Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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KLINGEN (HOHEN-/ALTEN-)

C. Altenklingen

I.

Gem. Wigoltingen TG, CH. 1227 Castrum klingen, 1252 castrum Vetus Clingen (im Gegensatz zu Hohenklingen), 1277 von der altun Clingen. Die von den Frh. von → Klingen um 1200 erbaute Burg dürfte die benachbarte Altenburg ersetzt haben. Mit der Teilung des Adelsgeschlechts um 1225 wurde sie zur Stammburg der Frh. von A. Nach deren Erlöschen gelangte A. 1395 an Wilhelm von Enne. 1407 wurde sie erfolglos durch die Appenzeller belagert, 1419 an die Muntprat von Spiegelberg aus Konstanz verkauft, 1441 an die Frh.en von Breitenlandenberg und 1559 an die Brümsi von Herblingen. Diese verkauften Burg und Herrschaft mit den dazugehörigen niederen Gerichten Märstetten, Illhart und Wigoltingen (an letzterem war die Dompropstei Konstanz mitbeteiligt) 1585 dem St. Galler Leonhart Zollikofer, der aus A. ein Fideikommiss errichtete, zu dem auch der Edelsitz Pfauenmoos bei Berg (SG) zählte. Herrschaft und Güter – darunter zwei Schloßgüter, mehrere Rebberge, eine Mühle und eine Ziegelei – wurden von einem Vogt verwaltet.

II.

Bis 1395 diente die Burg den Herren von → Klingen als Wohnsitz. Als eines der ältesten Frh.engeschlechter des Thurgaus gründeten diese mehrere Ortschaften und Kl., so zum Beispiel das Dorf von Klingenzell, die Kl. von Feldbach bei Steckborn am Bodensee und Sion bei Klingnau im Aargau sowie das Priorat Klingenzell bei Eschenz. Vom 11. Jh. bis 1396 übten die Frh.en von → Klingen die niedere Gerichtsbarkeit von Märstetten und Illhart aus. Zudem erhielten sie vom Domkapitel die Gerichtsbarkeit über Wigoltingen.

Im Laufe der auf die Frh.en von → Klingen folgenden Zeit wechselte die Burg mehrmals ihre Besitzer. So gehörte das Schloß den Bussnangs und den von Enne. Diese hatten das Schloß durch Ehe erworben und konnten es 1407 erfolgreich verteidigen, als es während der Appenzellerkriege von den Appenzellern und den Bürgern von Sankt Gallen angegriffen wurde. Dann gelangte A. in den Besitz der von Muntprat von Konstanz und der von Breitenlandenberg. 1559, nach dem Tod von Hans Ulrich von Breitenlandenberg, kam das Schloß in den Besitz seiner Schwester Rosina, Ehefrau von Eberhard Brümsi. Ihr Sohn Berthold, Gerichtsherr in Berg TG verkaufte das Schloß 1585 an den Sankt Galler Stadtrichter, Ratsherr und Sekkelmeister Leonard Zollikofer (1529-1587) für den Preis von 25 500 Gulden. Dieser ließ die alte Anlage abreißen und beauftragte den Architekten Mathäus Höbel aus Kempten im Allgäu mit dem Aufbau eines neuen Schlosses. 1586 stiftete der kinderlose Leonard Zollikofer Schloß und die Frh.schaft A. als Fideikommiß für die vier Söhne seines verstorbenen ältesten Bruders Laurenz und die sechs Söhne seines zweiten Bruders Georg.

III.

Das über dem Kemmenbach gelegene Schloß besteht aus zwei Staffelgiebelhäusern, die 1586 anstelle der ma. Burg erbaut wurden, die auf auf Befehl des Sanktgaller Edelmannes Léonard Zollikofer ein Jahr, nachdem er die Herrschaft von A. erworben hatte, abgerissen wurde. Er beauftragte Mathäus Höbel, Architekt aus Kempten/Allgäu, mit dem Aufbau des neuen Schlosses. Demselben Architekten ist auch das »Schlössli« zu verdanken, ein prächtiges Gebäude, das in der Speisergasse in Sankt Gallen steht.

Das Schloß von Altenklingen umfaßt ein sog. großes Schloß mit drei Stockwerken und dreizehn Zimmern, ein kleines Schloß und eine bis um 18. Jh. benutzte Kapelle, die der Hl. Wiborada gewidmet war. Die Umfriedungsmauer und ihre Ecktürmchen, die früher dem Schloß einen defensiveren Charakter verliehen, sind im 19. Jh. abgerissen worden. Heute noch erhalten ist nur der Graben.