Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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KRAIG

B. Kraig

I.

Der ursprgl. Besitz der Herren von K. um den namengebenden Ort gilt als freies Eigen. Weiterer Besitz der K.er liegt bei Feldkirchen und in der Untersteiermark. Im 14. Jh. wurden weitere Güter in Kärnten und Krain erworben, darunter Lehen der Gf.en von → Görz, der Bf.e von Bamberg und der Bf.e von Brixen. Ende des Jh.s erhielten die K.er Schloß → Aufenstein bei Matrei am Brenner in Tirol. Der Besitz in der Steiermark wurde im 15. Jh. durch Übernahme des Ehrenfelser Besitzes ausgebaut, schließlich kamen durch Heirat mit den Stubenbergern weitere Güter dazu. Der Großteil wurde allerdings bald wieder verkauft. Das Amt des Hofmeisters am Hof Friedrichs III. war mit weiteren Begünstigungen verbunden. Der Grundstein des böhm. Besitzes wurde in der ersten Hälfte des 15. Jh.s gelegt. Hans von K. kämpfte als Hauptmann in Mähren und Leopold von K. als Hauptmann von Budweis gegen die Hussiten; sie wurden mit Besitz in Böhmen belohnt. 1454 kam es zur Erbteilung: Während sich Hans die innerösterreichischen Besitzungen sicherte, wurde Wolfgang II. mit den Gütern in Böhmen, Mähren und Niederösterreich zum Stammvater der böhm. Linie.

II.

Der Stammsitz der Herren von K. ist das gleichnamige Burgenensemble nördlich von St. Veit an der Glan in Kärnten. Die weite Streuung des Besitzes läßt auf eine große Mobilität der Familienmitglieder schließen, allerdings hat keine andere Burg die Größe von K. erreicht. Zur Organisation und zum Aufbau des Hofes der Herren von K. sind keine Quellen bekannt. Dieser negative Befund erstreckt sich auch auf nähere Informationen zu Festen, Vergnügungen und Repräsentationen.

Die K.er Burgen befinden sich an der Straße zwischen den wichtigen Orten Friesach und St. Veit an der Glan am sog. »Schrägen Durchgang«, dem Verkehrsweg von Wien über die Obersteiermark und Kärnten nach Venedig. Die Versorgung mit Gütern des Fernhandels war also gewährleistet. Der Nahrungsmittelbedarf konnte aus dem weit verstreuten Eigen- und Lehenbesitz gedeckt werden.

Quellen

Monumenta Historica Ducatus Carinthiae. Geschichtliche Denkmäler des Herzogthumes Kärnten, Bde. 3-11, Klagenfurt 1904-1972.

Leitner, Friedrich W.: Die Herren von Kraig. Eine genealogische Skizze zu den Erbtruchsessen in Kärnten, in: AfD 46 (2000) S. 225-275. – Waschnig, Erwin: Die Herren von Kraig, Diss. Wien 1968.