Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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KRAWARN

A. Krawarn

I.

Die Adelsfamilie von K. (Kravař) stammte aus dem weiterverzweigten Herrenhause der Beneschauer (Benešovici), dessen Urvater Beneš (I.) von Benešov (1219-1222) war. Die ersten Mitglieder wurden in die Chronik des ma. Annalisten Beneš von den Minoriten aufgenommen. Weder die Herkunft der Benešowitzer noch die der Herren von K. konnte bislang befriedigend erklärt werden. Die Benešowitzer hatten ihren Grundbesitz rings um Benešov in Mittelböhmen (schon am Anfang des 13. Jh.s) und auch in der Gegend von Opava (Horní- und Dolní Benešov). Die Herren von K. haben sich nach dem Dorf Kravař (dt. Deutsch K.) im Hultschinerland genannt; in Vok von K. und Benešov 1274-1283 können wir den ersten Urahnen annehmen, aber erst ab Vok (I.) von K. (1300-1327) kann man die weitere Entwicklung des Geschlechtes genauer verfolgen. In der Chronik ›Přibik Pulkava‹ von Radenín (zweite Hälfte des 14. Jh.s) findet sich die Nachricht, daß Vok (bzw. ein Herr von K.) als Gemahlin eine Tochter bekam, die aus der illegitimen Beziehung Kg.s Přemysl Ottokar II. mit der Hofdame Agnes von Kuenring hervorgegangen war. Diese Information war aber schon im 16. Jh. nicht mehr bekannt und erst die moderne Geschichtsschreibung hat sie wiedergefunden. Im Jahre 1593 veröffentlichte Bartolomeus Paprokky von Glogol [›Zrcadlo slavného markrabství moravského‹/Spiegel der ruhmreichen Mgft. Mähren, Olomouc 1593] die Sage über den mythischen Vorvater der Familie und den Ursprung des Familienwappens. Im 19. Jh. ist im tsch. Sprachraum die Vorstellung entstanden, daß die Gegend rings um Nový Jičín den Name »Kuhländchen« nach den Herren von K. (Kuh – tsch. kráva, davon Kravaře) erhalten hat. Diese Annahme ist aber im 20. Jh. berechtigt widerlegt worden.

II.

Die meisten männlichen Mitglieder der Familie nahmen wichtige Stellen und Ämter in der mähr. Landesverwaltung oder am böhm. Kg.shof ein. Das gilt für den eigentlichen Begründer der Familie von K., Vok (I.), der Hauptmann in Krakau und Sandomierz war (nachweislich 21. März 1300, i.J. 1303 schon nicht mehr). 1316 war er Landeskämmerer in Böhmen und erwarb von Kg. Johann von Luxemburg die Burgen und Herrschaften → Helfenstein (Helfštejn) und → Fulnek sowie die Herrschaft → Blumenau, wobei ihm ein Teil der letztgen. Herrschaft vom Kg. geschenkt wurde. In den Jahren 1324-1325 ist Vok (I.) auch als Kämmerer der Olmützer Zauda belegt. Diese Amtspfründe bekleidete auch sein jüngerer Sohn Johann (Ješko I.), der auch kurze Zeit später 1350-1351 Landeskämmerer der Brunner Zauda war. Nach Ješeks Ableben wurde ein weiteres Mitglied der Familie in dieses Amt erhoben, und zwar Beneš (II.) von K. (gest. 1375) aus der Stražnicer Linie. Nach diesem »erbte« dieses Amt sein Sohn Wenzel (I.) bis zum Jahre 1379, dieser wurde wiederum von einem Neffen des Ješek (I.), Vok (III.) 1380-1386 abgelöst. Zur Ausübung des Amtes kehrte Peter (I.) von K. und Blumenau (Plumlov) in den Jahren 1406-1411 zurück, ihm folgte sein Neffe Petr (II.) für die Zeit von 1412-1416. Er war das letzte Mitglied der Familie, dem es gelang, das Amt des Landeskämmerers auszuüben.

Nach dem Tod des mähr. Mgf.en Jobst (gest. 1411) gelangten viele Mitglieder der Familie in die höchsten Spitzen der Landesverwaltung. Zwei konnten die Würde eines Landeshauptmanns von Mähren (capitaneus terrae) erlangen: zuerst Lacek (I.) 1411-1416 und dann Petr (II.) 1417-1419, ders. erneut 1422-1425, wobei ihn in den Jahren 1419-1420 sein Neffe Heinrich (II.) vertreten hatte. Einige Mitglieder wirkten auch am Hofe des böhm. Kg. und römischen Ks. Karl IV. Dort diente Drslav (I) von K. (gest. 1365), der 1359-1364 als kgl. Hauptmann in Frankenstein (Ząbkowice Śląskie) fungierte. Im Mai 1363 hat er an Verhandlungen Karls IV. mit den Kg.en Ludwig von Ungarn und Kazimir von Polen in Uherské Hradiště teilgenommen und 1365 erscheint er als consiliarius domesticus in den Quellen. Als Kammermeister (magister camerae) diente Beneš (III.) von K. und Krumlov in den Jahren 1375-1389. Sein Bruder Lacek (I.) war 1407-1412 Hofmeister am Hofe Kg. Wenzels und zugleich der Oberste Bgf. von Prag (1407-1411). Der große Grundbesitz der Familie von K. garantierte auch die feste Eingliederung in den mähr. Herrenstand sowie eine relativ große Unabhängigkeit, obwohl die Familie lehensfähig war und in Lehensverhältnissen zu den Olmützer Bf.en (Burg und Herrschaft Medlice, die Festung Arnoltovice mit Markt Val. Meziříčí) oder den mähr. Mgf.en (Burg Vícov, Burg und Herrschaft Štramberk usw.) stand.

Ein Teil der Adelsstrategien war auch die Abschichtung »überflüssiger Familienmitglieder« in kirchliche Ämter, wie es bei Drslav (II.), der 1365 die päpstliche Genehmigung zum Erlangen einer Kirchenpfründe bekam, der Fall war. Am Ende nahm er aber doch das väterliche Erbe an. Die kirchliche Karriere lockte auch Frauen. Jitka (Guta, Jutka) und Katharina, die Töchter Voks (I.), traten in das Klarissinnenkl. in Troppau ein. 1330 schenkten Johann und Drslav sowie ihr Vetter Heinrich (I.) dem Kl. St. Klara in Troppau das Dorf Štěpánkovice. Ihre Schwestern Jutka et Katherina sollten lebenslänglich die Hälfte der Einkünfte von diesem Dorf beziehen. In denselben Konvent trat später auch eine namentlich unbekannte Tochter Drslavs (I.) von K. ein. Eine kirchliche Laufbahn verfolgte auch Beneš (I.) von K. Er wurde Kanoniker der Prager, Olmützer und Bunzlauer (Stará Boleslav) Kirche, kaufte 1355 von dem Olmützer Kanoniker Miřan dort ein Haus und starb um 1360. Peter (I.) von K. und → Blumenau, wies i.J. 1377 zu seinem Seelenheil dem Priester der Kapelle der Hl. Agatha zu Prag einen Zins an. In den Deutschen Orden traten Johann (II.) (1330-1340) und Lacek (II.) von K. und Jičín ein und erreichten dort höchste Ämter in der Kirchenverwaltung: 1402 wurde Lacek zum Olmützer Bf. gewählt (1403-1408). Sein Vetter Beneš (IV.) trat in das Prämonstratenser Kl. in Hradisko ein. 1382-1404 bekleidete er dort das Amt eines Priors und war 1404-1412 Abt dieses Kl.s. Weitere Familienmitglieder unterstützten das Kl.er über dauerhaft eingerichtete Stiftungen hinaus mit Einzelzuwendungen. Schon Beneš (II.) hatte bei der päpstlichen Kurie um Bewilligung von Mitteln zur Gründung eines Minoritenkl.s in Strážnice nachgesucht. Dazu ist es aber nicht gekommen. Eine eigene Stiftung errichtete sein Sohn Beneš (III.) i.J. 1389. Er gründete ein Kl. für die Augustiner-Chorherren in → Fulnek. Kurz darauf stiftete auch Peter (I.) von K. und → Blumenau an die Augustiner-Chorherren in Prostějov. Außer Stiftungs- und Donationsaktivitäten unternahmen viele Familienmitglieder (bes. die Frauen) auch Pilgerfahrten, wie z. B. Agnes von → Šternberk und → Lukov, Wwe. von Beneš (III.), die bei ihrer Rückkehr i.J. 1411 auf der Insel Rhodos starb.

III.

Als Stammwappen verwendeten die Herren von K. (ähnlich wie andere im weitverzweigten Hause der Beneschauer) ein sog. »Odřivous« (poln. Odrowąż) – ein silbernes Wurfeisen mit daran geknüpftem weißem Tuch im roten Felde, woraus die Sage einen Pfeil mit unten anhängendem Knebelbart machte. Dieses Wappen kann man bis heute auf den Burgen und Schlössern (→ Helfenstein, Strážnice), auf Gewölbeschlußsteinen, in den Kirchen in Žilina (Söhle) bei Nový Jičín, Jerlochovice, Odry, Ivan- čice, in den Kl.n (→ Fulnek), auf den Grabsteinen (bis heute ist allerdings nur die Grabplatte der Johanna von K. in Prostějov erhalten; der Grabstein von Lacek [I.] von K. in → Fulnek war noch am Ende des 16. Jh.s dort zu sehen) antreffen. Das Familienwappen der Herren von K. überlebte auch bis heute in verschiedenen Gemeindewappen (so in den Wappen der Städten Bílovec, → Fulnek, → Nový Jičín, Štramberk und → Moravský Krumlov).

In späterer Zeit kann man eine umfangreiche Bautätigkeit an den zahlreichen Burgen der Herren annehmen. Das Dorf K. bei Opava war der Stammbesitz des Familienzweigs, der sich nach Strážnice nannte, bis i.J. 1420 Peter (II.) von K. und Strážnice die dortige Festung als eine wüste Anlage (loco municionis) verkaufte. Der letzte Mitglied des Zweigs von Jičín-Fulnek, Johann (VI.) von Jičín (gest. 1433) hatte die Burgen → Fulnek, Štramberk, → Alt-Titschein und Rožnov inne. Es ist also möglich, daß in → Nový Jičín schon in der Zeit der Herren von K. ein Vorgängerbau des heutigen Schlosses stand (1465 kommt hier ein castellum vor). Die Burg → Helfenstein erwarb Vok (I.) von K. angeblich als Konfiskation von den Herren von Linau und Herrschaft und mächtige Festung blieben bis zum Jahre 1445 in Familienbesitz. Damals war die Burg viel größer als am Anfang des 14. Jh.s. Ungefähr in der Mitte des 14. Jh.s (also wahrscheinlich unter Ješko (I.) von K., gest. 1369) ist an der östlichen Seite eine doppelräumige Palastanlage (zeitgleich etwa auch mit der Kapelle) und eine Steinmauer als Befestigung entstanden. Vermutlich wurde unter Lacek (I.) von K. die sechsseitige, sog. Kravarsche Vorburg, gebaut; ein mächtiger Ringgraben und ein ausgemauerter Erdwall. Auf der Innenseite des Grabens entstand ein Raum, wo schon zur Zeit der Hussitenkriege Kanonen gestanden haben könnten.

Eine Res.funktion hatte auch die Burg → Blumenau, die Vok (I.) erwarb und dessen Nachfolger hier bis zum Absterben der Familie saßen. Hingegen wurde die auch von Vok (I.) erworbene Burg Drahany noch im ersten Viertel des 14. Jh.s verlassen und auch die Festung in Prostějov, die von Beneš (II.) von K. 1374 gekauft worden war, wird i.J. 1391 als schon vernichtet erwähnt. Bauarbeiten wurden unter den Herren von K. auch auf der Burg Šternberk (sie gehörte der Familie in den Jahren 1397-1466) durchgeführt. An kleineren Burgen gehörten den Herren von K. auch Moravský Beroun, Dvorce und Odry. Die Burg Račice hatte Petr (I) von → Blumenau von den Herren von → Šternberg geerbt. Sie wurde 1422 von den Hussiten eingenommen und in den 30er Jahren des 15. Jh.s an die Herren von Lipá verkauft. Eine Bautätigkeit dort können wir ebenfalls annehmen. Am Anfang des 15. Jh.s erwarb Lacek (I.) die Herrschaft Velké Meziříčí zusammen mit der gleichnamigen Burg, die von ihm oder seinen Erben ebenfalls erweitert wurde. Auch die Burg Strážnice wurde mehrmals umgebaut. Heute überdeckt leider die klassizistische Umgestaltung beinahe völlig die gotischen und auch der Renaissance zugehörigen Bauteile. Ein weitläufiger Umbau wurde von Georg (I.) von Stražnice kurz nach 1450 durchgeführt. Die ursprgl. gotische Wehranlage mit einem viereckigen Turm wurde von ihm vergrößert um einen Palast, wie heute eine Gedenktafel an der Vorderfront bezeugt.

IV.

Die Verbindungen der Herren von K. zu anderen Linien des Hauses Beneschau sind bisher nicht befriedigend geklärt. Unklar ist auch die Beziehung des Vok von K. und Benešov (1274-1283) zu den Herren von K., aber sein Bruder Zbyslav (1281-1293) war mit Sicherheit der Stammvater der Herren von Štrálek und sein Bruder Johann (1288-1293) war gewiß Stammvater der Herren von Bučovice. Als wirklichen Stammvater der Herren von K. müssen wir also jenen Vok (I.) von K. annehmen, der zum ersten Mal als Hauptmann des Landes Krakau und Sandomierz i.J. 1300 erwähnt wird, sich schon 1303 aber in Prag befand und am 3. März 1308 vom Templerorden und Provinzialmeister Ekko mit Zustimmung des Hzg.s Friedrich von Österreich und Steyr und des Großmeisters des Tempelordens den Markt Vsetín (Setteinz) mit der jetzt unbekannten Burg »Freundsberg« und Zubehör auf 31 Jahre in Erbpacht erhielt. Als Anhänger Kg. Johanns von Luxemburg erwarb er die Herrschaften → Blumenau und → Helfenstein mit den Burgen und begründete so die Vermögensbasis, denn in seinen Händen konzentrierte er die Verwaltung der Herrschaften und Burgen → Blumenau, K., → Helfenstein, → Fulnek, Bílovec, Klimkovice, → Starý und → Nový Jičín und wahrscheinlich auch Rožnov p. R. und Strážnice. Vok (I.) starb zwischen Jahren 1327-1329 und hinterließ vier Söhne, aus erster Ehe Vok (II.) und Beneš (I.), und aus der zweiten Ehe Johannes (I.), öfter Ješko gen. und Drslav (I.). Das Geschlecht gliederte sich in zwei Hauptzweige: → Blumenau-Strážnice und → Fulnek-Jičín. Der Begründer des Hauses → Blumenau-Strážnic, Vok (II.), heiratete die Tochter des böhm. Herren Heinrich (I.) von → Rožmberk, aber mehr ist nicht bekannt. Sein Bruder Beneš (1337-1360) verfolgte eine kirchliche Karriere (Kanoniker in Prag 1337, 1355 in Olmütz und Bunzlau). Vok (II.) und hinterließ die Herrschaften Strážnice, K. und → Blumenau seinen Söhnen: Heinrich (I.) (1339-1344), verh. mit Anna (von → Rožmberk?); Johann (Ješko) (II.) (1330-1340, ein Ritter des Deutschen Ordens) und Beneš (II.) (gest. 1375). Die Tochter von Vok (II.), Katharina, vermählte sich mit Stephan von → Šternberg (gest. 1357). Diese Güter wurden wieder zwischen den Nachfolgern von Beneš (II.) aufgeteilt: Wenzel (I.) von K. und Strážnice (gest. 1381) begründete die Linie der Herren von Strážnice, Petr (I.) (gest. 1411) begründete die Linie der Herren von K. auf → Blumenau, die aber mit Heinrich (II.) von K. und → Blumenau ausstarb. Heinrich (II.) unternahm 1416 eine Reise nach Frankreich, Spanien und Marokko, eines der Ziele war sicherlich auch Santiago de Compostella. Von Kg. Sigmund wurde Heinrich (II.) i.J. 1419 zum mähr. Landeshauptmann ernannt. Schon am 1. Nov. 1420 fiel er in der Schlacht bei Wyšehrad, sein Bruder Beneš (III.) starb schon 1413. Von seinen vier bekannten Schwestern sind bedeutend Elisabeth von K. (gest. 1444), die Gemahlin Heinrichs von → Rožmberk (gest. 1412) und Mutter des Ulrich (II.) von → Rožmberk (gest. 1462) sowie Perchta von K. (gest. 1447), die Gemahlin Peters von → Šternberk und → Konopiště, der ebenfalls in der Schlacht bei Vyšehrad zusammen mit seinem Schwager fiel.

Der Zweig der Herren von K. und Strážnice, deren Stammvater Wenzel (I.) war, lebte noch drei Generationen weiter. Zunächst führte der unmündige Sohn Petr (II.) (gest. 1434) die Familie, der anfangs unter der Obhut seines Onkels Peter (I.) von → Blumenau aufwuchs. Als mähr. Landeshauptmann (1416-1419) wurde er ein würdiger Nachfolger des verstorbenen Lacek (I.) von K. und → Helfenstein, unterstützte das Eindringen der Lehren der Hussiten nach Mähren und beförderte die utraquistische Geistlichkeit. Nach dem Tode Wenzels IV. fiel er aber in Ungnade bei Kg. Sigmund und mußte das Amt des Landeshauptmannes in Mähren an seinen Vetter Heinrich (II.) abtreten. Schon i.J. 1422 war Petr aber erneut Landeshauptmann von Mähren geworden. Dieses Amt gab er aber in einem Streit mit dem Hzg. (und neuen mähr. Mgf.en) Albrecht von Österreich 1425 auf. Peters Sohn Wenzel (II.) (gest. 1437) kämpfte in den Reihen der Hussiten (bei Aussig 1426 und bei Tachau 1427), auch sein jüngere Bruder Georg (Jiřík) von K. und Strážnice (gest. 1466) war treue Anhänger des Hussitenkg.s Georg von Poděbrad und zugl. der letzte männliche Angehörige des einstmals mächtigen Geschlechtes der Herren von K. Georg (I.) hinterließ vier Töchter und da ein Sohn unbekannten Namens vor dem Jahre 1466 starb, wurde der ausgedehnte Grundbesitz zwischen seinen Töchtern geteilt: Ludmila (gest. vor 1502), vermählt mit Albrecht Kostka von Postupic und nach dessen Tode mit Johann Berka von Dubá, erhielt die Herrschaften und Burgen → Šternberk, Dvorce, Moravský Beroun und Domaštát; Kunhuta (gest. 1510), vermählt mit Wenzel von → Boskovice, erhielt Račice, Čechy pod Kosířem und ein Haus in Brno; Johanna (gest. 1495), vermählt mit Erhard von Kunštát, erhielt die Herrschaft → Blumenau mit den Märkten Prostějov und Kostelec, und Elizabeth von K. (gest. 1500), vermählt mit Bertold von Lipá auf Krumlov, erhielt schließlich Burg, Schloß und Herrschaft Strážnice mit der Stadt sowie die Märkte Lipov und Velká nad Veličkou und die wüste Burg Gansberg.

Der zweite Familienzweig nimmt seinen Anfang in der Person des Drslav (I.) von K. (gest. 1365), der die Herrschaften im Troppauer Land (→ Fulnek, Bílovec und Klimovice) besaß und vier Söhne hinterließ: Vok (III.), Beneš (III.), Drslav (II.) und Lacek (I.). Diese übernahmen nicht nur sein Erbe, sondern auch das seines Oheims Ješek (I.) von K., der i.J. 1369 ohne Erben starb. Doch der Pest i.J. 1380 fiel zunächst Drslav (II.) von K. auf → Fulnek zum Opfer. Sein Erbe wurde zu gleichen Teilen zwischen den drei verbliebenen Brüdern aufgeteilt. Bald darauf verstarb auch Vok (III.) von K. auf → Alt-Titschein, der seinen Erbteil aber seinen Nachkommen hinterließ. Auch Beneš (III.) von K. auf → Moravský Krumlov (gest. 1398), der 1375-1389 Kammermeister des römischen Kg.s gewesen war, hinterließ männliche Erben, von denen aber nur sein Sohn Johann (III.) von K. auf → Krumlov (gest. 1400) sein Vermögen erbte, denn sein Bruder Beneš (IV.) starb i.J. 1412 als Abt des Prämonstratenser Stiftes in Hradisko bei Olomouc. Somit war am Anfang des 15. Jh.s das begütertste und einflußreichste Mitglied der Familie Herr Lacek (I.) von K. auf → Helfenstein, (der grosse herre Latzko von Merhern), dem umfangr. Domänen und Herrschaften in Südwestmähren (Velké Meziříčí a Velká Bíteš), Zentralmähren (Rousínov, Břest, Žalkovice und Plešovec) und besonders in Nordostmähren (→ Helfenstein, Hlubočky, Vsetín Rožnov, Valašské Meziříčí, → Starý und → Nový Jičín) gehörten. Außerdem hatte er als Vormund der unmündigen Waisen die Verwaltung über die Herrschaften → Moravský Krumlov, Odry, Bílovec und Klimkovice. In den Vordergrund trat Lacek dank seiner Dienste am böhm. Kg.shof als supremus purgravius Pragensis et magister curiae regalis (Oberstbgf. in Prag, 1407-1411, und Obersthofmeister, 1407-1412). Nach dem Tode des mähr. Mgf.en Jobst kam er nach Mähren zurück, wurde zum Landeshauptmann von Mähren ernannt (1411-1416) und unterstützte Johann Hus und die hussitische Reformbewegung. Er hinterließ jedoch keine männlichen Erben (seine Söhne Drslav (III.) und Johann (V.) starben vor dem Jahre 1400 starben). Seine Frau Margaretha von Pogorzeli (Pogarell) (gest. nach 1420) und seine Tochter Elisabeth (vermählt mit Albert von → Šternberk auf → Lukov, gest. nach 1420) überlebten ihn jedoch. Die Tragik des Schicksals von Lacek besteht darin, daß er sowohl seine als auch die Söhne seiner Brüder überlebte: von Seiten seines Bruders Vok (III.) waren es Johann (IV.) (1372-1382), Vok (IV.) von K. auf → Alt-Titschein (gest. 1406) und Lacek (II.), Olmützer Bf. (1403-1408); von Seiten seines Bruders Beneš (III.) waren es Jan (III.) und Beneš (IV.). Lacek (I.) hatte die Vormundschaft über Beneš (VI.) von K., auch Benešek gen. (gest. 1422-1423), dem Sohn des Johanns (III.), und auch über Johann (VI.) von K. auf Jičín und → Fulnek (gest. 1433). Johann (VI.) war das letzte männliche Mitglied dieses Familienzweigs, der enge Beziehungen zum poln. Kg.shof hatte. Seine erste Gemahlin Ofka Granowska von Pilcz (gest. 1423) hatte ihm als Mitgift die Herrschaften in Kleinpolen (Lańcut, Tyczyn a Pilcz) eingebracht. Nach ihrem Tode heiratete Johann Agnes, eine Tochter des Hzg.s Přemysl von Troppau, und 1424 sicherte er ihr als Heiratsgut jährl. Einkünfte in der Höhe von 400 Mark Groschen zu. Zu Anfang des Jahres 1427 hatte Johann fühlbar den hussitischen Feldzug zu spüren bekommen (seine Städte → Nový Jičín und → Fulnek waren arg beschädigt worden) und i.J. 1429 mußte Johann einen Vertrag mit den Hussiten schließen und ihnen Hilfe leisten. Er starb offenbar kurz nach Verfertigung seines Testaments (17. März 1433). Mit ihm starb auch die Linie der Herren von K. auf → Alt-Titschein aus und sein enormer Grundbesitz zerfiel.

Quellen

Die meisten Quellen sind Urk.n, die bis zum Jahre 1411 gedruckt vorliegen (Codex diplomaticus Moraviae), wichtige ungedruckte Urk.n sind im Statní oblastní archiv Třeboň deponiert, böhm. Urk.n aus dem Lichtensteinischen Archiv in Vaduz sind veröffentlicht in Regestenform bei Turek, Adolf/Zemek, Metoděj: Regesta listin z lichtenštejnského archivu ve Vaduzu z let 1173-1526, in: Sborník archivních prací 33 (1983) S. 149-296. Für genealogische Untersuchungen siehe die Landtafel des Markgrafthums Mähren, Libri citaciontum, und die Lehens- und Gerichtsbücher des Bisthums Olmütz; wichtige Quelle ist das Testament Johanns (VI.) von Kravař auf Fulnek (gest. 1433), gedruckt in: Archiv český, Bd. 15, hg. von Josef Kalousek, Praha 1896. Die Funeraldenkmäler, mit Ausnahme der Grabplatte der Johanna von Kravař (gest. 1495) in der heutigen Pfarrkirche St. Petr und Paul in Prostějov, sind nicht überliefert (es gibt nur einen Bericht über die Grabplatte des Herrn Lacek [I.] in Fulnek, Petr [I.] von Kravař und Plumlov und seiner Familie in Prostějov).

Baďura, Bohumil: Styky mezi českým královstvím a Španělskem ve středověku, in: Táborský archiv 7 (1995-1996) S. 5-87. – Baletka, Tomáš: Páni z Kravař. Z Moravy až na konec světa, Prag 2004. – Dvorský, František: O starožitném panském rodě Benešoviců. Tl. 1: O Benešovicích – vyjímaje rod pánů z Kravař, Brno 1907, Tl. 2: O rodě pánů z Kravař, Brno 1910. – Dvorský, František: Strážnický okres, Vlastivěda moravská, Brno 1914. – Prochaska, Antonin: Do krytyki opowiadania Długosza o Elżbiecie Granowskiej, in: Kwartalnik historyczny, 10/2 (1896) S. 307-312. – Rolleder, Anton: Die Herren von Krawarn, in: Zeitschrift des Vereines für die Geschichte Mährens und Schlesiens 2 (1898) S. 199-215, 295-339; 3 (1899) S. 56-70. – Řezníček, Jan: Zlomky účtů s výdaji Jana I. z Kravař v Lipníku nad Bečvou, in: 140 let Státního oblastního archivu v Brně. Praha 1979, S. 145-153. – Štěpan, Václav: Úloha pánů z Kravař při vzniku husitského hnutí, in: Časopis Slezského muzea 20 (1971) S. 10-21. – Štěpán, Václav: Osobnost Lacka z Kravař. I. Lackův politický vzestup, in: Časopis Matice Moravské 109 (1991) S. 217-238. – Štěpán, Václav: Osobnost Lakka z Kravař. II. Na vrcholu politické dráhy, in: Časopis Matice Moravské 112 (1993) S. 11-42. – Turek, Adolf: K životopisu Jana z Kravař (Poslední člen jicko-fulnecké větve pánů z Kravař pastorkem polské královny?). Kravařsko, in: Vlastivědný sborník 7,1, September 1937, Nr. 1, S. 1-3. – Turek, Adolf: Hrad a panství Starý Jičín, Nový Jičín 1978.