Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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ISENBURG

C. Isenburg – Residenzen

Die Sitze der Nieder-I.er Linien sollen im folgenden nur summarisch gen. werden. Die namengebende Stammburg im Sayntal blieb mit vier Burghäusern auf engstem Raum im Gemeinschaftsbesitz. Ganz in der Nähe errichtete Heinrich von I. zu Beginn des 13. Jh.s. Burg Grenzau (Gransioie), unweit davon lag auch Burg Braunsberg. Die um 1258 bei Hönningen am Rhein errichtete Burg Arenfels war ebenfalls Sitz einer Nebenlinie. Kobern mit der Ober- und Niederburg hat durch die erwähnte Burgkapelle St. Matthias einen hohen Stellenwert in der Kunstgeschichte. Zu den weiteren Anlagen, die sich ganz oder in Teilen im Besitz der Familie befanden zählen Alt-Wied, Kempenich in der Eifel, die Schaumburg bei Diez, die Wasserburg Herschbach, die 1361 als Reichslehen erworbene Burg Vilmar und der benachbarte, heute verschwundene Gretenstein. Meist handelte es sich um einfache Wohnburgen, aber doch mit Besonderheiten wie dem Dreiecksturm der Grenzau. Die späteren Zerstörungen, welche die rheinischen Burgen fast ausnahmslos trafen, lassen vieles im Dunkeln. Eine Sonderstellung nimmt der ausgedehnte befestigte Stifts- und Burgbereich in → Limburg ein, in Nachfolge des schon 942 erwähnten castellum auf steilem Fels über der Lahn. Hier errichteten die Herren von → I.-Limburg im 13. Jh. einen Wohnturm, an den sich eine Kapelle anschloß. Nach 1379 folgte ein großer Saalbau im S des Burghofs für die gewandelten Wohnbedürfnisse. Im Bereich des durch eine Mauer und Türme geschützten Burgfriedens lagen neben den Stiftsgebäuden auch Burgmannensitze. Grablege wurde das 1232 von der Familie gegr. Franziskanerkl. Nach dem Tode Johanns II. 1406 gelangte die Herrschaft an Kurtrier, die Burg wurde Amtmannssitz.

Im Ober-I.er Territorium fungierte → Büdingen bis zum Tode Gf. Ludwigs II. 1511 als zentrale Res. Die anderen Burgen und »festen Häuser« dienten als Verwaltungssitze und mit den zugehörigen Kellereien der Ökonomie. Einzelne wurden gelegentlich als Etappenstation genutzt, so das günstig gelegene Schloß Hain in der Dreieich. Häuser an der Peripherie, wie Cleeberg oder Assenheim wurden bevorzugt als Witwensitze eingesetzt, dienten bisweilen auch als Pfandobjekte für Kredite. Einen Sonderfall bildet die »geistliche Res.«, die Ludwig II. um 1480 in Form eines separaten Konventsgebäudes im Hauskl. Marienborn für seine vier dort lebenden Töchter errichten ließ.

Als ein Bruder Ludwigs, Gf. Johann (IV.), den geistlichen Stand verließ und auf einen eigenen Haushalt drängte, mußte ihm das verpfändete (Mainzer) Schloß Steinheim und dann 1477 → Wächtersbach zur »Leibzucht« eingeräumt werden. Auch die für die nächste Generation im Testament von 1488 vorgesehene strenge Nachfolgeregelung sollte obsolet bleiben. So erbaute sich der jüngste Sohn, der eigenwillige Gf. Johann (V.), eine Art Stadtres., das »Steinerne Haus«. Mit dem Hausstreit nach dem Tode Ludwigs 1511 wurden bald Nutzungsbezirke, separate Hofhaltungen und eigenständige Res. unausweichlich. Die Ausdifferenzierung ging unter den Nachfolgern weiter, da sich alle Brüder in beiden Linien als gleichberechtigt betrachteten.

Im folgenden werden nur die eigtl. Res. betrachtet, mit dem bekannten Zug der »Verspätung« gegenüber Fs.enhöfen der Renaissance.

Die übrigen Sitze seien lediglich gen.: Assenheim in einer Gemeinherrschaft mit → Solms, Cleeberg, das den Charakter einer Ganerbenburg behielt, Hain in der Dreieich, an dem → Hanau zu einem Sechstel beteiligt war, das gänzlich verschwundenen Schlößchen Langendiebach, Petterweil als befestigter Amtmannssitz mit Kellerei, (Langen-) Selbold, im Gebäudekomplex eines aufgehobenen Chorherrenstifts, Spielberg, eine wasserumwehrte Verwaltungsburg, zugl. Jagdstation, Villmar an der Lahn, das 1565 an Kurtrier verkauft wurde, Wenings, ein befestigtes Hofgut, aus einer kleinen Burganlage entstanden. Daneben bestand in Mainz ein aus mehreren Häusern zusammen gewachsener größerer Stadthof, der den Gf.en als Kurmainzer Amtsträgern als temporärer Wohnsitz diente und schließlich bis 1568 als Domherrenhaushalt von Gf. Ludwig (III.) erscheint.