ISENBURG
I.
Miroldes (1173); Merults (1349); Haus Merholtz (1566); Meerholtz (1694). – Dorf und Kl.siedlung – Reichsgut unter Vogtei der Herren von → Büdingen; Gericht Selbold unter den Büdinger Erben, seit 1565 Mittelpunkt eines eigenen Gerichts der Gft. → Isenburg – Schloß als Umbau eines Frauenstifts – Als Res. in der zweiten Hälfte des 16. Jh.s geplant, zeitweiliger Wohnsitz, Wwe.nsitz, 1687 Res. der Linie → Isenburg-M. bis 1929 – Hessen, Main-Kinzig-Kr., Gmd. Hailer-M., seit 1974 Stadtteil von Gelnhausen.
II.
Die Siedlung nahm ihren Ausgang in dem am Fuße des Heiligenkopfes über der Aue der Kinzig errichteten Kl. Vermutlich zunächst mit dem 1108 gegr. Prämonstratenserstift Selbold in Form eines Doppelkl.s verbunden, wurde es dort nach 1158 als räumlich getrenntes Frauenstift neu eingerichtet. Dabei entwickelt sich das gleichnamige, 1302 erstmals gen. Dorf, von dessen Ortsbefestigung sich ein Rundturm des 15. Jh.s erhalten hat.
Das nur noch mit drei Nonnen besetzte Kl. wurde 1554 unter Gf. Anton von I. aufgehoben. Bei der Teilung 1565 kam M. endgültig an Gf. Georg. Obwohl dieser Schloß → Wächtersbach bewohnte, plante er einen Umbau des Kl.s, vermutlich wg. der anmutigen Lage und der Verkehrsgunst des Kinzigtals. Schon 1566 wurde mit dem Bau begonnen, in den bis 1567 mehr als 4000 Gulden flossen, teilw. aus dem Heiratsgut der Gf.in finanziert.
Mit der Errichtung eines Turmes und der geplanten Umwehrung mit Mauern und Graben provozierte er jedoch die nahe Reichsstadt Gelnhausen. Unter Berufung auf ein Privileg Ks. Ludwigs des Bayern, das 1429 von Kg. Sigmund erneuert worden war und den Bau von Burgen oder Befestigungen innerhalb eines bestimmten Bereichs verbot, strengte die Stadt, genauer deren einflußreiche Pfandherren Kurpfalz und → Hanau, einen Prozeß vor den Reichsgerichten gegen das Vorhaben an. Sie erwirkten 1568 ein Mandat Kg. Maximilians, das den Weiterbau bei Strafe verbot. Gf. Georg focht das Urteil zwar an, wollte sich jedoch nicht auf einen langen Rechtsstreit einlassen. Er änderte seine Planungen völlig und begann 1569 mit der Errichtung des Oberhofs in → Büdingen (siehe dort).
Über das weitere Schicksal der »Bauruine« fehlen Forschungen. Nach dem Tode Georgs wurde M. im Erbvertrag vom 28. Juni 1578 der Herrschaft des Bruders, Gf. Wolfgang zugeschlagen, der im Amt Langen in der Dreieich mit dem Bau des Schlosses → Kelsterbach begonnen hatte. Dieser hat den Bau später beendet, vermutlich eher als Provisorium, denn als Wohnsitz wurde M. zunächst nicht benötigt. Erst im 17. Jh. erfolgte die Entwicklung zur Res. Die verwitwete Gf.in Marie Charlotte zu → Isenburg, geb. Gf.in zu → Erbach, richtete hier nach 1673 ihre Hofhaltung ein und begann mit einer tatkräftigen Wiederaufbaupolitik im merkantilen Geist. In der Hausteilung von 1687 unter ihren vier Söhnen fiel M. an Gf. Georg Albrecht und wurde nun Sitz einer eigenen gfl. Linie bis zu deren Ausgang mit Gf. Gustav i.J. 1929. Westlich vom Schloß entstand um 1700 ein zweiter Adelssitz als »freiadeliges Gut« der Patrizierfamilie von Günderrode, das 1783 von der regierenden Gf.in Caroline auf eigene Rechnung gekauft wurde. Dieses sog. Palais, ein schlichter Barockbau, der 1894 durch den Büdinger Hofbaumeister Victor Melior historisierend umgestaltet wurde, trägt zusammen mit einigen herrschaftlichen Gebäuden in der Neugasse bis heute zum Res.charakter des Ortes bei. Er wird v.a. geprägt durch den Schloßbezirk mit Kirche und ausgedehntem Park, der 1834 durch den hannoverschen Gartenarchitekten Engelbrecht im englischen Stil erneuert wurde. Das Schloß und sein Areal, ohne die Schloßkirche und das Mausoleum von 1818 im Park, wurde 1942 an die Stadt Frankfurt verkauft, die dort ein Altenpflegeheim unterhält.
III.
Die leitenden Handwerker für den Schloßbau erhielten im Febr. 1566 ihre Gedinge: Wilhelm Linhardt, Steinmetz und Bürger zu Hanau, als Werkmeister, und der Büdinger Zimmermeister Hans Gabriel. Die Vierflügelanlage lehnt sich an die Gestalt des inneren Kl.komplexes mit Kirche und Klausur an, der Kreuzgang wurde zum geschlossenen Innenhof. Dies geht aus zwei Zeichnungen hervor, die sich bei den Prozeßakten mit der Stadt Gelnhausen erhalten haben. Sie zeigen den Zustand des kleinen Kl.s und in gleicher Ansicht den (geplanten) Schloßbau, noch ohne größere Änderungen bei den Wirtschaftsgebäuden. Von der Kirche wurde nur der Chorbereich als Schloßkapelle genutzt, während das ausgedehnte Langhaus zu dem eigtl. Wohntrakt umgestaltet wurde. In die beiden Winkel zum Innenhof wurden Wendeltreppen eingefügt, eines der Renaissanceportale blieb erhalten, es zeigt Medaillons mit den Porträts der Erbauer, Gf. Georg und Gf.in Barbara. Im SO wurde an die Kirche ein Rechteckturm angebaut, mit Plattform und Maßwerksbrüstung. Das von einem Löwen gehaltene Wappen verdeutlicht die repräsentative Funktion. Türmerstube und Laterne kamen hinzu, als der Turm später als Glockenturm der Schloßkirche diente. Die weitere Baugeschichte ist noch kaum erforscht. Nach der Fertigstellung unter Gf. Wolfgang seit 1578 werden erst 1643 wieder Arbeiten erwähnt. Unter Gf. Georg Albrecht erfolgten seit 1684 größere Baumaßnahmen durch eine Erweiterung nach W mit einem großen Innenhof und einem Tor nach S. Unter Gf. Carl (1819-1900) wurde der Schloßbau seit 1850 klassizistisch und neugotisch überformt, schließlich erfolgte unter Gf. Gustav (gest. 1929) und seiner kunstsinnigen Gattin Thekla geb. Gf.in → Schönburg-Waldenburg in den Jahren 1901-1909 ein letzter Ausbau durch den Aschaffenburger Stiftsbaumeisters Henfling, mit dem »Großen Turm« und einem Prachterker am Langenbau in Neorenaissance-Formen.
Literatur
Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Cassel, Bd. 1: Kreis Gelnhausen, bearb. von L. Bikkell, Marburg 1901, S. 159-161. – Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Hessen, Tl. 2: Regierungsbezirk Darmstadt, bearb. von Folkhard Cremer, München u. a. 2008, S. 575 f. – Decker, Klaus-Peter: Kloster Meerholz. Vom Frauenstift zur Schloßkirche, in: Mitteilungsblatt Heimatstelle Main-Kinzig-Kreis 2 (1983) S. 4-6. – Lacher, Ute/Hanselmann, Kurt: Schloßkirche und Schloß Meerholz mit Park, Gelnhausen-Meerholz 2004. – Palais Meerholz 1697-1997, hg. von Werner Weiglein, Gelnhausen-Meerholz 1997. – Zichner, Rudolf A.: Schloß Meerholz. Das Landheim der Mittelschulen der Stadt Frankfurt am Main, Frankfurt am Main u. a. 1942.