Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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HOHENZOLLERN

C. Hohenzollern

I.

Zolorin (chronikalisch 11. Jh., in späteren Abschriften überliefert), Zolre (12. und 13. Jh.), Hohenzoller (seit dem 14. Jh.); die Etymologie ist unklar. Die südlich der Stadt → Hechingen auf einem kegelförmigen Zeugenberg vor der Schwäbischen Alb gelegene Burg (heute zur Gmd. Bisingen, Zollernalbkr., gehörend) war bis in das 16. Jh. Sitz der Gf.en von → H.

II.

Die Burg H. dürfte im 11. Jh. entstanden sein. Eine Adelsfamilie, die nach der Burg benannt wurde, ist erstmals für das Jahr 1061 belegt. Diese ist mit ihren beiden Linien, den Häusern Preußen und → H., bis heute im Besitz der Burg. 1423 wurde die Burg nach zehnmonatiger Belagerung von einem Heer schwäbischer Reichsstädte und Württembergs eingenommen und zerstört. Mit politischer Rückendeckung des habsburgischen Ehzg.s Albrecht von Österreich und des Mgf.en Albrecht Achilles von Brandenburg-Ansbach konnte Gf. Jos Niklas von → H. ab 1454 den Wiederaufbau in Angriff nehmen. Wie die Auswertung von Inventaren zeigt, war die Burg Hauptwohnsitz der Gf.en von → H. bis ins 16. Jh., um dann von dem Stadtschloß in → Hechingen bzw. dem Schloß → Sigmaringen abgelöst zu werden.

Zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges erfolgte der Ausbau zur modernen Festung mit Bastionen. Österreich sicherte sich 1667 ein Öffnungsrecht und unterhielt eine Besatzung. In der zweiten Hälfte des 18. Jh.s verlor die Festung ihre milit. Bedeutung, so daß Österreich 1771 den Öffnungsvertrag kündigte. Es wurden keine Bauunterhaltungsmaßnahmen mehr durchgeführt und die Festung verfiel zunehmend. Sie wurde nun das Ziel von Touristen, die das Stammhaus der preußischen Kg.e besuchen wollten. Dank der finanziellen Unterstützung durch Preußen wurde die Anlage in den 1820er Jahren im Sinne der damaligen Ruinenromantik umgestaltet. Teile wurden gesprengt und so erst zur Ruine gemacht, ein Aussichtsturm wurde gebaut und das Zeughaus als Museum hergerichtet. Deutliche Bezüge zu Preußen in Baudetails (der preußische Adler über dem Kapellenportal; ein Fenster im Zeughaus in der Form des Eisernen Kreuzes) erfüllten sowohl die Erwartungen der Touristen als auch die des Geldgebers. Trotzdem empfanden die Zeitgenossen die Lösung als unbefriedigend. Seit den 1830er Jahren gab es deshalb Überlegungen, die Burg vollständig wiederaufzubauen und so ein wichtiges geschichtliches und dt.-nationales Denkmal zu schaffen, wie sich der Erbprinz Karl Anton von → H.-Sigmaringen 1845 ausdrückte. Treibende Kraft war der schles. Adlige Rudolph von Stillfried-Rattonitz. Ein 1846 geschlossener Vertrag zwischen Preußen und den schwäbischen → H. regelte die Verteilung der Baukosten. Die Revolution von 1848/49 unterbrach die begonnenen Arbeiten und brachte eine Änderung in den Planungen: Der H. sollte nun auch als milit. Stützpunkt reaktiviert und Symbol des Sieges über die Revolution werden. Die Bastionen wurden deshalb auf den Grundrissen des 17. Jh.s völlig erneuert, und der preußische Festungsarchitekt Moritz von Prittwitz schuf in einer architektonischen Meisterleistung eine Auffahrt auf engstem Raum, so daß nunmehr erstmals auch schwere Wagen und Geschützlafetten in die Festung fahren konnten. Architekt des Hochschlosses war der Berliner Hofarchitekt Friedrich August Stüler. Stüler ließ von der alten Anlage nur die gotische Burgkapelle stehen und verwirklichte ansonsten mit seinen Planungen, in die auch der an der Architektur regen Anteil nehmende Kg. Friedrich Wilhelm IV. von Preußen eingriff, eine eigene Schöpfung in neugotischem Stil. Dabei orientierte er sich frei an Vorbildern aus England (Hampton Court), Frankreich (Ste. Chapelle Paris; Loireschlösser), Italien (Verona) und Dtl. (Burg Eltz, Marienburg, Naumburg).

Nach Fertigstellung der Innenausstattung wurde die neue Burg am 3. Okt. 1867 von Kg. Wilhelm I. von Preußen eingeweiht. Als nationaldynastisches Denkmal sollte sie den Anspruch Preußens auf die dt. Ks.krone untermauern.

III.

Bei den Bauarbeiten des 19. Jh.s wurden Fundamente und Bauwerkreste freigelegt, die Rückschlüsse auf die Gestalt der ma. Burgen erlauben. Die 1423 zerstörte Burg verfügte über einen frei im Burghof stehenden nahezu quadratischen Wohnturm, dessen Mauer eine Außenlänge von ca. 11 m aufwies. Von der Burgkapelle, die sich wohl bereits an der Stelle der heutigen Michaelskapelle befand, sind drei romanische Steinreliefplatten bis heute erhalten. Die Ringmauer hatte die Form einer Ellipse, die auf der Ostseite, der Zugangsseite, abgeschnitten war. Die halbrunden Türme in der Ringmauer, die Stillfried und nach ihm die weitere Literatur für diese Burg annahmen, dürften erst der nach 1454 erbauten zweiten Burg zuzuordnen sein. Hinter der Ostmauer befand sich ein Brunnenturm. Neun Meter unter dem Bodenniveau des Burghofes war im O eine Vorburg angelegt, die mit ihren drei Rundtürmen und dem Torhaus den Zugang sicherte.

Bei der wiederholt modernisierten Anlage des 15. und 16. Jh.s gruppierte sich ein Gebäudekomplex im N, W und S hufeisenförmig um den Burghof. Vier Wehrtürme traten halbrund aus der Mauerflucht hervor: der Ks.turm im N, der Bf.sturm und der Mgf.enturm im W und der Kanzleiturm im S. Unter den Gebäuden befanden sich zwei übereinanderliegende Reihen von Kasematten. Im östlichen Bereich stand ein separates Wohnhaus sowie der Torturm. Wohnräume für die gfl.e Familie, Räume für die Kanzlei, die 1461 geweihte repräsentative Michaelskapelle sowie – lt. einem Inventar von 1512 – die Unterbringung des Archivs und das Vorhandensein größerer Mengen Silbergeschirrs zeigen die Funktion der Burg als spätma. Res.