KIRCHBERG
I.
B. (1094: Baltesheim; 1100: Baltesheim; 1366/68: Balßen) besteht aus den beiden Ortsteilen Ober- und Unterbalzheim und liegt ca. 25 km südlich von Ulm am linken Illerufer im heutigen Alb-Donau-Kr. Sowohl in Ober- also auch Unterbalzheim sind Reste hochma. Burganlagen nachgewiesen.
Die Oberbalzheimer Burg diente in den Jahrzehnten um 1200 als Sitz einer kurzlebigen Zweiglinie der Gf.en von → Kirchberg: Gf. Hartmann III. von → Kirchberg-Brandenburg (belegt 1160-1198), Sohn Eberhards I., war zuständiger Gf. für den Alpgau. Er erhielt als Erbe einer unbekannten Mutter die Burg und Herrschaft B. – seit 1181 benannte er sich entspr. (siehe auch A. → Kirchberg). Die Burg Oberbalzheim muß also damals bereits bestanden haben. Sie existierte bis ins späte 15. Jh. und war mit einem Bauhof ausgestatten. Um 1490 gehörten außerdem ein halber Hof, 20 Sölden, Wirthaus, Badstube, Mühle und Marienkapelle dazu. Sichtbar sind heute nurmehr der vermutlich künstlich aufgeschüttete Burghügel und Reste von Wall und Graben. Auf dem Burgengelände ließ sich die seit 1472/90 im Besitz B.s befindliche reiche Ulmer Familie Ehinger im frühen 16. Jh. ein Patrizierschlösschen errichten. Zu diesem »oberen Schloß« kam im letzten Viertel des 16. Jh. noch ein »unteres Schloß« als ehingerisches Verwaltungsgebäude hinzu. Beide Bauwerke existieren noch immer.
II.
Älter als Oberbalzheim dürften Ortsteil und Burg Unterbalzheim sein (Funde merowingischer Grabbeilagen). Die Siedlung bestand 1490 aus sieben ganzen und vier halben Höfen sowie 16 Sölden. Reste einer ma. Doppelburganlage am nordwestlichen Dorfrand könnten auf das edelfreie Geschlecht der Herren von B. zurückgehen. Die Familie tritt das erste mal 1083 mit Heinricus de Baldesheim in Erscheinung. Die spätestens 1181 an die Gf.en von → Kirchberg gekommene Burg Oberbalzheim war sicherlich das Ergebnis einer Erbteilung. Die Tatsache zweier Burgen in ein und dem selben Ort läßt die mangelnde grundherrliche Ausstattung der Herren von B. deutlich werden. B.er werden im frühen 13. Jh. teils noch als Adlige, teils aber auch als Hausbesitzer in der Reichsstadt Biberach gen. Familienmitglieder waren möglicherw. auch zwei Söldner namens de Balsauim, die 1360 ihre Waffendienste an die Stadt Pisa vermietet hatten.
Die im späten 12. Jh. durch Gf. Hartmann begründete neue Zweiglinie → Kirchberg-Brandenburg-B. erlosch bereits vor 1226 mit Hartmanns gleichnamigen Sohn. B. wie auch Illertissen wurden in diesem Jahr durch Konrad von Wirtemberg-Grüningen verliehen. Der Wirtemberger dürfte also mit einer Tochter aus dem Hause → Kirchberg-Brandenburg-B. verh. gewesen sein. 1281 kam B. gemeinsam mit der Burg → Neuhausen (siehe Art. C. Neuhausen) durch Kauf an Bf. Bruno von Brixen. Der Bf., ein geb. → Kirchberger, übergab die beiden Burgherrschaften an seine Verwandtschaft vor Ort. 1356 verkaufte Gf. Wilhelm von → Kirchberg die Burg B. mit den Dörfern Ober-B. und Unter-B. samt Kirchensatz und Zubehör und dazu einige umliegende Güter (Halbertshof, Sinningen, Oberkirchberg). Neue Inhaber wurden die Ritter Friedrich und Heinrich von Freyberg. Von den Freyberg kamen die Besitzungen 1372 an die Ulmer Ratsfamilie Kraft. 1472/90 folgten die Ehinger, ebenfalls Ulmer Patrizier. Die Ehinger hatten bald nur noch weiblichen Nachwuchs. Die sich immer mehr aufspaltenden Besitzanteile gingen mit der Zeit an diverse Tochtermänner und deren Nachkommen über. 1724 erwarben die Habsburger etwa die Hälfte der Herrschaft, verkauften aber 1740 an Franz Gottlieb von Palm weiter, dessen aus dem Remstal stammende, im Handel tätige Familie 1711 den Ritter- und 1735 den Freiherrenstand erlangt hatte. Die übrigen Teile verblieben bei veschiedenen Ulmer Familien.
Im frühen 16. Jh. hatte die Herrschaft B. Elemente der Reichsunmittelbarkeit erlangt (Befreiung von fremdem Gerichtsstand, Judenprivileg). Sie war deshalb in den Kanton Donau der Schwäbischen Reichsritterschaft aufgenommen worden, und ihre Inhaber konnten den evangelischen Glauben etablieren. Die Habsburger hingegen bezweifelten die Rechtmäßigkeit von B.s Zugehörigkeit zur Reichsritterschaft und postulierten im 18. Jh. eine vorderösterr. Landeshoheit – der Streit blieb bis zum Ende des Alten Reichs ungeklärt.
Quellen
Siehe auch A. Kirchberg. – Tobias Ludwig Kienlin: Ausführung der ursprünglichen und beständig beybehaltenen Unmittelbarkeit der Uralten Reichsherrschafft Balzheim in Schwaben an der Iller gelegen. Mit 104 Beylagen, und darzu gehörigen Stammtafeln, Ulm 1765.
Literatur
Siehe auch A. Kirchberg; Der Alb-Donau-Kreis, hg. von der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Alb-Donau-Kreis, 2 Bde., Sigmaringen 1989-1992 (Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg), hier Bd. 1, S. 517, 526-534. – Beschreibung des Oberamts Laupheim, hg. von dem königlichen statistisch-topographischen Bureau, Stuttgart 1856 (Beschreibung des Königreichs Württemberg, 35), S. 221-227. – Donaukreis, Bd. 2: Oberämter Göppingen, Kirchheim, Laupheim, Leutkirch, bearb. von Hans Christ und Hans Klaiber, Eßlingen am Neckar 1924 (Die Kunst- und Altertums-Denkmale in Württemberg 4,2), S. 89-97 (Oberbalzheim) und 132-135 (Unterbalzheim), mit mehreren Abb. der Patrizierschlösser. – 900 Jahre Balzheim (1087-1987). Festschrift zur 900-Jahr-Feier der Gemeinde Balzheim, hg. vom Festausschuß der Gemeinde Balzheim, Arbeitskreis Werbung, Illertissen 1987. – Schad, Konrad von: Die Herrschaft Balzheim, in: Ulm und Oberschwaben 26 (1929) S. 54-64.