Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

Zurück zur Liste

KIRCHBERG

C. Kirchberg

I.

An einem Sporn auf dem linken Illerufer in der heutigen Gmd. Illerk., Alb-Donau-Kr., lag die namensgebende Burg (abg.) der Gf.en von K. (siehe Art. A. K.). Sie wurde als hochma. Höhenburg an einer verkehrstechnisch sehr herausgehobenen Stelle errichtet, nämlich am Zusammenfluß von Iller und Donau. Unterhalb des Tableaus mit der Zwergensiedlung Oberkirchberg, im Einmündungsbereich der Weihung in die Iller, liegt die Zwillingssiedlung Unterk. Auch in Unterk. befinden sich Reste einer Burganlage. Darin wird der frühere, erste Sitz der Gf.en von K. vermutet. In den Jahrzehnten um 1100 wurde diese ältere Veste dann zugunsten der Höhenburg auf dem nahen Felssporn aufgegeben. Dieser Ortswechsel fand möglicherw. genau in jener Zeit statt, als der Pfalzort Ulm zum Kristallisationspunkt der süddt. Adelsopposition wurde und somit kgl. Zugriff weitgehend entzogen war (1076/77 bis 1090er Jahre).

II.

Urkundlich ausdrücklich benannt als castrum Cirperch findet sich die Anlage erst 1260; sie wurde im Städtekrieg 1378 schwer beschädigt und nach 1379 nicht mehr erwähnt. Rings um die neue Burg entstand die kleine Ansiedlung Oberkirchberg. Eine eindeutige Unterscheidung zwischen Ober- und Unterkirchberg ist seit dem späten 14. Jh. greifbar. Seit 1379 wird die Gesamtsiedlung als Markt bezeichnet.

III.

Der mit Unterkirchberg verbundene Iller- und Brückenzoll befand sich seit seiner ersten Erwähnung (1366/68) stets, wenn auch als kirchbergisches Lehen, in der Hand Ulmer Patrizier bzw. später des Ulmer Magistrats.

Die letzten Gf.en von K. mußten ihr Familienerbe 1481/98 schuldenhalber an Hzg. Georg von Bayern-Landshut verkaufen. Von den Wittelsbachern kam die Herrschaft 1504 an den Habsburger Maximilian, der K. an die Zollerngf.en weiterpfändete. 1507 aber verkaufte der Kg. und spätere Ks. den Gesamtkomplex K.-Weißenhorn an Jakob → Fugger. Der → Fugger.erhielt im Rahmen dieses Kaufs ein »Schlößl« in Oberk., das lt. Inventarliste v.a. zur Verwahrung von Waffen u.ä. diente. Das Gebäude scheint in jener Zeit also eher als Festung denn als Res. benutzt worden zu sein.

Eine Bilddarstellung von 1550 zeigt, daß damals noch Reste des ma. Baubestandes, ergänzt durch ein vorfuggerisches »neues Schloß«, existierten (Siehe Hadry, Die Fugger in K. und Weißenhorn, Abb. 4). Vermutlich noch unter Jakob → Fugger (gest. 1526) hatte wohl ein Neu- oder Umbau der vorgefundenen Burg stattgefunden. Dieses fuggerische, sog. alte Schloß soll um 1587/89 durch einen Bergrutsch stark beschädigt worden sein. Wiederum erfolgten Renovierungen oder gar ein (Teil-)Neubau, denn im 17. Jh. wohnten mehrere Familienmitglieder auf dem Oberk.er Schloß. In den 1720er Jahren hingegen stand es nachweislich unbenutzt und erlitt schwere Schäden. Unter Johann Nepomuk Clemens August → Fugger (1723-1781) entstand schließlich eine 1767 fertiggestellte neue dreiflüglige Schloßanlage auf dem Burgberg. Leitender Baumeister war Franz Anton Bagnato (1731-1810), der v.a. für den Deutschen Orden tätig und entspr. renommiert war. Diese spätbarocke Anlage schmückt bis heute den Oberkirchberger Burgberg und dient den Nachkommen der fuggerischen Raymundlinie bis heute als Wohnsitz.

Über den Grundbesitz der um 1100 belegten ersten Generation der K.er ist nichts Näheres bekannt. Das von ihnen gestiftete Kl. Wiblingen war 1148 mit Gütern in Dörfern der unmittelbaren Umgebung K.s und Wiblingens begütert. Ein direkter Nachkomme Ottos und Hartmanns mit Namen Eberhard I. von K. (gest. 1166) hatte Besitz in Vöhringen, → Balzheim, Illertissen, im Raum südlich von Laupheim, in Dietenheim und in → Brandenburg.

Nach 1200 bildete sich auf der → Brandenburg ein eigener Familienzweig K.-Brandenburg heraus und überflügelte den auf der namensgebenden Stammburg verbliebenen Teil der K.er. Burg K. war seit der Mitte des 13. Jh.s anteilig im Besitz von Tochtermännern der Gf.en von K.-K. 1366 ging Burg K. mitsamt der linksillerischen Besitzlandschaft als Mitgift an die in Südtirol beheimatete Adelsfamilie der Vögte von → Matsch über. Eine Generation später wechselte K. über eine Matsch-Tochter an die Gf.en von → Görz und bald darauf an den den niederösterreichischen Gf.en Maidburg und → Hardegg über. 1398 gelang es der rechts der Iller begüterten Linie K.-Wullenstetten, ihre Stammburg pfandschaftsweise aus den Händen des Gf.en Johann zu bekommen. 1434 konnte die K.-Wullenstettener ihre Belehnung mit Burg und Gft. K. trotz bestehender Erbansprüche des → Görzer Gf.enhauses durchsetzen (siehe auch Art. A. K., Gf.en von).

Quellen

Siehe A. Kirchberg.

Siehe auch A. Kirchberg. – Der Alb-Donau-Kreis, hg. von der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Alb-Donau-Kreis, 2 Bde., Sigmaringen 1989-1992 (Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg), hier Bd. 2, S. 371, 382. – C. J.: Fuggerschloss, das Wahrzeichen Oberkirchbergs, in: Der Heimatfreund. Beilage für heimatgeschichtliches Leben aus alter und neuer Zeit. Beilage zur Neu-Ulmer Zeitung 2,4 (1952). – Dobel, Franz: Geschichte der Familie Fugger, ms. o. O. o. J. [im Fuggerarchiv einsehbar], hier Bd. 2, S. 187-201. – Donaukreis, Bd. 2: Oberämter Göppingen, Kirchheim, Laupheim, Leutkirch, bearb. von Hans Christ und Hans Klaiber, Eßlingen am Neckar 1924 (Die Kunst- und Altertums-Denkmale in Württemberg 4,2), S. 97-103 (Oberkirchberg) und 136-140 (Unterkirchberg), mit Abb. von Schloß Oberkirchberg. – Hadry, Sarah: Die Fugger in Kirchberg und Weißenhorn. Herrschaftsverfassung und Leibeigenschaft, Konfessionalisierung und Residenzbildung, Augsburg 2007 (Materialien zur Geschichte der Fugger, 5), v.a. S. 96 und Abb. 4 und Abb. 17 (Schloß Kirchberg, Zustand 1550 und 1780). – Mertens, Karl: Geschichte der innerhalb der gegenwärtigen Gränzen des Königreichs Württemberg vorgefallenen kriegerischen Ereignisse vom Jahr 15 vor Christi Geburt bis zum Friedensschlusse 1815, Stuttgart 1847, S. 73-79. – Wohleb, Joseph L.: Das Lebenswerk der Deutschordensbaumeister Johann Kaspar Bagnato und Franz Anton Bagnato, in: ZWLG 11 (1952) S. 207-226.