KRAWARN
I.
Die Burg Starý Jičín (dt. Alt-Titschein, 3,7 km südwestlich von → Nový Jičín) entstand in der ersten Hälfte des 13. Jh.s (erstmals 1240 als Ditschin belegt). Es ist unklar, wie die Burg und die Herrschaft auf Vok (I.) von → Krawarn übergingen, es könnte in den Jahren 1302-1313 oder auch früher geschehen sein. Der erste zuverlässige Bericht über die Burg als Eigentum der Herren von → Krawarn stammt aus dem Jahre 1330, wo auf der Burg (in Ticzyn castro) die Gebrüder Johann und Drslav und ihr Verwandter Heinrich (I.) von → Krawarn urkundeten. Da Johann von → Krawarn (gest. 1369) kinderlos war, erbten Burg und Herrschaft seine Neffen, und als das letzte Mitglied dieser Familie in der Person Johanns (VI.) von → Krawarn i.J. 1433 starb, fiel der Besitz an Ctibor von → Cimburk auf Křídlo.
II.
Unter der Burgruine A.-T. befindet sich die gleichnamige Marktgmd. (1374 Giczin, 1376 antiquo Tyczin), aber die am Ende des 13. Jh.s neu gegr. Stadt → Nový Jičín lag wirtschaftlich günstiger. Die Herren von → Krawarn erhielten die Stadt → Nový Jičín wahrscheinlich am Anfang des 14. Jh.s. 1313 ist die Rede von einer hiesigen landesherrlichen Steuer. Damals war wohl die Stadt im Besitz Voks (I.) von → Krawarn. Man kann auch ein herrschaftliches Haus in der Stadt annehmen, aber die Nachrichten über das Steinhaus der Herren von → Krawarn aus dem Jahre 1380 sind eher zweifelhaft und scheinen unbegründet zu sein. Die erste sichere Nachricht über das städtischen Kastell (castellum) stammt aus dem Jahre 1465. Die kgl. Genehmigung zur Abtragung des alten Schlosses Štramberg und zum Bau eines anderen, neuen Schlosses in → Nový Jičín erhielt erst i.J. 1539 Bedřich von → Žerotín.
Das enge Verhältnis der Stadt zu den Herren von → Krawarn spiegelt sich auch im Stadtwappen wider. Der älteste erhaltene Abdruck des Stadtsiegels (aus dem Jahre 1398) zeigt eine Hand in einem langen Ärmel, die das Krawarnsche Wurfeisen festhält. Erst später im 16. Jh. erscheint eine Hand, welche aus einer Wolke emporragt mit dem Krawarnschen eingewickelten Pfeil. Die Stadtprivilegien wurden von Vok und Johann von → Krawarn i.J. 1373 bestätigt. Die Stadt erhielt als Besitz und an Privilegien 30 Stadthuben im Dorf Loučka (Ehrenberg) bei → Nový Jičín, einen Jahrmarkt (acht Tage vor Pfingsten), die Bewilligung zur Abhaltung von Prozessionen der Dorfrichtern und Untertanen mit Kreuzen, die Befreiung vom Heimfall und die Begrenzung des Testierungsrechts der Bürgern gegenüber der Stadt. Die Steuer wurde auf 80 Mark Groschen festgesetzt und die Stadt dafür von Fronarbeiten freigesprochen, allerdings mit Ausnahme der Ehrenrechte gegenüber der Grundobrigkeit. Die Stadt → Nový Jičín leistete auch den Herren von → Krawarn Bürgschaft für ihre Schulden und Verpflichtungen (1382 April 13, CDM XI, Nr. 257; 1396 Sept. 10, CDM XV, Nr. 360; 1397, CDM XII, Nr. 445) oder siegelte auf Krawarnschen Urk.n als Zeugin (1383 Okt. 2, CDM XI, Nr. 14; 1397 Jun. 1, CDM XII, Nr. 399; 1398 Okt. 19, CDM XV, Nr. 380).
III.
Im Laufe der Zeit wurde die Burg A.T. mehrmals umgebaut. Die ursprungliche Burg war sehr einfach gebaut: der runde Hauptturm (Bergfried) schützte den südlichen Eingang in die Burg, an der nördlichen Seite befand sich der gewölbte und dreiteilige Palas (mit Kammer, Lagerraum, Küche und Kapelle), der im 14. Jh. erweitert und erhöht wurde. Im S lagen weitere Gebäude. Von der Eingangsrampe aus konnte man die Krawarnsche Vorburg erreichen.
Quellen
Codex diplomaticus et epistolaris Moraviae, Tl. 9, hg. von Vincenc Brandl, Brünn 1885; Tl. 12, hg. von Vincenc Brandl Brünn 1890; Tl. 15, hg. von Bertold Bretholz, Brünn 1903.
Literatur
Čarek, Jiří: Městské znaky v českých zemích, Prag 1985, S. 274. – Hrady, zámky a tvrze v Čechách, na Moravě a ve Slezsku, hg. von František Spurný, Bd. 2: Severní Morava, Prag 1983, S. 167-170. – Plaček, Miroslav: Ilustrovaná encyklopedie moravských hradů, hrádků a tvrzí, Prag 2001, S. 444-447. – Turek, Adolf: Hrad a panství Starý Jičín, Nový Jičín 1978.