HOHENZOLLERN
I.
Sigimaringen (chronikalisch M. 12. Jh. zum Jahr 1077), Sigemaringen (12. und 13. Jh.); der Ortsname ist von dem Personennamen Sigmar abzuleiten. Die Stadt an der oberen Donau, heute Kreisstadt, war Res. der Gf.en von → Werdenberg und der Gf.en bzw. Fs.en von → Hohenzollern-S.
II.
Die Stadt ging aus dem Burgflecken einer Burg hervor. Diese war im 11. Jh. auf einem steilen Felsen rechts der Donau erbaut worden (1077 erstmals in schriftlichen Quellen erwähnt) und hatte ihren Namen von einem gleichnamigen Dorf 4 km donauabwärts (heute S.dorf) erhalten. Nach der Burg nannten sich Gf.en, die sicher meist auch auf der Burg saßen. Gf. Gebhard von S. aus dem Geschlecht der Herren von Peutengau gründete um 1250 die Stadt. Bis weit ins 19. Jh. hinein hatte sie eine schlechte Verkehrslage, liefen doch wichtige Straßenverbindungen über die Schwäbische Alb westlich und östlich an S. vorbei.
Zwischen 1287 und 1290 gelangte S. an die Habsburger, die es jedoch 1323 an die Gf.en von Württemberg verpfänden mußten. Um die Mitte des 14. Jh. ging der Sigmaringer Pfandbesitz in das Eigentum der Gf.en über. Württemberg verpfändete S. seinerseits 1399 an die Gf.en von → Werdenberg, die es 1459 als Eigentum erhielten. Zusammen mit der Gf.schaft S. fiel die Stadt aufgrund eines Vertrages von 1482 nach dem Aussterben der → Werdenberger 1534 an das Haus Habsburg, das die Gf.schaft im folgenden Jahr als Lehen an die Gf.en von → Hohenzollern weitergab. Die Stadt verstand es in der Folgezeit immer wieder, den Stadtherren gegen den Lehensherren zu ihren Gunsten auszuspielen.
Ein Schultheiß wird in den 1270er Jahren erstmals gen. Der aus zwölf Mitgliedern bestehende Rat war zugl. auch Gericht. Zu kommunalpolitischen Entscheidungen konnten Vertreter der Gmd. hinzugezogen werden, die Sechser.
Das Stadtrecht wurde in den 1370er Jahren unter Einbeziehung einer früheren Fassung schriftlich fixiert. Stadtherr und Stadt ersetzten es 1460 durch eine neue Stadtordnung. Danach waren die Bürger, selbst wenn sie leibeigen waren, vom Hauptrecht befreit und hatten das Recht des freien Zuges.
Zu Beginn des 17. Jh.s kam es zu Differenzen der Stadt mit Gf. Johann von → Hohenzollern, als dieser u. a. die Forsthoheit auf die städtischen Waldungen ausdehnen wollte, ein Genehmigungsrecht für Heiraten und Bürgeraufnahmen beanspruchte und von den Bürgern Jagdfronen verlangte. Unter habsburgischer Vermittlung wurde der Konflikt schließlich mit dem sog. Innsbrucker Vertrag von 1619 und einer neuen Stadtordnung von 1623 beigelegt.
Spätestens mit dem Übergang an Habsburg hatte die Sigmaringer Burg ihre Funktion als Sitz eines Hochadelsgeschlechtes verloren.
Erst die Gf.en von → Werdenberg machten S. wieder zu einem Adelssitz. Die Burg wurde Ende des 15. Jh. ausgebaut, die Stadt erweitert. Nach dem Übergang an → Hohenzollern wurde S. Res. des Gf.en Karl I. und nach dessen Tod 1576 der Linie → Hohenzollern-S. Grablege wurde die beim Schloß gelegene Stadtkirche, die zwischen 1580 und 1605 einen Neubau erhielt. Nachgeborene Kinder wurden auch im nahen Kl. Hedingen beigesetzt. Gf. Karl II. (1576-1606) ließ außerhalb der Res.stadt S. kleinere Schlösser in Langenenslingen und (an Stelle einer alten Wasserburg) in Krauchenwies errichten.
Die Stadt hatte in der zweiten Hälfte des 16. Jh.s knapp 1000 Einw. (1597: 199 Steuerhaushalte einschließlich des Hofgesindes). Namentlich im Bereich der Hofmusik gab es enge Beziehungen zwischen Stadt und Hof, indem Mitglieder der Hofkapelle auch wichtige städtische Ämter bekleideten oder als Schulmeister wirkten.
Der 1606 an die Regierung gelangte Gf. Johann, der 1623 in den Reichsfs.enstand erhoben wurde, und sein Sohn Meinrad standen in bayerischen Diensten und regierten ihr Land überwiegend von ihren bayerischen Amtssitzen aus, so daß S. erst wieder in der zweiten Hälfte des 17. Jh.s dauerhaft Res. wurde, nachdem Meinrad 1658/59 die im Dreißigjährigen Krieg abgebrannten Teile des Schlosses hatte wiederaufbauen lassen.
Fs. Joseph Friedrich residierte ab 1747 bis zu seinem Tod 1769 in → Haigerloch, beließ aber die zentralen Hof- und Verwaltungsbehörden in S. Gleiches gilt für seine Nachfolger, die zeitw. Krauchenwies zumindest als Sommerres. den Vorzug gaben. Im letzten Drittel des 18. Jh.s wurde dort das Schloß in frühklassizistischen Formen zu einer dreiflügeligen Anlage mit Kapelle umgebaut und erweitert sowie ein Marstall errichtet, im 19. Jh. wurde ein englischer Landschaftsgarten mit einem nach Plänen des Architekten Rudolf Burnitz verwirklichten herrschaftlichen Landhauses angelegt.
Nachdem die beiden hohenzollerischen Fsm.er von der Mediatisierung 1806 verschont worden waren, wurde S. in den 1830er und 1840er Jahren zu einer zeitgemäßen Res.stadt ausgebaut mit repräsentativen Verwaltungsgebäuden, einem Prinzenbau und einem Ständehaus. Letztere bilden zwei Seiten eines neu angelegten Platzes.
Im Gefolge der Revolution von 1848/49 trat Fs. Karl Anton sein Fsm. an Preußen ab. S. blieb aber Sitz der fsl. Verwaltung und – mit Unterbrechungen – des Fs.en.
III.
Von der ma. Burg sind bis heute der untere Teil des Bergfrieds mit dem anstoßenden Toreingang, ein Teil der Außenwand des ehem. Palas mit Bogenfries und Reste der Ringmauer erhalten. Um 1500 (Bauinschrift 1498 auf einem Türsturz) erweiterten die → Werdenberger die alte Burg. Sie ließen den Zugang mit einem vorgeschobenen, von zwei Rundtürmen flankierten zusätzlichen Tor stärker sichern und im nordöstlichen Burghof zwei neue Gebäude aufführen, die durch einen kleinen Hof voneinander getrennt waren.
Um 1580 wurde die Auffahrt zwischen den beiden Toren überwölbt und in der ersten Hälfte des 17. Jh.s der ganze Bereich durch einen Bau des Dillinger Baumeisters Hans Alberthal überbaut. Unter dessen Bauleitung wurden ferner u. a. auch der Schloßhof gepflastert und eine Schreibstube für den Fs.en errichtet.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg vereinigte der Baumeister Michael Beer die beiden im Krieg zerstörten werdenbergischen Gebäude im Nordosten einschließlich des dazwischen liegenden Hofes unter einem einheitlichen Dach.
Im 18. Jh. baute man außerhalb des Schlosses einen Marstall, gestaltete die Innenräume des Schlosses neu und schuf einen Ahnensaal. Im sog. Jagdzimmer hält ein Gemälde von 1753 eine fsl. Hirschjagd unterhalb der reichsritterschaftlichen Burg Hornstein im Bild fest. Ein Gemälde des Sigmaringer Malers Meinrad von Au über dem Tor stellt dar, wie Bgf. Friedrich von Nürnberg Rudolf von Habsburg die Erwählung zum römischen Kg. überbringt. Vor dem Hintergrund der Lehensbindung zum Hause Habsburg sollte es auf die Verdienste des Fs.enhauses um das Haus Habsburg und zugl. auf die Stammverwandtschaft zum preußischen Kg. hinweisen.
1815 wurde ein Kavaliersbau an das Schloß angebaut, 1867 im Zuge größerer Umbaumaßnahmen ein Museumsbau (»Galeriebau«). Nach einem Brand 1893 erfolgte ein Wiederaufbau der östlichen Teile nach Plänen Emanuel von Seidls, der als südlichen Abschluß des Burghofes auch die »Portugiesische Galerie«, einen großen Saal, entwarf.
Unterhalb des Schlosses lag außerhalb der Stadtmauer der rechteckige Hofgarten. Eine Ansicht von 1587 zeigt, daß er von einer Hecke umgeben war. An drei Ecken befanden sich Rundtürme, an der vierten ein Gebäude. Ein zweigeschossiges quadratisches Lusthaus im Garten war mit Erkern im ersten Stock geziert.