Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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KIRCHBERG

C. Wullenstetten

I.

W. in der heutigen Gmd. Senden, Lkr. Neu-Ulm, war der Sitz einer jüngeren Linie der Gf.en von → Kirchberg. Die quellenmäßig schlecht belegte Burg lag vermutlich westlich der Kirche und soll 1482 zerstört worden sein. Ihr zugehöriger Bauhof wurde später in zwei Bauernhöfe geteilt. Eine gleichfalls kirchbergische Burg Lichtenberg (abg.) stand auf einem heute bewaldeten Hügel im SO von W. Sie wird im ältesten kirchbergischen Lehenverzeichnis (ca. 1366) erwähnt. Eine weitere Burg (mit Siedlung) namens Freudenegg (abg.) befand sich einst auf einer Anhöhe östlich von W. Zu keiner dieser drei Burgen sind baugeschichtliche Details bekannt.

Der auf der namengebenden Stammburg → Kirchberg ansässige Teil der Familie war 1366 in männlicher Linie erloschen. Burg → Kirchberg und der links der Iller liegende Teil der kirchbergischen Besitzungen waren daraufhin an den südtirolischen Schwiegersohn dieses letzten Gf.en von → Kirchberg-Kirchberg übergegangen. Der rechtsillerische Teil der kirchbergischen Besitzlandschaft verblieb bei der um 1250 durch Erbteilung entstandene Linie W.

1398 erreichte die Linie → Kirchberg-W.er, daß sie wieder in den Besitz von Burg und Gft. einrücken konnte. Dies geschah zunächst pfandweise, 1434 erfolgte die ordentliche Belehnung durch Kg. Sigmund. Somit waren Burg und Gft. → Kirchberg am Ende des MAs wieder in Familienbesitz.

Von der Wullenstetter Behausung der entspr. Linie ist derart wenig bekannt, daß zu überlegen ist, ob die → Kirchberg-W. im 14./15. Jh. überhaupt noch dort residierten. Denkbar wäre, daß sie nach dem 1366 erfolgten Übergang von Schloß und Gft. → Kirchberg an den Vintschgauer Adligen Ulrich von → Matsch für den weit entfernt lebenden Inhaber als Verwalter tätig waren. Viell. verlegten sie in diesem Zusammenhang ihren Wohnsitz von W. nach → Kirchberg.

Quellen

Siehe A. Kirchberg und B. Kirchberg.

Siehe auch A. Kirchberg und B. Kirchberg. – Bayerische Kunstdenkmale, hg. von Heinrich Kreisel und Adam Horn, Bd. 24: Stadt und Landkreis Neu-Ulm, München 1966, S. 25. – Gaiser Horst/Matzke Josef/Rieber Albrecht u. a.: Kleine Kreisbeschreibung Neu-Ulm. Stadt und Landkreis, 2. Aufl., Neu-Ulm 1964, S. 49-50.