Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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KÖNIGSEGG

B. Königsegg

I.

An bemerkenswerten Kunstwerken befand sich in der Burgkapelle des K. ein 1527 im Auftrag von Hans VII. zum K.erberg gemalter, als bes. schön bezeichneter Flügelaltar eines unbekannten Meisters, vermutlich aus der dem sog. Meister von Meßkirch nahen oder, wie manche meinen, gar mit ihm identischen Sigmaringer Schule. Jedoch wird auch Hans Strüb aus der berühmten Malerfamilie, die in Veringenstadt für die → Hohenzollern arbeitete, als Meister von → Sigmaringen bezeichnet. Das Mittelstück, eine Marienkrönung, ist noch erhalten. Der Flügelaltar wurde von Johann Georg Sauter kopiert, die originalen Seitenflügel sind jedoch seit 1846 ebenso wie die Kopien Sauters verschollen.

Gf.in Johann Claudia zu K.-Aulendorf (1632-1663), heiratete am 13. Nov. 1651 den Fs.en Franz von → Nassau-Siegen. Auf ihrer Hochzeitsreise i.J. 1652 wurde das Paar zweimal von Artemisia Gentileschi porträtiert. Artemisia, Tochter des Orazio Gentileschi, hatte schon im Alter von 17 Jahren eines ihrer Hauptwerke geschaffen. Mitglied der Akademie der Künste zu Florenz wurde sie von Großhzg. Cosimo II. von Medici protegiert, und bereiste Rom, Neapel und mit ihrem Vater London. Nach Ausbruch des Bürgerkrieges in England i.J. 1641 verließ sie die Insel endgültig und kehrte nach Neapel zurück, wo sie bis zu ihrem Tode nach 1652 (neueste Forschungen legen nahe, daß die Gentilesci noch einige Jahre nach 1652 gelebt hat. Persönl. Mitteilung Mary Garrard, Washington) lebte und arbeitete. Wann und wo sich Johanna Claudia und ihr Mann von der berühmten Künstlerin portraitieren ließen, ist unbekannt, vermutlich jedoch auf einer Italienreise, die kurz nach ihrer Hochzeit und kurz vor Gentileschis Tod nach Neapel geführt haben muß. Daß die Malerin bis zu ihrem Tode sehr aktiv blieb, ist belegt.

Militär im eigtl. Sinne wurde an den K.'schen Höfen nicht gehalten. Doch begegnen wir aus der preußischen Familie Konrad Heinrich von K. auf Korschen und Hermenhagen i.J. 1407 als Vogt zu Leske, dem Erbe seiner Mutter. Und 1410, i.J. der legendären Schlacht bei Tannenberg, an der er mit Sicherheit teilgenommen hatte, findet sich in der »Banderia Prutenorum« des Jan Długosz in der Jagiellonischen Bibliothek zu Krakau, der die Regimentsfahnen zur Zeit der Schlacht von Tannenberg sammelte, auch das Banderium advocacie et civilitatis Leszken, quod Henricus Kuszeczke, advocatus de Leszken, unter dem sich die Brüder des Deutschordens aus dem Großen Marienburger Werder versammelt hatten. In seiner Polnischen Geschichte berichtete Jan Długosz unterschiedlich über die Regimentsfahne der Komturei und Bürgerschaft von Laschin alias Lesken, die aus drei waagerecht geteilten Feldern bestand, von oben rot, weiß und schwarz. Geführt worden sei dieses Regiment von Henricus Kuszeczke, dem Vogt von Laschin. Erwähnt ist auch des Vogtes Dienstsiegel, das einen Mann mit einem Spaten zeige. Gerade diese Urk. zeigt, wie rasch sich die nd. und auch schon teils polonisierte Schreibweise der süddeutschen Namen durchgesetzt hatte.

Eine weitere Besonderheit bietet eine Handschrift mit Lehren und Anweisungen des berühmten Fechtmeisters Hans Talhoffer (Thalhofer) aus dem Jahr 1467, der in Diensten des Ritters Lutold III. von K. stand und für den er sie geschrieben und gezeichnet hatte.

Quellen

Regestensammlung durch S.E. Franz Xaver Graf zu Königsegg-Aulendorf (1858-1927), handschriftlich im GKK, Nr. 304. – S.E. Johannes Graf zu Königsegg-Aulendorf, Königseggwald, Diverse Papiere aus dem Gräflich Königsegg-Aulendorf'schen Archiv Königseggwald. – S.E. Johannes Graf zu Königsegg-Aulendorf, Königseggwald, unregistrierte Akten aus Pruska, Oberungarn (Slowakische Republik) und anderen Orten. – S.E. Johannes Graf zu Königsegg-Aulendorf, Königseggwald, Ortsverzeichnis der Herrschaft Königsegg-Aulendorf unter Berücksichtigung der Aufzeichnungen der ehemals Königsegg'schen Archivare Immler und Paulus, Stichworte. – Aufzeichnungen von Maximilian Graf von Königsegg-Rottenfels, Budapest.

Brändle, Rudolf: Baubericht über die Renovierungsarbeiten am Schloß Aulendorf, in: Boxler, Horst: Die Geschichte der Reichsgrafen zu Königsegg, Bannholz 2005, S. 893-905 – Chadwick, Whitney: Women, Art and Society, London 1983. – Ekdahl, Sven: Die »Banderia Prutenorum« des Jan Długosz – eine Quelle zur Schlacht bei Tannenberg 1410, Göttingen 1976 (Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen. 3. Folge, 104), S. 224. – Erwert, Mathias/Erwert, Helmut: Kleine Münzgeschichte Aulendorfs und der Grafen von Königsegg, Aulendorf 1977, S. 15-31. – Fischer, Fritz: Biedermeier in Oberschwaben – Johann Georg Sauter (1782-1856), in: Fischer Fritz/Schaller Andrea: Biedermeier in Oberschwaben. Begleitbuch zur Ausstellung (Württembergisches Landesmuseum), Stuttgart 1999, S. 11-12, 14-17. – Franz, Erich: Pierre Michel d'Ixnard 1723-1795, Leben und Werk, Weißenhorn 1985, S. 33-41, 174-177. – Garrard, Mary D.: Artemisia Gentileschi, Princeton 1989. – Der Königsegger Codex. Die Fechthandschrift des Hans Talhoffer [von ca. 1455] des Hauses Königsegg, hg. von Johannes Graf von Königsegg-Aulendorf und André Schulze. Faks. Und Kommentar, Mainz, Darmstadt 2010. – Schulze André: Mittelalterliche Kampfesweisen, Bd. 1: Das Lange Schwert, Talhoffers Fechtbuch Anno Domini 1467, Mainz 2006, Bd. 2: Der Kriegshammer, Schild und Kolben, Talhoffers Fechtbuch Anno Domini 1467, Mainz 2007, Bd. 3: Scheibendolch und Stechschild, Talhoffers Fechtbuch Anno Domini 1467, Mainz 2007. – Siebmacher's Grosses Wappenbuch, Bd. 23, Die Wappen des Adels in Württemberg, Neustadt an der Aisch 1982, Tf. 6, S. 549 f. – Vogel, Rudolf: Leopold Wilhelm Graf zu Königsegg-Rothenfels, Herr zu Aulendorf und Staufen, in: Immenstadt im Allgäu – Landschaft, Geschichte, Gesellschaft, Wirtschaft, kulturelles und religiöses Leben im Lauf der Jahrhunderte, hg. von Rudolf Vogel, Immenstadt 1996, S. 555-559.