Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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KÖNIGSEGG

A. Königsegg

I.

Die Ersterwähnung des Geschlechternamens K. am 14. Okt. 1251 weist auf die damals schon länger bestehende Höhenburg, den sog. K. hin, der während der Stauferzeit errichtet wurde. Der Name leitet sich von »Egg« nach der Geländeformation, einem Hügelsporn, ab, ergänzt um die Vorsilbe, die vermutlich die Stellung der Familie als Kg.sministerialen deutlich machen sollte. Stammvater des Geschlechts bzw. mehrerer früher Linien war Meingoz, der sich 1155 und 1170 von Reute nannte, 1171 von Fronhofen und im Weingartener Nekrolog um 1210 auch von Tobel. Obwohl ein vermutlich älterer Bruder Ortolf von Reute 1170 schon tot war, wurde Meingoz zum Spitzenahn der Linie von Reute, die allerdings ab 1349 nicht mehr nachweisbar ist. Meingoz wich auf das benachbarte Fronhofen aus, später dann auch auf den Burgstall Tobel. Im Febr. 1155 bei seinem ersten Auftreten war er welfischer Ministeriale und diente Heinrich dem Löwen zu Asti in der Lombardei als Zeuge. Um das Jahr 1170 stiftete er eine Schenkung im Traditionskodex des Kl.s Weingarten. Am 31. März 1171 befand er sich als Meingoz von Fronhofen wieder im Gefolge seines Lehensherrn, Hzg. Heinrichs des Löwen von Bayern und Sachsen, dem er in führender Position der Ministerialität eine Schenkung ans Kl. Salem bestätigte. Ein weiteres Brüderpaar, zu dem eine schriftlich bekräftigte Stammesgleichheit bestand und deren Wappen eine Variation des Fronhofen-K.schen darstellt, waren Heinrich und Ludwig von Berg, beide i.J. 1197 erwähnt.

Es dürfte sich bei den Ahnen der Fronhofen-K. um eine ursprgl. landsässige Familie gehandelt haben. Hinweise auf eine frühe Zuwanderung, wie zum Beispiel so häufig aus den fränkischen Siedlungsgebieten, ergaben sich nicht. Legendär begab sich (von Seethaler, Cedernwaldt) ein Nachkomme der Welfen namens Cuno mit seinen drei Söhnen von Italien kommend über die Alpen und baute auf einem Bergvorsprung in Oberschwaben eine Burg, die er zum eigenen Gedenken »Cunos Egg« vulgo K., nannte, geschehen angeblich 650 n. Chr., womit eine Verwandtschaft mit dem welfischen Herrscherhaus suggeriert werden sollte. Keine der mannigfachen Großtaten seiner Nachkommen sind belegbar.

II.

Schon bei der Erstnennung des Spitzenahns Meingoz als welfischer Ministeriale trat seine bes. Stellung deutlich hervor. Nach den steinernen Zeugen, wie dem Wohnturm zu Fronhofen, ging die Dienstbarkeit vermutlich noch deutlich über den Zeitpunkt der Ersterwähnung zurück, so ist der anfangs namengebende Burgstall schon 935 und 1090 in Welfenhand nachgewiesen.

Eine ähnliche Entwicklung machte der Familienzweig durch, der ebenfalls 1155 erstmals gen. wurde und sich nach dem Ort Berg westlich Weingartens nannte, mit dem er, ebenfalls von Welfenhand, belehnt war. Daß. galt ab der zweiten Generation für die von Reute und von Tobel. Die Nachkommen der Linie von Reute starben vier Generationen später aus, ohne wesentliche Bedeutung erreicht zu haben. Wenig besser erging es den Dienstmannen von Tobel. Nach vier Generationen traten sie ins Stadtrecht von Ravensburg und Konstanz ein, ohne in den Städten wesentliche Spuren zu hinterlassen. Etwas bedeutsamer waren letztlich die Herren von Berg. Sie erlebten seit 1197 mit den Brüdern Heinrich und Ludwig von Berg als Gefolgsleuten Hzg. Philipps von Schwaben eine Zeit des Aufstiegs, bevor sie Ende des 16. Jh.s mit Fs.bf. Marquard von Augsburg ihren letzten Vertreter aufwiesen. Später dienten sie den Gf.en von Berg-Schelklingen und nannten sich ab der zweiten Hälfte des 14. Jh.s von Berg und Öpfingen.

Der 14. Okt. 1251 ist in der Geschichte der Gf.en von K. insofern als bedeutsam anzusehen, als sich an diesem Datum Eberhard II. bei einer Schenkung ans Kl. Weingarten erstmals von K. nannte, während sein anwesender Bruder Berthold II. noch von Fronhofen hieß. Letzterer war im Okt. 1266 mit den Feldzugsvorbereitungen des vierzehnjährigen Konradin von → Staufen beschäftigt und bezeugte die Wahl des Staufers zum Vogt des Hochstifts zu Augsburg und das Testament Konradins. Ein erster Rechtsakt auf Burg K. fand i.J. 1268 statt. Ab 1290 wurden die K. als Lehensnehmer des Gf.en Eberhard von Landau gen., von dem sie Hof und Burg K. zu Lehen hatten, erst in der nächsten Generation konnte der endgültig namengebende Sitz Eigen werden. Nach dem Scheitern der Staufer bewegte sich Ulrich I. am 4. Febr. 1291 in der Umgebung Rudolfs I. von Habsburg. Familienrechtlich bedeutsam war der 19. Dez. 1311, als die Brüder Ulrich II., Berthold IV. und Eberhard III. für die Summe von 20 Mark Silbers von Gf. Eberhard von Landau die Burg K. mit Zugehör zu ain recht Aigen kauften.

1347 wurde Ulrich I. von den Habsburgern zum ersten Landvogt von Oberschwaben aus dem Hause K. erwählt. Mit wenigen Unterbrechungen hatte die Familie dieses Amt bis zum Ende des Alten Reiches inne. Auch zum Deutschen Orden bestanden enge Verbindungen, so sind ab 1351 verschiedene Familienmitglieder als Deutschordensritter und Komture nachgewiesen, regelmäßige Kontakte zum Orden bestanden schon seit 1268.

Nicht nur in Oberschwaben genossen die K. das bes. Vertrauen des Hauses Habsburg, sondern auch im Elsaß amtete am 30. Mai 1407 als erster Landvogt aus der Familie Ulrich V., gen. Rolle, 1588 trat dieses Amt der letzte K.'sche Inhaber an, Frh. Georg II.

Marquard I., Komtur zu Beuggen und → Freiburg und Landkomtur zu Altshausen, war 1442 Mitbegründer des Bundes vom St. Jörgenschild, dem die K. in großer Anzahl angehörten.

Die Existenz der preußischen Linie begann urkundlich mit dem 19. Nov. 1405, als sich Eberhard VI. von K. zum Hatzenturm, der 1416 starb, schon im preußischen Ordensland befand, nachdem er zuvor für den Deutschen Orden auf der Mainau aktiv war. Als endgültiges Datum der Übersiedelung kann der 18. März 1408 gelten, als er seine väterlichen Güter in Schwaben auf seine Verwandten übertrug. Am 7. April 1419 verkauften dann seine drei Söhne die heimatliche Veste Hatzenturm und brachen damit die Beziehungen zur oberschwäbischen Heimat ab. Mit 150 Berittenen zogen sie nach Preußen. Die K. erwarben anfänglich umfangr. Ländereien, bes. im Bezirk Bartenstein. Da sie wesentlich mehr Nachkommen als die zuhause Gebliebenen zeugten, teilten sie sich in mind. dreizehn Häuser auf: Korschen, das wohl als erster Erwerb gelten kann oder der Familie vom Deutschen Orden verliehen wurde, Skandlack, Sporwienen, Klewienen, Modgarben, Kamplack, Sardienen, Gengenstein, Romsdorf, Postehnen, Skandau, Schmidtheim und Sporwitten. Postehnen bildete den zuletzt verbliebenen Besitz, der aufgrund familiärer Auseinandersetzungen 1911 verloren ging.

Eine erste Erhebung in den Frh.enstand genoß Hans VII. Frhr. von K. 1510. Ders. nahm am 25. Juni 1514 am Landtag zu → Tübingen teil, um über die Erhebung des »Armen Konrad« zu beraten.

Hans VIII. aus der Linie zum K.erberg diente Maximilian I. als Vogt zu → Feldkirch, Unterhändler in den Schweizerkriegen und fiel im Kontingent des Georg von Frundsberg am 18. Sept. 1514 bei der Belagerung von Verona durch die Venezianer. Im Kreuzgang von San Zeno Maggiore wurde er unter einem eindrucksvollen Epitaph begr.

Aus dieser Linie wurde am 14. Dez. 1523 Hans Dionys zum K.erberg I. als einziger im Frh.enstand erwähnt, gleichzeitig war er der Letzte seiner Linie und starb 1545 ohne Nachkommen. Nach einer bereits am 21. Jan. 1527 geschlossenen Vereinbarung mit Hans VII. Frhr. von K. gesessen zu → Aulendorf, wurde nach dem Tode des Hans Dionys die Abtretung der Herrschaft K. zum K.erberg an die Aulendorfer Linie zugesichert, was 1545 dann auch erfolgte.

Am 2. April 1525 plünderten die Bauern Burg Marstetten, wo Hans VII. eine neue Res. einrichten wollte. Wenig später eroberte der Seehaufen auch Burg K., richtete aber kaum Schaden an. Im Gegenzug lagerte Jörg Truchseß von → Waldburg mit 10 000 Mann in K.wald und auf der nahen Stammburg.

1564, möglicherw. jedoch auch schon ein Jahr zuvor, da am 12. Juni 1563 die ksl. Erlaubnis für ein Reichslehen vorlag, kaufte Johann Jakob I. Frhr. zu K.-Aulendorf, Herr auf Marstetten, Präsident des Reichskammergerichts, die Gft. Rothenfels mit der Herrschaft → Staufen von den Gf.en von → Montfort. Dadurch wurde eine umfassende Neuregelung der familiären Besitzverhältnisse notwendig, da K.erberg ledig geworden und Rothenfels hinzugekommen war. So erfolgte am 7. Jan. 1588 die große Erbeinigung zwischen Ulrich IX., Domherrn zu Konstanz und Augsburg und Propst zu Wiesensteig, Marquard IV., Statthalter zu Ingolstadt in des Hzg.s von Bayern Diensten, Berthold X., Reichskammergerichtspräsidenten, und dem Landvogt Georg II. Marquard erhielt K., Hoßkirch, (K.-)Wald und Riedhausen, Berthold → Aulendorf und Ebenweiler und Georg Rothenfels und (Ober-)→ Staufen, während Ulrich seinen Verzicht dokumentierte. Nachdem Berthold kinderlos gest. war, einigte man sich am 10. Okt. 1609 auf eine Teilung in die Herrschaften → Aulendorf für Marquard und Rothenfels samt Ebenweiler für Georg. Ihre endgültige Gestalt erhielten die bis Anfang des 19. Jh.s bestehenden Gft.en mit dem Vertrag vom 9. Okt. 1662 zwischen Hugo II. und seinem jüngsten Bruder Johann Georg II. Gute hundert Jahre nach Erhebung in den Frh.enstand erfolgten innerhalb weniger Jahre weitere Standeserhebungen und zuletzt schloß sich am 29. Juli 1629 die Erhebung in den Reichsgf.enstand an.

In einem weiteren Vertrag übertrug 1638 der Inhaber der Herrschaft K., Johann Wilhelm I., sie mangels männlicher Erben auf seinen Vetter Johann Georg II.

Ende des 17. Jh.s ragte als bedeutender Politiker Gf. Leopold Wilhelm zu K.-Rothenfels hervor, der 1683 eine maßgebliche Rolle bei der Verteidigung von Wien gegen die Türken spielte. Die Linien der Reichsgf.en von K.-Rothenfels, zu K.-Aulendorf und der Frh.en von K. blühen heute noch in Budapest, in den oberschwäbischen Stammlanden und in Stockholm.

An wesentlichen Lehen besaß die Familie bereits unter dem erstgenannten Meingoz 1174 ein Lehen bei Dornsberg nahe Eigeltingen vom Kl. Reichenau, 1239 ein württ. Gut in Ostrach, ein weiteres 1253 in Appenweiler bei → Tettnang vom Kl. St. Gallen und 1268 eines in Hüttenreute bei Hoßkirch vom Deutschen Orden in Altshausen. 1290 wurde Ulrich I. als Lehensnehmer des Gf.en Eberhard von Landau gen., von dem er Hof und Burg K. zu Lehen hatte, doch erst in der nächsten Generation wurde der namengebende Sitz Eigen. Eine Verbindung mit den Geschlechtern der Freien von → Gundelfingen und Entringen, in dessen politische Nachfolge die K. zum Teil eintraten, ergab sich am 2. Nov. 1294, als Gen. mit seinem Sohn wg. drückender Schulden die Burg Leiterberg ans Kl. Salem verkaufte. Der Sohn verpfändete 1299 sein Vogteirecht in Wald (K.wald), das er von Gf. Hugo von → Werdenberg-Heiligenberg zu Lehen hatte.

Ehem. ein Lehen der Gf.en von Landau wurde die Burg K. durch Kauf vom 19. Dez. 1311 Eigenbesitz. Sie ging um 1380 in den Besitz der Anastasia von K., einer Verh. von Bodman über, konnte aber am 17. Aug. 1389 zurückerworben werden und gehört bis heute der Familie. 1340 hatte sie Burg Oberdachsberg bei Obermarchtal vom Stift Kempten zu Lehen und 1392 von Leopold IV. von Österreich die Veste Achberg sowie große Teile des Altdorfer Waldes. Eigenbesitz wiederum waren die Veste Schönberg in der Gmd. Betzigau bis 1404, Veste Praßberg bei Wangen 1412 und St. Gallisches Lehen 1419 Ratzenried und Wetzelried ebenfalls bei Wangen im Allgäu. Ein letztes Eigen besaßen die K. durch den Konstanzer Domherrn Ulrich IX. auf der Insel Reichenau im Bodensee. Das sog. K.-Schlößle diente der Familie in Kriegs- und Seuchenzeiten als sichere Zuflucht.

Die Liste der Güter umfaßt im wesentlichen Lehen und Besitzungen im Stammgebiet um Burg K. und die Res.stadt → Aulendorf, für die Linie K.-→ Aulendorf auch nach 1650 in Oberungarn, der heutigen Slowakischen Republik. Der Linie K.-Rothenfels gehörten seit dem Erwerb von den Gf.en von → Montfort die Gebiete der Gft. Rothenfels und des Gebietes um (Ober-)→ Staufen. Als Res.orte dienten: → Aulendorf 1355-1806, Schloß → Aulendorf 1355-1941, Grand-Bigard/Groot-Bijgaarden nahe Brüssel (Belgien) 1736-1759 (Res. ab 1736), Boros-Sebes/Komitat Arad (seit 1920 Rumänien) 1803-1847 (Res. ab 1803), Egg bei Ebenweiler vor 1155-1806, Fronhofen 1155-1379, Hatzenturm 1289-1419, → Immenstadt 1564-1803 (Stadtschloß, Burg Rothenfels und Burg Hugofels waren bei Kauf bereits verfallen), Pruska an der Waag/Oberungarn (seit 1920 Slowakische Republik) 1683-1917 (Nebenres. seit 1683), Burg K. seit 1251, Schloß Königseggwald vor 1155-heute, Kronenburg in der Eifel 1693-1719 (Res. ab 1693), Marstetten bei Aitrach 1351-1566, Reute bei Fronhofen 1155-1806, Roussy bei Thouville (Belgien) 1693-1703 (Res. ab 1693), Tobel nordwestlich Ravensburg 1155-1449 (vermutlich bis zum Brand), Wartstein im Großen Lautertal 1394-1459, Weiherburg bei Riedhausen 1485-1806. In den Städten → Feldkirch, Innsbruck, Markdorf, Ravensburg und Wien kaufte oder baute man Stadthäuser und Palais. (Ausführliche Hinweise in: Boxler, K. seit dem 15. Jh.).

Die Herren von K. in Preußen, die im übrigen dort meist »Königseck« geschrieben wurden, besaßen seit 1408 die bereits erwähnten dreizehn Güter, nach denen sich die sog. Häuser nannten. Diese befanden sich vorwiegend im Bezirk Bartenstein (Auflistung in: Boxler, K. seit dem 15. Jh., S. 351).

III.

Ein bes. Kleinod der Heraldik stellt eine Kampfszene zwischen einem K. und seinem Gegner aus dem Psalterium Davidis für das Prämonstratenserinnenkl. Mariatal-Weißenau aus dem Jahre 1196 dar, aufbewahrt in der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg (2° Codex 5). Die Abbildung stellt sehr wahrscheinlich Berthold I. von Fronhofen (1192-1212) dar und ist damit die früheste Darstellung adeliger Wappen auf dt. Boden, noch vor Ottos IV. Aachener Krönung von 1198 (Paravicini, Wappenrolle, S. 99-146) und nur etwa einhundert Jahre nach dem Teppich von Bayeux, der gemeinhin als erstes Zeugnis ma. Heraldik in Europa bezeichnet wird. Die in der Beschreibung des Psalters geäußerte Vermutung, beim Gegner des K.ers handele es sich um einen von Rechberg, ist falsch. Es kommen mit hoher Wahrscheinlichkeit die Herren von Neuffen in Frage, die sich nach dem Hohenneufen bei Nürtingen nannten und deren Stammsitz Sulmentingen bei Biberach war. 1086 traten sie mit den Gf.en von Urach in Heiratsverbindung, 1240 erwarben sie Marstetten, wonach sich eine ihrer Linien nannte.

Ein erstes, erhaltenes Siegel befindet sich im Gräflich K.'schen Archiv zu K.wald. Es stammt vom 15. Dez. 1266, als Berthold II. von Fronhofen und K. auf seine lehensherrlichen Rechte über Besitzungen in Höhreute bei Illmensee verzichtete, welche an die Deutschordensbrüder in Bienburg verkauft wurden. Er nannte sich hier zwar von K., siegelte aber als "Bertold de Vronhoven".

Das K.-Wappen zeigt 21 (gelegentlich auch weniger) rote und goldene, von oben links nach unten rechts geneigte Rauten. Den Helm, der später die Frh.en und die Gf.enkrone trägt, zieren fünf beziehungsweise sieben rote oder rot-goldene Straußenfedern. Die Helmdecken sind ebenfalls in gold und rot gehalten. Das K.'sche Wappen gehört damit zu den »Klassikern«, die mehr durch Kontinuität und schlichte Vornehmheit auffielen als durch üppigen Bilder- und Farbenreichtum.

Unter den Res.bauten sind bes. Burg K. (»Der Königsegg«), Schloß → Aulendorf, Kirche St. Martin zu → Aulendorf und Schloß → Immenstadt hervorzuheben.

IV.

Vom vermutlich ältesten der vier Spitzenahnen aus dem eng miteinander verflochtenen Familienverband der Ministerialen von Reute-Fronhofen-Tobel-Berg, dem vor 1170 verstorbenen Ortolf von Reute, lassen sich noch weitere vier Generation ableiten, deren Vertreter früh im Bürgertum von Saulgau aufgingen und nach 1349 nicht mehr in den Quellen auftauchten.

Ähnlich verhält es sich mit den Herren von Tobel, die neben den Fronhofen Nachkommen von Ortolfs jüngerem Bruder Meingoz (1155-1210) waren. Im Umkreis der Gf.en von Heiligenberg und der Kl. Weingarten und Baindt erreichte nur der Enkel Burkhard II. (1264-1319) einige Bedeutung, geriet jedoch gegen Ende seines Lebens in wirtschaftliche Schwierigkeiten und begab sich in den Schutz der Stadt Konstanz. Zwei Generationen später verburgerten die letzten Familienmitglieder in Ravensburg, wo sie nach 1391 nicht mehr nachweisbar sind.

Einen anderen Weg gingen die Nachkommen Ludwigs von Berg (1197), gen. nach der Höhensiedlung über dem Schussental nordwestlich Ravensburgs. Über immerhin elf Generationen hinweg lassen sie sich verfolgen, bis sie in der Person des Augsburger Fs.bf.s Marquard (1528-1591) in männlicher Linie ausstarben. Eine Verlagerung des Familiensitzes fand in der zweiten Hälfte des 14. Jh.s statt, als die Herrschaft Öpfingen, östlich Ehingens an der Donau, erworben wurde, ein Lehen der Gf.en von Berg, zu denen aber trotz der Namensgleichheit keine verwandtschaftlichen Bande bestanden.

Die zentrale Figur in der Generation der Spitzenahnen aber war ohne Zweifel Meingoz (1155-1210), der jüngere Bruder Ortolfs, der sich 1155 und 1170 von Reute nannte, 1171 von Fronhofen und im Weingartener Nekrolog um 1210 auch von Tobel, vermutlich ein Hinweis, daß der Burgstall Reute der Familie noch früher als Stammsitz als der zu Fronhofen diente. In der folgenden Generation fand schon eine Erbteilung statt, ohne daß hierfür urkundlich eindeutige Belege vorlägen. Die beiden älteren Brüder saßen auf Fronhofen, das vermutlich reicher ausgestattet war als Reute. Die Heiratsverbindung Eberhards I. mit einer geb. → Waldburg und verwitweten Zeil dürfte das Ihre zum raschen Aufstieg der Familie getan haben, der jetzt einsetzte. Im Enkel des Meingoz, Berthold II., erlebte sie nicht nur einen ersten Kulminationspunkt, sondern auch die Übernahme des Namens von K. Doch bereits die Jahre 1208/09 brachten ihm und seinem Bruder, Berthold I., den machtpolitischen Durchbruch: Beide wurden ministeriales regis und bewegten sich häufig im Umkreis der schwäbischen Hzg.e.

In den Söhnen der vierten Generation, den Nachkommen Bertholds II., fand eine Aufspaltung in zwei große Linien statt, wobei die Bezeichnung der älteren den K. vor Fronhofen nennt, während sich dies bei der jüngeren gerade umgekehrt verhielt und damit eine Orientierung nach den beiden Res.en einsetzte, von der man annehmen darf, daß die Höhenburg den älteren Wohnturm in der Ebene an Bedeutung bald überrundet hatte. So spaltete sich die jüngere Linie anfangs des 15. Jh.s noch einmal in den Zweig zum K.erberg, der bis zu seinem Aussterben im Mannesstamm i.J. 1568 auf dem K. residierte und ihn dann den Aulendorfern vererbte, und in die preußische Linie auf, die von einer kleinen, zu klein gewordenen Res. im Hatzenturm, einer Fronhofen benachbarten Niederburg, ins Ordensland aufbrach und ihre schwäbischen Besitztümer i.J. 1419 an das Spital in Ravensburg verkaufte.

Während bisher Berthold und Eberhardt als Leitnamen dominierten und dies in der Linie, die zum K.erberg saß, auch fortgeführt wurde, setzte sich seit dem älteren Sohn Bertholds II., Ulrich I., dessen Nachkommen sich nur noch von K. nannten, eine Tradition der Ulriche durch. Dessen beide Urenkel begründeten je eine weitere Linie, deren ältere zwar auf Burg Wartstein im Lautertal einen weiteren, hoffnungsvollen Sitz einrichten konnte, jedoch rasch am politischen Unvermögen seiner Mitglieder scheiterte und 1467 im sinnlosen Kampf gegen die erstarkenden Städte unterging. Demhingegen konnte der fünfte Ulrich nicht nur auf Marstetten, einer Höhenburg nordwestlich Aitrachs auf einem Bergrücken am Rande des Illertales gelegen, eine neue Res. errichten, da der K. von der Verwandtschaft genutzt wurde, sondern er wurde auch zum Stammvater der beiden heutigen Gf.enlinien, der K.-Rothenfels und der K.-→ Aulendorf. Er nannte sich »von K. zu Marstetten, Aulendorf und K.«, wobei letzteres nur Anspruch blieb und erst mit dem Aussterben der Vettern zum K.erberg wieder der Realität entsprach.

Herbeigeführt durch eine Heiratsverbindung mit dem Hause → Montfort Mitte des 16. Jh.s kam die Gft. Rothenfels in die Familie, die zwei Generationen später mit Hugo II. den eigtl. Gründer der K.-Rothenfels erlebte, während mit dem jüngsten Bruder Johann Georg II. die Linie K.-→ Aulendorf begann. (Stammtafeln zu den einzelnen Familienzweigen und -linien in: Boxler, K. seit dem 15. Jh., S. 1031-1098).

Quellen

Augsburg, StA., Repertorium der Herrschaft Königsegg-Rothenfels, Landgericht Immenstadt und Herrschaft Oberstaufen, Sig S 15, 360, 406-407. – Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 2° Codex 5. – Regestensammlung durch S.E. Franz Xaver Graf zu Königsegg-Aulendorf (1858-1927), handschriftlich im Gräflich Königsegg-Aulendorf'schen Archiv Königseggwald (GKK), Nr. 76, 103, 114, 117, 122, 130. – Repertorium der Urkunden im Gräflich Königsegg-Aulendorf'schen Archiv Königseggwald (GKK), Abschrift der handschriftlichen Urkundenkartei durch das HStA Stgt 1975-1994, auf elektronische Datenträger übertragen von Berenice T. Boxler & Horst Boxler 2001, Originalurkunden XV, 2, 5, Nr. 620; & XVI, 1,6 Nr. 781; XVIII, 4,4 Nr. 775 & 4,5, Nr. 777. – München, HStA München, Heroldenamt, Nr. 418; Reichskammergericht Nr. 2087. – Seethaler, Franz von: Hochgräflich Königseggscher Cedernwaldt, 1756, Original im GKK. – Stuttgart, HStA Stgt. B106, Kasten 41, Fach 25, Bü 1; HStA Stgt. B 198, P 545.

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