentralverwaltung der Mark Brandenburg im Mittelalter, Leipzig 1908. – Sussmann, Hans: Teupitz und das Schenkenländchen. Eine chronistische Betrachtung zur Sechshundertjahrfeier der Stadt Teupitz, Teupitz 1974-1981. – Teupitz. Eine märkische Stadt im Wandel der Zeiten, hg. von Heinrich Krause, Berlin 2007. – Walter, Hans, Die Standesherrschaft Leuthen und ihre Besitzer, in: Lübbener Kreiskalender (1915) S. 35-49.