KRAWARN
I.
Die einzelnen Herrschaften und die Burgen der Herren von (→ K. bildeten nie eine geschlossene Gesamtheit mit einer Zentralverwaltung, obwohl sie manchmal benachbart waren und ein und dasselbe Familienmitglied sie besaß. An der Spitze einzelner Großgrundbesitze stand ein Bgf., dem ein Schreiber zur Verfügung stand. Außer ihm hatte der Großgrundbesitz auch andere Angestellte, wie z. B. i.J. 1412, in dem ein Förster (forestarius) erwähnt wird. Herr Vok (I.) von K. und seine zwei Söhne Johann/Ješek (I.) und Drslav (I.) bildeten im nordöstlichen Mähren (→ Fulnek, Bílovec, Klimkovice, K., → Alt-Titschein, → Nový Jičín, Vsetín a, wohl auch Rožnov) ein mehr oder weniger kompaktes Gebiet aus einigen ihrer Herrschaftsbezirke, welche sich je nach dynastischer Entwicklung teilten und wieder verbanden. Das Herrschaftsgebiet hatte unter der Regierung von Lacek aus K. und → Helfenstein (gest. 1416) seine größte Ausdehnung (Herrschaften → Helfenstein, → Fulnek, Bílovec, Klimkovice, Odry, → Alt-Titschein, → Nový Jičín, Šostýn, Rožnov, Krásno und Val. Meziříčí, Vsetín und → Lukov). Erstaunlicherweise gelang es aber nie, dieses Gebiet mit dem Großgrundbesitz → Helfenstein zu verbinden. Das einzige Bindeglied war meistens nur der Herr.
Die Herrschaften der Herren von → K. breiteten sich in ganz Mähren aus. Das betrifft v.a. das nordöstliche (Flußgebiet der Oder und Becva), südöstliche (Strážnice und die Umgebung) und das mittlere Mähren (→ Blumenau, Prostějov). In Südmähren gewann Jan (I.) von K. (gest. 1369) sein erstes Vermögen, das von seinen Verwandten noch vergrößert wurde, in den 30er bis 40er Jahren des 15. Jh.s aber wieder verkauft werden mußte.
Die Herrschaftsgebiete, Burgen und Bgf.enamtssitze in Mähren und im Hzm. Troppau waren wie folgt: Linie von K. auf Strážnice, → Blumenau: Markt Baborów (bis 1340); Burg Bánov (ca. 1400-1410), Burg Brumov (ca. 1400-1410?), Burg und Herrschaft Bzenec (1441-1466), Markt Dvorce (1407-1466), Burg → Helfenstein mit der Stadt Lipník n.B. (1417-ca. 1445), das Dorf K. mit Herrschaft (13. Jh.-1420), Burg und Herrschaft Medlice mit Markt Domaštát, (1403-1466 als bfl. Lehen), Festung Milotice (1449-1466), Markt Moravský Beroun (1407-1466), Burg Ra- čice (1399-1466), Burg Rabštejn mit Stadt Rýmařov und Zubehör (1405-1413), Schloß und Herrschaft Strážnice (Anfang 14. Jh.-1466), Burg und Herrschaft → Šternberk (1407-1466), Burg und Herrschaft Velké Meziříčí (ca. 1417-1440), Burg und Herrschaft Zábřeh n. M. (1397-1439).
Die Linie von K. auf → Alt-Titschein/→ Helfenstein/→ Moravský Krumlov hatte folgende Besitzungen: Burg und Herrschaft Bílovec (1324-1433), Markt Dvorce mit Herrschaft (1401-1407), Burg und Herrschaft → Fulnek (Anfang des 14. Jh.s-1433), Burg → Helfenstein mit Stadt Lipník n. B. und Zubehör (Anfang des 14. Jh.s-1416), Burg Hlubočky (Hluboký) (1382-1416); Burg und Herrschaft Hradec n. M. (1383-1403 als Pfand von Hzg.en von Troppau), Markt Klimkovice mit Zubehör (Anfang des 14. Jh.s-1433); als mgfl. Lehen Markt Krásno n. B. (1374-1433); Burg und Herrschaft → Lukov (Waisenverwaltung 1414-1416); Markt Místek als bfl. Pfand bzw. Lehen (ca. 1390-1402); Markt Moravský Beroun (1401-1407), Markt und Herrschaft → Moravský Krumlov (1369-ca. 1430); Festung Nová Horka (1375-1433), Herrschaft und Burg Odry (1401-1416); Markt Osová Bitýška (ca. 1400-1415); als mgfl. Pfand Markt Rousínov mit Mauth (1401-1416); Herrschaft und Burg Rožnov (erste Hälfte des 14. Jh.s-1433); Burg → Alt-Titschein mit Stadt → Nový Ji- čín und Zubehör (Anfang des 14. Jh.s-1433), Burg Šostýn mit Markt Frenštát p. R. und Zubehör (Waisenverwaltung 1404-1416); → Šternberk (1401-1407); Burg und Herrschaft Štramberk (1380-1433); als bfl. Lehen Valašské Meziříčí mit Festung Arnoltovice (1396-1433); Herrschaft und Burg Velké Meziříčí (ca. 1400-1416).
In anderen schles. Hzm.ern besaß die Familie: Wolkmannsdorf (1371); ein Haus in Wrocław/Breslau (Lacek I. gest. 1416). In Polen: Lacek (I.) erhielt für geleistete Hilfe für Polen in seinem Krieg gegen den Deutschen Orden ein Jahreseinkommen von 500 Mark Silber vom Ertrag der Bergwerke in Trzebinia bei Krakau. Nach Laceks Tod (1416) bekamen dieses Geld die anderen Familienmitglieder: Beneš (VI.), Peter (II.) und Slawko Czudny von Korabowic. Wir wissen dies aufgrund einer Aussage des Krakauer Bürgers Klaus Keczingk vor dem Stadtrat am 30. Nov. 1420. In Polen erwarb Jan (VI.) von K. die Herrschaften Łańcut und Pilcz (1423) und Tyczyn (1423-1433), die beiden ersteren Herrschaften als Morgengabe für seine Frau Ofka Granowska von Pilcz. Der Zugriff auf die Herrschaft Tyczyn wurde durch den Tod Kg. Ladislaus' Jagiello aber eingeschränkt.
II.
Wir haben nur sehr wenige Informationen über die Entwicklung des Hofes der Herren von → K. , obwohl man mehrere Edelleute v.a. in der nahen Umgebung der Herrschaft K., die ein kleineres Lehen hielten oder anders mit den Herren verbunden waren, nachweisen kann. Um einzelne Mitglieder des Geschlechts bildete sich eine stabile Reihe von Personen, die wir als Höflinge bezeichnen können. Einen genauen Überblick über diese Personen gewinnen wir aber kaum. Schon i.J. 1363 sprechen wir von Dienern des Herrn Jan von K. (gest. 1369), die aus der Umgebung von Lipnik zusammenkamen, als Jan die Ankunft des poln. Kg.s erwartete, omnes servitores sui circum Lipnik residentes. Jan (VI.) von K. erwähnt in seinem letzten Willen 1433 Höflinge, denen er noch Geld schuldig war und nennt 36 Diener, u. a. auch seinen Koch und seinen Schreiber, denen er etwas vererbte. Außer diesen Personen beschenkte er auch die Bgf.en seiner vier Burgen. Die Reihe der Diener, Lehensmannen oder direkter Höflinge handelte und trat nicht immer einheitlich auf. Das zeigt auch sehr schön die Einstellung seiner Klientel in K. in der Protesturk. gegen die Verbrennung von Jan Hus i.J. 1415, in der wir nicht alle Namen, die wir erwarten würden, wiederfinden. Von 54 Personen, die die Ausfertigung des Protests siegelten, können wir bei zwölf Adeligen eine Verbindung zu Lacek belegen.
Hofbeamte werden nur selten erwähnt. Schon i.J. 1337 ist das Institut des Präzeptors belegt (pedagogus), vor dem Jahre 1337 erzog dieser Petr von Vladěnín Herrn Ješek (I.) von K. (gest. 1369). Jan (VI.) von K. und Jičín erwähnt in seinem letzten Willen das Marschallsamt (1432-1433 ist Jan Maršálek von Hynčina und Bystratice belegt). Die Ehefrauen der Herren von → K. hatten ihre Gefährtinnen, die sich aus den Frauen der Adeligen aus der nahen Umgebung rekrutierten, z. B. Alžběta, Ehegattin Drslav's von → K. und → Fulnek. Es waren in der Regel vier adelige Damen, mit denen sie ihre Tochter im Kl. St. Klara in Opava (Troppau) sowie auch andere Kl. des St. Klara Ordens besuchte, und zwar nach dem Papstdispens aus dem Jahre 1363.
Was das Beamtenpersonal einzelner Herrschaften in K. betrifft, lesen wir in den Quellen am meisten über die Bgf.en. Über andere Angestellten des adeligen Großgrundbesitzes haben wir weniger Informationen. Jan (VI.) von K. führt in seinem Testament aus dem Jahre 1433 das andere Personal einfach als Burgknechte. Wir haben auch sehr wenig Informationen über einzelne Kanzleien, vor allem in der Frage, inwieweit diese mit einer zentralen Kanzlei verbunden waren, denn manche Herren von → K. hatten ihre eigenen Kapellen (1410 Ondřej, der Geistliche von Malhotice, cappelanus in Helfenstayn, 1419 Mikeš, Pfarrer von Lipník und der Kaplan der Frau Marketa von Pogorzely, der Wwe. Laceks; 1419 der Geistliche Jaroš von Osek, der Beichtvater ders. Marketa; 1452 Jiřík von Brodno, der Kaplan Jiřík von K. und Strážnice).
Quellen
Siehe A. Krawarn.
Literatur
Baletka, Tomáš: Páni z Krava ř. Z Moravy až na konec světa. Praha 2004. – Dvorský, František: O starožitném panském rod ě Benešoviců. Tl. 1: O Benešovicích – vyjímaje rod pánů z Kravař, Brno 1907, Tl. 2: O rodě pánů z Kravař, Brno 1910. – Jurok, Jiří: Moravský severovýchod v epoše husitské revoluce, Nový Jičín 1998. – Rolleder, Anton: Die Herren von Krawarn. Zeitschrift des Vereines für die Geschichte Mährens und Schlesiens 2 (1898) S. 199-215, 295-339; 3 (1899), S. 56-70. – Řezníček, Jan: Zlomky účtů s výdaji Jana I. z Kravař v Lipníku nad Bečvou, in: 140 let Státního oblastního archivu v Brně. Praha 1979, S. 145-153. – Štěpan, Václav: Nové materiály k vývoji česko-polských vztahů počátkem 15. století, in: Časopis Slezského muzea B 30 (1981) S. 85-92. – Turek, Adolf: Hrad a panství Starý Jičín, Nový Jičín 1978.