ISENBURG
I.
Weychirsbach (1236); Wechterszbach (1324); Wechtirspach (1354); Wechterßbach (1503). – »Tal«, seit 1404 Stadtfreiheit – Herrschaft → Büdingen als Zubehör des Reichslehens Büdinger Wald; Büdinger Erben, 1458 an die Gf.en von → Isenburg. – Niederungsburg, Ausbau zum Schloß – Res. seit 1521, zeitw. Wwe.nsitz; seit 1687 Hauptort und Res. der Teilgft. → Isenburg.W., Hessen, Main-Kinzig-Kr., Stadt W.
II.
Zum Schutz und zur Verwaltung des Büdinger Waldes wurde in dessen SO-Ecke spätestens in staufischer Zeit eine kleine Wasserburg angelegt. Wie bei der Herrenburg → Büdingen wird der enge Zusammenhang mit dem Reichsforst noch in dem Waldweistum von 1380 sichtbar, wonach in dem Jagdhof Hunde, Jagdwaffen und Ausrüstung bereitzuhalten waren, wenn sich der Kg. in der Pfalz Gelnhausen aufhielt.
Nach 1240 gelangte die Burg an die Erben der Dynasten von → Büdingen im Ostteil des Reichswaldes, die Herrn von → Hohenlohe-Brauneck und von Trimberg. Die brauneckischen Rechte an der Burg, die hier Erwähnung findet, wurde 1324 an die Ganerben Trimberg und I. verkauft. Die Trimberger versuchten zwar, hier einen Mittelpunkt für ihre Herrschaft zu schaffen, waren jedoch wg. ihrer Finanzschwäche gezwungen, ihren Anteil zu verpfänden. Ein an → Hanau gelangtes Drittel konnte 1377 abgelöst werden. 1435 wurde die Kirche von der Mutterpfarrei Aufenau getrennt. 1458 erscheint Gf. Diether von → Isenburg im Alleinbesitz der östlichen Teile des Waldes und damit auch der Burg W. Dem zugehörigen »Tal« waren schon 1404 die Freiheiten der Stadt → Büdingen verliehen worden, im 15. Jh. wurde eine Stadtmauer mit drei Toren errichtet. Die Burg, zu der einige Burgmannenfamilien gehörten, wurde Sitz eines Amtmanns und erhielt eine Kellerei angegliedert. Zeitw. diente W. jüngeren Söhnen als Nebenres., so ab 1477 Gf. Johann IV. (gest. 1496).
1495 wurde das Fachwerkrathaus mit einer Kaufhalle im Untergeschoß errichtet, 1511 bis 1514 ein mächtiger Glockenturm in wehrhaften Formen an die kleine Kirche angebaut, äußeres Zeichen für die Aufwertung der Stadt. Nach der Bruderteilung 1517 diente das Schloß, noch immer eine bescheidene Anlage, dem ledig gebliebenen Gf.en Diether (II.), als Wohnsitz. Nach dessen Tode Ende Jan. 1521 verblieb es bei der Ronneburger Linie des Gf.en Anton. Dieser beließ Kellerei und Hofhaltung, so daß seine Mutter Gf.in Amalie von → Rieneck W. ab 1526 als Witwensitz bis zu ihrem Tode 1543 nutzen konnte. Anton selbst hat sich des öfteren dort aufgehalten, v.a. nach seiner zweiten (unstandesgemäßen) Ehe mit Katharina Gumpel, der er in W. ein eigenes Haus einrichtete. Seinen Söhnen diente das Schloß als Interimssitz, bis sie nach 1565 eigene Res.en einrichten konnten, und auch danach noch zum gelegentlichen Aufenthalt. Trotz der Nähe zu der wichtigen Handelsstraße durch das Kinzigtal blieb die wirtschaftliche Rolle des Städtchens begrenzt, das Handwerk diente nur dem lokalen Bedarf.
Wie in anderen Schlössern, die mit dem Erbfall von 1601 an Gf. Wolfgang Ernst kamen, ließ dieser umgehend die baulichen Mängel beheben, 1606/07 auch neue Ökonomiegebäude wie Mühle und Brauhaus errichten. Nach dem Ende der hessischen Sequesterverwaltung übernahm 1643 Gf. Ludwig Arnold das vernachlässigte Schloß und leitete die nötigen Wiederherstellungsarbeiten ein. Da er unvermählt blieb, überließ er W. seinem Bruder Johann Ernst, der hier 1650 Gf.in Marie Charlotte von → Erbach heiratete und die Hofhaltung neu etablierte, bis er ins Büdinger Stammschloß umzog. In der Teilung 1687 unter seinen Söhnen fiel W. an Gf. Ferdinand Maximilian, der hier eine eigene Linie gründete (1865 kurhessischer Fs.enstand), die das Schloß bis zu einem Dachstuhlbrand 1939 bewohnte.
III.
Der ursprgl. befestigte Jagdhof lag inmitten einer künstlich geschaffenen Wasserfläche, von der sich ein Relikt in dem kleinen Schloßweiher erhalten hat. Von der ältesten Anlage sind höchstens Grundmauern erhalten, die kastellartige Form könnte in die späte Stauferzeit deuten. Im späten 14. oder 15. Jh. wurde sie zu einem trapezförmigen Vierflügelbau umgestaltet, in dessen engen Innenhof sich ein Bergfried erhob, der 1816 niedergelegt wurde. Die runden Flankentürme der Südseite und ein ehem. Kapellenraum mit Netzgewölbe gehören noch dem 15. Jh. an, sonstige Schmuckformen aus dieser Periode fehlen. Die Neuweihe der Schloßkapelle 1520 deutet auf Umbauten hin, die Gf. Diether (II.) vornehmen ließ. Anschl. ließ Gf. Anton das Schloß in Formen der Frührenaissance ausbauen. Dabei erhielt die Westfront einen halbrunden Mittelturm mit dekorativen Maßwerkblenden und den Wappen → Isenburg, → Wied und → Rieneck. Spuren von Wandmalereien deuten auf eine gehobene Innenausstattung analog zu → Büdingen hin. Nach 1650 wurde unter Gf. Johann Ernst durch Baumeister August Rumpf aus → Hanau der Nordflügel des Schlosses aufgestockt und der Innenhof mit Arkaden versehen. Im 18. Jh. kamen lediglich Nebengebäude hinzu, wie der großzügige Rentkammerbau von 1734/35 und um 1750 das »Prinzessinnenhaus«. 1816 wurde der ma. Bergfried im Hof niedergelegt, an seiner Stelle dann 1875 ein Treppenturm mit Bauteilen von der → Ronneburg errichtet. Im 19. Jh. kam es zu zahlr. Veränderungen im Innern, so daß die ältere Raumaufteilung nicht mehr zu rekonstruieren ist. Die Reste der Wassergräben wurden zugeschüttet und um das Schloß ein Park in englischer Manier angelegt, dem die nördliche Front in einfachem Stile angepaßt wurde.
Literatur
Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Cassel, Bd. 1: Kreis Gelnhausen, bearb. von L. Bikkell, Marburg 1901, S. 194-199. – Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Hessen, Tl. 2: Regierungsbezirk Darmstadt, bearb. von Folkhard Cremer, München u. a. 2008, S. 790 f. – Festschrift zur 750-Jahrfeier der Stadt Wächtersbach 1236-1986, gestaltet vom Heimat- und Geschichtsverein Wächtersbach, Wächtersbach 1986. – Sammlungen zur Geschichte von Wächtersbach, hg. vom Heimat- und Geschichtsverein Wächterbach, Bd. 1-4, Wächtersbach 1984-2007.