Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

Zurück zur Liste

JUSTINGEN

A. Justingen

I.

Die Herren von J. treten 1090 erstmals als Seitenlinie der Herren von Steußlingen in Erscheinung und gründen wie jene und die benachbarten Herren von → Gundelfingen möglicherw. in einem nicht gfl. Zweig der Gf.en von Achalm. Daß diese auf der Ostalb verzweigte Sippe von höchstem Adel war, deutet sich im 13. Jh. noch darin an, daß bspw. die Herren von → Gundelfingen zu Städtegründern wurden (Hayingen) oder daß die Herren von J. in der Reichsministerialität einflußreiche Positionen erlangen konnten. So trat bereits 1153/82 Anselm I. von J. als Marschall der Staufer in Erscheinung. Ein Billung von J. ist zum Jahr 1204 als ksl. Kämmerer belegt, dessen Neffe Rudolf als Reichsmarschall. Die zweifellos herausragendste Gestalt der Familie war Anselm II. von J., der als reichspolitisch einflußreiche Persönlichkeit in die Geschichte eingegangen ist.

1211 reiste Anselm als Abgesandter des dt. Adels nach Italien, um dem Staufer Friedrich II. die Krone anzubieten. Auch er trug vorübergehend den Marschalltitel (1212, 1215-1228). Später diente er Kg. Heinrich (VII.) und unterstützte ihn als führender Kopf in seiner Empörung gegen den ksl. Vater. Nach der Schlacht im Swiggertal (Ermstal) 1235 wurde die Burg J. eingenommen und Anselm ins Exil gezwungen. Zwar gelang seinen Nachkommen später nochmals eine engere Anlehnung ans Reich, doch war die Ausnahmestellung der Familie innerhalb des schwäbischen Adels in der zweiten Hälfte des 13. Jh.s dahin. Die namentlich unbekannte Tochter Anselms III. von J. heiratete Konrad von → Stöffeln. Und da das Geschlecht mit Anselm IV. von J. 1345 im Mannesstamm ausstarb, ging die Herrschaft J. damals an seinen Schwestersohn Albrecht von → Stöffeln.über. Aus dieser Verbindung entstand die Herrschaft → Stöffeln.zu J. Den Nachkommen Albrechts von → Stöffeln.gelang hier nochmals für ca. 150 Jahre ein Herrschaftsaufbau. Diese Geschichte ist allerdings nicht hinreichend erforscht.