Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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LANDSBERG

A. Landsberg

I.

Über das Herkommen der Schenken von L. schweigen die Quellen. Eigene genealogische Aufzeichnungen sind nicht überliefert. Es ist zu vermuten, daß die Schenken das Mundschenkenamt zunächst am mgfl.-meißnischen Hof in L. ausübten, ohne eindeutige Belege dafür zu haben. Die Zugehörigkeit L.s zur Mark Meißen, zur Ostmark bzw. zu der um 1265 geschaffenen Mark L. schwankte. 1207 finden wir Otto, Mundschenk von L. am Hofe Mgf. Konrads von der Ostmark. 1210 und 1214 urkundete Otto von L. für Mgf. Dietrich von Meißen. Er erscheint im Eschatokoll der Urk.n unter der Hofamtsbezeichnung, was auf ministerialische Herkunft schließen läßt. Die 1258, 1264 und 1265 bei Mgf. Heinrich von Meißen mit zeugenden Kuno und Konrad von L., jeweils ohne Amt, aber mit Herkunftsbezeichnung, scheinen nicht zur L.er Schenkenfamilie zu gehören, denn deren Leitnamen sind Otto und Heinrich. Die Familiengeschichtsschreibung eines bis heute bestehenden Zweiges kognatischer Abstammung gibt einen Ritter Pätzhold Schenken von Schenkendorf, urkundlich 1297 und 1299 nachgewiesen, als den Vater von Otto und Heinrich an, ohne dies zu belegen. Ab dem 15. Jh. wurde als Leitname vorrangig Albrecht benutzt. Unter Mgf. Heinrich von Meißen (gest. 1288) kommt es zu einem intensiven Herrschaftsausgriff in der Niederlausitz. Vermutlich erhielten die Schenken von L. an der Grenze zur Mark Brandenburg und im nördlichsten Gebiet der Mgft. Meißen am Ausgang des 13. Jh.s allodiale Güter und gründeten vermutlich das Dorf Schenkendorf südlich von Guben. Von nun an, nannten sie sich Schenken von Schenkendorf.

Ab 1300 finden wir Otto und Heinrich als Zeugen in Urk.n der Mgf.en von Meißen mit der Herkunftsbezeichnung von Schenkendorf. Die Schenken von Schenkendorf sind mit den Schenken von L. identisch. Es ist zu vermuten, daß die Schenken bereits seit der Mitte des 13. Jh.s hier ansässig waren. Die Schenken verließen den namengebenden Ort L. und veräußerten die Herrschaft an die von Wesenburg und diese wiederum gaben den Besitz an die von Köckritz 1489 weiter. 1512 erfolgte ein erneuter Besitzwechsel. Neuer Eigentümer der Herrschaft Schenkendorf, die nur sieben Dörfer umfaßte, wurde der Johanniterorden. Die Schenken von Schenkendorf behielten zunächst die ursprgl. Herkunftsbezeichnung bei, wandelten diese aber um in Schenken von L.

Wann und warum die Schenken ihre Herrschaft um Schenkendorf aufgaben, ist nicht überliefert. Kernstück ihrer neuen Besitzungen wurde jedenfalls Teupitz bei Königswusterhausen, südlich von Berlin. In den Besitz von Teupitz müssen die Schenken um das Jahr 1330 gekommen sein, denn zuvor verfügten die Herren von Plötzke unter den brandenburgischen Askaniern über den Ort und seinem Umfeld, was urkundlich 1317 belegt ist. Der erste sichere Nachweis der Schenken in Teupitz stammt vom Jahre 1336, als der mgfl.-brandenburgische Rat Schenk Heinrich auf Teupitz verstarb. Sein älterer Bruder Schenk Otto, ebenfalls im mgfl. Dienst stehend, starb 1321 in Schenkendorf.

Es wird übereinstimmend angegeben, daß es sich bei den Brüdern Otto und Heinrich bereits um die sechste Generation handelt, ohne Belege beizubringen. Unter Mgf. Friedrich von Meißen haben wir 1353 den Beleg für eine Aufteilung der Familie, denn Albrecht nennt sich Schenk von L., Herr zu Teupitz und sein jüngerer Bruder Erich, Schenk zu Schenkendorf, wobei die Linie um 1382 ausstarb und die Besitzungen an die Hauptlinie zurückfielen.

Um 1265 schuf Mgf. Heinrich von Meißen unter → Bruch des Reichsrechtes eine neue Mgft. – die Mgft. L., wozu er Teile der Marken Meißen und der Mgft. der Ostmark zusammenfügte und seinem Sohn Dietrich übertrug. Die landsbergische Linie der Wettiner starb 1291 aus und Mgf. Albrecht aus dem Hause Wettin verkaufte 1291 den nördlichen Teil der Mark an die Askanier in Brandenburg. Zwischen 1320 und 1351 kam es zu Auseinandersetzungen zwischen den Brandenburgern und Meißnern um die Rechtmäßigkeit des Verkaufs und 1354 übernahm Otto Schenk von L., im brandenburgischen Dienst stehend, L. Somit verfügten die Schenken von L. über zwei territorial getrennte Güterkomplexe – L. und Teupitz. 1508 verfielen sie nach einer Fehde mit den Hzg.en von Sachsen-Wittenberg in die Reichsacht und verloren 1509 L. und konzentrierten sich nun spätestens seit dieser Zeit auf das sog. Teupitzer Schenkenland. Nach dem Aussterben der Teupitzer Linie zu Beginn des 16. Jh.s, erbte der Leuthener Familienzweig Teupitz, welcher 1590 nochmals geteilt wurde. Ludwig Alexander und sein Bruder Karl Albrecht verkauften Teupitz 1717 an den preußischen Kg. Friedrich Wilhelm I. und starben 1721. Damit erlosch im Mannesstamm das Geschlecht der Schenken von L. Die sich heute auf die Schenken beziehende Familie ist ein kognatischer Zweig aus dem 14. Jh., der das ursprgl. Wirkungsgebiet verließ.

II.

Neben der Herrschaft Teupitz, die 1542 insgesamt 18 Dörfer umfaßte, besaßen sie von 1363 bis 1501 noch die Herrschaft Seyda bei Wittenberg als Lehen des Kfs.en von Sachsen-Wittenberg, von etwa 1500 an die Herrschaft Wusterhausen bis zur zweiten Hälfte des 17. Jh.s und die Herrschaft Leuthen bis 1721.

Ob die Schenken die Herrschaft Teupitz zu Lehen trugen oder ob es sich um Eigengut handelt, kann nicht geklärt werden. Zumindest ab 1462 erhielten sie Teupitz als Lehen von den Mgf.en von Brandenburg. Mit Wusterhausen wurden sie belehnt und die Herrschaft Leuthen, bestehend aus den Dörfern Groß- und Klein-Leuthen, Kleine-Leine, Dollgen, Bückchen, Guhlen und Ressen, erwarben sie nach dem Verkauf der Herrschaft Seyda im Kfsm. Sachsen-Wittenberg 1501. Am Ende ihrer Herrschaft verfügten die Schenken von L. über 36 Orte, sieben Mühlen und zwei Schäfereien, aufgeteilt auf die Herrschaften Teupitz, Leuthen und Wusterhausen mit geringem Zubehör.

Von diesen Lehen gaben sie auch noch Afterlehen weiter, wenn auch nur in bescheidenem Umfang, so u. a. an die von Bettin zu Diedersdorf. Ab der Reformation übernahmen sie das Kirchenregiment. 1353 verpfändete der wittelsb. Mgf. Ludwig der Römer von Brandenburg dem Mgf.en von Meißen die Niederlausitz und somit auch die Herrschaft Teupitz. 1367 kam Teupitz an Ks. Karl IV. und somit an das Haus Luxemburg. In der Hussitenzeit, spätestens seit 1431, unterstellten sich die Schenken den Mgf.en von Brandenburg und verblieben auch letztendlich unter deren Schutz. Verfassungsrechtlich abgesichert gehörten die Schenken von L. ab 1462 zum Kfsm. Brandenburg. Kg. Friedrich Wilhelm I. von Preußen kaufte 1717 das sog. Schenkenländchen von den beiden letzten Schenken Ludwig Alexander (gest. 1721) und Karl Albrecht (gest. 1721) für 54 000 Taler und er, Kg. Friedrich Wilhelm I. von Preußen, bestimmte es zu einer Haus-Fideikommißbesitzung. Ebenfalls verkauften die Schenken von L. im gleichen Jahr die Herrschaft Buchholz an Preußen für den Preis von 45 000 Taler.

III.

Das Wappen der Schenken von L. war ein schwarzer, aufrecht schreitender und gekrönter Löwe auf silbernem Grund. Diese Form des schreitenden Löwen deutet auf eine Bindung an die Mgf.en von Meißen hin, wenn sich die Wappenentwicklung auf die Zeit verlegen läßt, als sie als wettinisch-meißnische Dienstmannen in L. tätig waren und gleichzeitig oder später ihr Wappen für die Besitzungen in Schenkendorf und danach Teupitz in der Niederlausitz verwandten.

Zwei Grabplatten in der Kirche in Groß-Leuthen stellen Wilhelm, Herr zu Leuthen und seine Frau Magdalena, ihre gesellschaftliche Stellung, bzw. ihren Anspruch der Herrschaft auf Leuthen und Teupitz gleich auf mehrere Art dar: Die Grabdenkmäler stammen aus der zweiten Hälfte des 16. Jh.s. Während der Mann durch seine Ritterrüstung mit dem rechts am Boden liegenden Helm deutlich macht, daß er im Leben die Aufgabe eines Kämpfenden und Beschützenden wahrnahm, was direkt auf seinen gesellschaftlichen Rang hinweist, ist der Verweis bei seiner Frau deutlicher. Ihre einfache Wwe.nkleidung mit Halskrause, Kopfbedekkung und langem, weitem Kleid zeigt dem Betrachter, daß sie sich ganz ihren gesellschaftlichen Pflichten widmete und hebt ihre charakteristischen Züge hervor. Allein durch die Kleidung betonen diese beiden Mitglieder der Schenkenfamilie ihre adelige Position. Zusätzlich legitimiert wird dieser Anspruch bei der Grabplatte der Frau durch den Hinweis auf die Genealogie mittels der in den Ecken dargestellten Wappen, bei der des Mannes durch eine Umschrift. Die Grabsteine von Albrecht und seiner Gemahlin Eva von → Schönburg sind ebenfalls in der Leuthener Kirche erhalten geblieben. Sie wurden vermutlich bereits zu deren Lebzeiten angefertigt, worauf die unvollst. Jahreszahl 16 mit zwei fehlenden Stellen am Ende hinweist. Frühere Grabplatten existieren nicht.

Eine Inschrift am Ostgiebel der Teupitzer Kirche vom Jahre 1346 gibt Auskunft darüber, daß Otto Schenk der Errichter der Kirche sei. Im 16. Jh. ließen die Schenken die Kirche umbauen, den Turm erhöhen und 1556 wurde an der Nordseite der Kirche eine neue Gruft als Familiengrablege errichtet. Notwendige Renovierungen der Kirche finanzierten die Schenken 1684 und 1692 bezahlte Schenk Otto Wilhelm eine neue Kanzel.

Es ist sicher Ausdruck der reichsrechtlichen Anerkennung der Schenken, wenn Albrecht Schenk bei der förmlichen Belehnung Bgf. Friedrichs von Nürnberg mit der Mark Brandenburg 1417 das Banner des Kfsm.s vorantragen durfte. Zum Leiter der Trauerfeierlichkeiten für Kfs. Friedrich II. 1446 wurde Otto Schenk ernannt. Unter Albrecht Achilles wurde Otto Schenk Hofmeister von Albrechts Tochter Barbara. Im Jahre 1461 begleitete Otto Schenk, im brandenburgischen Dienste stehend, den Wettiner Wilhelm III. ins Hl. Land und wurde in der Grabenskirche in Jerusalem zum Ritter geschlagen. Für das Jahr 1392 ist eine Wallfahrt von Albrecht Schenk nach Wilsnack überliefert.

IV.

Über die Anfänge des Schenkengeschlechts schweigen die Quellen. Kaum lassen sich sichere Belege für einen Familienverband für die Frühzeit im 13. Jh. erbringen. In einer genealogisch prekären Situation befand sich das Geschlecht der Schenken i.J. 1449, als von den vier Brüdern Albrecht, Heinrich, Hans und Friedrich nur der jüngste Friedrich einen unmündigen Sohn hinterließ. Ihr Vetter Heinrich war ebenfalls söhnelos verstorben. Otto Schenk wurde unter Vormundschaft des brandenburgischen Obermarschalls Henning von Quast, mit dem er verwandt war, gestellt und sicherte so die Herrschaft in der Zeit der Unmündigkeit. Aus der Ehe Ottos mit Amalia von Bieberstein gingen vier Söhne hervor, so daß eine Generation später das Geschlecht neu aufblühen konnte.

Eine genealogisch durchgehend agnatische Herrschaft über die Herrschaft Teupitz ist nicht gegeben. Nach dem Aussterben der Teupitzer Linie Anfang des 16. Jh.s erbte der Leuthener Zweig der Familie die Herrschaft Teupitz sowie Buchholz und Wusterhausen. Bei der Teilung dieser Linie 1590 erhielt Wilhelm Heinrich Teupitz. 1668 verkaufte der letzte dieses Zweiges Teupitz für 15.875 Taler an den Gf.en von → Solms-Baruth. Doch bereits 1679 erwarb Joachim Friedrich vom Leuthener Zweig den Besitz zurück und verkaufte ihn 1717 an den preußischen Kg. Friedrich Wilhelm I. Die Herrschaft Wusterhausen, heute Königswusterhausen, südlich von Berlin, umfaßte nur vier Dörfer. Von 1363 bis 1501 verfügten die Schenken auch über die Herrschaft Seyda bei Wittenberg als Lehen der Hzg.e von Sachsen-Wittenberg. 1501 verkauften sie Seyda, obwohl lehnrechtlicher Besitz, und erwarben mit der Verkaufssumme die Herrschaft Leuthen. Hinzu kam seit ca. 1500 die Herrschaft Wusterhausen bis etwa zur zweiten Hälfte des 17. Jh.s und bis 1721 die Herrschaft Leuthen, nordöstlich von Lübben in der Niederlausitz. Zur Herrschaft Leuthen gehörten insgesamt sechs Dörfer. Streubesitz, d.h. Verfügungsgewalt über einzelne Dörfer bzw. Dorfanteile erstreckten sich im 15. und 16. Jh. von der Mark Brandenburg, über das Hzm. Schlesien bis ins böhm. Aussig. Es waren keine zusammenhängende Güterkomplexe und wurden daher nach und nach verkauft. Die Schenken heirateten bis zum Ausgang des 16. Jh.s nur in den Herrenstand der näheren Umgebung ein, so gab es Eheverbindungen mit den von Quitzow, den Edlen Gans zu Putlitz und den von Bieberstein.

Quellen

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Biedermann, Rudolf: Geschichte der Herrschaft Teupitz und ihres Herrengeschlechts, der Schenken von Landsberg, Görlitz 1933. – Biedermann, Rudolf: Die kirchlichen Verhältnisse im Schenkenländchen, in: Jahrbuch für brandenburgische Kirchengeschichte 29 (1934) S. 36-60. – Biedermann, Rudolf: Die Wirtschaft im Schenkenländchen, in: Brandenburgia. Monatsblätter der Gesellschaft für Heimatkunde der Provinz Brandenburg zu Berlin 43 (1934) S. 1-31. – Czech, Vinzenz/Salge, Christiane: Groß Leuthen, in: Herrenhäuser in Brandenburg und der Niederlausitz, hg. von Peter-Michael Hahn und Hellmut Lorenz, Berlin 2000, S. 218-222. – Czech, Vinzenz/Salge, Christiane: Teupitz, in: Herrenhäuser in Brandenburg und der Niederlausitz, hg. von Peter-Michael Hahn/Hellmut Lorenz, Berlin 2000, S. 601-604. – Giese, Waldemar: Die Mark Landsberg bis zu ihrem Übergang an die brandenburgischen Askanier im Jahre 1291, in: Thüringisch-Sächsische Zeitschrift 8 (1918) S. 1-54, 105-157. – Hahn, Peter-Michael: Struktur und Funktion des brandenburgischen Adels im 16. Jahrhundert, Berlin 1979. – Hoffmann, Franz: Geschichte von Schloss und Stadt Teupitz, Teupitz 1902. – Lehmann, Rudolf: Die Herrschaften in der Niederlausitz. Untersuchungen zur Entstehung und Geschichte, Köln 1966. – Schieckel, Harald: Zur Herkunft und Verbreitung des Niederlausitzer Adels im Mittelalter, in: Heimatkunde und Landesgeschichte. Zum 65. Geburtstag von Rudolf Lehmann, hg. von Friedrich Beck, Weimar 1958, S. 91-105. – Spangenberg, Hans: Hof- und Zentralverwaltung der Mark Brandenburg im Mittelalter, Leipzig 1908. – Sussmann, Hans: Teupitz und das Schenkenländchen. Eine chronistische Betrachtung zur Sechshundertjahrfeier der Stadt Teupitz, 3 Bde., Teupitz 1974-1981. – Teupitz. Eine märkische Stadt im Wandel der Zeiten, hg. von Heinrich Krause, Berlin 2007. – Walter, Hans: Die Standesherrschaft Leuthen und ihre Besitzer, in: Lübbener Kreiskalender (1915) S. 35-49.