Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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KRAWARN

C. Helfenstein

I.

H. (Helfštejn), auch Helfštýn, castello nostro Helfensteyn 1378; Helfnštain; Helfnstajn; 1418 Helfenstayn. Die Ruine der Burg liegt auf dem Bergkamm am Eintritt in die Mährische Pforte (Moravska brana) bei Týn nad Bečvou, 3 km östlich von Lipník n. B. Die Burg erhielt Vok (I.) von → Krawarn angeblich i.J. 1312 von Johann von Böhmen (Jan Lucembursky) als Pfand des Friduš [=Friedrich] von Linava. Diese Vermutung kombiniert zwei Informationen, und zwar die Nachricht aus der Chronik des Petr Žitavský, daß der Kg. i.J. 1312 dem widerspenstigen Friduš von Linava die Burgen Račice und Drahaus (wohl Drahany bei Prostějov, identifiziert aber auch mit Drahotuše bei Lipník n. B.) zerstört habe, und die ziemlich zuverlässige Nachricht aus den Landtafeln aus dem Jahre 1349, daß er die Burg H. einst Fridus von Linava auf dem Grundbesitz der Herren von Drahotuse erbaute, die sie nun wieder beanspruchten. Ješek (I.) von → Krawarn (gest. 1369) erklärte im Febr. 1349, daß die Burg H. von seinem Vater Vok mit allen Rechten und Zubehör erhalten habe und diese von nun an erblicher Besitz der Familie von → Krawarn sei.

II.

Die Stadt Leipnik (Lipník nad Bečvou) stellt eine landesherrliche Gründung dar, was auch die Tatsache belegt, daß im Stadtwappen keine Spur des Krawarnschen Familienwappens zu finden ist. In Lipník stand die Pfarrkirche des Hl. Apostels Jakob, ein Stadtspital ist 1449 belegt, schon 1294 kommt die landesherrliche Steuer vor, in Lipník gab es auch eine sehr starke jüdische Gemeinde mit einer Synagoge. Die ältesten Stadtprivilegien wurden H. schon von → Krawarn zuerkannt. Lacek (I.) und sein Sohn Johann schenkten i.J. 1378 den Bürgern von Lipník nebst den Kirchen- und Gerichtsäckern noch 21 1/2 Zinshuben, bestätigten denselben den von altersher besessenen Wald, verzichteten gegen einen jährl. Zins von 60 Mark auf das Heimfallrecht, befreiten sie von allen Frohndiensten und gestatteten, daß sie sich wie die Einw. anderer befestigter Städte eigener Rechte bedienen konnten. Von den Herren von → Krawarn erwarb die Stadt angeblich auch das Bierbraurecht, aber davon sprechen erst spätere Nachrichten aus dem 17. Jh. Demgegenüber ist sicher, daß Lacek (I.) Stadt und Herrschaft vom Heimfall freigesprochen hat, wahrscheinlich i.J. 1411, was die Bestätigung des Inhaltes dieser Urk. aus dem Jahre 1452 bezeugt.

III.

Die Burg wurde später zum Hauptbesitz Laceks (I.) von → Krawarn, als er nach dem Tode seiner Brüder auch andere Burgen (→ Fulnek um 1400, → Alt-Titschein, Štramberk, Vsetín a Rožnov 1406-1408) als Verwalter der Erbschaft gewann. Zur Zeit der Herren von → Krawarn war H. nicht so ausgedehnt wie heute. Die umfangr. Vorburg stammt aus der zweiten Hälfte des 15. Jh.s. Der ursprgl. Burggrund wird oft mit einem riesigen Schiff verglichen, das 60 m lang und 30 m breit ist und das auf der »Bergwelle« mit einem nach S gerichteten Bug segelte. Die Burg hatte keinen Turm, nur eine stärker befestigte Nordseite. Um die ganze Burg herum war aber eine 2 m starke Mauer erbaut. Gegen Mitte des 14. Jh.s, zur Zeit Ješeks (I.), entstanden an der Ostseite weitere Doppelraumgebäude (auch mit der Kapelle, 1410 erwähnt) und eine Steinmauer. Höchstwahrscheinlich noch zu Laceks Zeiten kam die sechsseitige sog. Krawarn-Vorburg hinzu und der mächtige Rundgraben wurde ausgemauert. An der Innenseite des Grabens wurde ein Platz erbaut, auf dem schon zur Zeit der Hussitenkriege die Kanonen standen. Nach einem archäologischen Fund wurde die Vorburg in Folge eines Brandes im 15. Jh. gänzlich verändert. Auf den Bruchflächen der Krawarn-Vorburg befanden sich auch fünfseitige, inwärtig offene Türme, die wahrscheinlich gegen 1400 erbaut wurden. Zur Zeit Petr Strážnický von → Krawarn wurde die Burgfestung durchlaufend ausgebaut. Zur letzten Bauaktivität der Herren von → Krawarn gehört der Bau des Turmes, in dem sich die Pforte und der Eingang in den Burgkern befanden.

Baletka, Ladislav/Louda, Jiří: Znaky měst Severomoravského kraje, Ostrava 1980, S. 52-53. – Čarek, Jiří: Městské znaky v českých zemích. Prag 1985, S. 226-227. – Gardavský, Zdeněk: Rekonstruovaná zřícenina hradu Helfštýna, Ausstellungskatalog »Od gotiky k renesanci«, Bd. 3: Olomoucko, Olmütz 1999, S. 239-243. – Hrady, zámky a tvrze v Čechách, na Moravě a ve Slezsku, hg. von František Spurný, Bd. 2: Severní Morava, Prag 1983, S. 72-79. – Plaček, Miroslav: Ilustrovaná encyklopedie moravských hradů, hrádků a tvrzí, Prag 2001, S. 213-217.