KLINGEN (HOHEN-/ALTEN-)
I.
Die Frh.en von K. sind seit 1169 urkundlich bezeugt. Gegen 1225 trennte sich die Familie in die Linien Hohenk. und Altenk. auf. Beide Linien führten unterschiedliche Wappen und sind nach ihren Stammburgen Hohenk. (bei Stein am Rhein) und Altenk. im Thurgau benannt.
II.
Im Gegensatz zu vielen anderen ostschweizer Adelsgeschlechtern waren die Herren von Hohenk. Ende des 13. Jh.s kaum von einer Krise betroffen. Die periphere Lage von Stein ermöglichte es ihnen, sich mit den Habsburgern zu arrangieren. Vor 1347 erfolgte eine Verzweigung des Geschlechtes in die Äste Hohenk.-Bechburg und Hohenk.-Brandis. Letzteres verpfändete i.J. 1359 Teile seiner Burg und Herrschaft an das Haus Österreich. Einerseits ließen sich so Schulden tilgen, andererseits stützten sie sich durch die Anlehnung an den Landesherrn herrschaftlich und politisch breiter ab (Bänteli 2008).
III.
Als Sühneleistung für einen Mord stifteten die Frh.en von Hohenk. um 1302 das Spital in Stein. Ganz im Zeichen der spätma. Frömmigkeit und der Sorge um das Seelenheil kamen um 1330 dann hoch über dem Untersee die Stiftung der Klingenzeller Kapelle hinzu und für die Kirche der Burg, gegenüber dem Kl. am anderen Rheinufer gelegen, ein neues Altarhaus. Schließlich erbauten sie 1372 als Familiengruft die Marienkapelle in der Chorschulter der Kl.kirche von St. Georgen, der heutigen Stadtkirche. Sie wurde mit prächtigen Wandmalereien ausgestattet, die einen Eindruck von der ehem., fast vollständig verloren gegangenen Innenausstattung der Burg geben. Walter VII. verh. sich mit der Gf.in Kunigunde von → Fürstenberg und wurde zum einflußreichsten Bewohner Hohenk.s. Er erhielt 1379 vom Kg. einen eigenen Gerichtsstand und 1395 das Recht, in Stein den finanziell einträglichen Zoll zu Wasser und zu Land zu erheben (Bänteli 2008).
Literatur
Bänteli, Kurt: Hohenklingen ob Stein am Rhein. Juwel der schweizerisch-süddeutschen Burgenlandschaft, in: Archäologie mittelalterlicher Burgen [Sitzung der Gesellschaft in Halle, 19. bis 21. März 2007], hg. von Matthias Untermann, Paderborn 2008 (Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit, 20), S. 197-210. – Birlin, Julius: Die Gründung des Klosters Klingenthal im minderen Basel. Seine Verbindung zu den Adeligen von Klingen, den Rittern von Tegerfelden, den Deutsch-Ordensbrüdern zu Beuggen und den Edelherren auf Rötteln, in: Das Markgräflerland 2 (2000) S. 173-177. – Brauchli, Hans: Drei Minensänger. Ulrich von Singenberg, Walther von Klingen, Der von Wengen, in: Ders.: Thurgauer Ahnengalerie, Weinfelden 2003, S. 58-63. – Pupikofer, Johann Adam: Geschichte der Freiherren von Klingen zu Altenklingen, Klingnau und Hohenklingen, in: Thurgauische Beiträge 10 (1869) S. 1-112. – Schiendorfer, Max: Walther von Klingen: Vorsitzender eines Basler Sängerkreises? Eine regionalgeschichtliche Fallstudie, in: Regionale Literaturgeschichtsschreibung. Aufgaben, Analysen und Perspektiven, hg. von Helmut Tervooren und Jens Haustein, Berlin 2003, S. 203-229. – Schiendorfer, Max: Art. »Walther von Klingen«, in: Verfasserlexikon X, 1999, Sp. 646-650. – Selzer, Stephan: Deutsche Söldner im Italien des Trecento, Tübingen 2001 (Bibliothek des Deutschen Historischen Institut in Rom, 98), S. 354 f.