KRAWARN
I.
F. (15 nordwestlich von → Nový Jičín), erwähnt erstmals 1293 als Vulneck, 1298 Fulnech und 1337 Phulneck. Die Burg, Stadt und Herrschaft erwarb am Anfang des 14. Jh.s Vok (I.) zu → Krawarn, angeblich als Konfiskat von den Herren von Lichtenburk. Diese Interpretation ist traditionell akzeptiert, aber sehr fraglich. Der Burg diente als Hauptres. für Drslav (I.) von → Krawarn (gest. 1365), obwohl er nach dem Jahre 1359 auch in Glatz als kgl. Hauptman in Frankenstein/Ząbkowice tätig war. In F. hatte auch Drslav (II.) (gest. 1380), Drslavs dritter Sohn, seinen Hauptsitz, der sich selbst immer als dominus in Fullnek bezeichnete. Der Res.charakter von F. wurde später geschwächt, weil Beneš (III.) das Amt des Kammermeisters des römischen Kg.s bekleidete und mehr in Prag oder → Moravský Krumlov als in F. residierte.
II.
Das enge Verhältnis der Herren von → Krawarn zu der Stadt F. bezeugt die Errichtung eines Gedächtnisstiftung durch Johann und Drslav, den Gebrüdern von → Krawarn i.J. 1329 für die Seele ihres Vaters Vok (I.), für die dem F.er Pfarrer eine Zinshube in Jerlochovice und der Zehnt vom herrschaftlichen Meierhof in der Nähe von F. zugesprochen wurden. Aber weitere Privilegien für die Stadt sind erst aus der Zeit von Beneš (III.) von → Krawarn erhalten. Dieser erlaubte am 25. April 1385 den Bürgern aufgrund ihrer Armut im Stadtgraben bei der Mauer Fische zu züchten; am 17. Sept. 1388 befreite er die Stadt zudem vom Heimfall. Die Zuneigung zu F. hat Beneš (III.) auch darin geäußert, daß er am 29. Sept. 1389 in F. das Kl. der Augustiner-Chorherren gründete. Diese Kl.anlage diente später auch als eine Familiengrablege. Im Jahre 1413 bestätigte Lacek (I.) von → Krawarn der Stadt das Meilenrecht. Diese Urk. bestätigten später auch Benešek (VI.) von → Krawarn (am 12. April 1416) und Johann (VI.) von → Krawarn und F. (13. Mai 1429). Letzterer verlegte zugl. die Straßenverbindung zwischen Odry und Opava näher zu F., so daß die heutige Verbindungsachse F.-Vrchy-Opava entstand. Als die Stadt F. von der Hussiten zu Anfang des J. 1427 verbrannt und ausgeplündert wurde, verzichtete Johann (VI.) am 11. Mai 1429 auf die Stadtsteuer für sechs Jahre. Um die zerstörte Stadt besser aufzubauen, ordnete er zugl. an, daß die Bürger die Stadtmauern reparieren, im guten Zustand halten und das benötigte Bauholz frei aus den herrschaftlichen Wäldern nehmen sollten. Die krawarnsche Wappensymbolik ist in dem Stadtwappen bis heute erkennbar. Das älteste bekannte Stadtsiegel aus dem Jahre 1446 zeigt einen breiten Torturm mit zwei gotischen Fenstern, der von einem Wandelgang mit drei Zinnen abgeschlossen wird. Auf jeder Seite des Turmes sind die Geschlechtswappen der Herren von → Krawarn (ein silbernes Wurfeisen mit daran geknüpftem weißem Tuch im roten Felde) positioniert.
III.
Die ursprgl. Burg wurde an der Stelle des heutigen Schlosses errichtet und war viel grösser. Die Burg bestand aus zwei gegenüberstehenden Palästen, welche auf der nördlichen Seite mittelst eines Eintrittsflügels verbunden und rundherum mit dem Burggraben umgeben wurden. Der ma. Kern des östlichen Wohnflügels aus dem 14. Jh. steckt im heutigen dreigeschossigen Schloßpalast. Die Burg hat wahrscheinlich keine Türme und wurde in der zweiten Hälfte des 15. Jh.s erneut erweitert. In den Jahren 1389-1437 ist die hiesige Burgkapelle erwähnt. Über Architekten, Baumeister, Künstler (Ausstattung) sind keine Nachrichten erhalten geblieben.
Literatur
Baletka, Tomáš: Páni z Kravař. Z Moravy až na konec světa, Prag 2004, S. 133-135. – Baletka, Ladislav/Louda, Jiří: Znaky měst Severomoravského kraje, Ostrava 1980, S. 32. – Čarek, Jiří: Městské znaky v českých zemích, Prag 1985, S. 133-134. – Hrady, zámky a tvrze v Čechách, na Moravě a ve Slezsku, hg. von František Spurný, Bd. 2: Severní Morava, Prag 1983, S. 69-71. – Kouřil, Pavel/Prix, Dalibor/Wihoda, Martin: Hrady českého Slezska, Opava 2000, S. 120-123. – Plaček, Miroslav: Ilustrovaná encyklopedie moravských hradů, hrádků a tvrzí, Prag 2001, S. 208-211. – Prasek, Vincenc: Historická topografie země Opavské, Opava 1889, S. 154. – Turek, Adolf: Fulnecko, Vlastivěda moravská, Brünn 1940.