HOLSTEIN-SCHAUMBURG-GEMEN
I.
Castro Sassenhagen (1253); Sasenhagen (1284); Sachsenhagen (1527). Die um 1250 entstandene Wasserburg der Askanier wurde zur Verwaltung umliegenden Besitzes mit einem Vogt besetzt. Im 13. Jh. sind mehrere Burgmannen bezeugt, ab 1306 auch mehrere »von S.«. Seit 1297 war die Burg im Besitz der Gf.en von → Holstein-Schaumburg, die 1407 der nördlich gelegenen Siedlung Fleckenrechte erteilten. 1595-1601 diente das Schloß als Residenz des Mitregenten Gf. Ernst zu → Holstein-Schaumburg und 1622-1634 als Res. von Gf. Hermann aus der Nebenlinie → Gemen der → Holstein-Schaumburger. Um 1600 wurde die Burg auch Sitz eines Amtmanns und diente als Sitz eines Amtmanns (später Vogts) bis zum Anfang des 19. Jh.s.
II.
Die Burg S. liegt in der Mündung zwischen Aue und Ziegenbach. Nördlich der Aue entstand die Siedlung S. im früheren Dülwald, der im 13. Jh. gerodet wurde. Der befestigte Ort war räumlich von der Burg getrennt. Ort und Burg liegen abseits der älteren Verkehrswege, von überregionaler Bedeutung war allerdings der Hellweg, der durch das etwa 10 Kilometer entfernte → Stadthagen führte.
1391 wird ein suburbium erwähnt, vermutlich die Vorburg. 1407 erhielt der Ort durch Gf. Adolf zu → Holstein-Schaumburg Fleckenrechte, 1650 durch Lgf.in Amalie Elisabeth von Hessen Stadtrechte, nachdem Ort und Burg 1647 an die Grafschaft Hessen gefallen waren. Nach einem Fleckenstatut von 1561 gab es ein sechsköpfiges Ratskolleg mit einem jährlich wechselnden Bürgermeister. Seit 1560 übte der Flecken die niedere Gerichtsbarkeit in der Befestigung und vor den Toren aus. Der Ort umfaßte 1549 63 und 1651 92 Haushalte, er war rein landwirtschaftlich geprägt, mit einer 1391 erstmals genannten zur Burg gehörenden Mühle. Unter den städtischen Siedlungen Schaumburgs war sie die kleinste und am wenigsten bedeutende.
Seit 1391 ist eine Burgkapelle belegt, die zunächst wohl zur Pfarrei Lindhorst, um 1600 dann zur Pfarrei Bergkirchen gehörte. Erst 1656 wurde die Pfarrei selbständig unter dem Archidiakonat Obernkirchen.
III.
Über die ältere Baugeschichte der Burg ist nur sehr wenig bekannt. Der mittelalterliche Wohnturm, mit kräftigem Mauerwerk auf fast quadratischem Grdr. vermutlich im 14. Jh. errichtet, wurde um 1565 von Baumeister Jacob Kölling zur Zeit des Gf.en Otto IV. umgebaut und mit neuen Fenstern sowie einem Treppenturm (ähnlich dem Schloß → Stadthagen) versehen. Aus den sechs Jahren (1595-1601), als S. dem späteren Fs.en Ernst zu → Holstein-Schaumburg als Res. diente, stammen Bauelemente im Renaissancestil, von denen heute nur noch wenige Reste erhalten sind. Auch dem Turm wurde ein Treppenturmportal in Renaissanceformen zugefügt. Aus dieser Zeit stammt auch das zweigeschossige Amtshaus mit einem prächtigen Säulenportal, später als Wohngebäude verändert. Es wird vermutet, daß der flandrische Bildhauer Johann Robyn (etwa gleichzeitig in → Stadthagen tätig) Steinmetzarbeiten durchführte.
1495 stifteten die Gf.en zu → Holstein-Schaumburg eine Burgkapelle. Sie wurde 1609 bei einem Brand zerstört.
Von der Burg sind heute nur noch zwei Gebäude vorhanden. Der massive Wohnturm wird gelegentlich für Veranstaltungen genutzt, das Amtshaus daneben ist ein privates Wohngebäude.
1607 wurde ein Rathaus als zweigeschossiger Bruchsteinbau errichtet, erst 1671 eine städtische Kirche (gotische Saalkirche) außerhalb der Befestigungen erbaut.