ISENBURG
I.
Ouenbach (977); Ovenbach (1355); Offenbach (1588). – Stadt – Herrschaft (Dreieichen-)Hain der Herren von Hagen und deren Nachfolger von Münzenberg, 1255 an die Herren, seit 1398 Gf.en von → Falkenstein, 1420 an → Sayn und → Isenburg, → Sayner Pfandschaft 1486 durch Kauf an → Isenburg. 1806 Sitz der Regierung des Rheinbundfsm.s → Isenburg, 1816 zum Großhzm. Hessen. – Res. 1559 bis 1718. – Hessen, (kreisfreie) Stadt O.
II.
Trotz günstiger Lage am Main und an der Nürnberger Geleitsstraße wird die Entwicklung gebremst durch die Vorrang der Burg Hain als Mittelpunkt des Wildbanns Dreieich und die übermächtige Nachbarschaft der Reichs- und Messestadt Frankfurt. Erst die letzten → Falkensteiner suchen das Fischerdorf aufzuwerten, so durch ein Privileg Kg. Wenzels eines Wasserzolls auf dem Main 1398 und die Einrichtung einer Münze (Goldgulden des Rheinischen Münzvereins). Unter den → Isenburgern trat O. ab 1420 zunächst wieder hinter Hain oder Langen zurück und war lediglich Sitz einer Kellerei. Bei der Teilung der Dreieich 1556 kam der O.er Bezirk an die Linie → Isenburg-Birstein, drei Jahre später überließ Gf. Reinhard, seit 1551 in zweiter Ehe mit Margarethe von → Mansfeld verh., seinem Bruder Philipp Schloß → Birstein und richtete seine Hofhaltung in O. ein. Nach seinem Tode 1568 legte der dritte Bruder, Gf. Ludwig (III.) seine Kanonikate an den Domstiften Köln und Mainz nieder und kehrte in den weltlichen Stand zurück. In der »Landteilung« von 1569 mit Philipp sicherte er sich den O.er Anteil und heiratete 1571 Anna Sybille aus dem thüringischen Gf.enhaus → Schwarzburg, um eine eigene Linie zu gründen. Nach deren Tod ging er eine zweite Ehe mit Maria von → Hohnstein ein, einer mit den Schwarzburgern eng verwandten Gf.enfamilie vom Harz. Doch die Gründung einer Dynastie mißlang. Die in den letzten Jahren wieder gesteigerten baulichen Aktivitäten muten wie ein Aufbäumen gegen die Schicksalsschläge an, die den Gf.en ereilten. Im Febr. 1586 starb seine zweite Frau, einen Monat später folgte ihr der 1584 geb. ersehnte Erbe Volkmar Wolfgang. In tiefer Resignation gab er im Aug. 1587 drei Grabmäler für die O.er Schloßkirche in Auftrag, für seine Frau und seinen Sohn und – noch ohne Inschrift – auch für sich selbst. Ludwig ist am 7. Febr. 1588 in seinem Schloß gest. Aus beiden Ehen hatten nur Töchter überlebt, die Offenbacher Fräulein, die mit den Mobilien und Kleinodien ausgestattet wurden, während der Landesteil und die neuen Bauten an den Bruder Philipp zurückfielen, der weiterhin in → Birstein residierte. Ludwig hatte eine differenzierte Hofhaltung eingerichtet, die er durch Ordnungen zu regeln suchte, nach dem Vorbild der ihm vertrauten rheinischen geistlichen Fs.enhöfe. Diese Strukturen lösten sich wieder auf, nur die Kellerei blieb bestehen. Der Sohn Philipps, Gf. Wolfgang Ernst, seit 1596 Regent in O., stellte bei einer Zusammenkunft führender Evangelischer Stände angesichts der Bedrohung durch span. Truppen im März 1599 das Schloß einigen der hohen Herren mit ihrem Gefolge als Logis zur Verfügung, während die eigtl. Verhandlungen in Frankfurt stattfanden. Seit 1601 Herr der Gesamtgft., ließ Wolfgang Ernst dann O. seine bes. Förderung angedeihen. Er stärkte Handel und Wandel, etwa durch Druckerprivilegien, nahm 1612 auch aus Frankfurt vertriebene Juden auf. Im Schloß wohnte er nur selten, bevorzugt zu Zeiten der Frankfurter Messen. 1609, endgültig 1619, überließ er O. mit dem Schloß seinem ältesten Sohn, Gf. Wolfgang Heinrich (1588-1635), der dort wieder residierte. Dessen Enkel, Gf. Johann Philipp (1655-1718), bevorzugte im Alter ein bequemes Landschlößchen im Thiergarten bei Götzenhain, später Philippseich gen. Als nach seinem Tode 1718 die O.er und Birsteiner Gebiete wieder zusammenfielen, verlor Schloß O. seine Res.funktion.
III.
1267 wird ein Steinhaus mit Wall und Graben der Ministerialen von Ovenbach erwähnt, ein erster Hinweis auf eine kleine Niederungsburg am Main. Deren Nachfolger, die Herren von Wasen, verkauften 1424 ihre Burg an die neuen Territorialherrn Dieter von I. und Anna von → Sayn. Es handelt sich dabei wohl nicht um den Vorläufer des Schlosses, denn dicht daneben hatten die Gf.en von → Falkenstein gegen den Widerstand der Stadt Frankfurt mit dem Bau einer neuen Wehranlage begonnen. Gf. Reinhard von I., der schon in → Birstein eine umfangr. Bautätigkeit entfaltet hatte und 1559 nach Of. übersiedelte, begann dort umgehend die ältere Anlage umzubauen. Auf den vorhandenen Steinbau (steinen Stock) wurde ein Fachwerkgeschoß gesetzt, die runden Ecktürme erhielten »welsche Hauben«, neben einer Kellerei wurden weitere Wirtschaftsgebäude angegliedert. 1564 brach ein Brand aus, der die Gebäude teilw. zerstörte. Doch wurde sogleich mit dem Wiederaufbau begonnen, in repräsentativeren Formen unter Mitwirkung von Steinmetzen aus Süddeutschland. Gf. Reinhard starb 1568 bevor die Arbeiten abgeschlossen waren. Ihm folgte 1569 sein Bruder Ludwig (III.), der eine Neuplanung vornahm. Der Hauptflügel am Main erhielt eine großartige Fassade zum Hof im S, mit einer Front gestaffelter Loggien und reichem Skulpturenschmuck. Figuren der Planeten und Allegorien der Tugenden und Wissenschaft umgaben ein Wappenprogramm, eine heraldische Ahnenreihe der Häuser → Isenburg und → Schwarzburg, mit welcher der einstige Domherr die Gründung eines eigenen Familienzweiges augenfällig demonstrieren wollte. Mit der dynastischen »Memoria« nahm er deutlich die Tradition der Wappenbilder seines gleichnamigen Großvaters in → Büdingen wieder auf.
Als leitender Baumeister erscheint seit 1570 Ludwig Kempf, Hofbaumeister der Gf.en von → Nassau aus der walramschen Linie. Er war zuvor und mit Einschränkungen auch weiterhin am Schloßbau in → Weilburg tätig, konnte in O. daher nicht ständig vor Ort sein, wo Werkmeister, wie der bis 1575 gen. Hans Ballierer, seine Planungen umsetzten. Der erfahrene Kempf vermittelte auch eine Anzahl von Bauhandwerkern aus nassauischen oder solmischen Gebieten, darunter der aus → Weilburg bekannte meisterliche Steinmetz Hans von Gleiberg. Zu der Schloßanlage in Renaissancemanier sollten nach nassauischem Vorbild auch Gartenanlagen gehören, eine Kombination von Nutz- und Lustgarten, für die 1572 aus Saarbrücken ein Gärtner erbeten wurde. Um 1583 kamen die Arbeiten am Kernbau zum Abschluß, 1587 wurde aber noch ein repräsentativer Bergfried errichtet, eigtl. ohne fortifikatorischen Wert. Von diesem in den Baurechnungen dokumentierten Rundturm, der auch auf den älteren Darstellungen erscheint, hat sich nichts erhalten, wie überhaupt der Schloßflügel am Main nur einen Torso der Gesamtanlage darstellt. Weitere Wirtschaftsgebäude kamen hinzu und die Wassergräben um die Anlage wurden geschlossen. Gf. Wolfgang Heinrich ließ das 1609 von ihm bezogene Schloß angesichts der sich abzeichnenden Kriegsgefahr bastionär befestigen.
Literatur
Decker, Klaus-Peter: Zur Baugeschichte des Isenburger Schlosses in Offenbach, in: Perle der Renaissance. Das Isenburger Schloß in Offenbach am Main, hg. von PraeLudium. Förderkreis Musik im Zentrum Offenbach. Regensburg 2006, S. 11-28. – Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Hessen, Tl. 2: Regierungsbezirk Darmstadt, bearb. von Folkhard Cremer, München u. a. 2008, S. 651 ff. – Jöst, Friedrich: Offenbach am Main in Vergangenheit und Gegenwart, Offenbach am Main 1901. – Kunstdenkmäler im Großherzogtum Hessen. A. Provinz Starkenburg. Kreis Offenbach, bearb. von Georg Schäfer, Darmstadt 1885, S. 130-150. – Pirazzi, Emil: Bilder und Geschichten aus Offenbachs Vergangenheit, Offenbach 1879. – Schrod, F(riedrich): Ein Fürstentag im alten Offenbach (1599), in: Alt-Offenbach 13 (1937). – Tausend Jahre Offenbach 977-1977, hg. vom Offenbacher Geschichtsverein, Offenbach 1977 (Offenbacher Geschichtsblätter, 26/27). – Timm, Willy: Die mittelalterliche Burg zu Offenbach, in: Alt-Offenbach. NF 2 (1979) S. 5-8.